Die kleinen Dinge oder simplify your life – Teil 2

Es sind die kleinen Dinge, die oft an Großes erinnern. Kleine Dinge, die gelegentlich mit einer gewissen Rührung kommen. Oder manchmal mit einem Deja vu-Gefühl.

Als ich das letzte Mal umzog – von Los Angeles zurück nach Deutschland – war es eine Packung Wattestäbchen. Als ich, noch in Los Angeles lebend, im Geschäft automatisch die große Packung in die Hand nahm, wurde mir klar, dass ich sie bis zu meinem Umzug nicht mehr aufbrauchen würde. Damals, vor zehn Jahren, hat das eine gewisse Melancholie ausgelöst: Bald nehme ich Abschied. Bald bin ich weg. Bald ist das Vertraute nur noch Vergangenheit.

Jetzt ziehe ich wieder in ein paar Wochen um und mir gehen wieder die Wattestäbchen aus. Dieses Mal war es mehr Rührung, als Melancholie. Die Be-Rührung, dass ich wieder ein Zuhause wechsle … und die Erinnerung an die Wattestäbchensituation von damals.

Ein Zuhause ist die Verlängerung unseres Körpers. Wenn wir „nach Hause“ kommen, dann erweitert sich unser Energiefeld in diesen Raum, in diesem Wohlgefühl, das wir uns erschaffen haben. „Ahhhh! Daheim!“ – wer kennt das nicht? Immer vorausgesetzt, dass sich unser Zuhause auch wirklich wie eines anfühlt.

Jeder Umzug zeigt uns immer ein neues Wachstum. Wir verändern einen Teil unseres verlängerten Körpers. Lassen etwas zurück und begeben uns (neuer, klarer, neugieriger) in ein anderes Zuhause. Claudia van der Kamp, meine Assistentin und Freundin, hat ihr Zuhause in Berlin aufgegeben und ging aufs Land in ein kleines Zimmer innerhalb einer Drei-Personen-Kommune. Sie gab vieles her. Sie wollte sich verkleinern. Simplify your life. Auch da war es wieder. Sie genoss die Stille der Natur. Und auch das Alleinsein im Haus – denn ihre zwei Mitbewohner waren kaum da.

Nach ein paar Monaten spürte sie eine Unruhe und nach einigen Meditationen erfühlte sie, dass sie mehr Menschen, mehr Leben, mehr Raum und mehr Wahlmöglichkeiten – auch zum gemeinsamen singen – braucht. Sie erspürte stark, das die Zeit des fast kompletten Rückzuges vorbei war und so zog sie – mit dem wenigen was sie noch hatte – nochmal um. Jetzt fühlt sie sich angekommen.

So ein Umzug konfrontiert uns auch immer mit dem Angesammelten: Was will ich behalten? Bin ich das noch? Will ich das noch mal mit mir rumschleppen?

Jeden Tag gehe ich durch eine Schublade, einen Schrank, ein Regal oder einen Ordner. Jeden Tag treffe ich Entscheidungen was zu verschenken, was zu verkaufen, was zu behalten und was zu entsorgen ist. Jeden Tag berühre ich Dinge aus meiner gelebten Vergangenheit. Heute ist das Bücher aussortieren dran. Wie viele will ich wirklich behalten? Für mich ist es immer am einfachsten die Sachen zuerst rauszunehmen, die ich wirklich mag. Der Rest kann dann meistens weg.

Außer den Wattestäbchen.

Im Gästebad waren noch welche. Die sollten reichen …

3 Antworten
  1. Pi
    Pi says:

    Hallo. Vielen Dank für die offenen Worte aus deinem Leben!
    Ich bin ganz gerührt von den Wattestäbchen, die auch bei mir im Badezimmer in der oberen
    Schublade liegen und mich jetzt an dich erinnern. Deine Worte regen mich an, meine Dinge durchzusehen und kritisch in die Hand zu nehmen. Brauche ich dich noch oder ist deine Zeit vorbei. Meistens bekomme ich Mitleid und lege die Dinge zurück an ihren Ort und schiebe die Schubladen zu, damit sie dort in der Dunkelheit bis zur nächsten kritischen Betrachtung weiterschlafen können. Viel Glück beim Umzug! Pi

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  2. Jutta Jantos
    Jutta Jantos says:

    Liebe Sabrina Fox

    ich mag sie sehr. Ich habe Bücher von ihnen und wenn ich diese Bücher nach einiger Zeit wieder durch stöbere oder nur die Bilder anschaue, dann geht von diesen Büchern eine magische Ruhe und Kraft hervor das ich so uberrascht bin .Danke für ihre tolle Ausstrahlung und Magie.Ich gehe jetzt ihre Bücher suchen.
    Danke das es sie gibt.
    Jutta Jantos

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  3. Detlef
    Detlef says:

    Ja… daheim….
    Herrlich, das Gefühl kenne ich. Mal ist es ein Ort. Nie ist es ein bestimmter Ort im Sinne von „immer derselbe“. Es ist dort, wo ich sein kann, der ich bin. Wo ich Musik machen kann, meine Liebsten um mich habe, aufgehoben bin.
    Insofern gibt es für mich kein „anderes Zuhause“. Dieses Zuhause ist immer in mir – die Umgebung ist Projektionsfläche. Mal passt es, mal nicht. Ich weiß, dass am Ende mein Zuhause überhaupt nicht von dieser Welt ist. Nicht hier, nicht im Jetzt. Ich darf es im Hier und Jetzt aber erleben und genießen. Ist das nicht wunderbar? Und doch weist das Gefühl des Zuhause im Hier und Jetzt nur auf eine anderes endgültiges Zuhause im „ganz bald“ und dann „dort“.

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