Warum fühlst Du nicht, was ich fühle?

Ich gab einen Workshop zum Thema „Achtsamkeit und Intuition“ und gegen Ende gab es eine Frage-Runde. Ich erzählte zur Veranschaulichung von „Intuition-ist-gleich-Wissen“ von unserer Haussuche. Seit März suchen wir ein neues Zuhause auf dem Land, weil wir Ende Februar wegen Eigenbedarfs ausziehen werden. „In mir ist dieses starke Gefühl, dass das richtige Zuhause kommen wird. Das ist ein tiefes, inneres Wissen und ich verlasse mich darauf und deshalb bin ich da ganz entspannt.“

„Und er?“ wurde ich gefragt. „Wie geht er damit um?“

„Er hat seine eigenen Gefühle dazu, die unter anderem auch daher kommen, dass er mal eine Zeit im Kinderheim verbracht hat. Ein Zuhause hat für ihn eine andere Bedeutung. Für ihn ist es schwerer.“

„Das ist dann bestimmt schwierig zwischen euch.“

Ich schaute völlig überrascht in die Runde: „Nein. Warum?“

Ich verstand die Aussage nicht, sah aber, dass mehrere der ca. 50 Teilnehmer nickten und offensichtlich davon ausgingen, dass das so sein müsste. Ich fragte zurück: „Warum soll es da ein Problem zwischen uns geben? Er fühlt, was er fühlt. Ich fühle, was ich fühle.“

„Ach soooo…“.

Einige Paare schauten sich an, als wäre ihnen gerade ein Licht aufgegangen: Eine andere Meinung, ein anderes Gefühl muss nicht zwangsläufig ein Problem sein. Es wird nur dann ein Problem, wenn ich nicht akzeptiere – oder nicht akzeptieren will – warum meine Liebste, mein Liebster etwas anderes fühlt als ich. Er wie ich sind völlig entspannt mit dem Zustand des Anderen. Ich muss seinen nicht ändern, er meinen nicht. Beides würde uns im Traum nicht einfallen. Wozu auch? Wir sind nicht verantwortlich für das Innenleben des Anderen. Ich bin dafür zuständig mit meinen Gefühlen, meinen Wünschen, meinen Gedanken und meinen Ängsten umzugehen. In einer innigen Paarbeziehung teilt man sich mit. Das war es aber auch schon. Der Rest ist meine bzw. seine Verantwortung.

Eine meiner Bekannten hat gerade ein Problem mit ihrem Verlobten. Sie kann besser mit Geld umgehen als er. Er trifft teure Entscheidungen, die sie sich nicht leisten können. Für ihn ist aber die Entscheidungsgewalt über das gemeinsame Geld eine Frage seiner Männlichkeit. Er wirft ihr vor „immer Recht zu haben“. Tja. Das hat sie finanziell nun mal. Sie sah die bisherigen Problematiken voraus, an denen sie jetzt knabbern und sie befürchtet, dass wird so weiter gehen. Er hat enorme andere Talente. Die er aber selbst nicht wirklich schätzt.

Was haben sie am Anfang aneinander geschätzt? Sie, dass er zupacken kann und nicht zögert. Er, dass sie patent ist.

Zur Erinnerung: Am Anfang einer Beziehung werden wir in der Regel von jemandem angezogen, der eine Eigenschaft hat, die uns fehlt, denn wir als Seele wünschen uns Wachstum. Also beispielsweise eine die sehr quirlig, aktiv und spontan ist, wünscht sich vielleicht mehr Stabilität und Ruhe. Dann wird ein Partner/In auftauchen, der/die genau das ausstrahlt. Denn andersherum wünscht sich der/diejenige der Stabilität und Ruhe kennt, sich vielleicht mehr Lebendigkeit und Schwung. Voila!

Ideal – würde ich sagen. Denn jetzt in diesem Idealfall lernen beide voneinander. Der Ruhigere wird von dem Schwung inspiriert und erlaubt sich mehr Aktivität. Die Aktive wird von der Gelassenheit inspiriert und erlaubt sich mehr Ruhe. Beide unterstützen sich gegenseitig in diesem gemeinsam Erkennen der Begabungen des Anderen und dem Wunsch nach mehr Gleichgewicht und innerer Harmonie.

In einem erwachten Paar entstehen eine gegenseitige Freude und eine Dankbarkeit für die Begabung des Anderen und eben auch der Wunsch das Gegenüber beim Bewussterwerden zu unterstützen. Das ist eine Beziehung ähnlich wie zwischen Augen und Ohren. Der eine hat, was der andere nicht hat. Gemeinsam sind sie ein hervorragendes Team. Augen wie Ohren wären füreinander wahrscheinlich dankbar – wenn sie ein eigenständiges Bewusstsein hätten. Natürlich hinkt der Vergleich, denn Augen werden niemals hören können und Ohren niemals sehen, aber wir – als Paar – haben die Möglichkeit unsere jeweiligen Schwächen und Stärken in ein größeres Gleichgewicht zu bekommen.

Falls jemand quirlig ist und zu kurzfristigen, unüberlegten Entscheidungen neigt, kann der ruhigere Partner unterstützen und zwar mit einem: „Liebste, du hattest Dir doch gewünscht, bei spontanen Entscheidungen Dir nochmal die Zeit zu nehmen, um etwas länger darüber nachzudenken. Hast Du das schon gemacht?“ Oder anders herum: Der Ruhigere kommt nicht in die Gänge und die Aktivere schlägt vor „Liebster, wolltest Du Dir das nicht abgewöhnen zu lange zu zögern, weil dann eventuell die Gelegenheit vorbei geht. Ist das vielleicht gerade so ein Moment?“

Das ist also der ideal Fall.

Dann gibt es die anderen Fälle. Und die laufen meistens so ab: Das, was uns am anderen angezogen hat, geht uns jetzt auf die Nerven. Die ursprüngliche Ruhe und Gelassenheit, die wir am Anfang so geschätzt haben wird zum: „Der kriegt seinen Arsch nicht hoch.“ Das Lebendige, das uns mal begeistert hat, wird jetzt zum: „Sie nervt. Die kann keine Sekunde ruhig sitzen bleiben.“

Somit ist die Gelegenheit zum gegenseitigen Wachstums zu einer weiteren Gelegenheit zur Trennung geworden. Den Anderen so zu akzeptieren wie er ist, reduziert sich nicht auf ein Schulterzucken und ein leicht resignierendes „Tja, so ist er/sie eben“. Sondern ein aktives Nutzen der Geschenke des Anderen – nicht nur zum beidseitigen Wohl, sondern auch zum Wohle aller, die in der Nähe dieses Paares sind.

Großartig, nicht wahr?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was ist für uns Erfolg?

Was ist für uns Erfolg? Manchmal haben wir eine überholte Vorstellung davon, wie wir unser Leben gestalten wollen und was für uns Erfolg oder Meisterschaft oder ein glückliches Leben ist. Gelegentlich braucht es ein Update. Früher, als ich noch Fernsehmoderatorin war, war Erfolg einfach definiert: Jede Menge Anfragen, interessante Sendungen,  viele Zuschauer, gesellschaftliche Anerkennung, gesicherte Finanzen, begeisterte Presse – das war dann Erfolg. Dann, als ich spirituelle Lehrerin wurde, empfand ich Erfolg plötzlich als zweigeteilt: Meine eigene erfolgreiche persönliche Entwicklung und eine erfolgreiche Unterstützung für andere in deren Entwicklung. Und auch da hat sich viel getan. Dazu brauchte es schon vor Jahren ein update: Ich war früher darin investiert, ob das, was ich vorschlug, auch gemacht wurde. Ihr kennt das wahrscheinlich auch ;-). Heute liegt ein großer Fokus darin, nur dann Rat zu geben, wenn er auch angefragt wird. Ob die/derjenige das dann macht oder nicht macht, geht mich schlichtweg nichts an. Es ist nicht mein Leben und damit auch nicht meine Entscheidung.

Immer mal wieder habe ich revidiert was „Erfolg“ ausmacht. Immer wieder nachgeforscht was es JETZT braucht. Wie es sich JETZT anfühlt und nicht vor zwanzig Jahren. Vor kurzem hörte ich im Radio von einer Umfrage von Teenagers (leider habe ich sie nicht gefunden) was sie werden wollen und da gab es eine Überproportion von „Models“ und „berühmt werden“ und „reich werden“.

In Zeiten von Instagram, Facebook, Snapchat u.ä. wird die Außenwirkung noch stärker wahrgenommen. Ich habe eine private und eine berufliche Facebook-Seite. Auf meiner privaten sind Familienmitglieder, enge Freunde und nur Menschen, die ich auch im richtigen Leben treffe. Oft hat man bei den Fotos, die man von Anderen auf Facebook sieht, den Eindruck, dass viele ein entspanntes Leben aus Urlaub, tollem Essen und netten Haustieren führen. Und doch kenne ich die andere Seite, denn ich bin mit meinen privaten Facebookfreunden eben auch richtig befreundet und das was berührt, herausfordert, mitnimmt, wird selten für alle Welt zu sehen auf Facebook geteilt.

Erfolg war in meinem Leben früher ebenfalls enorm von Außen definiert. Komme ich an? Mag man mich? Bekomme ich die Anerkennung, die ich mir wünsche? Wie sind die Kritiken? Selbst als ich anfing spirituelle Bücher zu schreiben – und damals vor 25 Jahren kam das einem beruflichen Suizid gleich – wünschte ich mir trotzdem Anerkennung von außen. Natürlich möchte man als Autorin, dass jemand die Bücher liest, die man schreibt und doch weiß ich, dass ich sie auch schreiben würde, wenn ich die einzige wäre, die sie liest. Warum? Weil sie mir gut tun. Weil sie mir helfen meine Gedanken zu ordnen. Weil Schreiben immer auch eine Form des persönlichen Ausdrucks und der inneren Klarheit ist.

Gerade heute fühle ich mich sehr erfolgreich und es ist erst 11.40 Uhr. Ich habe mir ein freiberufliches Leben erschaffen, das immer mal wieder seine Herausforderungen hat und doch mir die Freiheit meiner Zeit gibt. Für mich ein wichtiges Kriterium. So kann ich mich – manchmal vergesse ich das allerdings kurzfristig (lach) – immer mal wieder fragen, was ich denn jetzt tun möchte und nicht automatisch mit einem „was ich denn jetzt tun MUSS“ ersetzen. Klar gibt es Dinge, die erwarten, von mir erledigt zu werden. Aber muss das gerade jetzt sein? Ich arbeite sehr gerne Abends. Ich liebe die Stille und die Dunkelheit draußen. Ich erfreue mich an der Kerze, die an meinem Schreibtisch brennt und ich genieße die Ungestörtheit. Dafür kann ich tagsüber – wie heute – die Sonne genießen und mit meinem neuen Kopf aus Ton in den Garten gehen und daran weiterarbeiten. Kurz danach auf meiner Darbuka den neuen Rhythmus üben.


Fühlen wir uns erfolgreich? Und wenn nicht, warum nicht? Gibt es da eine Karotte, die vor uns hin und her wedelt und die gar nichts mit uns, aber alles mit der Gesellschaft/den Nachbarn/den Eltern/den anderen auf Facebook/ der Werbung zu tun hat?
Deshalb die Frage, die wir uns stellen können: „Was ist Erfolg für mich?“

Dazu braucht es Stille. Kontemplation. Zeit zum Forschen. Zum Schreiben. Zum Nachdenken. Gespräche am Küchentisch oder beim Spazierengehen mit Familie und Freunden:

  • „Was ist Erfolg für Dich?“
  • „Was ist es nicht?“
  • „Fühltest Du Dich in Deinem Leben schon mal so richtig erfolgreich?“
  • „Wann nicht?“
  • „Was war Erfolg für Dich vor 20 Jahren (je nach dem wie alt die Gesprächspartner sind ;-)?“
  • Und die wichtigste Frage: „Was ist Erfolg für Dich heute?“

Sich als erfolgreich wahrnehmen, könnte ja auch nur damit etwas zu tun haben: Wir sind mit dem Leben, das wir uns erschaffen haben, zufrieden. Das Foto zu dem Blogbeitrag zeigt früher und heute recht anschaulich. Erfolg war für mich früher beruflicher Erfolg. Sonst nichts. Alles andere, das in meinem Leben gelang, war nett und angenehm, wurde aber von mir nicht als Erfolg wahrgenommen: Gesundheit. Enge Freundschaften. Meine Kreativität. Meinen Mut usw.

