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Sechs Wochen Schuhe?

Ihr Lieben,

unser Körper. Wirklich ein faszinierendes Instrument. Ich habe schon seit letztem Sommer eine Stelle an der Fußunterseite – eher am Rand kurz vor meiner rechten Ferse – welche sich eigenartig anfühlt. Ich bin da wohl mal irgendwo reingestiegen. Wenn ich mich richtig erinnere, dann bemerkte ich da vor einem Jahr mal was und schaute nach, ob ich mir etwas eingetreten hatte. Natürlich bin ich vorsichtig, wenn ich an meinen Fußsohlen etwas spüre und „raushole“. Das passiert zwei, drei Mal im Jahr. Mal eine kleine Glasscherbe. Mal ein Holzsplitter oder eine kleine Dorne. Nie etwas Anstrengendes oder Mühsames. Kleinkram eben – wie es ja auch gelegentlich bei den Händen passiert. Und natürlich bin ich immer sehr sorgfältig und desinfiziere die kleine Wunde anschließend und klebe sie mit einem Pflaster ab.

Diese Stelle hat sich zu nichts Großem entwickelt, aber sie ist da. Sie hat den Durchmesser eines Stecknadelkopfes. Leicht gerötet. Nicht heißer als der Rest. Aber sie fühlt sich anders an. Da ich nicht wirklich beim Gehen draufsteige, beobachte ich sie, aber es schien bisher kein großer Aktionsbedarf zu bestehen. Dieser Bereich wurde in letzter Zeit etwas härter, und so nahm ich an, dass da noch irgendwas Kleines drin steckt und es mein wunderbarer Körper mit dem Nachwachsen der Haut wieder ausstoßen wird. Letzte Woche bemerkte ich, dass ich mein Gewicht verlagere und eine Schonhaltung für diesen rechten Fuß einnehme, was ja barfuß sehr viel leichter festzustellen ist, als mit Schuhen. Immer noch ging ich davon aus, dass „es“ jetzt wahrscheinlich durch die Haut ausgestoßen wird. Aber meine Intuition meinte, ich sollte da noch jemand anderen draufschauen lassen. Daraufhin ging ich zu meiner Nachbarin – einer Fußpflegerin. Ich habe zwar Lupen, aber sie hat eindeutig bessere und mehr Erfahrung auf dem Gebiet. Sie feilte das bisschen Hornhaut weg, dass sich da schon gebildet hatte. Ob was drin ist, konnte sie nicht sehen. Nur einen kleinen schwarzen Punkt. Sie schlug mir die Benutzung einer Zugsalbe vor.

Ich schätze Zugsalben und benutzte sie für eine Woche. Die Haut wurde wieder weicher und der Auftrittsschmerz hörte auf. Ich machte trotzdem einen Termin bei meinem Hautarzt um sicher zu gehen, dass ich da nichts übersehe, denn meine Nachbarin war auch nicht sicher, ob es nicht doch eine Warze ist. Eine Warze??? Das konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ich hatte noch nie eine.

Mein Hautarzt war zwar nicht da, aber auch sein Kollege wusste um mein Barfußgehen und neugierig wie ich war, wollte ich mir die Stelle bei der Untersuchung genauer ansehen und konnte auch durch die Vergrößerung am Bildschirm kleine, schwarze Punkte erkennen. „Ja, das ist eine Warze und die ist ziemlich tief drin.“ Warze – das Wort alleine ist wirklich sehr unsexy. Warzen hatten Hexen im Märchen. Ich merkte, ich muss mein Verhältnis zu Warzen entwickeln. Bevor ich überhaupt reagieren konnte, wurde etwas weggeschnitten, dann vereist und die nicht wirklich schmerzfreie Ameisensäure – auch eine interessante Erfahrung -draufgetupft. Und dann kam es: Die Ameisensäure-Behandlung muss zwei Mal in der Woche für sechs Wochen erfolgen und dabei darf man sie nicht abdecken (kein Pflaster etc.). Ich schaute meine Arzt etwas verzweifelt an: „Schuhe?“

Er nickte bedauernd: „Schuhe.“

Ich seufzte. Schuhe im Frühling. Also gut. Wie Fußwarzen entstehen, wollte ich wissen. Und er meinte, dass kann natürlich immer mal passieren und das Imunsystem sorgt normalerweise dafür, dass sie sich nicht einnisten. Ich habe ein fantastisches Imunsystem und war überrascht – aber da ich mich nicht mit der Realität anlege, ist es nun mal so. So zog ich meine Xero-Schuhe (dünne Sohle und ein paar Bänder) auf den Gehwegen und Straßen wieder an. Mit offenen Wunden am Fuß rum zu marschieren ist dann doch keine gute Idee.

Danach ging ich zu einem Mittagessen mit einem Freund, der einen Blick auf meine Füße warf, meine Xero-Schuhe entdeckte und meinte: „Du schummelst ja!“

Das hat man davon, wenn man fast immer barfuß geht. Das wird dann für das Umfeld zur allgemeinen Verpflichtung. Muss ich jetzt ein Schild tragen, dass ich das nur für sechs Wochen machen muss?

Meine Freundin Rita Fasel – ihres Zeichen Expertin in Augen- Hand- und Fußlesen – sagt mir dazu, dass die Stelle, auf der sich die Warze zeigt, genau die Schnittstelle von Körper und Verstand ist – und eine von diesen beiden Energien mich puscht. Und das Warzen auch gerne etwas mit unterdrücktem Ärger zu tun haben.

Unterdrückter Ärger. Das Problem daran ist ja wohl die Unterdrückung – und die festzustellen ist nicht ganz einfach. Schließlich heißt es ja „unterdrückt“. Habe ich unterdrückten Ärger? Ich überlege. Spüre mich ein.

Nicht das ich wüsste. Ja, wir sind gerade auf der Suche nach einem neuen Zuhause wegen Eigenbedarfs und natürlich bin ich nicht begeistert davon, dass wir ausziehen müssen, aber ärgerlich darüber? Eher nicht. Ich sehe das als Chance und bin gespannt wohin mich meine Seele zieht. Gibt es einen anderen Bereich bei dem ich ärgerlich bin?

Ich komme nicht drauf.

Grundsätzlich finde ich alles spannend, was man über sich selbst herausfindet. Und ich wehre das auch nicht ab. Im Gegenteil. Ich bin wie ein Detektiv auf der Suche … doch manchmal finde ich nichts. Manchmal findet sich das auch erst später. Manchmal gar nicht.

Da ich aber alles, was mein Körper mir zeigt, als Information wahrnehme, möchte ich gerne wissen, warum er diese Warze hat. Ich beschließe meine chinesische Ärztin zu fragen, da ich sowieso gerade meine Frühlingsdosis Akkupunktur bei ihr abhole. Seit dem ich jedes Jahr im Frühjahr für ein paar Wochen zur Akkupunktur gehe, habe ich keine allergischen Reaktionen mehr gegen das Blühen der Esche.

Als ich im Wartezimmer mit zwei anderen Patientinnen wartete, kam sie herein und begrüßte uns. Da wir noch etwas Zeit hatten, erzählte meine chinesische Ärztin von meinem Barfußgehen – obwohl gerade in Minimal-Schuhen – und stellte mich als Autorin von ganzheitlichen Büchern vor. Darauf hin schaute mich eine der beiden Patientinnen überrascht an und meinte: „Und dann sind Sie immer noch hier?“

Ich lachte: „Ja, genau deswegen. Ich kümmere mich um meinen Körper. Und wenn er etwas braucht, dann kriegt er es.“

Die Patientin schüttelte den Kopf: „Ich glaube, das muss ich alleine machen.“ Dabei schaut sie müde und angestrengt. Viele glauben wohl, dass ein ganzheitliches Leben eines ist, bei dem man alles alleine macht und kann – beziehungsweise wo es keine Probleme und Herausforderungen gibt und der Körper mit schwingender Glückseligkeit antwortet. Wir machen eine menschliche Erfahrung und sind diversen Herausforderungen ausgesetzt. Da gibt es die Umwelt, Mitmenschen, Erfahrungen, Verletzungen.

Und es gibt Hilfe, Unterstützung, Experten. Und die kann man befragen. Dabei aber immer im Hinterkopf behalten, dass wir selbst Experten sind. Wir sind die besten Experten in unserem eigenen Leben. Wir wissen mehr über unseren Körper als irgendjemand sonst.

Im Behandlungszimmer zeige ich meiner chinesischen Ärztin die Stelle und sie meinte, dass der Körper manchmal etwas rauslässt und sich Öffnungen schafft. Schade, so dachte ich mir, dass mein Körper sich dazu nicht einfach meine Nase genommen hat. Die ist schon auf…

Ich habe immer noch Fragen und da ich dazu gerne eine Antwort hätte, gehe ich in die Stille und meditiere. Das erste was ich sehe und was mir eine innerliche Freude bringt, ist dass die Warze rauspoppt. Vergleichbar mit dem leichten Drücken von Noppen- bzw. Verpackungsfolien. Blup und weg ist sie. Als ich dann fragte, warum ich das bekam, zeigte sich folgendes: Seit dem ich vor einem Jahr auf das Land gezogen bin, habe ich Herausforderungen mit meinem rechten Fuß. Zuerst der Knöchel nach einem Jogginglauf. Dann die Fußsohle mit der besagten Stelle. Als Satz kam: „Das ist noch nicht unser Platz. Hier werden wir uns nicht niederlassen.“ Was ganz gut passt, denn wir müssen wegen Eigenbedarfs ausziehen und suchen gerade ein neues Zuhause. Sechs Wochen Ameisensäure werden es also nicht. Dazu „flog“ die Warze zu schnell während meiner Meditation aus meiner Sohle heraus.

Drei Tage später wäre wieder – laut Plan – ein Ameisensäuretupfer notwendig. Aber ich zögere. Die Stelle an meinem Fuß ist jetzt dunkel und sieht wie ein Bluterguss aus. Da nochmal was drauf? Das fühlt sich nicht richtig an. Eher will ich die Stelle trösten, als ihr Schmerz zufügen. Ich rufe meinen Hautarzt an, der jetzt wieder da ist, und ich kann vorbeikommen. Er schaut sich das mit der Lupe an und meint: „Das heilt jetzt gerade. Da muss nichts mehr hin.“

„Und Schuhe?“

„Die brauchst du auch nicht mehr.“

 

 

Ein Jahr

Ein Jahr kann lang sein. Wirklich lang. Ich habe euch auf eine Reise mitgenommen. Meine Reise. Meine Wechseljahr-Reise. Eigentlich habe ich euch nur zur letzten Etappe eingeladen. Die Wechseljahr-Reise ging schon vor einigen Jahren los, doch die Fahrt wurde erst gegen Ende richtig holprig.

In dem letzten Jahr habe ich drei Artikel zu meiner Wechseljahr-Reise geschrieben und viele berührende Emails dazu erhalten. Und immer wieder war der Tenor darin folgender: Es hilft zu wissen, dass wir das nicht alleine erleben und das beruhigt.

Ich habe euch am Anfang letzten Jahres von dem Gefühl geschrieben, als ob man abwartend in einem Zug sitzt, der nicht abfährt. Ich habe im Sommer geschrieben, was eine berufliche Auszeit für Herausforderungen hat. Und zum Jahreswechsel habe ich darüber geschrieben, wie trotz meiner zwei Jahrzehnte langen Erfahrung in Meditation und Stille, mit dem Körper sprechen und Engelkontakt eine Handvoll von Hormonen, die in meinem Körper nicht mehr vorhanden waren, mich verändert hatten.

Ich hatte meine Flügel verloren. Und mit ihnen meine Lebensfreude, meine Kraft und auch die Lust am Leben. Ich fühlte mich – jetzt wo ich alles wieder habe – wie ein Schmetterling, der wieder zur Raupe wurde. Die Flügel, die mich ausgebreitet trugen, wurden schwächer und waren irgendwann so nahe an meinem Körper angelegt, dass sie wie verschwunden waren. Ich hatte mich zurückgezogen.

Ich kenne diesen Vorgang schon. Es gab ihn ein paar Mal in meinem Leben. Doch noch nie so lange. Noch nie so unerbittlich. Noch nie so anstrengend.

Oft erfährt man beim Lesen spiritueller Literatur nur von den erwünschten Ergebnissen; aber nicht immer von dem Weg dorthin. Das lässt sich ein bisschen mit einer Gipfelbesteigung vergleichen. Den Blick über die Berge gibt es auch nicht umsonst. Er wird mit Training und einem langem Atem verknüpft. Bergsteiger müssen „in Form“ bleiben, trainiert sein. Sie müssen den äußeren Umständen (Zeitmanagement, Stürme, Lawinengefahr) und den inneren (Kraftreserven, Konzentration, Intuition) aufmerksam sein.
Natürlich gibt es auch einige, die gemütlich mit einer Gondelbahn nach oben fahren. Doch ihr „Ankommen“ ist ein anderes. Ihre Erinnerung an diesen Weitblick ist kurz, der er ist mit keinen tieferen Erlebnissen verbunden. Und so vergessen sie ihn schnell wieder, ganz im Gegenteil zu denjenigen, die sich diesen Weitblick mit ganzen Herzen erarbeitet haben. Sie spüren die Weite in ihrem ganzen Körper und sie sind stolz auf sich, denn sie haben etwas erreicht, was nicht mit einer zehnminütigen Gondelfahrt zu 4 Euro fünfzig machbar war.

Ich habe mich vor 15 Jahren intensiv mit den Wechseljahren beschäftigt. Ich las alles über die „üblichen“ Hormone (kommen gar nicht in Frage), über „bio-identische“ Hormone (kommen in Frage), über Akkupunktur, Sojazusätze etc. pp. Ich wollte mich informieren. Ich bin gerne vorbereitet. Zehn Jahre später begannen meine Wechseljahre. Ich hatte mir in weiser Voraussicht einen Arzt ausgesucht, der Experte in bio-identischen Hormonen war und ein tiefes spirituelles Verständnis hat. Im Verhältnis zu den Wechseljahren meiner Freundinnen schienen meine weniger anstrengend zu sein. Tägliche Meditationen, die Möglichkeit mit meinem Körper zu reden (BodyBlessing) und in jeder Herausforderung einen Lernprozess zu sehen, halfen mir dabei. Ich fühlte mich wohl. Noch.

Meine Frage, die ich während der Wechseljahre immer wieder im Hinterkopf behielt, war die gleiche Frage, die ein Bergsteiger im Hinterkopf behielt: Ist dieser Schritt richtig für mich? Bringt es mich meinem Ziel näher?

Mein Ziel war diese Wechseljahre mit Eleganz (ein passendes Wort hierfür finde ich) und Bewusstsein zu füllen. Die ersten Jahre war das auch so und ich nahm an, dass das so bleiben würde. Ich fühlte keine Notwendigkeit bio-identische Hormone zuzufügen, denn meinem Körper und mir ging es gut. Vor Jahren hörte ich mal, dass nach den Wechseljahren eine wundervolle Zeit anbricht: Ein Zustand von Freiheit und Leichtigkeit; ein ähnliches Gefühl, dass wir es vor unserer Pubertät hatten. Ich freute mich darauf. So ein paar Hitzewallungen werden mich nicht davon abhalten. Mich nicht!

