Zu allem erst mal Ja sagen

„Zu allem erst mal Ja sagen? Ich bin doch nicht verrückt! Im Gegenteil, ich bin gerade dabei Nein sagen zu lernen und mich abzugrenzen.“ Sie schaute mich an und schüttelte den Kopf: „Ich soll „Ja“ dazu sagen, dass mein Mann mich verlassen hat? Ich soll „Ja“ dazu sagen, dass ich in meinem Job unglücklich bin?“

„Ja.“

„Das müssen Sie mir genauer erklären.“

Ich verstand Ihre Argumente gut. Es wären vor zehn, fünfzehn Jahren auch meine gewesen. „Ja“ zu sagen, das war es, was ich mir damals abgewöhnen wollte. Und doch hatte ich etwas in den Jahren danach verstanden. Ein Ja ist erst einmal ein Ja zu meinem Leben. Ich wehre mich nicht, gegen das was IM MOMENT in meinem Leben passiert. Ich lege mich nicht mit der Realität an. „Das darf doch nicht wahr sein!“ war ein häufig ausgesprochener Satz in meiner Kindheit. Meine (augenzwinkernde) Antwort jetzt darauf ist: „Doch, es ist wahr. Es passiert ja gerade.“

Das heißt nicht, dass ich es „nur so“ hinnehme und nichts dagegen tue. Oft wollen wir die Realität nicht akzeptieren, weil wir befürchten, wir geben mit der Akzeptanz auch eigentlich auf und ändern dann nichts mehr daran.

Das wäre schade und auch nicht nützlich. Doch erst einmal gilt es zu akzeptieren was IST. Und dann schaue ich mir an, ob ich das behalten will …

Alles was mir in meinem Leben passiert, ist zu meinem Vorteil da. Das mag am Anfang nicht so aussehen, aber ich weiß, dass meine Seele nach Wachstum sucht. Und wir lernen nun mal nicht besonders viel, wenn wir mit einem Glas Sekt unter einer Palme sitzen. Das mag schön gemütlich sein und – verstehen Sie mich nicht falsch – wunderbar und großartig, aber lernen tun wir nichts dabei.

Wir lernen von Herausforderungen. Von Dingen, die nicht einfach sind. Manchmal sind sie so schmerzhaft, dass wir sie kaum ertragen können und doch erfahren wir dabei viel über uns selbst: Wie gehe ich mit der Situation um? Wie bin ich früher damit umgegangen? Wie möchte ich gerne mit dieser Situation umgehen? Warum zeigt sich mir das jetzt? Was möchte ich darüber verstehen? Wie ist sie entstanden? Wohin möchte ich mich entwickeln?

Ich habe vor einem Jahr mein Zuhause verloren (siehe älterer Blog). Dann bin ich aufs Land zu meinem Liebsten gezogen und bin jetzt ein Jahr hier. Letzte Woche kamen die Hausbesitzer und erzählten von dem Eigenbedarf für ihre Tochter. Wir wussten schon vorher, dass das irgendwann einmal passieren wird. Wir dachten nur noch nicht, dass es jetzt passiert. Sie mögen uns gerne als Mieter und man konnte sehen, dass sie am liebsten zwei Häuser gehabt hätten: Eines für uns und eines für ihre Tochter.

Also nochmal umziehen. Nochmal ein Zuhause suchen.

In mir gab es ein Ein-Sekunden-Gefühl: Eine Art Trauer kam hoch und dann ging sie wieder. Mehr war da nicht.

Als ich damals die Münchner Wohnung verließ, hatte ich länger damit zu tun. Es dauerte ein paar Tage bis sich mein Gehirn von einem hektischen „Wir-müssen-SOFORT-ein-Zuhause-finden“-Modus löste. Damals brauchte ich einige Meditationen und Yogastunden. Dieses Mal nicht.

Wachstum erkennt man daran, wie man sich früher verhalten hat und wie man sich jetzt verhält – und wie lange es dauert, bis man emotional und körperlich wieder in seinem Wohlfühl-Zustand ist.

Ich kannte früher diesen relativ konstanten Wohlfühl-Zustand nicht. Mein energetisches Feld war wackeliger. Harscher. Unharmonisch. Mal war ich oben, mal war ich unten. Das wechselte enorm schnell. Ein Blick konnte mich verwirren, ein Gedanke in tiefe Täler schicken. Das wechselte mehrmals täglich. Das hat sich sehr verändert. Ich befinde mich fast immer in einem Wohlfühlmodus. Und falls ich da mal rausfalle, komme ich schnell wieder rein. WIE SCHNELL man wieder reinkommt, ist ein Indikator unseres Wachstums. Jeder von uns kann mal aus seiner Schwingung herausfallen – schließlich leben wir – doch wie schnell man wieder zurückkommt (also welche Techniken wir haben um das zu erreichen) zeigt uns unser Wachstum.

„Jetzt verstehe ich, was Sie meinen“, sagte mein Gegenüber zu mir. „Ich denke mal darüber nach. Und es hilft ja nichts, wenn ich mich weigere, die Tatsachen anzuerkennen. Wie heißt das neuerdings? Alternative Fakten.“ Sie lachte. „Tja, dann werde ich doch mal Ja dazu sagen.“

Übrigens, falls Sie von einem großen Haus hören, gerne auch mit Scheune oder Werkstatt daneben. Weiter Blick in den Himmel. Mit ein paar netten Nachbarn. Bayern bevorzugt. Und eine Bahnstation glaube ich hat es auch. Das habe ich in der Meditation gesehen. Melden Sie sich gerne…

 

 

 

 

 

1 Antwort
  1. Leen
    Leen says:

    Wow! So schöne Gedanken. Dieser Artikel hat mich abgeholt. Ich weiß wieder um was es geht. Wohin ich will. Und was ich dszu brauch. Danke für die Erinnerung und die herzlichen Zeilen. Danke 💕

    Antworten

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