Heute ist für mich Erfolg, wenn zum Beispiel der Kopf an dem ich arbeite, so gelingt, dass er mir gefällt. Gerade beschäftige ich mich damit, mir meine Gehirn-Loops (also wiederkehrende Gedanken, die sich irgendwie festbeißen) aus meinem Sein komplett zu entfernen. Das gelingt gerade sehr gut und so bin ich glücklich mit meinem eigenen Erfolg.

Ein erfolgreiches Leben mag für jeden von uns etwas anderes sein. Vielleicht ist es ja Zeit für ein „update“?

 

„Wie viele Deiner Teilnehmerinnen hast Du schon verführt?“

Ihr Lieben,

das wäre eine Frage, von der ich mir wünsche, dass sie viel öfter gestellt wird. Wann und warum? Hier vielleicht: Einer dieser angeblichen weisen, spirituellen Lehrer zeigt mal wieder sein Interesse an einer attraktiven Frau. Tief in ihr meldet sich ihre Intuition, denn sie ist zum Lernen und nicht zum Flirten gekommen. Aber da gibt es auch die Freude über die Beachtung und dass sie von so einem großen Meister, so einem bekannten/berühmten Lehrer überhaupt wahrgenommen wird. Sie wird überschüttet von Aufmerksamkeiten, Nähe und Bevorzugung. Andere Schüler/Schülerinnen müssen zurückbleiben, während sie mühelos im „inneren Kreis“, im inneren Circle in der Nähe des Meisters sein darf. Ab und zu zieht er sich strategisch zurück, um Ihre Sehnsucht nach mehr zu wecken und ihre Sorge zu vergrößern, dass sie doch nicht wichtig sei (während er höchstwahrscheinlich mit einer anderen beschäftigt ist). Dann meldet er sich wieder und ihr wird gesagt, dass er sie vermisst hätte, sie etwas ganz Besonderes sei; dass er auf sie gewartet habe und dass es so wichtig wäre, sie an seiner Seite zu wissen, bei der großen Aufgabe, die noch auf ihn wartet. Er würde sie durch besondere Methoden zur Erleuchtung führen und nein, dass sei kein Sex, sondern etwas Heiliges, das nur er als Meister beherrscht.

Doch dann hält diese Frau inne, erspürt ihre Intuition, bemerkt ein Zögern in ihr und betrachtet die Situation von Außen und erkennt folgendes: Ein Mensch in einer stärkeren Position versucht sie benutzen, weil sie sich gerade in einer schwächeren, schutzloseren Position befindet. Er braucht Bewunderung und sie gibt sie ihm. Sie braucht Aufmerksamkeit und er gibt sie ihr. Sie ahnt plötzlich, dass sie weder die Erste noch die Einzige ist, die das volle Aufmerksamkeitsprogramm bekommt. Das wäre jetzt der passende Moment für die Frage:

„Wie viele Deiner Teilnehmerinnen, Deiner Schülerinnen hast Du schon verführt?“

Vielleicht überrascht ihn die Frage? Vielleicht wacht er auf? Vielleicht erkennt er, dass er narzisstische Tendenzen in sich trägt und den Ehrenkodex von Lehrern/Therapeuten/Ärzten vergessen oder nie ernst genommen hat? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht droht er ihr aber auch. Sagt, dass sie eben spirituell noch nicht annähernd so weit sei, wie er gedacht habe. Und das sie das noch bereuen wird, denn er hat andere Mittel und Wege…

Doch die Frau erkennt auf jeden Fall, dass dies nicht die große Liebe, nicht der Seelenverwandte und schon gar nicht der Lehrer ist, den sie gerade sucht.

Süddeutsche Zeitung am 11. August: Ein großer Bericht über einen spirituellen buddhistischen Lehrer, Sogyal Lakar, der den Weltbestseller „Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben“ geschrieben hat. Acht langjährige SchülerInnen haben einen offenen Brief mit schwerwiegenden Anschuldigungen geschrieben. Der Vorwurf: Gewalt. Sexueller Missbrauch. Exzessiver Lebensstil. In der SZ war zu lesen: „Hinter den vergoldeten Kulissen dieses sehr erfolgreichen Betriebs sieht es anders aus. Mitarbeiter bezeugen, sie seien von ihrem Chef blutig geprügelt worden, junge Frauen berichten, sie seien unter dem Vorwand, es würde ihrer schnelleren Erleuchtung dienen, zu sexuellen Dienstleistungen gedrängt worden. Außerdem habe es den Zwang gegeben, mit allen Mitteln Spenden einzutreiben.“ Über den Link oben könnt Ihr den ganzen Brief lesen.

Die Hingabe zum Guru ist (war?) nicht nur im Buddhismus gewollt. In der katholischen Kirche ist der Papst der Vertreter Gottes und es war ein Akt von Gotteslästerung Entscheidungen von ihm in Frage zu stellen. Seit Jahren erschüttern uns Informationen über den sexuellen Mißbrauch der Kirchenvertreter – und deren konsequente Verheimlichung.

Der Dalai Lama hat in einem Interview (link) folgendes gesagt: „Die Institution des Gurus sei von einem feudalen System beeinflusst worden, das überholt ist und beendet werden muss“. Danach sagte er: „Du sollst nicht sagen „Was mein Guru sagt, das muss ich machen. Das ist komplett falsch! Buddha sagt: Was ich lehre, muss von Dir (SchülerIn) überprüft werden. Egal wer etwas sagt: Du musst es überprüfen!“

Dem kann ich mich nur anschließen.

In früheren Zeiten gab es den Unterschied zwischen Wissenden und Unwissenden. Der Adel konnte lesen und war frei. Alle anderen waren es nicht. Ein Priester wusste um Gott, alle anderen waren Unwissende. Das indische Kastensystem – das selbst Gandhi nie in Frage stellte – zeigt noch heute von den starren damaligen Hierarchien.

Immer wieder höre und lese ich von spirituellen Lehrern/Gurus/Therapeuten/Priestern, die ihren Schwanz nicht unter Kontrolle halten können. Entschuldigt das Wort. Aber hier geht es nicht um achtsame Sexualität, um Zärtlichkeit, um Nähe – von Liebe oder angeblicher Hilfe zur Erleuchtung ganz zu schweigen. Hier geht es um Gier, um arrogante Lust und um ein Machtgefühl von „schau mal wen ich alles kriege!“. Narzissten verführen und benutzen Frauen, um sie dann auszutauschen. Und dafür ist Schwanz das richtige Wort. Er wedelt ohne Sinn und Verstand und auf jeden Fall ohne jede Fürsorge und Respekt. (Und damit tue ich jedem Tier unrecht – denn die wedeln aus purer Freude.) Außerdem gibt es wohl einige sexuelle Praktiken, in der von „zölibatär“ gesprochen wird, wenn der Mann nicht ejakuliert. Da würde ich ja etwas ganz anderes darunter verstehen.

Doch warum fallen Frauen darauf rein?

Die meisten sind in einer Krise und suchen Unterstützung. Da gibt es ein Buch, ein Video, eine Meditation, eine Gruppe, die sie berührt. Da ist die Gemeinschaft, die einen warmherzig aufnimmt, die versteht und bei der man sich endlich angekommen fühlt. Da ist der Lehrer, der öffentlich geachtet wird, der eine große Anhängerschaft hat, der doch immer so nett, so mitfühlend, so weise und so sympathisch rüber kommt.

So viele Leute können sich doch nicht irren, oder?

Doch.

So entstehen ungesunde Kults. Da gibt es ein Außenbild und ein Innenbild. Und die passen nicht immer zusammen. Von konstanter Bewunderung nicht beeinträchtigt zu werden, ist eine Herausforderung für jeden Lehrer und jede Lehrerin.

Es gibt auch einen Kult der Ärzte

Ärzte und Psychologen, die in Workshops und Therapiesitzungen MDMA (Ecstasy) und LSD zur „Erleuchtung“ und „Bewusstseinserweiterung“ benutzen. Sabine Bundschu, eine begnadete Musikerin, die ich vor zwei Jahren kennenlernte, erzählte mir von ihren Erfahrungen als Aussteigerin um den Schweizer Psychiater Dr. Samuel Widmer, der hunderte von „Psycholyse Therapeuten“ ausgebildet hat. Dabei werden diese Drogen umbenannt, sie heißen jetzt einfach nur „Sakramente“. Ein Trip heißt „Meditation“. Psycholyse – Klingt ja auch sehr offiziell und wichtig. Kein Wunder, dass man sich beruhigter so jemanden anvertraut. Er ist ja schließlich Arzt und muss es wissen…

Die Teilnehmer müssen übrigens vorher schwören, dass sie das Geheimnis ihrer Bewusstseinserweiterung bewahren (auch vor der Polizei) – und wenn nicht, „wird ihnen etwas Schreckliches passieren“. Auch so passiert nichts Gutes. Alles was künstlich nach oben kommt, muss wieder runter. Und um den Aufprall abzufedern, wird gleich wieder etwas an Drogen nachgelegt. So beginnt eine Spirale, die nicht zur Erleuchtung, aber zur Abhängigkeit führt. Und das ist nicht nur eine Drogenabhängigkeit, sondern auch in eine Abhängigkeit von der Gemeinschaft und vom Guru.

„Ich war lange Jahre Teil der „Psycholyse Bewegung“ um den Psychiater Dr. Samuel Widmer, der übrigens in diesem Jahr an den Folgen seiner eigenen Therapie verstorbenen ist,“ erzählt Sabine Bundschu. „Er versammelte besonders viele Ärzte und Akademiker um sich. Sein Lehrer  Manuel Schoch ist direkt auf einer Drogensitzung verstorben („ins Licht gegangen“). Widmer hielt sich für die Verkörperung der Liebe auf Erden. Und wenn zu dem Charisma des narzisstisch gestörten Gurus auch noch Drogen wie MDMA, LSD, Psillocybin, 2CB etc. dazukommen, verfällt man dem besonders leicht.“

Sabine leitet selbst Seminare und auf einem Taketina-Seminar durfte ich sie kennenlernen. Da wir kurz vorher beide für einen Fernsehsender zum Thema „Falsche Heiler“ interviewt wurden, erkannten wir uns wieder. Sie erzählte mir von ihrem Schlaganfall im Drogenrausch und wie sie die anderen Teilnehmer 55 Stunden liegen ließen, weil sie glaubten „das Böse müsse raus“.

In den „Ausbildungs“-Gruppen lernt man, dass jedes körperliche Symptom Ausdruck einer psychischen Störung ist.

Damit wird jede natürliche Abwehr des Körpers als krankhaft und minderwertig dargestellt und wenn man das glaubt, ist man natürlich enorm manipulierbar. Wenn sich Leute im Drogenrausch übergaben, Krämpfe bekamen, dann war „die psychische Störung“ der Grund – und man ließ die Leute einfach liegen. Es kann natürlich auch noch einen zusätzlichen Grund geben: Bloß nicht ins Krankenhaus, sonst kommt das hier alles raus. Als Sabine aber nach über zwei Tagen immer noch nicht „normal“ war und dann endlich ins Krankenhaus kam, hielt sie sich noch in der Intensivstation an ihren Eid und verheimlichte, welche Drogen sie gerade zu sich genommen hatte. Die Ärzte, die sie dort behandelten, wussten nicht um die Vorgeschichte. Ein enorm großes Risiko für die weitere Behandlung.

Sabine erzählt: „Wie immer bei Kult/sektenartigen Vereinen geht es weniger um den Inhalt, der ist eigentlich austauschbar. Die Prinzipien des Verlaufs sind immer gleich: Es wird die Sehnsucht nach Nähe, Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Besonderheit bedient. Die kognitiven Dissonanzen lernt man mit der Zeit auszugleichen und umzudeuten (wie in einer ungesunden Beziehung). Wenn etwas Gutes passiert, ist die „Lehre“ oder der Vertreter derselben verantwortlich, wenn etwas schief geht, ist man „selber schuld“. Man wird in den Sog eines empathielosen, psychopathischen Narzissten hereingezogen und hält sich selbst für nicht gut genug. Du kennst ja die Geschichte vom Frosch: Wirft man ihn in kochendes Wasser, springt er sofort heraus. Wenn er aber in kaltem Wasser auf kleiner Flamme erhitzt wird, merkt er es nicht und stirbt.“

Sie ist noch rechtzeitig rausgesprungen und möchte auf ihrer website https://www.kultaussteiger.de/ vor diesen Gruppen warnen und andere dabei unterstützen ebenfalls rauszuspringen, die Scham zu überwinden und darüber zu sprechen.

Suchende geben manchmal kurzfristig (oder auch langfristig) ihre Verantwortung ab. Sie sind vielleicht zu diesem Zeitpunkt zu schwach, zu erschöpft, zu müde um zu kämpfen. Sie wollen sich in Arme sinken lassen, die verständnisvoll sind. Und ja, das sind sie auch. Aber eben nicht nur.