Mein Schlaf war oft unterbrochen, aber ich machte kein gedankliches Drama daraus. Dann arbeitete ich eben um drei Uhr morgens statt mich im Bett hin und her zu wälzen. Unter meiner Daunen-Bettdecke hatte ich ein dünnes Lacken, dass ich alleine oder mit Bettdecke benützen konnte, je nach dem wie heiß oder kalt mir war. Daneben lagen zwei, drei T-Shirts, die ich wechselte, wenn mein Nachthemd durchgeschwitzt war. Meditationen waren meistens so tief, wie ich es gewohnt war. Die gelegentlichen Ausfälle nahm ich mit einer großzügigen Gelassenheit mir selbst gegenüber zur Kenntnis. Alles in allem hatte ich das Gefühl, dass ich die Wechseljahre „gut im Griff“ hatte.

Und dann kam das Loch

Es dauerte fast ein Jahr und war am Ende so tief, dass von meiner großzügigen Gelassenheit mir gegenüber nichts mehr übrig war. Genaugenommen war von mir überhaupt nichts mehr übrig. Ich erkannte mich nicht wieder.

Außerdem verletzte ich mich häufig. Ich nahm an, ich müsste mich noch mehr zurückziehen. Noch langsamer machen. Noch stiller sein. Doch ich hatte mich schon so zurückgezogen, wie weit sollte ich den noch gehen?

Es fühlte sich an … wie sterben. Ja, das war es, so wurde mir schlagartig klar: Ich übte das Sterben. Der Rückzug, die Verletzungen, das Desinteresse am Leben … Das war es, was Frauen früher vielleicht immer fühlten, wenn die Wechseljahre kamen: Man nahm Abschied und das Leben neigte sich dem Ende zu.
Meines auch?

Ich suchte meine Therapeutin auf, um mir den gelegentlich wichtigen „Blick von außen“ zu holen. Ich weiß, dass ich für meine Entwicklung etwas tun muss und muss dazu – wie ein Bergsteiger – eine vollständige Ausrüstung haben. Und das sind nicht nur meine Engel, die mich in meinen Meditationen beraten, sondern auch Menschen, die mir zur Seite stehen: Freunde, Seelengefährten, Experten, Therapeuten, Heilpraktiker, Ärzte.

Gleichzeitig hörte ich in einer Meditation den wichtigen Satz meiner Engel: „Lass dein Blut untersuchen.“ Das tat ich auch. Gemeinsam mit meinem Arzt traf ich die Entscheidung meine völlig leeren Hormondepots mit bio-identischen Hormonen aufzufüllen. Kurzfristig kam noch mal mein ursprünglicher Wunsch hoch, doch einfach abzuwarten bis sich meine Lebenslust wieder einstellt. Sie WIRD irgendwann einmal wieder kommen. Das weiß ich bestimmt. Doch will ich so lange warten? Vielleicht noch ein, zwei Jahre in diesem Zustand bleiben?

Die Generation meiner Mutter hatte sich über die Wechseljahre kaum Gedanken gemacht. Es gab ja auch keine Alternativen. Man bekam sie. Dann gingen sie vorbei und dann wurde man alt. Irgendwann einmal kam auch bei ihnen die Lebenslust wieder zurück. Doch das dauerte. Aber erinnern wir uns: Es gab keine Alternativen. Das waren die Wechseljahre. Punkt. Schluss. Basta.

Heute sind wir eine andere Generation Frauen. Wir erwarten von uns selbst – dazu haben wir uns entwickelt – dass wir auch nach unseren Wechseljahren und unserer aktiven Zeit der möglichen Kinderzeugung – nicht verschrumpelt werden und bald danach sterben. Wir erwarten eine bestimmte Attraktivität. Wir erwarten Lebenslust und Lebensfreude. Wir erwarten noch große Aufgaben, spannende Berufswechsel, interessante Reisen. Wir freuen uns zwar auf die Enkelkinder, aber sie werden nicht unser Lebensinhalt sein.

Wir erleben jetzt einen Quantensprung in weiblicher Entwicklung. Unsere DNA-Strukturen verändern sich mit uns. Wir Frauen, die jetzt in den Wechseljahren sind, werden durch unser Erleben der zukünftigen, noch ungeborenen Generation von Frauen ein Leitbild mitgeben. Die Generation meiner Mutter war mit fünfzig Jahren relativ alt. Wir sind das nicht mehr. Wir fühlen uns jünger und aktiver. Doch unser Hormonhaushalt hat sich dem noch nicht angepasst. Was wollen, was können wir also tun? Wir können uns der damaligen einzigen Variante hingeben: „Das ist von der Natur so festgelegt und das stehe ich durch.“

Ich habe mir vor Jahren abgewöhnt stur an Glaubenssätzen festzuhalten. Ich habe zwar ein „Vorstellung“, eine „Idee“ wie etwas sein könnte und dann lasse ich alles andere zu. Das Ergebnis allerdings ist für mich ein hohes Ziel: Es muss meiner Entwicklung nützen. Ich muss mich letztendlich mit diesem Zustand wohlfühlen. Er muss zu mir und meinem Leben passen.

Das erinnert mich auch an eine Geburt. Die können wir „natürlich“ durchleben, müssen es aber nicht. Wir können unsere Kinder in der Badewanne gebären (früher nicht möglich) oder uns Schmerzmittel erlauben. Wir können uns in ein Krankenhaus legen oder in unseren Privaträumen unser Kind zur Welt bringen. Wir können das Erlebnis mit dem Vater des Kindes teilen – wenn er es denn möchte – müssen es aber nicht. Manche Frauen wählen einen Kaiserschnitt aus Gründen, die für sie wichtig sind. Auch danach gibt es Wahlmöglichkeiten: Stille ich, oder nicht? Schläft das Kind bei mir im Bett, oder nicht? Nehme ich es überall hin mit, oder nicht? Und die größte von allen: Will ich überhaupt ein Kind?

Jetzt

Wie fühlen Sie sich jetzt, gerade JETZT, als Sie die Aufzählung der Wahlmöglichkeiten gelesen haben? Gab es da die eine oder andere, bei der Sie missbilligenden den Kopf geschüttelt haben?
Wahrscheinlich.

Es ist gar nicht so einfach, jedem von uns seine Wahlmöglichkeiten zuzugestehen. Manchmal hängen wir fest an der Idee, dass es nur „eine“ richtige Möglichkeit gibt. Gerade im Spirituellen ist das nicht selten verbreitet: Die „richtige“ Art zu Meditieren. Die „richtige“ Art zu Essen. Die „richtige“ Art zu Lieben. Und doch ist jedem von uns erlaubt, die Wahl zu treffen, die für ihn zu diesem Zeitpunkt richtig ist. Es gibt auch Wahlmöglichkeiten, die wir uns manchmal nicht gönnen, weil wir glauben, dass es vielleicht den Anderen nicht gefällt oder wir die Bedürfnisse unserer Mitmenschen höher ansetzten, als unsere eigenen Bedürfnisse. Ein Thema, das in meinem Leben immer wieder vorkommt.

Diese großen Lebensthemen, die jeder von uns hat, mit denen wir hier in dieses Leben gekommen sind, um sie zu verstehen und zu heilen, diese Lebensthemen zeigen sich in den Wechseljahren, wie Stau auf der Autobahn: Hier kommst du nicht vorbei, außer der Grund des Staus löst sich auf.

Als sich meine Hormondepots wieder zu füllen begannen, spürte ich mich wieder. Meine Flügel lösten sich von der Verpuppung, füllten sich mit Lebenskraft und fingen an, sich wieder zu bewegen. Ich sah die Welt wieder so, wie ich es von mir gewohnt war: Ein aufregender Ort mit interessanten Menschen. Die Lust an meinen Projekten kehrte wieder zurück. Die Lust am Lehren, am Mitteilen, am Austausch. Ich fing an für kleine Gruppen einen Kurs zu planen. Und ich fing an wie rasend aufzuschreiben, was mir passierte. Ein Buch über diese Wechseljahr-Zeit entstand in einer Geschwindigkeit, wie ich es von früher gewohnt war.

Kurzfristig überlegte ich mir die Hormone wieder abzusetzen. Jetzt geht es mir doch schon besser. Vielleicht halte ich das doch noch aus? In meiner Meditation stellten mir meine Engel zu dieser Frage eine einzige Gegenfrage: „Wozu?“

Ja, wozu? Um zu „beweisen“, dass es auch ohne Hilfe geht? Es wäre so schön gewesen, wenn man nur durch Meditation und guten Wünschen durch die Wechseljahre segeln würde. Ich musste innerlich lachen. Ja, es wäre schön gewesen, war es aber nicht. Und in meinem Leben, in meinem spirituellen Leben, habe ich mir eines angewöhnt: Ich lege mich nicht mit der Realität an. Mein Körper sagte mir, dass er sich jetzt wohl fühlt. Ich fühlte mich wohl. Warum sollte ich das abbrechen?

Eine Frau, die viel reist und gerne unterwegs ist, braucht in ihrer Nähe einen Bahnhof und einen Flughafen. Sie kann natürlich auch im hintersten Flecken der Erde leben und dann drei Tage zu Fuß oder mit dem Rad brauchen, bis sie zu einem schnelleren Transportmittel kommt, aber nützen wird das ihrem Leben nicht. Es macht es schwieriger. Und so sehe ich das auch: Macht es mein Leben leichter oder macht es mein Leben schwieriger? Eine einfache Frage mit einer immensen Wirkung.

Durch Gespräch mit Freunden erinnerte ich mich wieder daran, was ich über mein Energiefeld wusste: Ich verletzte mich deswegen so oft, weil es neuerdings unregelmäßig und unbeständig war. Ich war nicht eins mit mir. Einige meiner Lebensumstände mussten überprüft und neu geordnet werden. Der inneren Lösung der Hausaufgabe folgten äußere Veränderungen. Es war nicht „mehr“ Stille, die von mir gefordert wurde, sondern ein Vorbereiten, ein Losfliegen. Ich war auch deswegen unruhig, weil ich meine Flügel nicht benutzte.

Jeden Morgen wache ich wieder so auf wie ich es gewohnt war: Dankbar für mein Leben und neugierig auf den Tag. Ich genieße meinen mir so vertrauten Schwung und meine Lebensfreude. Ich erkenne mich wieder … denn ich hatte mich vermisst.

Schreiben hilft, sagt man …

Sabrina Fox schreibt...

Schreiben hilft, sagt man.
Oder sage ich. Oft genug habe ich das gesagt. Und es hat immer geholfen. Wenn man schreibt, dann löst sich das, was stockt, was an einem klebt und manchmal so zäh und hartnäckig wie Kaugummi ist.

Mit den Engeln kommunizieren hilft. Sagt man. Oder sage ich. Oft genug habe ich das gesagt. Und es hilft auch. Aber manchmal sind unsere Engel still. Das ist die Zeit, in der wir das, was wir gelernt haben, auch umsetzten müssen.

Beten hilft, sagt man.
Oder sage ich. Oft genug habe ich das gesagt. Und es hat oft geholfen. Doch manchmal ist ein Gebet keine Danksagung. Manchmal bewegt sich das Gebet auf einer Welle der Frustration.

Ich hatte mich mit einem alten Freund zum Mittagessen verabredet. Wir sehen uns nicht oft. Vielleicht einmal im Jahr. Obwohl wir in der gleichen Stadt wohnen und seit über dreißig Jahren unser Leben begleiten. Ich war am Anfang unseres Kennenlernens mal sehr verliebt in ihn und er in mich. Ganz kurz eigentlich. Vielleicht ein paar Monate. Und doch ist diese Fürsorge geblieben. Wir erzählten uns von unserem Leben so, wie wir es immer tun: Offen. Warmherzig. Ehrlich.

Ich weinte ein paar Mal, obwohl es „eigentlich“ nichts zu weinen gibt. Ich bin frustriert mit mir, erzähle ich ihm. „Ich bekomme schon seit über einem Jahr nichts mehr wirklich hin. Mein Roman klemmt. Die Produktion einer meiner Skulpturen kommt nicht voran. Eine Dokumentation, die ich gedreht habe, kommt über die ersten fünf Minuten Schnitt nicht hinaus. Ich erkenne mich kaum wieder. Die alte Sabrina hätte das alles schon längst erledigt.“

Er schaut mich nachdenklich an und meinte dann: „Die alte Sabrina gibt es nicht mehr. Jetzt gibt es die neue. Und die macht es anders.“

Die neue Sabrina.
Will ich sie? Gefällt sie mir?

Nein. Sie gefällt mir nicht.

Mein Körper und ich, wir sind gut befreundet. Er spricht mit mir und ich höre ihm zu. Meistens. Seit ein paar Wochen verletze ich mich. Linker Mittelfinger schmerzt. Rechter Daumen beim Schnitzen überanstrengt. Sehnenscheide am linken Knöchel gereizt. Jetzt bin ich die Treppe heruntergefallen, gerade als ich mir nach der Meditation ein energisches: „Jetzt ist es genug! Reiss dich zusammen!“ verordnet hatte. Die Sehne am rechten Sprunggelenk ist angerissen. Ich lachte auf, als mir klar wurde, dass nun sämtliche Gliedmaßen verletzt waren. „Danke, dass sie nur angerissen sind“, sagte ich meinem Körper. Ich bin sicher, er hofft, dass ich seine Nachricht endlich kapiert habe: „Mache langsam! Höre auf, dir selbst Druck zu machen!“

Und er schickte mir das dringende Gefühl, dass ich mein Blut untersuchen lassen sollte. Ich spürte, mir fehlt etwas. Ich habe meine Lebenslust verloren und das schon seit einer Weile. Mein Körper schickt mich in die Ruhe, doch mein Geist rebelliert. Ich kenne Lebensschwankungen. Das Rauf und das Runter. Seitdem ich meditiere – seit über zwanzig Jahren – gehe ich damit viel bewusster um. Und doch erspüre ich, dass mein Gemütszustand schwerer wird.

Barfuß gehen hilft, sagt man.

Barfuss gehen

Oder sage ich. Oft genug habe ich das gesagt. Ich ziehe meine Schuhe aus und spüre die Sanftheit und Kraft von Mutter Erde. Es gibt Zeiten in denen ich den Schmerz der Welt besonders stark spüre. Syrien. Flüchtlinge. Fukushima. Ozeanverseuchung. Die Gier der Finanzwelt. Tierfabriken.

Das Wissen, das dies von uns verändert wird, hat sich in den Hintergrund gedrängt und der Schmerz darüber hat überhand genommen. Ich fühlte mich hilflos. Schlapp. Das was ich tue, erscheint mir viel zu wenig. Veränderungen dauern. Das weiß ich natürlich. Ein Kind braucht neun Monate im Mutterleib. Haare wachsen pro Monat einen Zentimeter. Da nehme ich es hin. Und doch geht mir vieles nicht schnell genug. Aufmerksam beobachte ich die Frustration. Die Schwere. Den Schmerz. Ab und zu versinke ich darin. Dann komme ich wieder nach oben und hole Luft.

