Eltern sind für immer

Meine Lieben,
eine meiner Freundinnen und ihr Mann haben eine sehr ungewöhnliche Lösung für die Zeit nach ihrer Scheidung gefunden. Sie haben zwei gemeinsame Kinder, die vierzehn und sechszehn Jahre alt waren, als die Ehe vorbei war. Beide wollten, dass den Kindern das Zuhause erhalten bleibt. Vom Hin- und Herschleppen zwischen zwei Haushalten hielten sie nichts. Sie wollten es den Kindern so einfach wie möglich machen. Sie suchten ein zweites Appartement und nannten es „Solo-Appartement“. Es befand sich in der Nähe der Familienwohnung. Der Elternteil, der sich um die Kinder kümmerte, lebte in der früheren gemeinsamen Wohnung und derjenige, der „solo“ war, zog in das Appartement. Fast jede Woche wurde gewechselt. Urlaube und Dienstreisen wurden natürlich eingeplant und gegenseitig berücksichtigt. Ich bewunderte beide sehr für diese Entscheidung. Es war natürlich nicht immer einfach. Jetzt spürten die Eltern das hin-und-her-Ziehen. Doch für beide war klar, dass es sich hier nur noch um eine begrenzte Zeit handelt und die würden sie irgendwie schaffen.

Klare Regeln halfen bei diesem Arrangement. Gelegentlich gab es anstrengende Zeiten und beide überlegten sich, ob es nicht besser sei, doch zwei verschiedene Wohnungen mit diversen neuen Kinderzimmern zu mieten. Davon abgesehen, dass das eine sehr viel teurere Variante gewesen wäre, waren es die Kinder, die ihnen immer wieder bestätigten, wie froh sie über ihr gleichgebliebenes Zuhause waren.

Ich bin gerade dabei ein Buch über anständige Scheidungen zu schreiben und würde mich freuen, wenn es den einen oder anderen gibt, der aus Erfahrung berichten kann, von anderen gehört hat oder den einen oder anderen Vorschlag hat. Falls Ihr mir davon erzählen wollt, würde ich mich freuen.

Fühlt euch umarmt.
Licht und Liebe,
Sabrina

3 Kommentare
  1. Monika Roth
    Monika Roth says:

    Namastè und Grüß Göttin, liebe Sabrina!
    Wie du bereits geschrieben hast ist es nicht leicht, diesen Weg zu gehen. Ich frage mich allerdings schon, ist es leichter Streits, Auseinandersetzungen, Schlammschlachten, Rosenkriege – oft über viele Jahre – auszuhalten? Und meist auf dem Rücken der Kinder, die dann als Druckmittel eingesetzt werden. Mein Leitspruch war immer: Als Paar haben wir versagt, aber Eltern bleiben wir ein Leben lang! Das zu trennen ist zugegebenerweise eine Riesenherausforderung.
    Der Vater meines Sohnes hat mich wegen einer anderen verlassen, da spielt das Ego schon verrückt und i.d.R. reagieren die meisten aus dem verletzten Ego heraus und versuchen den Anderen über den Entzug der Kinder und über die Finanzen zu treffen. Ich hatte das Glück, dass ich gleich nach der Trennung mit einem befreundeten Therapeuten arbeiten konnte und mir klar wurde, dass die Ehe schon längst gescheitert war. Die andere Frau war so gesehen eine wundervolle Seele, die mir geholfen hat, mich aus der Beziehung zu lösen und einen neuen Weg zu gehen. Ich habe dann auch sehr schnell erkannt, dass die freien Wochenenden und Urlaube, die unser Sohn bei seinem Vater und seiner neuen Partnerin verbracht hat, mir neue Freiheiten geschenkt hat.. Natürlich gab es die erste Zeit auch Reibungsverluste und ich habe mehr als einmal geschluckt. Ich sagte mir immer: Mein Kind hat ein Recht auf beide Eltern und es ist meine Verantwortung dafür zu sorgen, dass dieses Kind Vater und Mutter hat. Oh ja, mein verletztes Ego hat mich noch oft gebeutelt.
    Aber es hat sich gelohnt, an mir zu arbeiten. Ich habe mich oft gefragt, wie beschissen muss es einem Kind gehen, wenn Papa und Mama z.B. bei der Abifeier jeweils am anderen Ende des Saales sitzen, irgendwann gibt es auch mal Hochzeit und Taufe und die Eltern können sich nicht begegnen. Was gebe ich meinem Kind für ein Bild von Beziehung und Familie mit?

    Offensichtlich war es so verkehrt nicht, dann mein Sohn hat sich kürzlich von seiner Freundin getrennt. Und das lief ganz gut. Die beiden sind zwar kein Paar mehr aber nach wie vor gute Freunde. Sicher lohnt es sich auch mal drüber nachzudenken, was wir unseren Kindern für ein Erbe mitgeben wollen und da meine ich nicht ein materielles. Wie Elisabeth Kübler-Ross einmal sagte: Beziehungen sind das intensivste Lernfeld für uns Menschen. Und was machen die meisten in Trennungssituationen? Sie sitzen wie kleine Kinder im Sandkasten beschmeissen sich mit Dreck und hauen sich die Schaufeln auf den Kopf.

    Leider erlebe ich genau auch dieses. Ein Freund von mir hat seine beiden Kinder seit über zehn Jahren nicht mehr gesehen und auch keinerlei Kontakt. Da frage ich mich schon, was wird die Tochter und der Sohn wohl für ein Männerbild und Vaterbild haben? Wie werden sie künftig Beziehungen erfahren? Dem anderen die Kinder zu entziehen ist für mich Kindesmissbrauch allererster Güte und wird leider von unseren Gerichten und Gutachtern auch noch unterstützt – zum Wohl des Kindes – haha, dass ich nicht lache, nein es ist zum heulen.

    Doch auch hier gibt es manchmal ein Happy-end. Der Ex-Freundin meines Sohnes wurde der Vater auch über 10 Jahre lang entzogen. Ich habe erlebt wie sehr sie darunter leidet auch wenn sie ihre Wut über „das Verlassen-werden“ sehr zum Ausdruck gebracht hat. Nach vielen Gesprächen, an denen auch der vorher erwähnte Freund, teilgenommen hat, fand ein erstes Treffen mit dem Vater statt. Zugegeben, auch das war nicht einfach, viele Ängste und Vorurteile waren zu überwinden. Doch je mehr die beiden miteinander geredet haben, vor allem wie es jedem so ergangen ist in der Kind- und Vater losen Zeit, durften eingie Wunden heilen und Neues konnte entstehen.

    Warum erzähle ich das? Weil ich es für so wichtig finde, dass dieser Weg zwar nicht leicht ist, aber sich letztendlich lohnt und zwar für alle. Und weil wir sehr daran heilen und wachsen.

    Und eines kommt noch hinzu: Ich bin stolz auch mich, dass ich mich dieser Herausforderung gestellt habe.

    Herzensgrüße
    Monika Roth

    PS: Gerne stehe ich für weitere Informationen zur Verfügung.

    Antworten
  2. Monika Roth
    Monika Roth says:

    PS: Danke, dass du zu diesem Thema ein Buch schreibst. Ich wünsche dir viel Erfolg und dass dadurch viel Heilung geschieht.
    Monika

    Antworten

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