Von umarmen bis streicheln und dann verletzen ist manchmal kein weiter Weg …

Wenn man sich vorher verloren und verlassen gefühlt hat, sich aus ganzem Herzen spirituelles Wachstum und Frieden wünscht, dann möchte man auf jeden Fall an dieser gerade erlebten Zugehörigkeit festhalten. Wo soll man denn sonst hin? Die Freunde und die Familie hat man längst verlassen (müssen) und man hat manchmal Jahre in dieser Gemeinschaft verbracht. Man kennt außerhalb dieser Gemeinschaft kein Leben mehr. Jemand der schlägt, ist gleichzeitig auch der einzige der Zuwendung gibt und manchmal eben auch Nahrung und ein Zuhause. Das ist übrigens ein ähnlicher Weg wie Frauen zur Prostitution gezwungen werden.

Ja, manchmal ist es ist auch verlockend, die eigene Verantwortung abzugeben. Sich in einem sicheren Hafen zu wähnen. Manche sehnen sich zurück nach „perfekten“ Eltern. Sehnen sich nach Führung. Nach jemanden, der ihnen sagt, was sie tun und was sie machen sollen und so geben sie erleichtert und bereitwillig ihre eigene Stärke und ihre eigene Macht ab.

Warum? Oft sind es Kindheitsdramen, die da wirken. Befürchtungen, nicht gut genug zu sein. Erschöpft zu sein von den hunderten von Entscheidungen und gelähmt von der Angst „etwas falsch zu machen“. Manchmal ist der Grund der innigste Wunsch, die Welt „retten“ zu wollen und sich einer Gemeinschaft anzuschließen, bei der man sich endlich, endlich zugehörig fühlen kann und bei der man sich auch besonders fühlen kann.

Wenn man dann länger in dieser Gemeinschaft ist und Dinge beobachtet, die doch so gar nicht erleuchtet, entwickelt oder anständig sind, werden darüber alle Augen entsetzt zugemacht, die eigene Intuition abgewürgt und verzweifelt gehofft, dass sich doch alles irgendwie  zum Guten wendet. Man „begreift“ eben das System nicht, glaubt nicht genug, ist noch nicht weise genug. Und wenn man das über Jahre beobachtet, kommt diese fatale Erkenntnis hinzu, dass man doch jetzt nicht aufhören kann, denn sonst hätte man so viel Zeit seines Lebens einer Bewegung gewidmet, die es nicht wert war…

Der Wunsch nach Zugehörigkeit ist es schwieriges Terrain. In erster Linie geht es um die eigene Zugehörigkeit. Bin ich in der Lage alleine mit mir glücklich zu sein? Erst wenn ich das bin, bin ich ein/e wunderbarer TeilnehmerIn für eine Gemeinschaft. Denn ich erfreue mich an der Gemeinschaft, aber ich brauche (!) sie nicht. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch – natürlich braucht jeder von uns andere Menschen. Wir würden eingehen, wenn wir unser ganzes Leben ohne menschliche Nähe verbringen müssten. Aber wenn wir uns einer Gemeinschaft anschließen, weil wir uns nicht trauen alleine Entscheidungen zu treffen, alleine zu leben, alleine mit uns selbst zu sein, dann fehlt ein entscheidender Schritt in unserem Wachstum: Nämlich die Bereitschaft Verantwortung für unser eigenes Leben zu übernehmen und die Erkenntnis unseres Selbstwertes. Und natürlich darf eines nicht unterschätzt werden: Oft wendet sich jemand an einen spirituellen Lehrer oder eine spirituelle Lehrerin in Zeiten größter innerer Schmerzen und erwartet, erhofft ehrenhafte Unterstützung. Diesen Moment der Schwäche auszunützen ist erschütternd.

Als ich den Artikel in der Süddeutschen Zeitung las und dann anschließend den Original-Brief im Internet fand (siehe link oben), fiel mir am Schluss neben den Namen eine Zahl auf: Schüler seit 19 Jahren, Schüler seit 33 Jahren, Schüler seit 23 Jahren.

Ich glaube, dass man einen Meister nicht an der Zahl seiner Schüler, sondern an den Meistern erkennt, die daraus hervorkommen. Warum will jemand überhaupt Schüler haben, die 33 Jahre über den Status nicht herauskommen? Ein Lehrer schickt seine Schüler nach einer Weile weg. Wie ein Vogel aus dem Nest fliegt, so muss auch ein Schüler seinen eigenen Flug entdecken. Immer beim Lehrer zu bleiben, zwingt ihn in die Schüler-Position. Warum würde man das als Lehrer, als Lehrerin wollen?

Ich schätze meine Lehrer und meine Lehrerinnen. Die meisten, von denen ich lernte, waren wunderbar und sehr ehrenhaft. Manche allerdings waren es nicht. Ich hatte die eine oder andere LehrerIn, die eher manipulierten, als unterstützten, die ihre eigenen blinden Flecken nicht sahen, die der Bewunderung ihrer SchülerInnen nicht standhielten und sich selbst nicht mehr in Frage stellten. Und zugegeben, das ist nicht leicht. Auch in meiner Arbeit gab es immer wieder Momente, wo ich merkte, dass ich aufpassen muss. Dass es da eine bestimmte Bewunderung gab, die mit einer roten Warnflagge kommt: HALT! Da ich diese Herausforderung bei meinen ersten LehrerInnen beobachten konnte, versprach ich mir damals, genau aufzupassen. Deswegen habe ich mich über die letzten 25 Jahre immer mal wieder für lange Zeiten zurückgezogen, so dass ich dieser Gefahr, dieser Verführung, dieser Bewunderung nicht nachgebe.

Spirituelles Lehren ist wie jedes andere Lehren auch: Jemand, der Erfahrungen gemacht hat, möchte dies weitergeben. Im besten Fall an kluge SchülerInnen. Das ist kein Eltern-Kind Verhältnis. Das ist kein Meister-Idiot Verhältnis. Das lässt sich mit dem Verhältnis eines Handwerkers zu seinem Lehrling vergleichen: Der letztere hat das Talent, aber es fehlt ihm die Erfahrung. Der Meister hat die Erfahrung und weiß, dass der Lehrling nicht dümmer ist als er. Wie eine warmherzige und inspirierende Musiklehrerin, die in ihrer Schülerin die zukünftige Virtuosin sieht. Und sie möchte diesen Weg für sie leichter machen.

Das ist ehrenhaftes Lehren.

Alles andere ist Manipulation. Alles andere ist der Wunsch sich über jemand anderen zu stellen. Alles andere ist das Ergebnis von einem schwachen Selbstbewusstsein, dass mit der Bewunderung anderer aufgefüllt werden muss.

In meinem Buch „Die Sehnsucht unserer Seele“ schrieb ich im Vorwort:

„Es ist einfacher, sich einer der traditionellen Glaubensgemeinschaften anzuschließen. Feste Regeln. Eine Richtung. Viele, die schon mitmachen. Gesellschaftlich anerkannt. Und doch unterschätzen wir die männliche Autorität, die diesen Religionen vorsteht und die uns seit Jahrtausenden sagt, was wir zu glauben und wie wir zu leben haben. Gerade die weibliche Seite – immerhin die Hälfte der Weltbevölkerung – findet dort keinen gleichwertigen Platz. Viele sind in Kirchen, Synagogen, Moscheen und Tempeln, weil sie die Gemeinsamkeit schätzen, in vielem aber den Regeln und Vorgaben nicht zustimmen. Wir können erahnen, was es wirklich bedeuten würde, wenn alle Religionen ihre Macht und ihren Anspruch auf Unfehlbarkeit ablegen würden. Sind wir selbstständig genug, erwachsen genug, interessiert genug, um uns selbst zu fragen, was wir glauben? Es fordert mehr persönlichen Einsatz, wenn man sich seinen Glauben basierend auf seinem eigenen Weltbild, seinen eigenen Erfahrungen und seiner eigenen Intuition zusammenstellt. Was glaube ich? Was glaube ich nicht? Was macht für mich Sinn? Was kann ich wie integrieren? Was möchte ich weitergeben?“

 

Ein guter Lehrer hat keine Schüler die ertrinken, sondern die schwimmen lernen wollen. Ein guter Lehrer, eine gute Lehrerin führt nicht, sie begleitet.

Wir alle haben in uns die Möglichkeit zur Meisterschaft. Das ist nicht nur einigen von uns gegeben, sondern wir alle – wenn wir denn wollen – können uns entwickeln. Und ja, es ist wunderbar, wenn es dazu Unterstützung gibt. Nur geht es nicht darum, so viel Schüler wie möglich zu versammeln, um in deren Bewunderung zu baden. Jeder von uns ist Schüler und Meister zugleich. Es gibt Bereiche, in denen wir weiter sind als in anderen Zweigen. Und das schwingt gelegentlich erstaunlich kräftig hin und her. Manchmal können wir es selbst kaum glauben, dass ein Bereich sind wieder auftut von dem wir geglaubt haben, dass wir ihn schon lange hinter uns gelassen haben. Tja, so ist das mit dem Leben und seinen Überraschungen.

Alles was wir tun, sollte durch den Filter unserer eigenen Wahrnehmung, unserer eigenen Intuition laufen. Und wenn wir ein komisches Gefühl haben, ist es enorm praktisch und empfehlenswert stehen zu bleiben und erst mal nachzuschauen WARUM wir uns da gerade komisch fühlen. Abhängigkeit zu einer anderen Person ist nie eine gute Idee. Und ich sage hier mit Absicht „nie“, obwohl ich das Wort sehr selten benutze.

Wenn ich von solchen Manipulations- und Missbrauchsfällen höre und lese, erspüre ich eine Mischung aus Zorn und Schmerz. Das ist keine Einteilung in Gut und Böse. Es ist allerdings eine Einteilung in ehrenhaftens Verhalten und unehrenhaftes Verhalten.

„Nicht bewerten“ heißt für mich, nachvollziehen zu können, warum jemand diesen Weg gegangen ist. Ob es nun derjenigen/diejenige ist, die das iniziiert, oder diejenige/derjenige ist, die das mit sich machen läßt. Ich bin der Meinung bestimmte Wege  müssen energisch und klar verneint werden. Trotzdem möchte ich Verständnis dafür haben. Für mich bedeutet Nicht-Bewerten nicht gleichzeitig gleichgültig sein.

Es ist wichtig, dass wir darüber nicht schweigen. Diese sexuellen Manipulationen und Vergewaltigungen brauchen unser Nein. Sie leben durch die Unterdrückung, machen weiter durch die Scham der Beteiligten und vermehren sich durch das Geheimnis.

Diese Praktiken wollen keine Öffentlichkeit – sie bevorzugen die Dämmerung.

In unseren Händen liegt der Lichtschalter …

 

Von Herzen,

Sabrina Fox

 

PS: Ich las vor einer Weile das Buch von Joel Alstad und Diana Kramer: „Die Guru Papers. Masken der Macht.“ Gibt es auch auf Englisch. Ich fand es sehr interessant.

Sabine Bundschu empfiehlt: „Traumatic Narcissism – Relational Systems of Subjugation“ von Daniel Shaw.

 

 

 

 

Warum reden manchmal nur bla bla ist …

Bei einem meiner Workshops über Kommunikation („Wie sage ich es?“) hatten einige Frauen ein ähnliches Problem. Ihre Männer hörten nicht zu.

„Was heißt das genau?“, fragte ich sie. „Lesen die Männer Zeitung nebenher. Stehen sie auf und gehen. Halten sie sich die Ohren zu?“

Es wurde geschmunzelt und kurz danach kam die eigentliche Erkenntnis: Sie glaubten, er höre nicht zu, weil er nicht machte, was sie sagten.

„Was macht ihr denn außer reden?“ fragte ich zurück.

Nachdenkliche Blicke.

„Ich versuche es dann halt ein paar Tage später nochmal.“ – „Ich sag einfach gar nichts mehr.“ – „Ich meckere noch ein bisschen vor mich hin und dann höre ich auf.“ – „Ich schnauze ihn an.“

Ich wiederhole meine Frage: „Was macht ihr denn außer Reden?“

Pause.

 

Reden ohne Taten sind meistens nur blabla. Das haben wir alle schon festgestellt. Doch warum passiert nichts? Wir wollen unseren Gesprächen keine Taten folgen lassen, denn das wäre ja unangenehm. Unangenehm für den Anderen und ja, auch unangenehm für uns. Wir müssen uns nämlich verändern.