Vor Jahren habe ich mir einen Beobachter angewöhnt. Ich, Sabrina, diejenige, die hier eine menschliche Erfahrung macht, hat einen Beobachter. Der aufpasst, damit ich mich nicht in meiner Persönlichkeit verliere, sondern immer in dem Bewusstsein bleibe, auch unendliche Seele zu sein. Dieser Beobachter – ich als Seele – merkt, dass ich mit dem JETZT hadere. Ich akzeptiere es zur Zeit eher grummelig. Auf keinen Fall begeistert. Ist es ein Zeichen spiritueller Weisheit, JEDES Jetzt gänzlich ohne Knurren zu akzeptieren? Wenn ja, dann habe ich sie nicht.

Eigentlich ein perfektes Beispiel zwischen Ego und Seele. Mein Ego, meine Persönlichkeit ist davon genervt. Meine Seele weiß, dass dies ein vorübergehender Zustand ist. Selbst mein Ego weiß mittlerweile, das dies ein vorübergehender Zustand ist. Ich wäre nur schon gerne in dem anderen Zustand: Dem, der danach kommt. Genauer genommen wäre mein Ego, meine Persönlichkeit gerne in dem anderen Zustand. Ich, als unendliche Seele, nehme den Zustand zur Kenntnis und bin einig damit. Mir, als Sabrina, gelingt das nur in wenigen Momenten.

Jeder von uns hat gelegentlich Herausforderungen mit dem JETZT. Manche mehr, manche weniger. Wir machen nun mal eine menschliche Erfahrung und wenn wir sie nicht alle auch wirklich machen würden, wo wäre dann unser Mitgefühl? Wenn wir – die wir uns spirituell beschäftigen – alles immer „richtig“ machen würden, wo wäre denn dann unser offenes Herz?

Meditieren hilft, sagt man.

sabrina-am-lagerfeuer

Oder sage ich. Oft genug habe ich das gesagt. Und doch gibt es Zeiten, in denen ich nicht reinkomme. In der die Stille, die ich so gut kenne und liebe, sich mir verschließt, wie die Tür zu einem Garten. Dann bleibe ich vor der Tür liegen. Lehne mich an sie. Spüre die Stabilität an meinem Rücken. Ich weiß, sie wird wieder aufgehen. Warum ist sie jetzt zu? Jeder der meditiert, regelmäßig meditiert, kennt das. Es ist wie bei Schriftstellern, die auch nicht jeden Tag schreiben können oder Malern, die vor der leeren Leinwand sitzen. Manchmal bewegt sich nichts. Manchmal muss man es aussitzen. Es gibt viele kluge Antworten von vielen weisen Menschen und doch … sie nützen nichts. Die Antworten meine ich. Die Tür zum Garten der Stille, zum Garten der Unendlichkeit bleibt trotzdem einfach zu.

2013 war ein Jahr großer Veränderungen. Sämtliche Freundinnen gingen und gehen durch gravierende Veränderungen. Auch einige meiner männlichen Freude beutelt es ziemlich durch. Mag es daran liegen, dass wir mehr oder weniger alle im Wechseljahr-Alter sind? Sie heißen Wechseljahre nicht ohne Grund: Unsere Familie, unsere Karriere, der Aufbau unseres erwachsenen Lebens hat viel Zeit beansprucht. Wir haben viel erschaffen und jetzt geht beginnt der zweite Teil des Lebens. Der Teil, der auf einen reichen Erfahrungsschatz blicken kann. Der Teil, der vieles schon gemacht hat und deshalb eine Neuausrichtung sucht.

Viele von uns – wie ich auch – sind schon durch. Ich war mit meinen Wechseljahren ganz einig. Ich habe weder bio-identische Hormone genommen, noch besonders unter dieser Zeit gelitten. Ich hatte zwar schlechter geschlafen, aber mir war endlich nicht mehr kalt. Das alleine war schon die ganze Aufregung wert. Ich liebte meine Hitzewallungen.

Und doch bin ich jetzt – nachdem alles vorbei war – in ein hormonelles Loch gefallen. Daneben fehlen mir unter anderem Zink, Magnesium, Vitamin D. Jetzt liege ich jeden Tag für fünf Minuten auf der Sonnenbank, ärztlich verordnet, um meinen Vitamin D Mangel wieder aufzufüllen und schaufle eine Handvoll von Vitaminen und Spurenelemente in mich hinein. Ich spüre, wie ich mich langsam besser fühle. Neben den weiblichen Hormonen ist auch das männliche Testosteron nicht mehr vorhanden. Das Hormon, das uns Schwung gibt. Schwung habe ich keinen mehr.

Das stimmt nicht ganz. Ich habe Stunden-Schwünge. Ab und zu erkenne ich die alte Sabrina wieder. Wenn es etwas zu organisieren gibt; wenn Muttergefühle gefordert sind; wenn Pläne gemacht werden müssen. Da ist sie wieder da. Die, die ich kenne. Die, die mir vertraut ist. Die, auf die ich mich verlassen kann.

Auf die neue Sabrina kann ich mich nicht verlassen. Ich kenne sie kaum. Sie macht Sachen, die ich nie machen würde. Sie produziert zu wenige Resultate; zu wenige Ergebnisse. Geschweige denn eine Zukunftsvision. Die alte Sabrina wusste, wo es lang geht. Sie wusste, wie man Sachen erreichen kann und auch erledigt. Sie hatte Pep. Sie hatte Schwung. Sie hatte Ziele, verdammt noch mal!

Warten hilft, sagt man.
sabrina-im-zug-2012Oder sage ich. „Lieber Gott, gib mir Geduld, aber bitte sofort.“ Ich schmunzele immer, wenn ich das sage oder höre, denn ich fühle mich ertappt. Ja. Das bin ich. Grenzenlos geduldig und grenzenlos ungeduldig. So etwas geht. Nicht gleichzeitig. Aber es geht.

Ein spirituelles Leben enthält den Wunsch GANZ zu sein. Und in diesem Ganzen hat alles seinen Platz. Selbst Hormonschwankungen. Da hilft alles beten nichts. Es schleudert uns genauso durcheinander wie die anderen, die nicht beten, die nicht meditieren. Hier finden wir uns wieder zurückgeworfen auf den Platz von dem wir mal vor Jahren abgesprungen sind: Unserem spirituellen Anfang. Hier müssen wir zugeben – ungern zugeben, manche von uns weigern sich auch es überhaupt zuzugeben – dass auch wir Herausforderungen haben. Ganz profane. Ganz banale. Ganz hormonelle.
Natürlich weiß ich, dass ein wahrhaftiges spirituelles Leben kein flaches Leben ist. Keines ohne Gefühle. Erst vor kurzem traf ich eine Frau, die alles unterdrückte und glaubte spirituell zu sein. Sie ließ einfach nur nichts mehr an sich heran. Sie war wie eine mit Teflon beschichtete Pfanne.

Im Ganzen darf alles sein. Doch das Ganze ist nicht nur hell. Das Ganze, Eins-Sein, also ALLES sein, ist nicht nur angenehmes Wohlbefinden. ALLES ist eben … ALLES. Und damit auch ALLES zugelassen werden kann, ALLES gesehen werden kann, ALLES akzeptiert werden kann, unterdrücken wir es auch nicht. Wir erkennen das Licht und den Schatten. Das Begeisterte, wie das Frustrierte. Das Leben kommt in Wellen. Es ist heiß und manchmal kalt. Es ist bewegt und manchmal ruhig. Es ist voller Visionen und manchmal gänzlich ohne. Und das alles gilt es anzunehmen. Worin liegt also unser Wachstum? Daran, dass wir diesen Zustand zulassen, ohne dass wir mit unseren Stimmungen automatisch und unreflektiert unsere Mitmenschen zumüllen.

„Ich bin gerade nicht in Höchstform. Ich erkenne mich kaum wieder. Bitte verzeih mir meine Stimmungsschwankungen. Ich brauche Unterstützung. Ich danke dir.“

Wir teilen uns mit. Wir erlauben uns Hilfe anzunehmen. Umarmungen. Unterstützung. Nähe. Wärme. Wir müssen nicht mehr perfekt sein. Aber die Idee des Perfektionismus hat uns auch gefallen. Wir haben damit geflirtet oder sind ihm nachgelaufen. War nicht der Wunsch nach Erleuchtung der Wunsch nach Perfektion? Das macht das JETZT nicht einfacher. Wenn wir im Jetzt nicht perfekt sind, wie kann man es dann lieben? So ist es ganz entlastend mal unsere eigenen Ansprüche herunterzuschrauben. Aber auch nicht leicht. Wo ist das Om, wenn man es braucht?

Ich singe zu wenig. Meinem Liebsten ist das schon vor einer Weile aufgefallen. Mein Wohlbefinden ist für ihn an meinem Gesang abzulesen. Singe ich morgens im Bad, später beim Rausgehen in der Eingangshalle unseres alten Mietshauses, singe ich auf dem Fahrrad, dann geht es mir gut.

Singen hilft, sagt man.
Oder sage ich. Singen hat mir auch heute geholfen. Vielleicht gewöhne ich mich ja an die neue Sabrina, wenn ich sie besser kennenlerne. Singen kann sie wenigstens noch.

Anzeichen spiritueller Erschöpfung

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Als es mir das erste Mal passierte, befürchtete ich, ich sei arrogant geworden.
Ich war selbst Referentin und hörte jemand anderem auf der Bühne zu. Nach
einer Weile fingen meine Beine an, unruhig zu werden. Immer ein Zeichen,
dass ich weg will. Doch ich blieb sitzen. Ich beobachtete, wie meine
Gedanken wanderten: Zum bevorstehenden Rückflug in die USA, der
Geburtstagsplanung für meine damals noch kleine Tochter. Zwischendrin
versuchte ich mich wieder auf die Referentin zu konzentrieren, doch mein
Körper rutschte unruhig auf meinem Stuhl hin und her. Weder das
Konzentrieren auf meinen Atem, noch die versuchte Meditation halfen mir
weiter. Ich merkte, wie ich wütend wurde. Wütend über das, was ich da
hörte.
Ich werde selten wütend. Und da ich weiß, was man mit Gefühlen macht,
fragte ich die Wut in mir, was sie mir denn sagen will. Sie antwortete prompt:
„Ich kann diesen Schmarrn nicht mehr hören!“
Ja, das war wahr. Was mich störte, war die „Inszenierung“ der Referentin, der
heilige Blick, Phrasen und unwahre Heilsversprechen: „Wenn ihr das und das
macht, dann werdet ihr nie wieder ein Problem haben.“
Gleichzeitig fragte ich mich vorsichtshalber, ob ich arrogant geworden bin?
Ich besprach später die Situation mit meinen Freunden. Eine davon fragte
mich, ob es denn Referenten gäbe, von denen ich begeistert bin. „Natürlich!“
antwortete ich und ratterte deren Namen herunter. „Wenn du arrogant wärst,
dann würde dir keiner der anderen Referenten gefallen. Da gibt es
offensichtlich was an dieser Referentin, das du nicht als aufrichtig
empfindest.“
Über die Jahre merkte ich, dass meine Geduld zwar in vielem wuchs, aber in
einer Sache immer kleinlicher wurde: Mein Radar für authentisches spirituelles
Leben oder hingeschmissene Plattitüden wurde immer schärfer.
Ich war nicht die Einzige. Eine Freundin sprach bei einem Abendessen davon,
dass sie ein spirituelles Detox-Programm braucht. Wir lachten laut auf. Ja, das
gewünschte „Entgiftungsprogramm“ konnten wir nachvollziehen. Viele von
uns waren seit vielen Jahren aktiv in ihrem spirituellen Wachstum tätig. Wir
meditieren jeden Tag. Wir waren aufmerksam, was wir dachten, sagten und
taten. Und – jeder von uns – reagierte mittlerweile allergisch auf spirituelles
„Bla-Bla“.
Ein spirituelles Leben kann ganz schön anstrengend werden: Die Kundalini
Energie muss nach oben gezogen werden; das dritte Auge sollte auf sein;
man darf das Bett mit dem Fußende nicht zur Zimmertür und den Herd nicht in
die Mitte der Küche stellen ; man darf kein Fleisch essen; man sollte seine
Affirmationen so oft wie möglich wiederholen und seine Mantras singen; Man
sollte jeden Tag Yoga machen; einen Reiki Grad oder ein andere Äquivalent
sollte man schon haben; wir sollten heilige Kraftorte erfühlen können; wir
sollten intuitiv spüren, wie es dem anderen geht; wir sollten uns unsere Träume
merken und analysieren können, wir sollten … wir sollten…
Ganz schön viel! Weswegen verlangen und erwarten wir soviel von uns?
Weil wir etwas erreichen wollen.
Wir wollen glücklich sein.
Wir wollen keine Probleme mehr haben.
Wir wollen Aufwachen.
Wohin aufwachen?
Für die meisten von uns begann das spirituelle Aufwachen mit einer Suche.
Wir schauten uns unser Leben an – und es gefiel uns nicht. Wir merkten, dass
wir uns im Kreise drehen, kein Vertrauen in unser Leben haben und das tun,
was andere von uns erwarten.
Dann hörten wir von Engeln oder einem erleuchteten Meister oder einer
spirituellen Ausbildung, die uns helfen sollte. Wir trafen die Entscheidung uns
umzuschauen, etwas Neues erfahren zu wollen. Und mit dieser Entscheidung
teilten sich die Suchenden in zwei Gruppen ein:
Die eine Gruppe suchte nach einem Eltern-Ersatz. Suchte nach einem
Wunder. Einer schnellen Veränderung. Einem „magischen Schlüssel“, der alles
richten kann. Irgendwie glaubten wir, dass es da ein „Secret“, ein
„Geheimnis“ gibt, das – wenn wir es erst verstanden haben – uns ins gefühlte
Paradies befördert. Mit tollem Job, tollem Partner, tollen Kindern und viel Geld
und Erfolg. Und so suchten wir nach jemandem, der „etwas weiß“ und uns
hilft, unser Leben zu meistern. Wir suchten nach jemandem, den wir anbeten
können. Kurzum jemandem, der die Verantwortung für unser Leben
übernimmt. Dabei gab es diverse Heilsversprechen und angebliche
„Abkürzungen“: „Wenn du XY machst, diese Ausbildung machst, diesen
Kristall kaufst etc. dann bist du beschützt.“
Manche waren zuerst längere Zeit in dieser Gruppe und stellten dann nach
einer Weile fest, dass es weder beim Abnehmen, noch im spirituellen
Wachstum Abkürzungen gibt. Und so wendete man sich der zweiten Gruppe
zu. Der Gruppe, die gemerkt hatte, dass das Leben sich nur dann verändert,
wenn wir uns selbst verändern. Also weg von dem Glauben „Ich selbst bin
wenig und brauche jemanden, der mehr und größer und weiter ist als ich“ zu
der Ahnung: „Ich habe in mir diese Größe, die ich selbst entwickeln möchte
und dazu bin ich bereit die komplette Verantwortung für mein Leben zu
übernehmen und dazu suche ich mir die passenden Vorbilder.“ Diese
Vorbilder sind nur temporär da. Ihnen wird nicht gefolgt. Ihnen wird zugehört,
wie bei einem Mathematiklehrer in der Schule. Wir lernen von ihm die Regeln
der Mathematik. Aber wir laufen unserem Mathematiklehrer nicht in
unendlicher Bewunderung hinterher. Wir WISSEN, dass wir diese
Mathematikaufgaben selber lösen können– wenn wir es üben.
Beide Gruppen haben ihre spirituelle Erschöpfung. Die erste Gruppe wird
frustriert werden. Das Leben hat sich nicht wirklich verändert. Die Probleme
sind immer noch die gleichen. Der tolle neue Partner will einfach nicht
kommen. Das glückselige Wohlbefinden will sich einfach nicht einstellen. Und
so sucht diese erste Gruppe einen neuen Lehrer. Eine neue Lehre. DIESE Lehre
wird es jetzt sein! DIESE Lehre zeigt mir den Schlüssel zu einem leichteren
Leben. Und natürlich ist es auch DIESE Lehre nicht. Denn das spirituelle
Wachsein ist ein täglicher Prozess und den erfahren wir nur, wenn wir uns auf
unsere Intuition und auf uns selbst verlassen und niemand anderem
hinterherlaufen oder auf ein leichtes „Wunder“, eine Abkürzung, hoffen.
Natürlich gibt es Wunder. Nur im Wachstum eben nicht.
Die spirituelle Erschöpfung der zweite Gruppe ist eine Andere. Die zweite
Gruppe hat sich auf Grund der jahrelangen Übungen in eine
selbstverständliche Spiritualität hineinbewegt. Der Druck ist verschwunden.
Die Meditationen sind eine Selbstverständlichkeit wie das zwei Mal tägliche
Zähneputzen. Es sind viele spirituelle Bücher gelesen und verstanden worden
und so „sucht“ man nicht mehr nach einer Antwort. Die Antwort ist gefunden
worden. Jetzt geht es um das Leben, das so gelebt werden will, wie wir es
geübt und gelernt haben. Das heißt, dass selbstverständlich das Essen
gesegnet wird. Dass der innere Dialog mit dem Körper, das BodyBlessing,
normal geworden ist. Dass wir mit unserem Partner wahrhaftig und sensibel
umgehen. Dass nicht gelogen wird. Dass wir nicht mehr belehren wollen. Dass
wir uns erlauben Pausen zu machen. Diese Gruppe erlebt die spirituelle
Erschöpfung anders: Bei ihr ist es das spirituelles Bla-Bla, das ihr auf die Nerven
geht.
Mit dem Wort Erleuchtung konnte ich noch nie richtig etwas anfangen. Ich
benutze lieber das Wort „Wachsein“.
Wir haben keine Seele. Unsere Seele hat uns.
Es ist unsere Herausforderung als unendliche Seele, die eine menschliche
Erfahrung macht, unseren Verstand HINTER unsere Seele zu stellen. Und das ist
unser Verstand nicht gewohnt. Unsere Aufgabe hier in diesem Leben ist es
„Wach zu sein“ und unsere Herausforderungen aus der Sicht der Seele zu
sehen. Jeder von uns wünscht sich das. Und jeder von uns geht dazu seinen
eigenen für ihn richtigen Weg. Ob wir ihn jetzt in der ersten oder in der zweiten
Gruppe ausprobieren … irgendwann einmal erkennen wir, dass es um die
Selbstverantwortung geht. Woran erkennen wir, dass es funktioniert? Weil
unser Leben besser wird.
Wenn ich mir meine Beziehungen und mein Leben anschaue, dann erkenne
ich die Veränderung in meinem Leben. Alleine in meinen Beziehungen habe
ich in den Jahren ein anderes Miteinander gestaltet. So, wie ich es jetzt
erlebe, habe ich es mir nicht einmal vorstellen können. Wir erkennen den
Grad unseres Wachseins daran, wie wir mit den Herausforderungen des
Lebens umgehen. Wenn wir uns früher über etwas wochenlang aufgeregt
haben, berührt es uns heute vielleicht nur noch für eine halbe Stunde. DAS ist
unser Wachstum. DARAN erkennen wir unser Wachsein und ich wünsche uns
sehr, dass wir alle diese Schritte erkennen und uns daran erfreuen können.
Wachsein bedeutet nicht, dass wir keine Probleme mehr haben. Wachsein
bedeutet, dass wir die Probleme erkennen – die Herausforderung annehmen
– und uns anders verhalten als früher. Dieser Moment des Bewussten („ich
mache nicht das, was ich üblicherweise tue, sondern ich mache das, was ich
jetzt tun will“) ist die Gnade des Wachseins – und daran können wir uns
erfreuen. Jeden Tag mehr …
Herausforderungen durch spirituelle Erschöpfung
Pausen machen: Eine Ausbildung, ein Kurs, ein Vortrag nach dem Anderen
leert zwar unser Portemonnaie, aber nicht unser Karma. Wir müssen auch Zeit
haben, das Gelernte umzusetzen.
Herz geht zu: Mein Herz ist mein Barometer. Häufig frage ich mich: „Macht
dies mein Herz auf oder zu?“ und dann beobachte ich, wie ich mich fühle.
Aussagen, die mein Herz zumachen, wollen mir nur Angst machen.
Welt retten: Wir erschaffen uns zwar die Welt in der wir leben und doch
können wir nur die Verantwortung für uns selbst übernehmen. Dies zu
erkennen und anzunehmen, löst den Druck und entspannt.
Zuviel Pflichtgefühl: Viele trauen sich keine Pause zu machen, denn ihr
Pflichtgefühl hält sie davon ab: „Aber ich werde doch gebraucht!“ Niemand
ist unersetzlich. Wenn ich nicht mehr zur Verfügung stehe, dann gehen die
Leute eben woanders hin. Und wenn ich erschöpft bin, habe ich nichts zu
geben.
Spirituelles Bla-Bla: Unser spirituelles Leben ist selbstverständlich geworden und
das ist ein Geschenk, das wir uns selbst gemacht haben.

[/vc_column_text] [vc_button title=“DOWNLOAD: Anzeichen spiritueller Erschöpfung“ href=“http://farbfeld-malerei.de/wp-test-2013/wp-content/uploads/2013/07/Anzeichen-spiritueller-Erschoepfung.pdf“ color=“btn-danger“ size=“wpb_regularsize“ icon=“wpb_document_pdf“ target=“_self“ width=“1/1″ el_position=“first last“] [vc_column width=“1/1″ el_position=“first last“] [vc_column_text width=“1/1″ el_position=“first last“]

Als es mir das erste Mal passierte, befürchtete ich, ich sei arrogant geworden. Ich war selbst Referentin und hörte jemand anderem auf der Bühne zu. Nach einer Weile fingen meine Beine an, unruhig zu werden. Immer ein Zeichen, dass ich weg will. Doch ich blieb sitzen. Ich beobachtete, wie meine Gedanken wanderten: Zum bevorstehenden Rückflug in die USA, der Geburtstagsplanung für meine damals noch kleine Tochter. Zwischendrin versuchte ich mich wieder auf die Referentin zu konzentrieren, doch mein Körper rutschte unruhig auf meinem Stuhl hin und her. Weder das Konzentrieren auf meinen Atem, noch die versuchte Meditation halfen mir weiter. Ich merkte, wie ich wütend wurde. Wütend über das, was ich da
hörte.

Ich werde selten wütend. Und da ich weiß, was man mit Gefühlen macht, fragte ich die Wut in mir, was sie mir denn sagen will. Sie antwortete prompt: „Ich kann diesen Schmarrn nicht mehr hören!“ Ja, das war wahr. Was mich störte, war die „Inszenierung“ der Referentin, der heilige Blick, Phrasen und unwahre Heilsversprechen: „Wenn ihr das und das
macht, dann werdet ihr nie wieder ein Problem haben.“ Gleichzeitig fragte ich mich vorsichtshalber, ob ich arrogant geworden bin? Ich besprach später die Situation mit meinen Freunden. Eine davon fragte mich, ob es denn Referenten gäbe, von denen ich begeistert bin. „Natürlich!“ antwortete ich und ratterte deren Namen herunter. „Wenn du arrogant wärst, dann würde dir keiner der anderen Referenten gefallen. Da gibt es offensichtlich was an dieser Referentin, das du nicht als aufrichtig empfindest.“
Über die Jahre merkte ich, dass meine Geduld zwar in vielem wuchs, aber in
einer Sache immer kleinlicher wurde: Mein Radar für authentisches spirituelles
Leben oder hingeschmissene Plattitüden wurde immer schärfer.
Ich war nicht die Einzige. Eine Freundin sprach bei einem Abendessen davon,
dass sie ein spirituelles Detox-Programm braucht. Wir lachten laut auf. Ja, das
gewünschte „Entgiftungsprogramm“ konnten wir nachvollziehen. Viele von
uns waren seit vielen Jahren aktiv in ihrem spirituellen Wachstum tätig. Wir
meditieren jeden Tag. Wir waren aufmerksam, was wir dachten, sagten und
taten. Und – jeder von uns – reagierte mittlerweile allergisch auf spirituelles
„Bla-Bla“.
Ein spirituelles Leben kann ganz schön anstrengend werden: Die Kundalini
Energie muss nach oben gezogen werden; das dritte Auge sollte auf sein;
man darf das Bett mit dem Fußende nicht zur Zimmertür und den Herd nicht in
die Mitte der Küche stellen ; man darf kein Fleisch essen; man sollte seine
Affirmationen so oft wie möglich wiederholen und seine Mantras singen; Man
sollte jeden Tag Yoga machen; einen Reiki Grad oder ein andere Äquivalent
sollte man schon haben; wir sollten heilige Kraftorte erfühlen können; wir
sollten intuitiv spüren, wie es dem anderen geht; wir sollten uns unsere Träume
merken und analysieren können, wir sollten … wir sollten…
Ganz schön viel! Weswegen verlangen und erwarten wir soviel von uns?
Weil wir etwas erreichen wollen.
Wir wollen glücklich sein.
Wir wollen keine Probleme mehr haben.
Wir wollen Aufwachen.
Wohin aufwachen?
Für die meisten von uns begann das spirituelle Aufwachen mit einer Suche.
Wir schauten uns unser Leben an – und es gefiel uns nicht. Wir merkten, dass
wir uns im Kreise drehen, kein Vertrauen in unser Leben haben und das tun,
was andere von uns erwarten.
Dann hörten wir von Engeln oder einem erleuchteten Meister oder einer
spirituellen Ausbildung, die uns helfen sollte. Wir trafen die Entscheidung uns
umzuschauen, etwas Neues erfahren zu wollen. Und mit dieser Entscheidung
teilten sich die Suchenden in zwei Gruppen ein:
Die eine Gruppe suchte nach einem Eltern-Ersatz. Suchte nach einem
Wunder. Einer schnellen Veränderung. Einem „magischen Schlüssel“, der alles
richten kann. Irgendwie glaubten wir, dass es da ein „Secret“, ein
„Geheimnis“ gibt, das – wenn wir es erst verstanden haben – uns ins gefühlte
Paradies befördert. Mit tollem Job, tollem Partner, tollen Kindern und viel Geld
und Erfolg. Und so suchten wir nach jemandem, der „etwas weiß“ und uns
hilft, unser Leben zu meistern. Wir suchten nach jemandem, den wir anbeten
können. Kurzum jemandem, der die Verantwortung für unser Leben
übernimmt. Dabei gab es diverse Heilsversprechen und angebliche
„Abkürzungen“: „Wenn du XY machst, diese Ausbildung machst, diesen
Kristall kaufst etc. dann bist du beschützt.“
Manche waren zuerst längere Zeit in dieser Gruppe und stellten dann nach
einer Weile fest, dass es weder beim Abnehmen, noch im spirituellen
Wachstum Abkürzungen gibt. Und so wendete man sich der zweiten Gruppe
zu. Der Gruppe, die gemerkt hatte, dass das Leben sich nur dann verändert,
wenn wir uns selbst verändern. Also weg von dem Glauben „Ich selbst bin
wenig und brauche jemanden, der mehr und größer und weiter ist als ich“ zu
der Ahnung: „Ich habe in mir diese Größe, die ich selbst entwickeln möchte
und dazu bin ich bereit die komplette Verantwortung für mein Leben zu
übernehmen und dazu suche ich mir die passenden Vorbilder.“ Diese
Vorbilder sind nur temporär da. Ihnen wird nicht gefolgt. Ihnen wird zugehört,
wie bei einem Mathematiklehrer in der Schule. Wir lernen von ihm die Regeln
der Mathematik. Aber wir laufen unserem Mathematiklehrer nicht in
unendlicher Bewunderung hinterher. Wir WISSEN, dass wir diese
Mathematikaufgaben selber lösen können– wenn wir es üben.
Beide Gruppen haben ihre spirituelle Erschöpfung. Die erste Gruppe wird
frustriert werden. Das Leben hat sich nicht wirklich verändert. Die Probleme
sind immer noch die gleichen. Der tolle neue Partner will einfach nicht
kommen. Das glückselige Wohlbefinden will sich einfach nicht einstellen. Und
so sucht diese erste Gruppe einen neuen Lehrer. Eine neue Lehre. DIESE Lehre
wird es jetzt sein! DIESE Lehre zeigt mir den Schlüssel zu einem leichteren
Leben. Und natürlich ist es auch DIESE Lehre nicht. Denn das spirituelle
Wachsein ist ein täglicher Prozess und den erfahren wir nur, wenn wir uns auf
unsere Intuition und auf uns selbst verlassen und niemand anderem
hinterherlaufen oder auf ein leichtes „Wunder“, eine Abkürzung, hoffen.
Natürlich gibt es Wunder. Nur im Wachstum eben nicht.
Die spirituelle Erschöpfung der zweite Gruppe ist eine Andere. Die zweite
Gruppe hat sich auf Grund der jahrelangen Übungen in eine
selbstverständliche Spiritualität hineinbewegt. Der Druck ist verschwunden.
Die Meditationen sind eine Selbstverständlichkeit wie das zwei Mal tägliche
Zähneputzen. Es sind viele spirituelle Bücher gelesen und verstanden worden
und so „sucht“ man nicht mehr nach einer Antwort. Die Antwort ist gefunden
worden. Jetzt geht es um das Leben, das so gelebt werden will, wie wir es
geübt und gelernt haben. Das heißt, dass selbstverständlich das Essen
gesegnet wird. Dass der innere Dialog mit dem Körper, das BodyBlessing,
normal geworden ist. Dass wir mit unserem Partner wahrhaftig und sensibel
umgehen. Dass nicht gelogen wird. Dass wir nicht mehr belehren wollen. Dass
wir uns erlauben Pausen zu machen. Diese Gruppe erlebt die spirituelle
Erschöpfung anders: Bei ihr ist es das spirituelles Bla-Bla, das ihr auf die Nerven
geht.
Mit dem Wort Erleuchtung konnte ich noch nie richtig etwas anfangen. Ich
benutze lieber das Wort „Wachsein“.
Wir haben keine Seele. Unsere Seele hat uns.
Es ist unsere Herausforderung als unendliche Seele, die eine menschliche
Erfahrung macht, unseren Verstand HINTER unsere Seele zu stellen. Und das ist
unser Verstand nicht gewohnt. Unsere Aufgabe hier in diesem Leben ist es
„Wach zu sein“ und unsere Herausforderungen aus der Sicht der Seele zu
sehen. Jeder von uns wünscht sich das. Und jeder von uns geht dazu seinen
eigenen für ihn richtigen Weg. Ob wir ihn jetzt in der ersten oder in der zweiten
Gruppe ausprobieren … irgendwann einmal erkennen wir, dass es um die
Selbstverantwortung geht. Woran erkennen wir, dass es funktioniert? Weil
unser Leben besser wird.
Wenn ich mir meine Beziehungen und mein Leben anschaue, dann erkenne
ich die Veränderung in meinem Leben. Alleine in meinen Beziehungen habe
ich in den Jahren ein anderes Miteinander gestaltet. So, wie ich es jetzt
erlebe, habe ich es mir nicht einmal vorstellen können. Wir erkennen den
Grad unseres Wachseins daran, wie wir mit den Herausforderungen des
Lebens umgehen. Wenn wir uns früher über etwas wochenlang aufgeregt
haben, berührt es uns heute vielleicht nur noch für eine halbe Stunde. DAS ist
unser Wachstum. DARAN erkennen wir unser Wachsein und ich wünsche uns
sehr, dass wir alle diese Schritte erkennen und uns daran erfreuen können.
Wachsein bedeutet nicht, dass wir keine Probleme mehr haben. Wachsein
bedeutet, dass wir die Probleme erkennen – die Herausforderung annehmen
– und uns anders verhalten als früher. Dieser Moment des Bewussten („ich
mache nicht das, was ich üblicherweise tue, sondern ich mache das, was ich
jetzt tun will“) ist die Gnade des Wachseins – und daran können wir uns
erfreuen. Jeden Tag mehr …
Herausforderungen durch spirituelle Erschöpfung
Pausen machen: Eine Ausbildung, ein Kurs, ein Vortrag nach dem Anderen
leert zwar unser Portemonnaie, aber nicht unser Karma. Wir müssen auch Zeit
haben, das Gelernte umzusetzen.
Herz geht zu: Mein Herz ist mein Barometer. Häufig frage ich mich: „Macht
dies mein Herz auf oder zu?“ und dann beobachte ich, wie ich mich fühle.
Aussagen, die mein Herz zumachen, wollen mir nur Angst machen.
Welt retten: Wir erschaffen uns zwar die Welt in der wir leben und doch
können wir nur die Verantwortung für uns selbst übernehmen. Dies zu
erkennen und anzunehmen, löst den Druck und entspannt.
Zuviel Pflichtgefühl: Viele trauen sich keine Pause zu machen, denn ihr
Pflichtgefühl hält sie davon ab: „Aber ich werde doch gebraucht!“ Niemand
ist unersetzlich. Wenn ich nicht mehr zur Verfügung stehe, dann gehen die
Leute eben woanders hin. Und wenn ich erschöpft bin, habe ich nichts zu
geben.
Spirituelles Bla-Bla: Unser spirituelles Leben ist selbstverständlich geworden und
das ist ein Geschenk, das wir uns selbst gemacht haben.