Wenn wir reden und es passiert nichts, ist es völlig sinnlos weiter zu reden. Es wird nichts weiter passieren. Ich dachte früher immer, ich hätte es nur nicht „gut genug“ erklärt. Und versuchte es anders herum noch mal. Bis ich feststellte, der Andere ändert nichts, weil er nichts ändern WILL.

Der Mann hat eine Affäre und will weder sie noch seine Familie aufgeben, das Paar hat zwei kleine Kinder, beide gehen tagsüber ins Büro und seine Frau kocht abends weiterhin für ihn mit.

Warum?

 

Eine andere Ehe: Die Beziehung hat alles an Wärme und Nähe verloren. Gemeinsamkeiten gibt es bis auf die Mahlzeiten keine mehr. Er verweigert jede Kommunikation und sie bleibt noch im gemeinsamen Schlafzimmer.

Warum?

 

Wieder anders: Er hat sie schon seit Jahren nicht mehr angefasst. Sie befürchtet, dass er eine Zweitfamilie hat. Zu oft ist er unterwegs und zu selten erreichbar. Sie betäubt ihren Schmerz mit Alkohol. Er wirft ihr das vor. Sie weiß, dass sie Hilfe brauchen, doch er will keine „schmutzige Wäsche vor anderen Leuten waschen.“ Einmal im Jahr fahren sie obligatorisch mit seinen Eltern in die Berge und spielen heile Familie.

Warum?

 

Dieses „Warum“ ist einfach zu beantworten. Jeder von uns hat Gründe, warum er in einer Situation bleibt, die eigentlich keine Freude bringt: Die Finanzen. Die Einsamkeit. Das gemeinsame Haus. Die Kinder. Die Angst vor Veränderungen. Manchmal auch die Angst vor Gewalt.

Nur wird sich nichts in der Beziehung ändern, wenn diejenige, die es verändern will, weiterhin alles mitmacht. Es muss unangenehm für den anderen werden, damit er die Notwendigkeit der Änderung sieht. Wenn ich den Kuchen behalten UND ihn essen kann, warum entscheiden? Da besteht schlichtweg keine Notwendigkeit.

Also raus aus dem Schlafzimmer. „Aber das wäre ihm gar nicht recht.“

Ja, dann natürlich nicht! 😉

Klar ist es ihm nicht recht. Er will ja, dass alles so bleibt wie es ist. Je bequemer wir es machen, desto weniger bewegt sich. Ich fragte ein paar Männer nach ihrer Meinung zu den Partnern/Partnerinnen, die trotzdem alles mitmachen. Einer meinte trocken: „Schön blöd.“ Einer lachte und fragte ungläubig: „Wirklich? Die machen das wirklich alles mit?“ Natürlich habe ich entwickelte Männer gefragt. Männer, die bereit sind, für ihre Beziehung und ihr Wohlbefinden einiges zu tun.

In meiner persönlichen Entwicklung kenne ich das alles. So tun als ob. Nur nicht zu anstrengend werden. Nett sein. Durchhalten. Durchhalten. Durchhalten. Ich wusste nicht, wie das geht sich in Beziehungen durchzusetzen. Ich dachte, als „gute“ Frau/Freundin macht man bestimmte Dinge eben und hält eben manches aus. Ich hatte keine Vorbilder, die sich anders verhielten. Ich dachte, das sei „normal“. Als ich mich entwickelte, entwickelten sich natürlich auch mein Verhalten und meine Beziehungen. So etwas würde mir jetzt nicht mehr passieren. Denn ich habe erlebt, dass es anders geht. Eben besser und ehrlicher anders geht.

Vorbei mit dem Essen machen, dem gemeinsamen Urlaub, dem Besuch bei der Familie. Vorbei mit „so tun als ob“. Vorbei mit der schauspielerischen Leistung: „Bei uns ist alles gut.“

Zurück zur Wahrhaftigkeit. Zur Ehrlichkeit. Zum: „Ab heute werde ich nicht mehr so weiterleben wie bisher.“

Übrigens geht es mir nicht darum, dass die Frau „die Gute“ (aka das Opfer) ist und der Mann, der Böse. Das gibt es genauso gut anders herum. Die Frau, die trinkt oder Affären hat und der geduldige Mann, der das immer wieder erträgt, in der Hoffnung, es wird besser. Es wird nicht besser. Wozu auch? Solange es bequem ist, solange muss man nichts verändern.

Es gibt zwei Möglichkeiten in Beziehungen: Entweder man entwickelt sich, nähert sich wieder an, heilt und geht gemeinsam weiter. Oder man erkennt, dass man so nicht weiterleben will und es oft gesünder für beide ist, wenn man sich trennt.

Vor vielen Jahren ging ich in Therapie, denn ich hatte eine Familiensituation, mit der ich nicht weiterkam. Der Therapeut erklärte es mir in einfachen Worten: „Immer wenn XY ein Problem hat, dann legen sie ihre Hand dazwischen, damit XY sich nicht weh tut. Das hat zwei Nachteile: Sie tun sich ihre Hand weh und XY lernt nichts dazu, denn sie halten sie von den Ergebnissen ihres Benehmens ab.“

Das war eine Erleuchtung für mich. Ja, das tat ich. Ich hielt mich für nett, hilfsbereit. Ich war die „Gute“. Und dann musste ich lernen, dass ich gar nicht so gut war. Im Gegenteil. Ich war eigentlich feige. Ich traute mich nicht wirkliche Konsequenzen zu ziehen und VERtraute nicht, dass XY schon ihre Lehren daraus ziehen wird. Da ich die Angewohnheit habe Erkenntnisse auch umzusetzen, nahm ich ab dann meine Hand weg und XY tat sich richtig weh. Kurz danach hat sie ihr Verhalten verändert. Wir verlassen die Opferrolle und beginnen in die Schöpfungskraft zu kommen.

Vor kurzem schickte mir jemand ein Video in der zwei Männer gemeinsam beim Essen saßen.  Nach dem Essen stand der Hausherr auf und sagte: „Ich spül das mal schnell ab.“ Sein Freund nickte bewunderned. „Wie toll, dass Du Deiner Frau hilfst.“ Der Mann lachte. „Ich helfe meiner Frau nicht. Ich wohne hier.“ Manchmal haben wir alte hierarchische Rollen im Kopf, die in unsere jetzige Entwicklung nicht mehr passen.

Unsere Seele zeigt uns durch unseren Körper, dass uns etwas nicht gut tut. Gerade wenn wir „so tun als ob“. Wenn wir Geheimnisse haben, dann fehlt es uns an Selbstliebe. Wir können uns dann nicht so akzeptieren, wie wir wirklich sind, was wir wirklich fühlen und was wir wirklich erleben. Wir zeigen nach außen ein gekünsteltes Bild: Oft eine schauspielerische Meisterleistung.

Wenn sich nichts ändert, dann bringt uns das was wir tun bzw. nicht tun nicht weiter. Es ist nutzlos. Wir machen also weiter wie bisher und hoffen auf ein anderes Ergebnis. Wir haben die Nase voll von Kartoffelsuppe und wünschen uns Erbsensuppe – und schälen doch immer wieder Kartoffeln. Bei der Suppe ist es uns klar, in unserem Leben manchmal nicht.

 

Taten. Nur unsere Taten zeigen, dass wir etwas verändern wollen.

Ohne unsere Taten ist unser Reden leider nur … bla bla.

 

 

Narben – sichtbares Zeichen unseres Wachstums

Es ist Sommer. Ich liege im Garten. Es vergehen keine zehn Minuten und da kommt es schon wieder: Das Gemecker in meinem Hirn, warum ich hier rumliege, wo ich doch ein Büro habe, es Dinge zu tun gibt und ich war doch erst zwei Tage beim Singen und ich doch die Akademie, die Wäsche und die Emails vorzubereiten habe.

Ich lache laut auf. „Du schon wieder.“ Früher hatte die Stimme mal einen Namen, doch an den kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Aber die Stimme, an die erinnere ich mich.

Sie hat mir früher vieles verdorben. Ich habe schöne Zeiten nicht genießen können, sondern plante zum Beispiel bei der Ankunft immer schon meine Abfahrt. Etwas genießen können, diese Begabung wurde in unserer Familie nicht gefördert. Es ging zu oft ums finanzielle Überleben. Meine Mutter war eine fleißige Frau und wenn mein Vater „faul“ war, war er dazu betrunken. Auch nicht wirklich ein gesundes Vorbild. Faul war … gefährlich. Erst später – durch eine Liebesbeziehung mit einem Mann der genießen konnte – fiel mir auf wie wenig ich mir erlaube zu genießen.

Mein Hirn war immer schon sehr aktiv. Das scheint nicht bei allen der Fall zu sein. Und ich meine das nicht ironisch. Offensichtlich hat das auch nichts mit Intelligenz zu tun.

Vor kurzem sprach ich mit einer Freundin über das Gehirn. Wir beide machten zusammen eine Rhythmustrainer-Ausbildung und übten für unsere Abschluss-Prüfung, die mit einem Konzert endete. Bei der Generalprobe kam ich in einen Rhythmus nicht hinein und machte Fehler. Sie auch. In der Pause erzählte ich ihr, was da in meinem Gehirn abgeht. Sie schaute mich überrascht an und meinte, alles was sie dachte war: „Ah geh, wie deppert.“

Und das war es dann auch.

In meinem hingegen begann ein ganzer Roman:

„Ich habe einen Fehler gemacht. Wieso komme ich da nicht in den Rhythmus rein? Ich konnte ihn doch die ganze Zeit. Ich habe doch so lange geübt. Hoffentlich bringe ich die anderen jetzt nicht raus. Okay Sabrina, konzentriere dich. Ob das mein Lehrer gemerkt hat? Wie hört sich das bloß jetzt für ihn und die anderen Studenten an? Wieso komme ich da nicht wieder rein? (Innerliches Lachen, weil ich meinen Gedankengängen zuhöre und dann beginnt ein Dialog:). Sabrina, alles entspannt, dann hat du eben einen Fehler gemacht, davon geht die Welt nicht unter. Also, schau mal ob du wieder reinkommst. Lass Dir Zeit. Langsam. Na also, geht doch.“

Wie ich all diese Gedanken in zwei Sekunden unterbringe, ist mir schleierhaft. Ich habe vor fünfzehn Jahren mal einen Abtitute-Test in den USA gemacht – dabei werden Begabungen festgestellt und meine Fähigkeit Assoziationen herzustellen, war außergewöhnlich. Tja, das hat Vorteile und Nachteile. Offensichtlich stellt mein Gehirn auch Assoziationen an, wenn das nicht notwendig ist und ein „Ah geh, wie deppert“ auch gereicht hätte.

Ich war völlig überrascht, dass sich nicht jeder so viele Gedanken macht. Man kennt ja in der Regel nur sein eigenes Gehirn. Ja, ich habe ein aktives Gehirn, das sich nicht gerne langweilt. Auch das hat Vor- und Nachteile. Jeder von uns hat bestimmte Begabungen und Herausforderungen und die gilt es zu erkennen. Ich lerne gerne und es ist für mich dringend notwendig – und zwar für mein Wohlbefinden notwendig – dass ich dem auch folge. Die Zeiten, in denen ich langsames „Im-Jetzt-Sein“ probiert habe, die haben mir keine Freude gebracht. Im Gegenteil – statt erleuchtet wurde ich deprimiert.

Mein Hirn braucht Stimuli.

Früher – ohne Meditation und Körpergefühl – war das extrem anstrengend, denn ich hatte damals keine Möglichkeit mich und mein Hirn zu entspannen. Es war immer auf 180. Ich fühlte mich „flirrig“, gehetzt, angestrengt, unzufrieden. Durch die Meditation gelang es mir, meinem Gehirn und meinem Körper die notwendige Ruhe zu vermitteln. Auch durch mein verbessertes Körpergefühl – welches ich mir mühsam antrainieren musste, denn ich hatte so gut wie keines – war ich Schritt für Schritt in der Lage zu merken, wenn es Zeit wird mich (und mein Hirn) zu entspannen.

Vielleicht haben Sie auch ein Gehirn das Anregung braucht? Vielleicht sind auch Sie schnell gelangweilt? Das ist nicht zwangsläufig etwas Schlechtes, wie es nicht zwangsläufig etwas Gutes ist.

 

Es ist wie es ist.

 

Wenn es unser Leben bereichert: Wunderbar. Wenn es anstrengend wird, dann braucht es Methoden zur Entspannung. So ein Mensch mag sich durch große Konzentration zu einem langsamen Leben zwingen können (das habe ich auch probiert) – aber Freude wird dadurch eben nicht zwangsläufig ins Leben gebracht. Man glaubt, man wird glücklich, wenn man langsamer wird (schließlich wird uns das immer wieder gesagt) und bestimmt können wir alle mehr Langsamkeit vertragen (!) – aber wieviel Langsamkeit ist eben je nach Person bzw. Gehirn unterschiedlich. Für den einen mag ein Leben in einer Hütte der Himmel auf Erden sein, für den anderen ist es eine Strafe. Und das mag mit der Zeit nicht besser werden, man hat sich eben damit abgefunden. Das Ergebnis ist, was zählt: Bringt es mir innere Freude oder eben nicht?

Ich habe gelernt, wenn ich meinem Gehirn gebe, was es zum Wohlfühlen braucht – in der richtigen Balance wohlgemerkt – dann fühle ich mich rundum wohl. Spannung und Entspannung. Geschäftigkeit und Stille. Bewegung und Ruhe. Wie vieles braucht es die für uns passende Mischung.

Manche hingegegen haben ihr Körpergefühl verloren. Sie erspüren sich nicht einmal mehr als gestresst und/oder angestrengt, denn der Zustand ist zum Normalzustand geworden. Da zeigt nur noch der Körper durch Magenschmerzen/Rückenschmerzen etc. das etwas nicht im Gleichgewicht ist. Wir haben ein dubioses Gefühl, dass mit uns etwas nicht stimmt. Wenn wir unsere Freunde oder unsere Familie fragen: „Welchen Eindruck mache ich auf Dich?“ können wir vielleicht mehr über uns selbst erfahren.

Die Erfahrungen, die uns geprägt haben – und die daraus resultierenden Gewohnheiten – verschwinden nicht von heute auf morgen. Die Stimme, die ich da in meinem Kopf hörte als ich in der Sonne lag, ist immer noch da. Sie kommt seltener und leiser. Und doch beeinflusst sie mein Leben nicht mehr. Ich stehe nicht wie früher sofort hektisch auf und stürze ins Büro. Ich weiß, wie wichtig es ist, dass ich Zeit in der Natur verbringe und so erkläre ich das dieser Stimme in mir.

Das scheint sie zu beruhigen.

Irgendwann einmal werden die Wunden in unserer Kindheit Narben. Narben, die uns gelegentlich daran erinnern, dass wir da mal eine schmerzliche Wunde hatten.

Sie beeinflussen unser Leben nicht mehr.

Jetzt sind sie sichtbares Zeichen einer Heilung.

 

 

 

 

 

Sechs Wochen Schuhe?

Ihr Lieben,

unser Körper. Wirklich ein faszinierendes Instrument. Ich habe schon seit letztem Sommer eine Stelle an der Fußunterseite – eher am Rand kurz vor meiner rechten Ferse – welche sich eigenartig anfühlt. Ich bin da wohl mal irgendwo reingestiegen. Wenn ich mich richtig erinnere, dann bemerkte ich da vor einem Jahr mal was und schaute nach, ob ich mir etwas eingetreten hatte. Natürlich bin ich vorsichtig, wenn ich an meinen Fußsohlen etwas spüre und „raushole“. Das passiert zwei, drei Mal im Jahr. Mal eine kleine Glasscherbe. Mal ein Holzsplitter oder eine kleine Dorne. Nie etwas Anstrengendes oder Mühsames. Kleinkram eben – wie es ja auch gelegentlich bei den Händen passiert. Und natürlich bin ich immer sehr sorgfältig und desinfiziere die kleine Wunde anschließend und klebe sie mit einem Pflaster ab.

Diese Stelle hat sich zu nichts Großem entwickelt, aber sie ist da. Sie hat den Durchmesser eines Stecknadelkopfes. Leicht gerötet. Nicht heißer als der Rest. Aber sie fühlt sich anders an. Da ich nicht wirklich beim Gehen draufsteige, beobachte ich sie, aber es schien bisher kein großer Aktionsbedarf zu bestehen. Dieser Bereich wurde in letzter Zeit etwas härter, und so nahm ich an, dass da noch irgendwas Kleines drin steckt und es mein wunderbarer Körper mit dem Nachwachsen der Haut wieder ausstoßen wird. Letzte Woche bemerkte ich, dass ich mein Gewicht verlagere und eine Schonhaltung für diesen rechten Fuß einnehme, was ja barfuß sehr viel leichter festzustellen ist, als mit Schuhen. Immer noch ging ich davon aus, dass „es“ jetzt wahrscheinlich durch die Haut ausgestoßen wird. Aber meine Intuition meinte, ich sollte da noch jemand anderen draufschauen lassen. Daraufhin ging ich zu meiner Nachbarin – einer Fußpflegerin. Ich habe zwar Lupen, aber sie hat eindeutig bessere und mehr Erfahrung auf dem Gebiet. Sie feilte das bisschen Hornhaut weg, dass sich da schon gebildet hatte. Ob was drin ist, konnte sie nicht sehen. Nur einen kleinen schwarzen Punkt. Sie schlug mir die Benutzung einer Zugsalbe vor.

Ich schätze Zugsalben und benutzte sie für eine Woche. Die Haut wurde wieder weicher und der Auftrittsschmerz hörte auf. Ich machte trotzdem einen Termin bei meinem Hautarzt um sicher zu gehen, dass ich da nichts übersehe, denn meine Nachbarin war auch nicht sicher, ob es nicht doch eine Warze ist. Eine Warze??? Das konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ich hatte noch nie eine.

Mein Hautarzt war zwar nicht da, aber auch sein Kollege wusste um mein Barfußgehen und neugierig wie ich war, wollte ich mir die Stelle bei der Untersuchung genauer ansehen und konnte auch durch die Vergrößerung am Bildschirm kleine, schwarze Punkte erkennen. „Ja, das ist eine Warze und die ist ziemlich tief drin.“ Warze – das Wort alleine ist wirklich sehr unsexy. Warzen hatten Hexen im Märchen. Ich merkte, ich muss mein Verhältnis zu Warzen entwickeln. Bevor ich überhaupt reagieren konnte, wurde etwas weggeschnitten, dann vereist und die nicht wirklich schmerzfreie Ameisensäure – auch eine interessante Erfahrung -draufgetupft. Und dann kam es: Die Ameisensäure-Behandlung muss zwei Mal in der Woche für sechs Wochen erfolgen und dabei darf man sie nicht abdecken (kein Pflaster etc.). Ich schaute meine Arzt etwas verzweifelt an: „Schuhe?“

Er nickte bedauernd: „Schuhe.“

Ich seufzte. Schuhe im Frühling. Also gut. Wie Fußwarzen entstehen, wollte ich wissen. Und er meinte, dass kann natürlich immer mal passieren und das Imunsystem sorgt normalerweise dafür, dass sie sich nicht einnisten. Ich habe ein fantastisches Imunsystem und war überrascht – aber da ich mich nicht mit der Realität anlege, ist es nun mal so. So zog ich meine Xero-Schuhe (dünne Sohle und ein paar Bänder) auf den Gehwegen und Straßen wieder an. Mit offenen Wunden am Fuß rum zu marschieren ist dann doch keine gute Idee.

Danach ging ich zu einem Mittagessen mit einem Freund, der einen Blick auf meine Füße warf, meine Xero-Schuhe entdeckte und meinte: „Du schummelst ja!“

Das hat man davon, wenn man fast immer barfuß geht. Das wird dann für das Umfeld zur allgemeinen Verpflichtung. Muss ich jetzt ein Schild tragen, dass ich das nur für sechs Wochen machen muss?

Meine Freundin Rita Fasel – ihres Zeichen Expertin in Augen- Hand- und Fußlesen – sagt mir dazu, dass die Stelle, auf der sich die Warze zeigt, genau die Schnittstelle von Körper und Verstand ist – und eine von diesen beiden Energien mich puscht. Und das Warzen auch gerne etwas mit unterdrücktem Ärger zu tun haben.

Unterdrückter Ärger. Das Problem daran ist ja wohl die Unterdrückung – und die festzustellen ist nicht ganz einfach. Schließlich heißt es ja „unterdrückt“. Habe ich unterdrückten Ärger? Ich überlege. Spüre mich ein.

Nicht das ich wüsste. Ja, wir sind gerade auf der Suche nach einem neuen Zuhause wegen Eigenbedarfs und natürlich bin ich nicht begeistert davon, dass wir ausziehen müssen, aber ärgerlich darüber? Eher nicht. Ich sehe das als Chance und bin gespannt wohin mich meine Seele zieht. Gibt es einen anderen Bereich bei dem ich ärgerlich bin?

Ich komme nicht drauf.

Grundsätzlich finde ich alles spannend, was man über sich selbst herausfindet. Und ich wehre das auch nicht ab. Im Gegenteil. Ich bin wie ein Detektiv auf der Suche … doch manchmal finde ich nichts. Manchmal findet sich das auch erst später. Manchmal gar nicht.

Da ich aber alles, was mein Körper mir zeigt, als Information wahrnehme, möchte ich gerne wissen, warum er diese Warze hat. Ich beschließe meine chinesische Ärztin zu fragen, da ich sowieso gerade meine Frühlingsdosis Akkupunktur bei ihr abhole. Seit dem ich jedes Jahr im Frühjahr für ein paar Wochen zur Akkupunktur gehe, habe ich keine allergischen Reaktionen mehr gegen das Blühen der Esche.

Als ich im Wartezimmer mit zwei anderen Patientinnen wartete, kam sie herein und begrüßte uns. Da wir noch etwas Zeit hatten, erzählte meine chinesische Ärztin von meinem Barfußgehen – obwohl gerade in Minimal-Schuhen – und stellte mich als Autorin von ganzheitlichen Büchern vor. Darauf hin schaute mich eine der beiden Patientinnen überrascht an und meinte: „Und dann sind Sie immer noch hier?“

Ich lachte: „Ja, genau deswegen. Ich kümmere mich um meinen Körper. Und wenn er etwas braucht, dann kriegt er es.“

Die Patientin schüttelte den Kopf: „Ich glaube, das muss ich alleine machen.“ Dabei schaut sie müde und angestrengt. Viele glauben wohl, dass ein ganzheitliches Leben eines ist, bei dem man alles alleine macht und kann – beziehungsweise wo es keine Probleme und Herausforderungen gibt und der Körper mit schwingender Glückseligkeit antwortet. Wir machen eine menschliche Erfahrung und sind diversen Herausforderungen ausgesetzt. Da gibt es die Umwelt, Mitmenschen, Erfahrungen, Verletzungen.

Und es gibt Hilfe, Unterstützung, Experten. Und die kann man befragen. Dabei aber immer im Hinterkopf behalten, dass wir selbst Experten sind. Wir sind die besten Experten in unserem eigenen Leben. Wir wissen mehr über unseren Körper als irgendjemand sonst.

Im Behandlungszimmer zeige ich meiner chinesischen Ärztin die Stelle und sie meinte, dass der Körper manchmal etwas rauslässt und sich Öffnungen schafft. Schade, so dachte ich mir, dass mein Körper sich dazu nicht einfach meine Nase genommen hat. Die ist schon auf…

Ich habe immer noch Fragen und da ich dazu gerne eine Antwort hätte, gehe ich in die Stille und meditiere. Das erste was ich sehe und was mir eine innerliche Freude bringt, ist dass die Warze rauspoppt. Vergleichbar mit dem leichten Drücken von Noppen- bzw. Verpackungsfolien. Blup und weg ist sie. Als ich dann fragte, warum ich das bekam, zeigte sich folgendes: Seit dem ich vor einem Jahr auf das Land gezogen bin, habe ich Herausforderungen mit meinem rechten Fuß. Zuerst der Knöchel nach einem Jogginglauf. Dann die Fußsohle mit der besagten Stelle. Als Satz kam: „Das ist noch nicht unser Platz. Hier werden wir uns nicht niederlassen.“ Was ganz gut passt, denn wir müssen wegen Eigenbedarfs ausziehen und suchen gerade ein neues Zuhause. Sechs Wochen Ameisensäure werden es also nicht. Dazu „flog“ die Warze zu schnell während meiner Meditation aus meiner Sohle heraus.