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Ueber das Heilen von Krisen

In jedem Leben gibt es Krisen. Das ist Teil unseres Daseins und lässt sich nicht wegwünschen oder -beten. Glauben Sie mir, ich hab’s versucht.

Wir alle lernen, mehr oder weniger erfolgreich mit unseren Krisen umzugehen. Jeder auf seine Art; das, was Sie hier lesen, ist meine. Wenn wir auf unser bisheriges Leben zurückblicken, dann stellen wir fest, dass wir unsere Krisen immer irgendwie überwinden konnten. Offensichtlich haben wir alle „das Zeug“ dazu, unser Leben wieder in einen entspannten Zustand zu bringen. Es scheint regelmäßig Krisen zu geben, die dann für eine Weile anstrengend waren und irgendwann einmal wieder ihr Ende fanden – und dann ging es eine Zeit lang etwas einfacher weiter.

Bis zum nächsten Mal.

Im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, dass meine Krisen mit Hilfe meines spirituellen Trainings zügiger geheilt wurden. Offensichtlich hat es mir dabei geholfen, dass ich aufmerksamer und bewusster mit meinen Gedanken, Worten und Taten umging.

Da dieses Buch aus einem bestimmten Erfahrungs- und Gottesbild kommt, möchte ich es gern voranstellen.

Ein Glaubensbekenntnis ist eine ganz eigene und persönliche Sache. Ich sehe mich als Christin im weitesten Sinne. Ein Bekannter von mir, ein sehr aktiver und gläubiger Katholik, meinte einmal nach einem langen Gespräch bei einem Abendessen über Gott und den Glauben: „Wenn ich die Kammermusik des Christentums bin, dann bist du wahrscheinlich Free Jazz.“

Ich habe mich neugierig in anderen Religionen umgesehen und einiges davon lernen können, und doch fühle ich mich persönlich bei Jesus mehr zu Hause. Vielleicht hat Gott uns viele Lehrer geschickt, passend nach Region und Zeitgeschichte. Gott ist für mich vergleichbar wie Licht, das aus vielen verschiedenen Lampen strahlen kann. Steht doch auch in der Bibel, dass im Haus des Vaters viele Wohnungen sind (Joh. 14, 2).

Obwohl es natürlich organisierte Religionen gibt und fast jede Glaubensgemeinschaft eben einen gemeinsamen Glauben hat, glaubt nicht jeder darin Vereinte das Gleiche. In diesem gemeinsamen Glauben finden sich zwar bestimmte Doktrinen wieder – also Glaubensbekenntnisse –, denen einige in der Regel ganz oder andere nur zu einem Teil zustimmen. Doch die meisten kennen gar nicht alle Doktrinen und fest verankerten Glaubenssätze des Bekenntnisses: Wer hat denn schon wirklich die gesamte Bibel aufmerksam studiert, geschweige denn die Originale vor der Übersetzung gelesen? So bleibt ein großer Teil der eigenen Interpretation überlassen.

Viele Menschen im mitteleuropäischen Raum sind Christen. Manche haben sich aber bei bestimmten Doktrinen (im Hinblick auf die Erbsünde vielleicht oder die Geburtenkontrolle) vom offiziellen Glauben entfernt. Ich auch. Außerdem glaube ich an die Reinkarnation, also die Wiedergeburt, allerdings nicht im Sinne des Buddhismus („Irgendwann einmal bin ich erleuchtet, und dann brauche ich nicht mehr wiederzukommen“ – ich komme gern wieder) oder Hinduismus („Ich habe im letzten Leben etwas Fürchterliches angestellt, und deshalb gehöre ich jetzt zu den Unberührbaren“). Ich halte Gott vielmehr für den gütigsten Vater und die gütigste Mutter, und deshalb ist Karma für mich eine Frage von Ursache und Wirkung und dem Wunsch, neue Erfahrungen zu machen, und nicht von Strafe.

Ich glaube, dass wir deswegen viele Leben erleben, damit wir neben den Erfahrungen, die wir sammeln, mehr Mitgefühl entwickeln. Wir schauen uns auch im Fernsehen oder im Kino gern Unterschiedliches an: Nachrichten, Spielfilme, Komödien, Krimis. Vielleicht machen wir genau das auch im richtigen Leben. Wir sammeln Erfahrungen. Um daran zu wachsen. Um daraus zu lernen. Manchmal treffe ich einen Menschen, bei dem ich das Gefühl habe, dass dies eine sehr „alte Seele“ ist. Er ist so weise, dass er bestimmt schon häufig da war. Und dann gibt es wieder einige Zeitgenossen, da sieht es eher so aus, als ob dies jetzt das erste Mal sei. Hier wird noch mit der Basis des Menschseins gerungen.

Zur Unterstützung in unserem Leben bedanke ich mich täglich bei den Engeln. Nach meinem Glaubensverständnis haben wir viele Engel. Einen Schutzengel, der uns durch unser ganzes Leben und durch das Sterben begleitet, und viele andere Engel, die diverse Zuständigkeitsgebiete haben wie zum Beispiel Vergebung, Kraft, Milde, Mitgefühl, Tapferkeit. Und natürlich auch einige, die uns Unterstützung im täglichen Leben gewähren. Da Engel in der Regel über keinen menschlichen Körper verfügen, ist ihr Dialog mit uns meistens an eine Art inneres Gespräch gebunden. Sie unterstützen uns aber ebenfalls mit Zeichen.

Die Engel halten uns jedoch nicht vom Leben ab. Ihre Aufgabe ist es, uns zu unterstützen. Sie trösten uns, zeigen uns, wie sehr wir geliebt werden, und sie geben uns Ratschläge, die wir dann umsetzen können, um unser Leben leichter zu gestalten. Wir haben uns als Seele bestimmte Hausaufgaben gestellt, und die gilt es zu erleben. Natürlich werden wir auch weiterhin gelegentlich Krisen durchlaufen.

Wir leben ja noch.

Ein spirituelles Leben soll uns nicht abstumpfen von Erlebnissen. Es soll uns helfen, bewusst und dankbar die kleinen und großen Zeichen der göttlichen Kraft zu erleben. Dazu, so glaube ich, gibt es bestimmte Regeln. Die gilt es zu erkennen und zu nutzen. Woran erkennen wir, dass sie wahr und nützlich sind? Nicht daran, dass wir uns von anderen überzeugen lassen oder blind irgendjemandem folgen. Wir erkennen sie nur dann, wenn wir sie selbst ausprobieren. Denn der wichtigste Experte in unserem Leben sind wir selbst. Und in so wichtigen Angelegenheiten wie unserem eigenen Leben sollten wir uns auf den hauseigenen Experten verlassen.

Licht und Liebe,

Sabrina Fox

im Frühjahr 2008

1. Das Gefühl der Krise

Ich wachte über zwanzig Jahre lang auf, als hätte ich einen schweren Stein verschluckt. Ich ging mit diesem Stein im Magen ins Bett und stand mit ihm auf. Das Gefühl war mir so vertraut, dass ich dachte, es gehöre zum Menschsein dazu. Ich schaute ins Leben, wie man bei Glatteis Auto fährt: vorsichtig. Jederzeit in der Erwartung, irgendwo schmerzhaft und teuer draufzuknallen. Jederzeit bereit, mal wieder betrogen und verletzt zu werden. Jederzeit bereit, mich mal wieder verloren zu fühlen. Ich erwartete Dramen und Schwierigkeiten, wie ein Hotel auf Gäste wartet. Mein Blick in die Welt war kritisch.

Ich dachte, jeder lebt so. Natürlich gab es kleine und große Glücksmomente, und doch war ich nicht in der Lage, sie wirklich zu genießen. Denn, so war es damals meine Erfahrung, sie dauerten nicht lange. Der Stein in meiner Magengegend konnte leichter werden, aber er verschwand nicht. Es konnte ein Telefonanruf sein, der eine neue Krise brachte, oder der nächste Tag im Büro. Man war einfach nicht sicher in dieser Welt. So trug ich meinen schweren großen Stein ganz selbstverständlich mit mir herum. Nie kam mir der Gedanke, wie ich das ändern könnte. Was gibt es daran zu verändern? Und vor allen Dingen, wie? Das Leben ist nun mal anstrengend. Ich fühlte mich häufig wie ein Schiff auf stürmischer See: Das Leben schüttelte mich durcheinander. Ich empfand es als anstrengend.

Was sind das nur für Leute, die freudig lächelnd durch den Tag gehen? Müssen die ein Glück haben! Ich hatte das eben nicht. Ich wünschte mir nichts mehr als ein dickeres Fell. Ich erhoffte und erwartete davon, dass ich, wenn ich nicht mehr so sensibel wäre, mit diesem Dasein leichter zurechtkommen würde.

Ein dickeres Fell bekam ich nie.

Aber mein Stein im Magen ist verschwunden. Weg auch das Gefühl, dass mein Leben, mein Weg, sich auf glattem Eis bewegt. Heute gehe ich gelassen ins Bett und wache frei auf. Ich habe Vertrauen. Jetzt wieder fällt mir auf, dass ich mich eigentlich zu wenig dafür bedanke.

Dieses Gefühl ist nicht zufällig eingetreten. Da gab es keinen Heiler, der mich kuriert hätte, und keinen Zauberstab, der über meinem Körper schwebte. Es war mein Bemühen – mit der Gnade Gottes und der Hilfe der Engel –, das diesen Zustand langsam verändert hat. Es dauerte Jahre, bis ich mein Leben so eingerichtet hatte, dass ich mich wohler darin fühlte. Es gibt beim Abnehmen wie beim Wohlfühlen keine Abkürzungen und keine Übertragungsmöglichkeit: Wir müssen einfach alle selbst dafür sorgen.

Natürlich habe ich immer noch gelegentlich Krisen in meinem Leben. Doch sie sind sehr viel seltener geworden, und sie entwickeln sich anders. Ich nehme sie jetzt anders wahr. Und ich finde Wege, sie zu lösen.

Manchmal erkenne ich sie schon von weitem – wie ein Donnerkrachen, das das Gewitter ankündigt. Dann kann ich mich unterstellen, bevor ich klatschnass werde.

Manchmal nicht.

Manchmal schleichen sich Krisen langsam ein. Wie ein sanfter Temperaturwechsel, der mir zuerst nicht auffällt. Es wird kühler, ohne dass ich es zur Kenntnis nehme. Meine Gedanken beginnen, sich an irgendeiner Situation festzubeißen. Ich fange an, mir die Zukunft schwierig auszumalen. Ich kaue an einem Problem herum wie an zähem Fleisch. Und merke es nicht.

Der Donner – weit weg – verhallte von Anfang an ungehört. Sonst wäre es ja einfach gewesen. Dann wäre es mir aufgefallen. Nein, mit dem kühleren Wind kamen langsame, fast sanfte Regentropfen, die kaum spürbar die allgemeine Stimmung erkalten ließen. Mein tägliches Morgengebet wurde kürzer, die stillen Meditationen seltener, dafür wandte ich all die extra Energie auf, um mich emotional ein bisschen mehr zu beschäftigen. An den Tagen darauf – ein Drama wird immer größer – fing mein Gehirn ohne Unterlass zu denken an. Die gleiche Situation wurde hundertmal gedanklich hin und her gerollt, ohne dass ich zu einem wirklichen Ergebnis kam. Ich wanderte in dem Spiegelkabinett meines Kopfes hin und her und suchte keinen Ausgang.

So geht es eine Weile, manchmal Tage, manchmal länger, und plötzlich flüstert eine kleine Stimme in mir: „Was machst du da eigentlich?“

Moment mal. Ja, was mache ich da eigentlich?

Ich bin immer so dankbar, wenn ich wieder daran erinnert werde, dass ich eine Wahl habe. Eine Wahl, weiterzumachen oder aufzuhören, und so gebiete ich meinen Gedanken: „Ruhe!“, und konzentriere mich auf das Zählen:

Einatmen: eins, zwei, drei, vier, fünf.

Ausatmen: eins, zwei, drei, vier, fünf.