Drei Tage später wäre wieder – laut Plan – ein Ameisensäuretupfer notwendig. Aber ich zögere. Die Stelle an meinem Fuß ist jetzt dunkel und sieht wie ein Bluterguss aus. Da nochmal was drauf? Das fühlt sich nicht richtig an. Eher will ich die Stelle trösten, als ihr Schmerz zufügen. Ich rufe meinen Hautarzt an, der jetzt wieder da ist, und ich kann vorbeikommen. Er schaut sich das mit der Lupe an und meint: „Das heilt jetzt gerade. Da muss nichts mehr hin.“

„Und Schuhe?“

„Die brauchst du auch nicht mehr.“

 

 

Warum ich barfuß gehe – ein update

… oder ob ich immer noch barfuß gehe, das werde ich in den letzten zwei 1/2 Jahren immer mal wieder gefragt. Das ist hier ein update mit ein paar Informationen von meinem ersten Blog dazu. Also: Ich gehe schon seit vielen Jahren barfuß – eben das übliche: Zuhause, auf der Wiese, gelegentlich im Wald oder beim Wandern. Ich war aber früher nie barfuß in Restaurants, beim Wandern, im Zug oder bei meinen Vorträgen. Ich habe immer schon in meinen Büchern, auf meiner Website oder auf Facebook angeregt mal die Schuhe auszuziehen. Ich glaube, dass es wichtig ist, wenn wir die Erde, den Boden erspüren und mal alles wegnehmen, was uns von Mutter Erde trennt. Aber die Betonung lag auf „mal“ und nicht auf oft.

Natürlich bin ich auch Frau und mit dem (ich befürchte fast) genetischen Schuhtick ausgestattet. Aber ich habe empfindliche Füße. Blasenpflaster waren immer in meiner Handtasche und wenn ich von den Winterschuhen mit den dicken Socken in die Riemensandalen wechselte, kamen die Blasen. Ich war deswegen auch immer auf der Suche nach den “perfekten” Schuhen. Welche, die nicht schmerzen. Besonders suchte ich den perfekten Schuh für die Reise, denn wenn ich unterwegs war, nahm ich einen halben Schuhladen mit: Ballerinas, High Heels, Turnschuhe, Flipflops, Stiefel. Das war immer sehr mühsam. Dafür alleine lohnt sich das Barfußgehen schon; in meinem Koffer habe ich jetzt mehr Platz.

Erst als ich die Schuhe ganz auszog verstand ich, dass ich die „perfekten Schuhe“ immer schon hatte: Meine Füße!

Mir fiel früher oft auf, dass meine Haltung nicht ganz korrekt war. Ich fiel zu sehr nach vorne, wenn ich stand. Ich hatte auch immer Schwierigkeiten lange zu stehen. Irgendetwas stimmte an meinem Bewegungsablauf nicht.

Dann las ich im Juli 2014 das Buch von Carsten Stark: “Füsse gut, alles gut” – und zog, nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte, im Flieger sofort meine Schuhe aus. Ich war fasziniert vom Ballengang und wollte ihn unbedingt ausprobieren. Ich kaufte mir in der Ankunftshalle in der Apotheke feuchte Reinigungstücher, um mir die Füße abzuwischen, wenn ich irgendwo reintrete oder jemanden besuche … und das war es dann. Seitdem gehe ich fast alles barfuß.

Ich habe mir den Ballengang angewöhnt – also vorne mit dem Ballen zuerst auftreten und nicht mit der Ferse. Dadurch ist das Aufprall bei jedem Schritt im Körper sehr viel sanfter. Das hat eine Weile gedauert und war zuerst mit erstaunlichem Muskelkater verbunden. Jetzt fühle ich mich wohl damit.

Ich gehe zu 90% barfuß und ich bin in diesen zwei einhalb Jahren drei Mal in Glasscherben reingetreten. Der Trick ist dabei sofort nachzusehen, wenn einem an den Fußsohlen etwas weh tut. Und dann entfernen, was stört. Im Winter kann ich keinen langen Schneespaziergang machen. Neuer Schnee macht noch Spass – für eine Weile. Alter Schnee ist mir zu kalt. Da brauche ich einfach Schuhe. Und dazu sind sie ja auch da. Man braucht Schuhe, wie man Handschuhe braucht: Es ist zu heiß, zu kalt oder zu gefährlich.

Man merkt beim Barfußgehen auch sofort, wenn man eine Schonhaltung einnimmt. Ich habe mir mal beim Laufen den Knöchel leicht verletzt und spürte sofort, dass mein Bewegungsapparat nicht mehr rund lief. Als ich dann für ein paar Tage Schuhe trug, da ich Schmerzen hatte und einen Puffer brauchte, spürte ich den Unterschied: Barfuß spüre ich, wenn ich eine Schonhaltung einnehme. Mit Schuhen nicht.

Barfuß zu gehen ist ein unfassbares Freiheitsgefühl. Früher bevorzugte ich das Radfahren, heute das Gehen, denn so erspüre ich die unterschiedlichen Böden. Straßen sind übrigens sehr warm. Muss am Teer liegen. Manche Supermärkte eiskalt. Der Münchner Flughafen hat einen fantastischen Boden: Richtig gemütlich für die Füße. Gras, Wiese, der Boden im Nadelwald, Match – das ist natürlich großartig. Regen! Unnachahmlich fantastisch. Und saubere Füße gibt es obendrein noch. Alleine schon sich nicht zu überlegen, welche Schuhe man anzieht, wenn man schnell die Post holt oder Brot vom Bäcker ist herrlich.

Das einzige was mich am Anfang störte, war das Auffallen. Natürlich ist es praktisch wenn ich einen Vortrag halte, wenn man mich wahrnimmt – aber in meinem privaten Leben bin ich lieber Beobachter, statt Beobachtete. Und hier ist die Frage, die sich uns allen immer wieder stellt: Passe ich mich an oder erspüre ich, was ich selbst brauche? Dazu gehören gelegentlich seltsame Blicke von Anderen, aber eben auch interessante Gespräche. Was mich am meisten beeindruckt und rührt, ist die Großzügigkeit, die wir Deutschen uns angewöhnt haben. In meiner Generation durfte man als Kind nicht auf dem Rasen spielen und was die Nachbarn sagten, war das Amen in der Kirche. Jetzt sieht man mich barfuß in Restaurants, im Flugzeug, im Zug, auf der Straße, in Museen und Konzerten und niemand beschwert sich. Ich finde das toll!

Beim Barfußgehen werden unsere Füße wieder wach. Unser Energiefeld das oben gut funktioniert (Augen, Ohren, Nase, Hände) wird auch unten wieder aktiviert. Wir inspirieren unseren Körper wieder überall zu spüren. Der Körper im harmonischen Ganzen und nicht abgetrennt in eine obere und eine untere Hälfte. Wir haben fast verlernt, wie es sich anfühlt, frei an den Füssen zu sein. Stellt Euch vor, wir würden immer zu enge Handschuhe tragen und dann könnten wir sie endlich ausziehen… unsere Hände würden es uns danken und unsere Füße tun das eben auch.

Bei vier, sogar drei Grad fühlen sich meine Füße noch sehr wohl. Eine halbe Stunde barfuß ist noch angenehm. Meine Augen sagten mir am Anfang häufig: „Zieh Dir Schuhe an! Da draußen ist es kalt!“ Aber was wissen die Augen schon von Kälte? Sie sitzen warm verpackt mitten im Kopf. Meine Füße hingegen sagen nach den ersten Schritten nach draußen: „Was willst du denn? Das ist doch herrlich!“ Ich habe keine Erkältung und keine Blasenentzündung gekriegt (auf die meine Mutter am Anfang monatelang wartete. Blasenentzündungen haben etwas mit Bakterien und nichts mit kalten Füssen zu tun. Das war das Märchen dass uns erzählt worden ist, damit wir Schuhe ANziehen.)

Natürlich höre ich auf meine Füße. Wenn sie sich unwohl fühlen und es ihnen zu kalt wird, dann ziehe ich Minimal-Schuhe oder Barfußschuhe an. Ich mag da besonders die Leguanos. Es geht nicht darum, dass wir stur werden – und auch das gilt es auch bei den Leuten die barfuß gehen zu vermeiden. Ich habe nicht umsonst „BodyBlessing – der liebevolle Weg zum eigenen Körper“ geschrieben, um meinen Körper und seine Signale dann zu ignorieren. Also wenn meine Füße sagen, dass es ihnen zu kalt ist oder ich sehe, dass die Situation unpraktisch ist, dann ziehe ich etwas an. Ich war zum Beispiel im letzten Herbst in Südafrika und stellte zu meiner großen Überraschung fest, dass es dort auf manchen Wanderwegen mehr Glasscherben gibt als hier auf dem Oktoberfest. Und dann habe ich mir Schutz geholt. Dazu benutzte ich die Xero-Schuhe, die nur eine dünne bewegliche Sohle mit einer paar Bändern zum festhalten sind.

Es ist auch unpraktisch von heute auf morgen die Schuhe auszuziehen und dann barfuß einen Marathon zu laufen. Da kann man sich enorm verletzen. Unsere Füße sind in Schuhen nichts mehr gewöhnt und das dauert eben ein bißchen, bis sie sich auf die neugewonnene Freiheit eingestellt haben. Gönnen wir ihnen die Zeit der Umgewöhnung.

Gerade Frauen beschweren sich oft über zu kalte Füße. Unsere Füße sind kalt, weil sie der Körper nicht mehr durchblutet. Der denkt sich: „Da unten passiert nichts, die sind eingesperrt in Schuhe, da brauche ich nichts mehr machen.“ Unsere Füße – wenn sie zu oft kalt sind –  sind quasi halb abgestorben. Wenn wir barfuß gehen, werden unsere Füße wieder bewegt und damit durchblutet sie der Körper auch schneller. Ergo: Schnell wieder warme Füße.

Mir ist klar, dass nicht alle von uns ihre Schuhe ausziehen werden oder können. Aber wenn wir unsere Füße öfter bewegen lassen, wenn wir wenigstens ein paar Barfuß-Schuhe mit beweglicher Sohle benutzen, wenn Kinder wieder mehr barfuß gehen dürfen – dann ist schon viel passiert und unser Körper wird es uns danken. Es gibt erstaunlich viele Barfuß-Schuhe, die überhaupt nicht auffallen. Zwar erspürt man den Boden damit nicht – was ich persönlich sehr schade finde – aber der Fuß wird wenigstens bewegt. Manche Barfuß-Schuhe verdienen aber ihren Namen nicht. Die Sohle zu dick, der ganze Schuh zu klobig – da hat wohl jemand nicht ganz aufgepasst …

Wann trage ich Schuhe? Wenn ich mit Leuten unterwegs bin, denen es unangenehm ist, wenn ich barfuß bin. Ich frage da einfach nach. Warum sollte ich unsere gemeinsame Zeit ohne Schuhe für meine Freunde/Familie anstrengender machen?  Wenn ich ab und zu Schuhe trage, dann fällt mir kein Zacken aus der Krone. Eine gewisse Flexibiltät finde ich macht das Leben leichter. Ich trage Schuhe auf Beerdigungen und manchmal Hochzeiten. Bei Gelegenheiten eben, bei denen ich die Aufmerksamkeit von der Hauptperson/dem Hauptzweck ablenken würde. Da ich immer zusammengefaltete Ersatzschuhe in meiner Handtasche habe, ist es ein einfaches mich zu entscheiden.

Gerade in diesem Jahr ist mir aufgefallen, dass die Leute nicht mehr sagen: „Oh Gott, Sie sind ja barfuß!“ – sondern eher: „Ach, Sie sind Barfußgängerin. Davon habe ich schon gehört.“ So ging es auch bei den Vegetariern damals los und jetzt ist das keine große Sache mehr. Das wünsche ich mir für unsere Füße und unser Wohlbefinden auch.

Herzlichst,

Sabrina

 

 

Wie die Seele durch den Körper spricht

Ein Vierseithof. Wie schön. Für diejenigen, die das nicht kennen: Das ist ein Bauernhof an dem an jeder Seite ein Haus steht und somit ein Viereck mit Innenhof bildet. Kann sehr schön aussehen. Kann aber auch daneben gehen.

Dieser Vierseithof sieht auf den Fotos toll aus. (Das Foto oben habe ich wegen des „Nicht-Wiedererkennungs-Wertes“ ausgesucht ;-). So ein Vierseithof hat immer auch etwas Romantisches und deswegen haben sich mein Liebster Stanko und ich auf dem Weg gemacht, um ihn uns anzuschauen. Wir suchen ein neues Zuhause, denn in unserem jetzigen gibt es Eigenbedarf. Wir steigen ins Auto und fahren … und fahren … und fahren. Ganz schön weit weg von unserem jetzigen Zuhause auf dem Land (1 ½ Stunden) und über zwei Stunden von München weg. Der Hof liegt dafür 20 Minuten in der Nähe von Passau. Passau ist eine schöne Stadt, aber eben nicht meine. Selbst mit dem Zug dauert die Fahrt von hier bis nach München zwei Stunden. Auch zum Flughafen eine richtige Strecke.

Erste Zweifel.