Ich beobachte dann aufmerksam, was ich denke, und dabei wird das Denken langsamer und hört dann ganz auf. Es entsteht Stille. Da ich das viele Jahre geübt habe, fällt es mir leicht, in diesen Zustand zu fallen; denn ich weiß, das ist es, was ich im Moment am dringendsten brauche: Ruhe und ein Gespräch mit den Engeln. Ich schließe die Augen und lege mich in meinen Körper, wie man sich in eine warme Badewanne legt. Schon nach den ersten Atemzügen merke ich, dass ich langsam wieder in mir zu Hause bin. Und so freue ich mich auf die absolute Stille, in der ich mich in Kürze wiederfinden werde.

Kein Gedanke. Kein Geräusch. Kein Drama. Mein ganzer Körper summt innerlich leicht vor sich hin, und ich lächle. „Ahhh. Zu Hause.“ Endlich. „Danke, lieber Gott.“

Wie nach einer anstrengenden Heimreise, bei der man den Pass, die Schlüssel und die Koffer verloren hat, bin ich doch irgendwie durch einen tiefen Atemzug wieder bei mir gelandet. Danke!

Ich hatte mich verloren! Ich hatte mal wieder all das, was ich weiß, vergessen. Ich liebe den Moment, in dem ich erkenne, dass ich mich in einer Krise befinde. Das ist irgendwie beruhigend. Ja, ich bin in einer Krise. Ja, und ich war schon mal in einer Krise. Ich war sogar schon in vielen Krisen, und auch diese Krise wird vorbeigehen. In ein paar Wochen oder spätestens ein paar Jahren lache ich drüber. Wie heißt es doch so schön? „Willkommen im Club.“

Warum, um Himmels willen, kann ich mir das nicht merken?

Dann komme ich mir wie eine Idiotin vor. Frage mich, ob ich denn gar nichts dazugelernt habe nach über fünfzehn Jahren spirituellen Trainings, fast fünfzig Jahren Lebenserfahrung und zwei Ehen. Ich erinnere mich daran, dass ich einige tiefe Täler der Seele, einsame Nächte im Wald und die Teenagerzeit meiner Tochter überlebt habe. Und schon wieder war ich ganz und gar unaufmerksam.

Trotzdem wird es immer besser. Meine Wohlfühlphasen sind sehr viel länger, und ich hadere auch weniger lange mit mir. Ich bin nun mal Mensch. Da wiederholt man sich gern.

Die Meditations-CD zum Buch

Ein Buch ist nur dann nützlich, wenn es angewandt wird. Deshalb haben wir eine CD beigefügt, damit einige Vorschläge zu den Meditationen vielleicht durch das Anhören erst einmal leichter fallen.

Aus dem Buch:

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Das Gefühl der Krise
Die Meditations-CD zum Buch

  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • Das Gefühl der Krise
  • Die spirituellen Gründe einer Krise: Seelenhausaufgaben
  • Was unterhält, was fasziniert mich an dieser Krise?
  • Unsere emotionalen Waisenkinder
  • Mit der Angst sprechen
  • Die natürliche Ruhe des Seins
  • Schritte zur Heilung der Krise
  • Die Wichtigkeit, Verantwortung zu übernehmen
  • Das Versprechen, sich selbst gut zu behandeln
  • Aufmerksamkeit
  • Fragebogen: Was sind meine Seelenhausaufgaben?
  • Danke

Stolpersteine auf dem spirituellen Weg

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Aus dem Buch:

Vorwort
Inhaltsverzeichnis
1. Kapitel

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir haben unseren Blick nach innen gelenkt und Licht und Schatten gefunden. Das Licht, das haben wir gesucht, den Schatten, den wollten wir loswerden.

Dann haben wir uns angestoßen. Da lag er. Der Stolperstein auf unserem Weg ins Licht. Da wollen wir hin, weg von den Schwierigkeiten des menschlichen Lebens.

Und doch, wenn wir uns diesen Stolperstein ganz genau betrachten, dann hat er die Qualität einer Perle. Hilfsbereit liegt er vor unseren Füßen, weil er uns den Weg weisen will. Den Weg zu einer Leichtigkeit … wenn – ja wenn – wir von diesem Stolperstein lernen.

Wir sind nicht die Ersten, die das tun. Neben uns räumt jeder irgendwie seinen Weg auf. So können wir uns zurufen, was uns geholfen hat. Und so ist dieses Buch ein liebevoller Zuruf von meinen Freunden und mir.

Licht und Liebe und Gottes Segen

Sabrina Fox

München, Oktober 2008

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

  1. Wieso gibt es Stolpersteine?
  2. In welcher Phase meiner spirituellen Entwicklung bin ich?
  3. Irgendwie ist das komisch …
  4. Worauf sollte ich besonders achten?
  5. Vorsichtig: Beispiele
  6. Was mache ich falsch, wenn es bei mir nicht funktioniert?
  7. Woran erkenne ich einen guten Lehrer?
  8. Welche Stolpersteine gibt es für Lehrer?
  9. Ist das Meditieren wirklich so wichtig?
  10. Was ist, wenn die anderen mich für verrückt halten?
  11. Warum hören sie denn nicht auf mich?
  12. Wenn ich mich bei anderen Religionen umschaue, bastle ich mir dann nicht einfach meinen Glauben zusammen?
  13. Wie viel hat unser Leben mit Karma zu tun?
  14. Ist das die dunkle Nacht der Seele?
  15. Wie erkläre ich meinen Kindern mein Gottesbild?
  16. Kann man sich wirklich alles vom Universum wünschen?
  17. Stimmt das, was ich in meinen Meditationen höre?
  18. Meine Freunde befürchten, ich flüchte mich in die Spiritualität
  19. Mein Partner und ich kommen nicht mehr miteinander zurecht – ist es Zeit, sich zu trennen?
  20. Wie kann ich erleuchtet werden?
  21. Wieso werde ich krank?
  22. Warum bin ich nicht glücklich, obwohl ich so viel für andere tue?
  23. Grenzen setzen: Beispiele
  24. Was ist meine Lebensaufgabe?
  25. Was ist eigentlich Channeling?
  26. Wie ist das mit Spiritualität und Sexualität?
  27. Warum will ich plötzlich nicht mehr so viel über Gott reden?
  28. Die Perle als Stolperstein oder Was haben wir gelernt?

Danke

Anhang

1. Kapitel

Wieso gibt es Stolpersteine?
Wir haben uns angestoßen. Vielleicht ein wenig, vielleicht viel. Vielleicht haben Sie einen Heiler getroffen, der sein eigenes Ego unterstützt, aber nicht Sie. Vielleicht ist es eine Lehrerin, die eigentümliche Eigenschaften hat, und Sie sind irritiert, ob das wirklich spirituell ist. Vielleicht hat eine Dunkelheit sich in Ihr Herz gelegt, gerade jetzt, wo Sie doch ins Licht schauen wollen. Vielleicht haben Sie gerade viel Geld für hellsichtige Kartenleger ausgegeben und wundern sich, wie das weitergehen soll. Irgendwo in Ihnen nagt dieses komische Gefühl, das wir alle kennen und das wir alle gelegentlich ignorieren. Doch dieses Gefühl lässt Sie dieses Mal nicht los. Irgendetwas will aufmerksam betrachtet werden. Und dieses Irgendetwas ist einer unserer Stolpersteine.

Stolpersteine – also Herausforderungen – liegen nicht deswegen auf dem spirituellen Weg, weil Gott gerne zuschaut, wenn wir uns anstoßen. Sie liegen da, damit wir auf sie aufmerksam werden.

Jeder von uns hat Hausaufgaben mitbekommen. Dinge, die wir, als Seele, lernen wollen. Und die tauchen auf, ob wir – als Ego, als Persönlichkeit – das wollen oder nicht. Sie sind einfach da. Gelegentlich können wir sie für eine Weile ignorieren und hoffen, dass sie damit verschwinden. Das tun sie manchmal auch, doch nur um kurze Zeit später wieder verstärkt aufzutauchen. Schließlich hat unsere Seele diese Aufgaben hierher mitgenommen, und sie wollen gelöst werden.

Wir hatten gehofft, dass menschliche Probleme dank unseres beginnenden oder fortgeschrittenen spirituellen Trainings bald der Vergangenheit angehören. Wir haben diesen neuen Weg beschritten, weil wir mit dem Leben, so wie wir es bisher gelebt hatten, nicht glücklich waren. Irgendetwas bereitete uns große Schmerzen und zwang uns tief nach innen. Dabei haben wir nicht nur unsere Umgebung, sondern auch uns selbst untersucht und versucht, mit Gottes Hilfe neue Wege zu gehen.

Als ich anfing, mich auf meinen spirituellen Weg zu machen, hatte ich eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie er aussehen würde: Er wird am Anfang recht steil bergauf gehen, was natürlich sehr anstrengend sein wird, aber dann, wenn ich gelernt habe, wie man »richtig« betet, »richtig« meditiert und »richtig« lebt, wird es ein gerader, herrlicher Spaziergang sein. Meine Mitmenschen werden voller Erstaunen danebenstehen und sich wundern, warum bei mir alles so gut klappt. Ich werde immer gesund, immer erfolgreich, immer strahlend und immer liebevoll sein. Ich werde in mir ein Gefühl völligen Friedens verspüren – schließlich will man ja nicht umsonst so lange meditiert haben –, und nichts, aber auch gar nichts wird mich aus der Ruhe bringen. Falls sich doch gelegentlich ein Schicksalsschlag in meine Gegend verirren sollte, werde ich den mit den nötigen Gebeten in etwas harmlosere Schranken verweisen oder, je nachdem, so schnell wie möglich meine Lehren daraus ziehen und dann weiterhin dem herrlichen Sonnenaufgang entgegengehen: selbstverständlich singend und in ewiger Glückseligkeit.

Gut, nicht wahr?

»Ha!«, wird sich da der liebe Gott schmunzelnd gedacht haben. »Das wäre doch aber zu langweilig. Bist du nicht hier auf Erden, um zu leben?«

Und meine Antwort hätte ungefähr so gelautet: »Gegen das Leben habe ich ja im Prinzip nichts einzuwenden, aber gegen die Aufregungen und gegen schmerzhafte Gefühle möchte ich mich absichern.«

Wir sind Seelen, die menschliche Erfahrungen machen. Und zum Menschsein gehören nun mal angenehme und weniger beliebte Gefühle. Das heißt nicht, dass ein spirituelles Training keine Vorteile hat. Es hat jede Menge Vorteile: Wir lernen, aufmerksam zu leben, volle Verantwortung für unser Leben zu übernehmen, uns besser zu verstehen und damit andere besser zu verstehen. Wir werden entspannter, regen uns weniger auf und entwickeln ein sehr viel größeres Mitgefühl. Wir wollen im Dienst stehen und lernen doch auch, uns selbst zu achten. Wir sind intuitiver. Wir können die schönen Momente mehr genießen, weil wir mehr im Jetzt leben. Wir haben gelernt, unsere Gedanken zu beruhigen und jede Herausforderung als Chance zu sehen. Das allein ist den Weg schon wert. Dazu kommen noch neue, interessante Menschen, andere, ungewöhnliche Ideen, eine nicht enden wollende Fülle von Erfahrungen.

Spannend ist es schon, dieses Leben.

Unser Bewusstsein hat sich entwickelt, unsere Aufmerksamkeit wurde geschärft. Unser Wohlbefinden wuchs. Und doch … sind wir Menschen, ob wir es wollen oder nicht. Ein spannungsloses Leben kann leblos werden. Um es mit Sexualität zu vergleichen: Gar keinen Orgasmus zu haben wäre doch schade, doch ein immerwährender Orgasmus würde uns nach einer Weile auch auf die Nerven gehen. Es braucht den Wechsel. Spannung–Entspannung. Und beides gibt es im Leben genug.
Deswegen haben wir uns dieses Leben ausgesucht: Wir wollen etwas erleben, wir wollen unsere Seelenhausaufgaben erledigen und wir wollen Leben lernen. Dabei helfen uns die Stolpersteine.

In welcher Phase meiner spirituellen Entwicklung bin ich?
Natürlich maße ich mir nicht an, am Ende meiner spirituellen Entwicklung zu sein, aber mir ist aufgefallen, dass ein Aufwachen in ein spirituelles Leben in bestimmten Phasen vor sich geht. Freilich ist die Dauer dieser Phasen individuell verschieden. Manche erleben wir gar nicht, in anderen lassen wir uns für lange Zeit häuslich nieder.

Wir Menschen sind uns sehr ähnlich. Wir alle wollen dasselbe: Liebe, Glück, Gesundheit, Wohlstand, eine Gemeinschaft, eine Aufgabe, ein Dach über dem Kopf, genug zu essen und die Möglichkeit, ohne Angst zu leben. Als ich anfing, Bücher zu schreiben, und daraufhin die ersten Briefe bekam, hörte ich immer wieder ein verblüfftes »Ich glaube, Sie schreiben über mich; mir geht es genauso«. Es ist wunderbar, die Ähnlichkeit mit den Mitmenschen erleben zu dürfen, denn dadurch ergibt sich das tiefe Verständnis, dass wir doch alle zusammengehören. Wir sind in und aus Gott (der himmlischen Kraft, einem intelligenten Design … wie immer Sie es nennen wollen) gemacht.

Ich unterscheide weniger zwischen den einzelnen Glaubensgemeinschaften als zwischen erlebter und erlernter Spiritualität. Jeder von uns, der in einer der großen Religionen erzogen worden ist – wie ich im Christentum –, hat spirituelle Grundwerte erlernt. Andere haben ihre spirituellen Werte aus weniger organisierten Quellen. Für mich war das Verhältnis zu Gott lange Jahre ein distanziertes. Ich kannte natürlich die Worte des »Vaterunser«, aber ich fühlte sie nicht. Wenn es brannte, rief ich Gott um Hilfe, aber ohne wirklich auf eine Antwort zu hoffen. Es war mehr ein Dampfablassen oder fast eine Floskel. Ansonsten war da eher Funkstille. Irgendwann einmal – hervorgerufen durch eine berufliche Krise – wünschte ich mir mehr. Eine Innigkeit zwischen Gott und mir … falls ich ihn/sie überhaupt kontaktieren könnte. Sicher war ich mir damals noch nicht.

Damit beginnt der erste Schritt in die erlebte Spiritualität: mit der Phase des Aufwachens. Wer oder was auch immer uns dazu inspiriert hat – eine Krankheit, eine Krise, ein Pfarrer, ein Buch, ein Workshop, ein Freund –, irgendetwas hat uns dabei interessiert, und so haben wir nachzuforschen begonnen. Zuerst meistens heimlich. Wir sind uns noch nicht sicher, ob wir mit der einen oder anderen für uns doch seltsam erscheinenden Idee wirklich schon in die Öffentlichkeit wollen. Und da tut sich ein neues Land auf: Begriffe wie Chakren, frühere Leben, Meditationen, Gebete, Engel und weise Meister werden ganz selbstverständlich benutzt. Da gibt es ein hohes Selbst. Feng Shui und Reiki-Grade sind interessant. Plötzlich kann man alles irgendwie anders betrachten. Wie spannend! Wir kaufen Kristalle und jede Menge Engelbilder.

Die zweite Phase zeichnet sich durch eine große Begeisterung aus. Wir fühlen uns nicht mehr als die Anfänger, sondern haben bereits die eine oder andere Erfahrung gesammelt. Wir waren vielleicht schon auf Workshops und haben eine gänzlich andere Art des Umgangs miteinander erlebt. Oder wir haben unseren ersten Engelkontakt gehabt und sind verzückt von der Liebe, die da von uns erfühlt wurde. Wir haben spannende Bücher gelesen und neue, hochinteressante Leute kennengelernt. Und wir wollen das alles weitergeben. Da wir auch gleichzeitig beschlossen haben, aus der heimlichen Spiritualität in die öffentliche zu gehen – was nicht immer einfach ist –, wollen wir aber jetzt dafür allen anderen helfen. Wir wissen nun nämlich auch, wie! Wir erzählen von Engeln und von früheren Leben, empfehlen Heiler und Astrologen. Wir verschenken die Bücher, die uns geholfen haben, und kennen kaum mehr ein anderes Gesprächsthema. Unsere Umwelt schaut uns etwas verwundert oder verschreckt an und hofft, dass diese Phase bald vorbeigeht, und die große Sorge ist: »Gibt es da eine Sekte, die dahintersteckt?« Wir versuchen, so viel zu lernen, wie es nur geht, und hoffen, dass der nächste Workshop oder der nächste Lehrer uns weiterbringen. Manchmal haben wir vor lauter Lernen keine Zeit mehr zum Üben.

Die dritte Phase kann innerhalb von ein paar Stunden oder leider erst nach einigen Jahren wieder verlassen werden. Wir haben uns in eine leichte bis schwere Abhängigkeit begeben. Davon gibt es zwei Sorten: die von Ideologien oder die von Menschen. Wir »wissen« zum Beispiel jetzt, dass niemand Fleisch essen sollte oder dass eine bestimmte Maßnahme alles heilt, und/oder wir haben einen Hellsichtigen, Channel (siehe das Kapitel »Was ist eigentlich Channeling?«), einen Meister oder eine Meisterin, einen erfahreneren Freund oder eine Freundin beziehungsweise einen Astrologen, ohne den wir keine Entscheidung mehr treffen. Wir wollen uns in diesem Leben absichern – auch ein Grund, warum wir uns überhaupt für Spirituelles interessieren – und verschwenden nicht nur Zeit, sondern manchmal auch sehr viel Geld dabei. Wir suchen nach jemandem, der uns führt, der uns sagt, wo es langgeht, und haben somit unsere Verantwortung für unser Leben abgegeben.

Da wahre Spiritualität jedoch auch immer bedeutet, die volle Verantwortung für seine Gedanken, Worte und Taten zu übernehmen, wachen wir auch davon irgendwann einmal auf – spätestens dann, wenn uns das Geld ausgeht oder wir so schmerzliche Erfahrungen in dieser Abhängigkeit gemacht haben – und versprechen uns, so etwas nie wieder zu erlauben. Manche verlieren dabei, verständlicherweise, völlig das Interesse an Spirituellem und wenden sich ab.
Zur großen Beruhigung einiger unserer alten Freunde (falls wir sie dann noch haben) sind die letzten zwei Phasen abgeschlossen, und wir gehen in die vierte Phase: die des aufmerksamen Aussortierens von »Was funktioniert und was nicht?«. Wir haben verstanden, dass wir in der zweiten Phase der Begeisterung zu oft unsere Mitmenschen überfallen haben. Wir haben gelernt, dass unser Weg nicht für alle richtig ist, wir haben vor allen Dingen verstanden, dass wir nur dann Ratschläge geben sollten, wenn wir auch gefragt werden. Und wir haben gelernt, unserer eigenen Wahrnehmung besser zu vertrauen. Diese vierte Phase ist die der Selbstverständlichkeit. Wir haben unsere Routine. Wir üben mehr und suchen Workshops und Vorträge sehr sorgfältig aus. Unsere regelmäßigen Meditationen unterstützen uns. Gelegentlich erleben wir »die dunkle Nacht der Seele«, und da dies nicht unsere erste ist, wissen wir auch, wozu wir sie haben. Mit der gelebten Spiritualität hat sich das Leben verändert, und Freundschaften und Beziehungen haben keine manipulativen Tendenzen mehr.

In der fünften Phase – die nicht jeder geht – haben wir uns einem rigorosen spirituellen Training unterzogen. Wir sind sehr streng mit uns umgegangen. Haben sehr große Erwartungen darüber, wie sich ein spiritueller Mensch zu verhalten hat, und haben vieles abgelegt, was uns nicht »richtig« erscheint. Selbstverständlich trinken wir keinen Alkohol, nehmen weder Fleisch noch Zucker zu uns, verzichten eventuell auf Sexualität. Wir wollen ein ganz und gar geistiges Leben und lehnen unterbewusst unseren Körper ab, den wir zu bezwingen versuchen. Wir meiden Menschenansammlungen, da sie uns ermüden, und fühlen uns in unserer eigenen Stille oder in der Gegenwart einzelner, ausgewählter Menschen am wohlsten. Laute Musik können wir nicht ertragen. Wir sind mehr und mehr in der Lage, wohlwollend auf alle Mitmenschen zu schauen, und glauben, dass wir es fast geschafft haben, alle Menschen gleich zu lieben.

Die sechste Phase beginnt nicht selten mit einer weiteren »dunklen Nacht der Seele«. Falls wir die fünfte Phase erlebt haben, merken wir plötzlich, wie wir uns in einem flachen Leben wiederfinden. Wir leben eine gerade Linie ohne Höhen und Tiefen. Alles an Aufregung, Spaß und Lust haben wir uns abgewöhnt. Wir haben uns nicht einmal mehr getraut, uns zu verlieben, weil wir ja dann die Kontrolle verlieren würden, und zu unserem Schock wird uns klar, dass wir in der gerade erlebten, fünften Phase unser Leben kontrollieren wollten. Doch jetzt möchten wir unser herzliches lustvolles Lachen wieder zurückhaben, ohne die tiefe spirituelle Wärme und das Wissen zu verlieren.
Nach dieser Klarheit erleben wir ein tiefes Verständnis für unsere Mitmenschen und Gott sei Dank endlich auch für uns selbst. Damit beginnt die siebte Phase. Wir haben gelernt, nein zu sagen, und erwarten den gleichen Respekt, den wir anderen entgegenbringen, auch für uns. Wir erkennen sehr wohl, wenn der Körper Signale schickt. Wir haben die vollständige Verantwortung für unser Leben übernommen und schieben nichts mehr auf Gott, die Wirtschaftslage oder unseren Nachbarn. Uns fällt auf, dass unsere Spiritualität privater wird. Wir reden seltener darüber. Wir haben tausend Fragen gestellt, und viele sind uns beantwortet worden. Jetzt heißt es, das Gelernte auch zu leben. Andere Gesprächsthemen interessieren uns nun auch wieder. Es passiert sogar ab und zu, dass uns das aufregende Leben wieder eingeholt hat und wir uns dabei erwischen, wie unsere Meditationen oder Stillezeiten kürzer werden. Und ohne großes Palaver setzen wir uns hin und fangen wieder an, regelmäßig zu meditieren. Und das in voller Dankbarkeit, dass Gott überall ist und wir jederzeit – durch einen tiefen Atemzug – in dieser Innigkeit sein können. Wir haben endlich auch praktisch verstanden, dass wir eine Seele sind, die menschliche Erfahrungen macht, und können das jetzt mit einer Leichtigkeit akzeptieren, die uns früher fremd war. Wir haben unsere spirituelle Engstirnigkeit verloren, und sie geht uns keinen Moment lang ab.

Wahrscheinlich gibt es noch Phasen danach. Ich sehe bei einigen meiner Freunde und Bekannten eine Art Meisterschaft in verschiedenen Aspekten. Meine Freundin Sunny zum Beispiel lebt wirklich im Jetzt. Sie hat eine Entspanntheit, die ich sehr bewundere. Ist das die Phase acht? Neun? Oder sind es Aspekte von uns, in denen wir es einfach schon zu einer Art Meisterschaft gebracht haben? Wir werden es sehen. Meine Schwester Susanne Adlmüller und ich unterhielten uns vor einiger Zeit über die ersten Phasen. Ich bat sie, doch ein paar ihrer Erinnerungen aufzuschreiben. Susanne gibt Energie-Ganzkörpermassagen, ist Dozentin an der Paracelsusschule, leitet Visionquests und arbeitet freiberuflich an administrativen Aufgaben. Susanne hat eine verheiratete Tochter, Beatrice, und ist stolze Oma von Finn. Sie schreibt:

»Am Anfang war das Missionieren.

In der Zeit konnte man Sabrina nichts erzählen, ohne sofort den ultimativen Ratschlag zur Veränderung seines Lebens zu erhalten. Nicht, dass ich keine Ratschläge mag, aber immer, bei jeder Gelegenheit. Das hielt sich am längsten.

›Der heilige Blick‹ oder ›Das selige Lächeln‹.

Das gehört auch zur Anfangsphase. Ein sanftes Lächeln im Gesicht mit einem Blick, dass man meinen konnte, die Heiligsprechung durch den Papst sei schon vollzogen worden.

Damals lebte Sabrina noch in Los Angeles und wenn sie nach München kam, wohnte sie bei mir; sie hatte dort ein eigenes Zimmer, direkt über meinem Wohnzimmer. Ich wohne in einem alten Bauernhof, den ich sehr liebe, der aber auch sehr hellhörig ist.

Ich bin bekennender Fernsehschauer. Mit Sabrina war es schwierig, fernzusehen.
Sobald etwas ansatzweise brutal war oder Action hatte, floh sie regelrecht aus dem Zimmer, und es hallte Meditationsmusik, bevorzugt von Enya, durchs Haus. Ich hab mir dann angewöhnt, mit Kopfhörern fernzusehen, denn jedes noch so kleine Geräusch von Action hatte die Folge, dass Sabrinas Stimme von oben den ultimativen Satz ›Kannst du leiser machen?‹ sprach. Andere Musik gab es bei ihr auch kaum mehr. Die Phase ist Gott sei Dank vorbei.

Essen und Trinken.

Sabrina in München bedeutete immer Coca-Cola und Spezi, Semmeln mit warmem Leberkäs, Hofpfisterei-Brot und Bierschinken. Das war immer so, bis die große Veränderung stattfand. Ich hatte, wenn sie zu Besuch kam, diese Sachen vorher eingekauft.
Auf einmal erklärte sie, dass sie keine Getränke mit Kohlensäure mehr trinkt. Also besorgte ich beim nächsten Mal statt Coca-Cola Wasser.

Dann erklärte sie, dass sie kein Fleisch mehr isst, sondern nur noch Fisch. Also besorgte ich, bevor sie kam, Fisch.
Das ging einige Jahre ganz gut, bis sie alles änderte und wieder Fleisch aß. Spezi und Coca-Cola trinkt sie inzwischen auch wieder. Die Zeit ohne Alkohol ist ebenfalls vorbei; und ich genieße es sehr, mit ihr abends ein Glas Wein zu trinken.

Rauchen.

Das war sehr nervig. Bei jeder Zigarette (und ich weiß, dass es schädlich ist und stinkt und, und, und …) das ultimative Augenbrauenhochziehen. Dann die Frage ›Musst du schon wieder rauchen?‹ oder ›Du hast vor einer Stunde erst eine geraucht…‹ und so weiter, und so fort.
Dann der Höhepunkt: Es war an der Zeit, meine Pfeife zu bekommen, die indianische Zeremonienpfeife. Sabrina ergriff die Gelegenheit und erklärte mir, dass ich die Pfeife erst bekommen würde, wenn ich zu rauchen aufhörte.
Nur als Anmerkung: Bei Sabrinas Pfeife wurde ihr vom Spirit gesagt, dass sie, Sabrina, ihre erst bekäme, wenn sie mit dem Rauchen aufhörte, was sie dann auch sofort tat. Ich hatte nie das Gefühl, dass das bei mir ebenfalls stimmt.
Monate später gestand sie mir, sie habe mich nur zum Aufhören bewegen wollen.

Obdachlose.

Das war sehr mühsam und peinlich: Man geht mit jemandem spazieren, und alle zehn Meter bleibt man stehen, um mit einem Obdachlosen zu reden oder ihn zu umarmen. Das hat sich inzwischen auf ein normales Maß reduziert. Und wenn sie darauf angesprochen wird, dass jemand Hunger hat, gibt sie ein Frühstück oder Mittagessen aus.

Das Highlight: die Abfallphase.
Man soll seinen Abfall nicht auf die Erde werfen, das wissen wir alle. In unserer Familie wird das auch nicht gemacht. Doch wenn man mit Sabrina damals spazieren ging, kam man nicht sehr weit, da sie Müll immer aufhob. Wenn ich schreibe ›immer‹, meine ich ›immer‹. Jedes kleine oder große Fitzelchen, egal, ob im Wald oder in der Stadt.
Es kam vor, dass sie mit zwei prallgefüllten Tüten voll Dreck zurückkam. Es war auch sehr lustig, dass Sie nie mit Plastiktaschen das Haus verlassen hatte. Diese fand sie ebenfalls auf ihren Spaziergängen.
Einmal, als sie bei mir war und im Wald und am Wegesrand Abfall gesammelt hatte, drei Tüten voll, hielt ein Autofahrer an, um sie mitzunehmen. Sie war sehr froh darüber, denn der Dreck hatte ein ziemliches Gewicht.

Als mich Sabrina gebeten hatte, aufzuschreiben, was mich auf ihrem spirituellen Weg am meisten genervt hat, dachte ich, dass es unheimlich viele Dinge waren. Erst beim Schreiben ist mir aufgefallen, dass es gar nicht so viele sind.
Aber mir fiel auf, dass ich in meiner Anfangszeit auch einigen Freunden ziemlich auf die Nerven gegangen sein muss. Eine meiner ältesten Freundinnen hat mir sogar einmal angedroht, mir das Haus zu verbieten, falls ich das Wort ›Engel‹ noch einmal benutzen würde. Wir sind immer noch befreundet.«

Würde ich alles noch mal so machen? Davon abgesehen, dass diese Frage komplett sinnlos ist – es ist, wie es ist –, liegt es an meiner Persönlichkeit, mich auf etwas tief einzulassen. Wie sonst kann ich herausfinden, ob es mir das bringt, was ich suche? Das mit dem Rauchen tut mir leid, und das war auch noch vor meiner Zeit, in der ich mir versprach, nicht mehr zu lügen. Wie bei allem, was man sich angewöhnt, ist die erste Zeit eine Phase des Ausprobierens. Es fühlt sich noch fremd an. Wir müssen jedes Mal darüber nachdenken, bevor wir in Aktion treten. Es ist noch nicht »natürlich«.

Ich nahm vor einer Weile Tangounterricht, und in der Tanzschule fiel mir ein Plakat auf mit den verschiedenen Phasen, die man dabei durchläuft:

1. Lernen der Schritte,
2. unbeholfener Gebrauch der Schritte,
3. bewusster Gebrauch der Schritte,
4. selbstverständlicher Gebrauch der Schritte.