Aber wir wollen offen bleiben. „Offen bleiben“ – für das was sich in meinem Leben zeigt – ist ein wichtiges Kriterium für mich. Ich lehne nicht alles erst Mal ab. Vielleicht ist es ja was? Vielleicht muss ich mich überraschen lassen? Vielleicht, vielleicht, vielleicht…

Der Hof steht auf einem schönen Hügel, die Nachbarn 500 Meter weit weg. Mir eigentlich zu weit. Ich mag Nachbarn. Eines der Häuser – das Haupthaus – ist schön hergerichtet. Die anderen haben zwar eine schöne Fassade, aber dahinter ist der Originalzustand: Schweineställe, Kuhställe. Nichts isoliert. Kies als Böden unten und Holzbretter als Decke. Aber Potential. Unglaubliches Potential. Was – in Immobilien – immer auch mit viel Kosten einhergeht.

Ich spüre in mich rein und mein Körper ist erst mal still. Nimmt auf. Erspürt. Mein Verstand sprudelt über vor Ideen: Ja, hier ist Platz. Platz genug für uns. Platz für zwei Ateliers und Büros, ein Meditationszimmer, diverse Gästezimmer und sogar einige Seminarräume könnten ohne Probleme untergebracht werden.

Ich nehme mir Zeit und erspüre die Erde und frage sie, ob sie uns haben will: „Wir freuen uns, wenn Du kommst“ – höre ich. Okay, hier ist kein Widerstand.

Wir gehen um das Grundstück, betrachten die Obstbäume, die Vögel, den weiten Blick in den Himmel und zum Horizont. Neu fühlt sich die Gegend an. Fremd. Ich weiß, dass das auch vergehen wird. Ich bin in meinem Leben schon oft umgezogen. Ist das die erste Fremdheit oder die Fremdheit, die einen zu schaffen machen wird?

Wir steigen ins Auto und schauen uns den nächsten Ort an. Erinnert mich an die Heimatstadt meiner Mutter in der Oberpfalz. Ist das ein Zeichen?

Wir fahren weiter nach Passau und schauen uns dort um. Schöne Stadt. Die Leute schauen aufmerksam und freundlich. Spannende kleine Läden. Viel Kunst. Drei Flüsse treffen sich da. Jede Menge guter Live-Musik wird angeboten.

Mein Körper zeigt sich schwach und wird immer schwächer. Ich spüre eine Schwere auf mir lasten. Diese Schwere fing schon an, als wir den nächsten Ort unweit des Vierseithofs erkundeten, doch jetzt ist sie offensichtlich. Stanko schaut mich besorgt an. Ich muss mich setzten.

Wir wissen, was uns das sagen will. Auch sein Körper zeigt ihm keine Begeisterung. Doch seiner ist ruhig. Meiner wird schwach. Mein Verstand wehrt sich noch: „Aber der Vierseithof! Das könnte doch was werden!!!“ Doch mein Verstand weiß, dass meine Seele durch den Körper spricht. Mein Verstand weiß, dass er sich da nicht durchsetzen kann und gibt auf. Er weißt aus Erfahrung, wenn meine Seele sagt: „Das ist nichts für uns. Hier werden wir nicht genährt“, dann ist das nicht mehr weiter zu diskutieren. Er wird still.

Es ist jetzt klar, dass wir den Vierseithof nicht nehmen und wir wissen auch gleichzeitig, dass wir hier in dieser Ecke nicht mehr suchen müssen. Mein Körper fühlt sich sofort besser und bekommt seine Stärke zurück. Im Auto – auf dem Rückweg aus Passau – fährt der nette Makler in seinem Auto „zufällig“ neben uns. Ich winke ihm zu. Er weiß noch nicht, das dies ein Abschiedsgruß ist.

Am Abend bedanke ich mich noch mal bei meinem Körper und meditiere wie immer und ich frage in der Stille meines Seins nach: „Was war wichtig an diesem Nachmittag?“ Kaum habe ich die Frage innerlich ausgesprochen, kommen in einem kurzen Satz die Antwort als Gedanke: „Gib nicht auf, was du brauchst.“ Ich lächle. Ich weiß, was ich brauche: Einen weiten Blick und einen offenen Himmel. Vom Wohnzimmer/Küchenbereich direkt in den Garten. Nachbarn hinten. Vorne frei. Nicht mehr als ein, zwei Kilometer zum nächsten Ort, damit ich mit dem Rad fahren kann und nicht dauernd ein Auto nehmen muss. Eine aktive Gemeinde, bei der ich mich anschließen kann. Nicht zu weit weg von München und vom Flughafen – also eine Stunde ca. Und eine Zugverbindung. Die habe ich schon vor ein paar Tagen in der Meditation gesehen. Alte Bäume. Wenig Wind. Gerne ein Bach und viel Platz. Platz zum Sein und Platz zum Erschaffen.

Der Vierseithof war zu isoliert. Der Weg zum nächsten Ort mit 5 Kilometer zu weit. Die Nachbarn nicht in der Nähe. Die Verbindung nach München zu lange. Danke, liebster Körper!

Es bleibt spannend.

 

 

Zu allem erst mal Ja sagen

„Zu allem erst mal Ja sagen? Ich bin doch nicht verrückt! Im Gegenteil, ich bin gerade dabei Nein sagen zu lernen und mich abzugrenzen.“ Sie schaute mich an und schüttelte den Kopf: „Ich soll „Ja“ dazu sagen, dass mein Mann mich verlassen hat? Ich soll „Ja“ dazu sagen, dass ich in meinem Job unglücklich bin?“

„Ja.“

„Das müssen Sie mir genauer erklären.“

Ich verstand Ihre Argumente gut. Es wären vor zehn, fünfzehn Jahren auch meine gewesen. „Ja“ zu sagen, das war es, was ich mir damals abgewöhnen wollte. Und doch hatte ich etwas in den Jahren danach verstanden. Ein Ja ist erst einmal ein Ja zu meinem Leben. Ich wehre mich nicht, gegen das was IM MOMENT in meinem Leben passiert. Ich lege mich nicht mit der Realität an. „Das darf doch nicht wahr sein!“ war ein häufig ausgesprochener Satz in meiner Kindheit. Meine (augenzwinkernde) Antwort jetzt darauf ist: „Doch, es ist wahr. Es passiert ja gerade.“

Das heißt nicht, dass ich es „nur so“ hinnehme und nichts dagegen tue. Oft wollen wir die Realität nicht akzeptieren, weil wir befürchten, wir geben mit der Akzeptanz auch eigentlich auf und ändern dann nichts mehr daran.

Das wäre schade und auch nicht nützlich. Doch erst einmal gilt es zu akzeptieren was IST. Und dann schaue ich mir an, ob ich das behalten will …

Alles was mir in meinem Leben passiert, ist zu meinem Vorteil da. Das mag am Anfang nicht so aussehen, aber ich weiß, dass meine Seele nach Wachstum sucht. Und wir lernen nun mal nicht besonders viel, wenn wir mit einem Glas Sekt unter einer Palme sitzen. Das mag schön gemütlich sein und – verstehen Sie mich nicht falsch – wunderbar und großartig, aber lernen tun wir nichts dabei.

Wir lernen von Herausforderungen. Von Dingen, die nicht einfach sind. Manchmal sind sie so schmerzhaft, dass wir sie kaum ertragen können und doch erfahren wir dabei viel über uns selbst: Wie gehe ich mit der Situation um? Wie bin ich früher damit umgegangen? Wie möchte ich gerne mit dieser Situation umgehen? Warum zeigt sich mir das jetzt? Was möchte ich darüber verstehen? Wie ist sie entstanden? Wohin möchte ich mich entwickeln?

Ich habe vor einem Jahr mein Zuhause verloren (siehe älterer Blog). Dann bin ich aufs Land zu meinem Liebsten gezogen und bin jetzt ein Jahr hier. Letzte Woche kamen die Hausbesitzer und erzählten von dem Eigenbedarf für ihre Tochter. Wir wussten schon vorher, dass das irgendwann einmal passieren wird. Wir dachten nur noch nicht, dass es jetzt passiert. Sie mögen uns gerne als Mieter und man konnte sehen, dass sie am liebsten zwei Häuser gehabt hätten: Eines für uns und eines für ihre Tochter.

Also nochmal umziehen. Nochmal ein Zuhause suchen.

In mir gab es ein Ein-Sekunden-Gefühl: Eine Art Trauer kam hoch und dann ging sie wieder. Mehr war da nicht.

Als ich damals die Münchner Wohnung verließ, hatte ich länger damit zu tun. Es dauerte ein paar Tage bis sich mein Gehirn von einem hektischen „Wir-müssen-SOFORT-ein-Zuhause-finden“-Modus löste. Damals brauchte ich einige Meditationen und Yogastunden. Dieses Mal nicht.

Wachstum erkennt man daran, wie man sich früher verhalten hat und wie man sich jetzt verhält – und wie lange es dauert, bis man emotional und körperlich wieder in seinem Wohlfühl-Zustand ist.

Ich kannte früher diesen relativ konstanten Wohlfühl-Zustand nicht. Mein energetisches Feld war wackeliger. Harscher. Unharmonisch. Mal war ich oben, mal war ich unten. Das wechselte enorm schnell. Ein Blick konnte mich verwirren, ein Gedanke in tiefe Täler schicken. Das wechselte mehrmals täglich. Das hat sich sehr verändert. Ich befinde mich fast immer in einem Wohlfühlmodus. Und falls ich da mal rausfalle, komme ich schnell wieder rein. WIE SCHNELL man wieder reinkommt, ist ein Indikator unseres Wachstums. Jeder von uns kann mal aus seiner Schwingung herausfallen – schließlich leben wir – doch wie schnell man wieder zurückkommt (also welche Techniken wir haben um das zu erreichen) zeigt uns unser Wachstum.

„Jetzt verstehe ich, was Sie meinen“, sagte mein Gegenüber zu mir. „Ich denke mal darüber nach. Und es hilft ja nichts, wenn ich mich weigere, die Tatsachen anzuerkennen. Wie heißt das neuerdings? Alternative Fakten.“ Sie lachte. „Tja, dann werde ich doch mal Ja dazu sagen.“

Übrigens, falls Sie von einem großen Haus hören, gerne auch mit Scheune oder Werkstatt daneben. Weiter Blick in den Himmel. Mit ein paar netten Nachbarn. Bayern bevorzugt. Und eine Bahnstation glaube ich hat es auch. Das habe ich in der Meditation gesehen. Melden Sie sich gerne…

 

 

 

 

 

Familienerbe…

Dieser Blogeintrag ist inspiriert von meiner fast 90jährigen Mutter. Sie erlaubt mir, dies zu teilen. Heute war sie zu Besuch. Da sie häufig die Beine hochlegen muss, sieht sie dabei gerne fern. Ich fragte sie, ob sie das normale Programm oder lieber einen Film ansehen möchte. Sie möchte lieber einen Film sehen. Ich schaute auf Netflix nach. Ich zeigte ihr eine Auswahl und fragte sie immer wieder „Was hältst du davon?“ Ihrem Gesichtsausdruck zu deuten, war noch nichts Richtiges dabei. Dann landeten wir bei einer Serie und sie meinte: „Ja, warum nicht.“ Ich schlug vor mal reinzuschauen und wenn es ihr gefällt, dann würden wir dabei bleiben. Ich setzte mich zu ihr aufs Sofa und wir schauten fern. Kurz danach fragte ich sie: „Und? Willst du weiterschauen?“ „Ja“, sagte sie. Wir schauten weiter. Ich sah auch immer mal wieder zu ihr hinüber, denn ich kenne sie ja. Sie lächelte und verfolgte die Serie neugierig. Wir schauten weiter. Zwanzig Minuten später rührte sich meine Intuition und ich fragte sie noch mal: „Gefällt sie dir? Magst du sie weiter anschauen?“
Sie zuckte mit den Schultern: „Wenn du sie gerne ansiehst, dann schaue ich sie auch an.“
In mir zuckte es. Jetzt sind wir trotz meines permanenten Nachfragens wieder mal in Mamas Lebensthema gelandet: Wahrhaftig sagen, was man möchte. Und nachfragen, ob der andere wirklich das denkt, was angenommen wird.
„Mama, es ging darum was Du sehen möchtest, nicht was ich sehen möchte. Es war nicht mein Wunsch fernzusehen, es war deiner.“
„Ich dachte, Du möchtest sie gerne sehen und dann schaue ich sie eben mit.“ Für sie war es kein großes Ding. Für mich schon. Ich versuche immer noch – manchmal frage ich mich ob ich lernfähig bin – ihr das abzugewöhnen.
„Mama, ich habe Dich gefragt was Du sehen willst. Erzähl mir, wieso du glaubst, dass ich das sehen will? Und warum hast Du mich denn nicht gefragt, ob ich das auch wirklich denke?“
Sie lachte. „Du kennst mich doch.“

Ja. Ich kenne sie und ihr kenne ihr Lebensthema. Ich habe es geerbt.
Wir sprachen darüber, wie wir schon duzende Mal darüber gesprochen haben. Ich gebe gerne zu, dass ich davon gelegentlich frustriert bin, aber ich versuche den Humor zu behalten. Meine Mutter ist fast 90 Jahre alt. Vieles hat sie in Ihrem Leben verstanden und verändert.
Das nicht.
Ich durfte erkennen, dass ich und meine Schwestern dieses „Familien-Erbe“ verändert haben. Wir haben – manchmal mühsam, manchmal schmerzlich und doch Schritt für Schritt – gelernt uns auszudrücken. Es ist nicht nötig dieses Erbe/diese Themen bis ans Ende des Lebens mitzuschleppen. Wir können es verändern. Und doch sehe ich am Leben meiner Mutter was passiert wenn man es eben nicht verändert.

Vor einiger Zeit sprachen wir darüber, dass meine Mutter so gut wie nie Fragen stellt. Das liegt daran, dass ihre Mutter ihr das Fragenstellen mit den Worten: „Musst Du immer so neugierig sein?“ – „Das geht dich überhaupt nichts an!“ – „Jetzt sei doch mal still!“ abgewöhnt hat. Meine Mutter hat die neugierigen Fragen ihrer Kinder so schon nicht mehr beantwortet und uns damit die Möglichkeit gegeben entspannt und selgstverständlich zu fragen.
Bis zu dem heutigen Tag ist im Kopf meiner Mutter die Stimme ihrer Mutter lebendig. 70/80 Jahre später reagiert sie noch so, wie ihre Mutter es ihr damals eingeimpft hat.
Wollen wir das auch so erleben?
Wir haben die Wahl: Will ich das behalten? Oder möchte ich es verändern? Dazu braucht es immer die Erkenntnis, dass es veränderbar ist. In unserer Familie kann man das sehen: Von einer Generation zur nächsten wurde es verbessert. Es ist also machbar.

PS: Da mir das Thema sehr am Herzen liegt, gebe ich dazu in Hamburg (11. und 12. Februar) und in Hannover (5. Februar) einen Workshop: „Wie sage ich es?“

Der innere Schweinehund

„Bei dir schaut das aber so einfach aus!“ Der junge Mann war erstaunt, als ich ihm erzählte, dass mir Disziplin nicht leicht fällt. Wenn es etwas zu erledigen oder zu tun gibt, dann erspüre ich häufig eine innere Faulheit, ein Gefühl von: „Muss das jetzt sein?“ Und dann gibt es in mir ein erwachseneres Selbst, ein intelligenteres Selbst, das mir sagt, dass das jetzt gerade wichtig ist.

Ich erzählte ihm, dass ich früher selten etwas fertig gemacht habe. Ich dachte, ich bin ein guter Initiator, aber für den Rest, für das „fertig machen“ nicht wirklich geeignet. Ich entschuldigte mich damals damit, dass das meine Persönlichkeit sei und dass ich jemand bräuchte, der dann die Dinge, die ich initiierte, auch fertig machte. So suchte ich nach dem geeigneten beruflichen „Partner/in“ – doch es kam niemand.

In meinen Zwanzigern, versprach ich häufig Dinge, die ich nicht hielt: „Ich rufe dich später an“, war am nächsten Morgen vergessen. „Ich schicke dir das Buch“, ebenfalls. Nun ja, es war nicht ganz vergessen. Da gab es eine kleine Stimme, die mich an mein Versprechen erinnerte und ich versuchte sie ruhig zu stellen, in dem ich es auf morgen verschob. Aber der Morgen kam und ging und nichts passierte. Meistens erinnerte ich mich siedend heiß eine Woche später an mein Versprechen, aber dann versuchte ich mich damit zu beruhigten, dass es jetzt wirklich schon zu lange her sei und der Andere es bestimmt/hoffentlich auch vergessen hatte. Dummerweise blieb aber ein komisches Gefühl in der Magengegend zurück. Ein Gefühl, dass ich nicht wirklich verlässlich sei.

Als ich mit dreißig Jahren heiratete, merkte ich relativ schnell, dass ich einen Lehrmeister im Einhalten von Versprechen geheiratet hatte. Er war – trotz aller Verliebtheit – schockiert darüber, dass ich es nicht tat. „Hast Du schon soundso zurückgerufen?“ frage er mich mehrmals und ich stammelte irgendeine Entschuldigung. Wenn er sagte, er würde jemandem ein Buch schicken (und das war damals noch weit vor einfachen Internet-Bestellungen, sondern erforderte einen Gang zum Buchladen und zur Post) dann war es am nächsten Tag unterwegs. Es dauerte ein paar Jahre bis ich es auch lernte. Aber ich lernte es durch sein Vorbild.

Ich merkte, dass es bei mir zwei Gründe gab, warum ich etwas nicht erledigte:

  • Manchmal wollte ich es eigentlich nicht: Ich hatte etwas zugesagt – vielleicht vorschnell und nicht richtig überlegt – und bedauerte das. Leider korrigierte ich es nicht. Zum Beispiel mit einem: „Tut mir leid, aber das wird mir gerade zu viel. Ich schaffe das zeitlich nicht.“
  • Manchmal war ich zu faul.

Als ich verstand, dass ich selbst die Sachen fertig machen sollte, die ich anfing und die Versprechen halten sollte, die ich gab, begann ich sorgfältiger mit meiner Auswahl zu werden. Ist das einfach nur eine interessante Idee (und von denen habe ich viele) oder ist das etwas, das ich bis zur Fertigstellung begleiten möchte? Natürlich hat jedes Projekt auch seine zählen Momente, aber hält das Projekt meine Aufmerksamkeit genug, um es auch bis zum Ende durch zu ziehen? Genauso wie ein Versprechen eben auch Zeit braucht, die ich zur Verfügung stelle. Bin ich dazu bereit oder nicht?

Wahrscheinlich bin ich im Tiefsten meines Herzens ein fauler Mensch. Und das hat auch immer etwas mit dem Haushalten unserer Energiereserven zu tun. Das Gehirn ist darauf programmiert nicht unnötig Energien auszugeben. Es könnte ja ein Säbelzahntiger vorbei kommen und dann brauchen wir alle Energie, die wir aufbringen können.

Jeden Morgen wenn ich Yoga mache, sagt mir eine kleine Stimme: „Ach, wirklich? Es ist doch gerade so gemütlich ohne. Lass uns doch Yoga heute mal ausfallen.“ Und ich lächle, erkläre mir, dass auch heute kein Säbelzahntiger vorbeikommen wird und dann lege ich die Yogamatte aus … denn ich weiß, das tut mir gut. Und das ist es, was ein aufmerksameres, intelligenteres Leben ausmacht: Ich begreife die zukünftigen Ergebnisse meiner jetzigen Entscheidungen. Also wenn ich weiterhin beweglich bleiben will, ist es praktisch jeden Tag etwas dafür zu tun. Wenn wir verstehen, dass unser innerer Schweinehund eigentlich ein „Energiespar-weil-Säbelzahn-Tiger-kommen-könnte“-Modus ist, dann fällt es uns vielleicht ein bißchen leichter …

 

 

Abwehren …

Ihr Lieben,

gelegentlich werde ich in der Schnupfen-/Grippe-Saison gefragt, warum ich nie Grippe habe und was ich denn mache, wenn ich merke, dass Viren oder Bakterien sich bei mir einnisten möchten. Dafür habe ich schon seit Jahren ein sehr erfolgreiches Abwehrprogramm entwickelt und irgendwie dachte ich mir, es wäre vielleicht ganz praktisch das mal zu teilen.

Meistens erspüre ich das im Hals. Da gibt es dann einen Punkt, der plötzlich kratzt. Ein Punkt, der plötzlich auffällt. Wann immer ich es merke, beginne ich SOFORT mit einer massiven Abwehr. Die Betonung liegt auf SOFORT. Früher habe ich gedacht „Ach nee, das kratzt. Das wird schon nichts werden.“ Oder „Ach, ich liege aber doch jetzt schon so gemütlich im Bett. Das ist bestimmt morgen vorbei.“ Denkste! Wenn sich Viren/Bakterien mal eingenistet haben, dann bleiben sie eine Weile. Es ist also praktischer, sie wie ungebetene Hausgäste sofort aus dem Haus zu schieben. Das mache ich so:

  1. Ich erspüre mich SOFORT beim ersten Gedanken („Da kratzt doch was?“) in meinen Körper ein. Lokalisiere den „Punkt des Einnisten-Versuchs“ und sage energisch (laut oder innerlich): „Nein! Das ist mein Körper. Da ist kein Platz für Dich. Und Tschüss!“ – Ich bezweifle meine Fähigkeit des „Herausschmeissens“ nicht. Schließlich ist das mein Körper.
  2. Um dem zusätzlichen Nachdruck zu verleihen (auf Gedanken sollten Taten folgen) hole ich meine „Abwehr-Schale“. Es wird auf jeden Fall mit Salz gegurgelt und je nach Gefühl eines oder mehrere meiner Abwehrmittel für den Tag benutzt und zwar so lange bis ich nichts mehr im Hals spüre.
  3. Selbst wenn ich im Bett liege und merke, da rührt sich was im Hals, stehe ich auf und mache mein Abwehrprogramm. Über all die Jahre habe ich gemerkt, wenn ich aus Faulheit liegen bleibe, dann lasse ich zu, dass sich jemand einnistet.

Der Grundgedanke ist immer der gleiche: Ich bin aufmerksam und lasse etwas zu, oder eben nicht. Erst gestern bekamen wir Besuch und als er ging, erspürten mein Liebster und ich beide, dass mit dem Gast ein Virus mitkam. Und sofort wurde die „Abwehr-Schachtel“ geholt.

Es gibt allerdings diverse Gründe, warum wir krank werden wollen:

  1. Manche von uns erlauben sich allerdings erst bei einer Krankheit eine Ruhepause. Sie  möchten unterbewusst krankwerden – denn nur dann können sie sich ausruhen.
  2. Manche suchen durch Krankheit eine Auszeit von einem ungeliebten Job zu bekommen.
  3. Manche brauchen Aufmerksamkeit und werden krank. Wenn wir als Kinder nur dann die Liebe der Mutter oder des Vaters gespürt haben, wenn wir krank wurden, dann ist es nicht selten, dass wir dieses Gefühl mit in unser Erwachsenenleben nehmen: „Bitte kümmert Euch um mich. Ich fühle mich gerade alleine/einsam/abgelehnt/unsicher/ungeliebt…

Dies sind oft unbewusste Wünsche krank zu werden. Da kann ich natürlich soviel Abwehrschachteln haben wie ich will: EIGENTLICH will ich krank werden. Nur dann, wenn ich keine unterschwelligen Sehnsüchte danach habe, funktioniert diese Abwehr.

Schwere Krankheiten können auch einen der obrigen Gründe haben. Meistens kommt aber noch etwas dazu: Wir, als Seele, suchen eine bestimmte Erfahrung. Das ist keine Schuld-Frage, sondern eine Erfahrungsfrage. Manchmal wird jemand krank, damit etwas in der Familie heilt (Zum Beispiel: Weit auseinandergerissene Familien kommen dadurch wieder zusammen. Oder es werden neue Lebens-Prioritäten gesetzt. Oder es wird eine unerträgliche Situation geändert.) Oder wir leben in einem ungesunden Umfeld (nicht nur emotional, sondern auch körperlich) welches uns nicht gut tut und unseren Körper vergiftet.  Oder wir ignorieren schon seit Jahren die Warnzeichen und jetzt „zwingt“ uns unser Körper darüber nachzudenken. Oder aber es ist Teil unseres Seelenwegs mit einer bestimmten Krankheit zurechtzukommen (Eine Lähmung durch einen Unfall zum Beispiel).

Bei jeder Krankheit gibt es einen Grund, warum wir schwächeln. Ignorieren wir vielleicht seit Jahren schon unseren Körper und unsere eigenen Sehnsüchte? Die Seele zeigt uns mit jeder Krankheit eine Hausaufgabe und die besteht darin herauszufinden, was unser Körper braucht und warum er uns diese Zeichen gibt. Und dazu hilft es mit dem Körper zu sprechen. In die Stille zu gehen und ihn einfach zu fragen: „Warum erlebe ich das?“ und „Was brauchst du von mir?“

Alles Liebe,

Sabrina

PS. Viel mehr und ausführlicher über das was unser Körper braucht, zeigt und heilen kann: Mein Buch „Bodyblessing – Der liebevolle Weg zum eigenen Körper“