So ging es mir bei allen meinen Veränderungen. Es braucht eine gewisse Übung, bis man sich neue Verhaltensweisen angewöhnt hat. Und manche Schritte – also Verhaltensweisen – wurden später modifiziert. Susanne und ich haben eine Weile zusammengearbeitet. Sie organisierte meine Buchtouren und Workshops und machte unser kleines Büro. Obwohl wir diese Zeit sehr genossen haben, merkten wir nach ein paar Jahren, dass wir lieber wieder nur als Schwestern miteinander sein wollen. Wir haben uns während unserer Kindheit überhaupt nicht vertragen, und diese Innigkeit, die wir nun schon lange haben, ist ein weiteres großes Geschenk, das nur durch unseren spirituellen Weg und den einen und anderen Stolperstein entstanden ist.

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Der Zug der nicht abfährt

Dies ist kein Artikel, der einen Anfang, eine Mitte und ein gut überlegtes Ende hat. Es gibt keinen Rat. Kein Resümee. Dies ist eine Geschichte ohne Ende. Das liegt daran, dass ich mit meinem Lernen darüber noch nicht fertig bin. Ich komme mir zur Zeit vor, als würde ich in einem Zug sitzen, der nicht abfährt. Wenn ich durch das Fenster auf den Bahnhof schaue, dann sehe ich wie jeder weiß, wo er hin will; zielbewusst, mit Gepäck, mit einem Plan, mit einer Fahrkarte an mir vorbei läuft.
Doch ich, ich sitze im Zug. In einem Zug, der sich immer noch nicht bewegt. Der immer noch kein Ziel hat. Ein paar Mal bin ich ausgestiegen, um zu sehen, ob ich denn überhaupt im richtigen Zug sitze. Doch da steht, eindeutig: Sabrina Fox. Fahrplan: Seele. Zeit: Jetzt.

Dann gehe ich zurück in meinen Zug. Manchmal Zähne knirschend, manchmal lachend, manchmal genervt. Aber immer ein wenig neidisch, wenn ich die Anderen anschaue, die weiterhin an mir vorbeiziehen. Sie wissen, wo sie hinfahren. Sie kennen ihr Ziel. Sie sind auf dem Weg. Ich dagegen kenne mein Ziel nicht und so betrachte ich ungeduldig die Züge, die neben mir ankommen und wieder abfahren. Nur meiner, so scheint es, bewegt sich nicht.

Ein, zwei Mal bin ich in den letzten Monaten kurz ausgestiegen und mir ging es sofort besser. Ich wusste genau was zu tun war: Irgendein Projekt nehmen, eines, das ein Ziel hat oder einfach da weitermachen, wo ich vor ein paar Monaten aufgehört hatte. Einfach weiterhin Vorträge halten. Einfach wieder Ja zu Angeboten sagen. Doch dieser verdammte Zug will kein Ja mehr hören.
Meine Seele wollte, dass er steht und weil ich mich vor Jahren meinem inneren Wachstum verpflichtet habe, musste ich ihn anhalten. Und da steht er nun, mit 54 Jahren und bewegt sich nicht.

Schieben hilft nichts, das habe ich probiert. Weglaufen bringt auch nichts, dazu weiß ich zu viel. Ich weiß sämtliche Erklärungen auswendig. Schließlich habe ich sie oft genug gelehrt. Oft genug erklärt. Oft genug mir selbst vorgebetet. Das ist auch nicht meine erste Erfahrung darin. Aber die Intensivste. Ich hatte mich bisher nicht so komplett darauf eingelassen, im Jetzt zu sein. Was aber, wenn das Jetzt mich eines Zieles beraubt? Was, wenn nie wieder eines kommt? Was, wenn ich meine Begeisterung für das Leben verloren habe? Wenn ich mich auf die Stille in meinem Zug einlasse, dann spüre ich die beiden Frauen, die mit mir reisen. Zwei Frauen, die ich erst vor ein paar Monaten wahrgenommen habe. Eine ist meine Vorfahrin. Meine Ahnin. Sie zeigt sich mir nur mit ihrem Kind unter dem Arm, dass sie nach vorne schleudert, weil sie es besser haben soll. Sie ist damals, als Erste, als Ursprung meiner menschlichen DNA, aus einer Höhle gekrochen und wollte raus. Sie hat mir ihren Vorwärtsdrang vermacht. Sie ist es, die mich schubst, die keine Ruhe gibt, bis ich weiter mache. Ich bin ihr dankbar, denn ohne sie wäre ich nicht aus der Enge meines Elternhauses gekommen. Ohne sie hätte ich es nicht geschafft, weiter vorauszugehen, Grenzen zu überwinden und doch ist es auch mühsam mit ihr. Sie drängt eben nicht manchmal – nur dann, wenn es notwendig und wichtig ist – sondern sie drängt IMMER. Sie will, dass ich weiter vorwärts gehe. Sie kennt keine Pausen. Sie kennt kein Innehalten. Innehalten ist für sie das Ende. Ich erspüre sie als jemanden, der nie mit dem jetzigen Moment zufrieden sein kann. Sie denkt immer an morgen. Immer an das Nächste. Weiter! Komm! Mach! Ihre Forderungen kommen mit Ausrufezeichen und in diesem Zug, der nicht abfährt, wird sie verrückt.

Gott sei Dank sitzt noch jemand anderer in diesem Zug: Eine alte, weise Frau. Sie sieht mir ähnlich, denn sie ist – wie meine Vorfahrin – ich. Sie ist ich, am Ende dieses Lebens. Die hat die Erfahrungen schon gemacht, die mir noch bevorstehen. Sie hat viel erlebt, in dem zweiten Teil meines Lebens. Sei hat liebste Mitmenschen verabschiedet, manche hat sie auf dem Weg nach Hause betreut, manche sind in ihren ihrem Armen gestorben, und mit jedem Abschied starb auch eine Erinnerung. Sie hat Abschiednehmen gelernt und einiges andere. SIE hat gelernt im Jetzt zu leben. Sie schmunzelt, wenn sie sieht, wie ich darauf warte, dass wir abfahren. Sie hat es nicht eilig. Sie weiß, wo wir landen werden. Hier bei ihr. In dieser wunderbaren Innigkeit. Und ich weiß es auch. Und doch, ich – im meinem Jetzt – habe so meine Schwierigkeiten mich auf ihre Ruhe in meinem Zug einlassen. Sie sitzt, mit einem Bein angewinkelt, mir meistens gegenüber.Manchmal sitze ich auch in ihr. Dann spüre ich sie. Spüre ihre Leichtigkeit. Ihre Weisheit. Und wenn ich mich mit ihr ganz verbunden habe – wir uns ineinander auflösen, wenn Zeit und Raum nicht mehr existieren – wenn alles in mir langsamer wird, dann empfinde ich ihre Glückseligkeit. Und dann wundere ich mich, warum ich mich denn in diesem heutigen Moment so verwirren lasse. Immerhin sitze ich in einem Zug. Es regnet nicht herein. Mir ist nicht kalt. Er ist bequem. Ich bin in Gesellschaft und fühle mich mit beiden Frauen so inniglich vertraut: Die eine, die drängt und die andere, die entspannt lebt und beide gilt es zu verbinden: Die Weisheit der Einen mit der Kraft der Anderen.

Ich habe mir eine Kette machen lassen: Auf der einen Seite ein Bild von mir als Vorfahrin, auf der anderen eines als alte, weise Frau. Das trage ich um den Hals, um mich daran zu erinnern, beides zu verbinden. Es gelingt mir nicht wirklich. Ich bin auf der Suche nach irgendetwas, das diesen Zug zum fahren bewegt. Vielleicht eine Übung? Ein Ritual? Eine Hausaufgabe? Eine davon war folgende:
„Mache eine Liste und schreibe alles auf, was dich vielleicht interessieren würde, was du vielleicht machen möchtest, was dir vielleicht Spaß machen würde. Betrachte das von der Ego-Seite, von der Persönlichkeit aus. Lass dir Zeit damit. Lese dir die Liste in Ruhe durch und streiche aus, was du bei näherer Betrachtung doch nicht machen
möchtest.“

Das erste, was auf dieser Liste stand, war ein Kind zu adoptieren. Das war ein Wunsch, den ich früher einmal hatte und der nicht erfüllt wurde, weil mein damaliger Partner das nicht wollte. Mein Jetziger umarmte mich und meinte, dass ich seine erwachsenen Kinder doch schon adoptiert hätte. Ich strich es durch. Meine Liste war lang. Die Hälfte davon habe ich
durchgestrichten. Die andere Hälfte ist noch da. Beim Durchstreichen passiert folgendes: Wir informieren unser Feld, also unsere Aura darüber, dass sich bestimmte Dinge erledigt haben. Vielleicht haben wir uns vor Jahren überlegt, Kinder zu adoptieren? Vielleicht wollten wir ein Seminarhaus aufmachen? Vielleicht auswandern? Doch unser Leben hat sich anders entwickelt und diese „man-müsste-doch-Gedanken“ halten uns noch fest. Immer wieder stelle ich fest, dass ich nicht die Einzige bin, die sich überlegt, was wir mit dem Rest unseres Lebens anstellen wollen. Da gibt es noch die Kommune, die irgendwann einmal gegründet werden will. Ein gemeinsames Dorf, eine Vision, ein Miteinander, in der auch die Stille, die Individualität, das Wohlfühlen, das Reisen gelebt sein darf. In der die Kunst, der Austausch, der Spaß, die Weite eine Rolle spielen dürfen. Ist das jetzt die Zeit dafür, frage ich mich, in meinem Zug, der sich nicht bewegt? Heute las ich von verlassenen Immobilienprojekten – Ferienhäuser für dreißig, vierzig, fünfzig Familien, die nicht fertig gebaut in Spanien stehen – ist das ein Zeichen? Will ich nach Spanien? Ich lese weiter und spüre keine Begeisterung. Jetzt ist nicht der Zeitpunkt dafür. Das sind Visionen für später und so lehne ich mich wieder seufzend wieder zurück, in die Polster in meinem Zug.

In meiner gestrigen Meditation sass mir Zarathustra, ein Meister-Engel, vor meinem inneren Auge gegenüber. Die meisten meiner Meditationen sind in Stille. Manchmal sehe ich mich mit meinen Lehrern. Wie üblich war ein Feuer zwischen uns und über uns ein weiter Himmel. Ich spüre seinen Blick auf mir ruhen und plötzlich steht er auf und nimmt meine Hand. Ich war überrascht. Seit zwanzig Jahren sitzen wir uns gegenüber und er ist noch nie aufgestanden. Wir gehen gemeinsame ein paar Schritte und dann bemerke ich, dass es keinen Boden mehr unter uns gibt. Wir fliegen, als wenn wir gehen würden. Ich war erstaunt darüber und fragte Zarathustra:
„Wo fliegen wir denn hin?“
„Wir fliegen! Reicht dir das nicht?“ antwortete er.

Dem Atem zuhören

fluegel_01Suchen Sie sich einen bequemen Platz. Sie müssen nicht unbedingt den Schneidersitz oder die Meditationshaltung einnehmen. Allerdings ist es von Vorteil, wenn Sie aufrecht sitzen und sich nicht anlehnen. So bleiben Sie aufmerksamer im Körper und … schlafen nicht ein. Meine Engel sagten mir mal, es ist sehr viel einfacher, mit uns Menschen Kontakt aufzunehmen, wenn wir auch „Zuhause“ sind … und Zuhause ist für unsere Seele jetzt der Körper.

Wir meditieren, damit wir uns entspannen können. Das bedeutet, dass wir beim Meditieren eigentlich üben konzentrierter zu sein. Je mehr wir unsere Gedanken beruhigen, desto entspannter kann unser Körper werden und desto klarer bekommen wir unsere intuitiven Nachrichten. Wann immer Sie merken, dass Ihre Gedanken weitergewandert sind … holen Sie sich einfach zurück, indem Sie sich wieder auf Ihren Atem konzentrieren.

Und das ist auch schon die ganze Übung: Wir hören unserem Atem zu. Am einfachsten geht es, wenn wir dabei die Augen schließen. Versuchen Sie diese Übung erstmal für 10 Minuten und vielleicht möchten Sie sie später auf 20 Minuten ausdehnen.

Eltern sind für immer

Meine Lieben,
eine meiner Freundinnen und ihr Mann haben eine sehr ungewöhnliche Lösung für die Zeit nach ihrer Scheidung gefunden. Sie haben zwei gemeinsame Kinder, die vierzehn und sechszehn Jahre alt waren, als die Ehe vorbei war. Beide wollten, dass den Kindern das Zuhause erhalten bleibt. Vom Hin- und Herschleppen zwischen zwei Haushalten hielten sie nichts. Sie wollten es den Kindern so einfach wie möglich machen. Sie suchten ein zweites Appartement und nannten es „Solo-Appartement“. Es befand sich in der Nähe der Familienwohnung. Der Elternteil, der sich um die Kinder kümmerte, lebte in der früheren gemeinsamen Wohnung und derjenige, der „solo“ war, zog in das Appartement. Fast jede Woche wurde gewechselt. Urlaube und Dienstreisen wurden natürlich eingeplant und gegenseitig berücksichtigt. Ich bewunderte beide sehr für diese Entscheidung. Es war natürlich nicht immer einfach. Jetzt spürten die Eltern das hin-und-her-Ziehen. Doch für beide war klar, dass es sich hier nur noch um eine begrenzte Zeit handelt und die würden sie irgendwie schaffen.

Klare Regeln halfen bei diesem Arrangement. Gelegentlich gab es anstrengende Zeiten und beide überlegten sich, ob es nicht besser sei, doch zwei verschiedene Wohnungen mit diversen neuen Kinderzimmern zu mieten. Davon abgesehen, dass das eine sehr viel teurere Variante gewesen wäre, waren es die Kinder, die ihnen immer wieder bestätigten, wie froh sie über ihr gleichgebliebenes Zuhause waren.

Ich bin gerade dabei ein Buch über anständige Scheidungen zu schreiben und würde mich freuen, wenn es den einen oder anderen gibt, der aus Erfahrung berichten kann, von anderen gehört hat oder den einen oder anderen Vorschlag hat. Falls Ihr mir davon erzählen wollt, würde ich mich freuen.

Fühlt euch umarmt.
Licht und Liebe,
Sabrina

Beziehungen – ein göttliches Trainingsprogramm

Video: Vortrag auf dem Rainbow Spirit Festival

Rainbow Spirit Festival 2011

Ein Vortrag von Sabrina während des „Rainbow-Festivals“ 2011 in München. Aufgezeichnet von „Jetzt-TV“ und durch diesen link erreichbar. Hier anzusehen

Bitte glaubt mir nichts; wir wissen am besten, was für uns gut ist; auf uns selber hören, die neue Art des Wachstums; jetzt versuche ich nur noch etwas zu sagen, wenn ich gefragt werde; sich das Leben immer wieder neu erschaffen; fasziniert sein von unserem eigenen Leben wie von unseren eigenen Film; die anderen verändern sich nicht; die Menschen, die zu uns kommen, sind unsere Lehrer; nein sagen lernen; wissen, wo meine Grenze ist; wie verteidigt man seine eigene Grenze? – Praktische Übung; Gedankenstruktur, Familienstruktur; wenn Gefühle hoch kommen….