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Ich gab einen Workshop zum Thema „Achtsamkeit und Intuition“ und gegen Ende gab es eine Frage-Runde. Ich erzählte zur Veranschaulichung von „Intuition-ist-gleich-Wissen“ von unserer Haussuche. Seit März suchen wir ein neues Zuhause auf dem Land, weil wir Ende Februar wegen Eigenbedarfs ausziehen werden. „In mir ist dieses starke Gefühl, dass das richtige Zuhause kommen wird. Das ist ein tiefes, inneres Wissen und ich verlasse mich darauf und deshalb bin ich da ganz entspannt.“

„Und er?“ wurde ich gefragt. „Wie geht er damit um?“

„Er hat seine eigenen Gefühle dazu, die unter anderem auch daher kommen, dass er mal eine Zeit im Kinderheim verbracht hat. Ein Zuhause hat für ihn eine andere Bedeutung. Für ihn ist es schwerer.“

„Das ist dann bestimmt schwierig zwischen euch.“

Ich schaute völlig überrascht in die Runde: „Nein. Warum?“

Ich verstand die Aussage nicht, sah aber, dass mehrere der ca. 50 Teilnehmer nickten und offensichtlich davon ausgingen, dass das so sein müsste. Ich fragte zurück: „Warum soll es da ein Problem zwischen uns geben? Er fühlt, was er fühlt. Ich fühle, was ich fühle.“

„Ach soooo…“.

Einige Paare schauten sich an, als wäre ihnen gerade ein Licht aufgegangen: Eine andere Meinung, ein anderes Gefühl muss nicht zwangsläufig ein Problem sein. Es wird nur dann ein Problem, wenn ich nicht akzeptiere – oder nicht akzeptieren will – warum meine Liebste, mein Liebster etwas anderes fühlt als ich. Er wie ich sind völlig entspannt mit dem Zustand des Anderen. Ich muss seinen nicht ändern, er meinen nicht. Beides würde uns im Traum nicht einfallen. Wozu auch? Wir sind nicht verantwortlich für das Innenleben des Anderen. Ich bin dafür zuständig mit meinen Gefühlen, meinen Wünschen, meinen Gedanken und meinen Ängsten umzugehen. In einer innigen Paarbeziehung teilt man sich mit. Das war es aber auch schon. Der Rest ist meine bzw. seine Verantwortung.

Eine meiner Bekannten hat gerade ein Problem mit ihrem Verlobten. Sie kann besser mit Geld umgehen als er. Er trifft teure Entscheidungen, die sie sich nicht leisten können. Für ihn ist aber die Entscheidungsgewalt über das gemeinsame Geld eine Frage seiner Männlichkeit. Er wirft ihr vor „immer Recht zu haben“. Tja. Das hat sie finanziell nun mal. Sie sah die bisherigen Problematiken voraus, an denen sie jetzt knabbern und sie befürchtet, dass wird so weiter gehen. Er hat enorme andere Talente. Die er aber selbst nicht wirklich schätzt.

Was haben sie am Anfang aneinander geschätzt? Sie, dass er zupacken kann und nicht zögert. Er, dass sie patent ist.

Zur Erinnerung: Am Anfang einer Beziehung werden wir in der Regel von jemandem angezogen, der eine Eigenschaft hat, die uns fehlt, denn wir als Seele wünschen uns Wachstum. Also beispielsweise eine die sehr quirlig, aktiv und spontan ist, wünscht sich vielleicht mehr Stabilität und Ruhe. Dann wird ein Partner/In auftauchen, der/die genau das ausstrahlt. Denn andersherum wünscht sich der/diejenige der Stabilität und Ruhe kennt, sich vielleicht mehr Lebendigkeit und Schwung. Voila!

Ideal – würde ich sagen. Denn jetzt in diesem Idealfall lernen beide voneinander. Der Ruhigere wird von dem Schwung inspiriert und erlaubt sich mehr Aktivität. Die Aktive wird von der Gelassenheit inspiriert und erlaubt sich mehr Ruhe. Beide unterstützen sich gegenseitig in diesem gemeinsam Erkennen der Begabungen des Anderen und dem Wunsch nach mehr Gleichgewicht und innerer Harmonie.

In einem erwachten Paar entstehen eine gegenseitige Freude und eine Dankbarkeit für die Begabung des Anderen und eben auch der Wunsch das Gegenüber beim Bewussterwerden zu unterstützen. Das ist eine Beziehung ähnlich wie zwischen Augen und Ohren. Der eine hat, was der andere nicht hat. Gemeinsam sind sie ein hervorragendes Team. Augen wie Ohren wären füreinander wahrscheinlich dankbar – wenn sie ein eigenständiges Bewusstsein hätten. Natürlich hinkt der Vergleich, denn Augen werden niemals hören können und Ohren niemals sehen, aber wir – als Paar – haben die Möglichkeit unsere jeweiligen Schwächen und Stärken in ein größeres Gleichgewicht zu bekommen.

Falls jemand quirlig ist und zu kurzfristigen, unüberlegten Entscheidungen neigt, kann der ruhigere Partner unterstützen und zwar mit einem: „Liebste, du hattest Dir doch gewünscht, bei spontanen Entscheidungen Dir nochmal die Zeit zu nehmen, um etwas länger darüber nachzudenken. Hast Du das schon gemacht?“ Oder anders herum: Der Ruhigere kommt nicht in die Gänge und die Aktivere schlägt vor „Liebster, wolltest Du Dir das nicht abgewöhnen zu lange zu zögern, weil dann eventuell die Gelegenheit vorbei geht. Ist das vielleicht gerade so ein Moment?“

Das ist also der ideal Fall.

Dann gibt es die anderen Fälle. Und die laufen meistens so ab: Das, was uns am anderen angezogen hat, geht uns jetzt auf die Nerven. Die ursprüngliche Ruhe und Gelassenheit, die wir am Anfang so geschätzt haben wird zum: „Der kriegt seinen Arsch nicht hoch.“ Das Lebendige, das uns mal begeistert hat, wird jetzt zum: „Sie nervt. Die kann keine Sekunde ruhig sitzen bleiben.“

Somit ist die Gelegenheit zum gegenseitigen Wachstums zu einer weiteren Gelegenheit zur Trennung geworden. Den Anderen so zu akzeptieren wie er ist, reduziert sich nicht auf ein Schulterzucken und ein leicht resignierendes „Tja, so ist er/sie eben“. Sondern ein aktives Nutzen der Geschenke des Anderen – nicht nur zum beidseitigen Wohl, sondern auch zum Wohle aller, die in der Nähe dieses Paares sind.

Großartig, nicht wahr?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Vierseithof. Wie schön. Für diejenigen, die das nicht kennen: Das ist ein Bauernhof an dem an jeder Seite ein Haus steht und somit ein Viereck mit Innenhof bildet. Kann sehr schön aussehen. Kann aber auch daneben gehen.

Dieser Vierseithof sieht auf den Fotos toll aus. (Das Foto oben habe ich wegen des „Nicht-Wiedererkennungs-Wertes“ ausgesucht ;-). So ein Vierseithof hat immer auch etwas Romantisches und deswegen haben sich mein Liebster Stanko und ich auf dem Weg gemacht, um ihn uns anzuschauen. Wir suchen ein neues Zuhause, denn in unserem jetzigen gibt es Eigenbedarf. Wir steigen ins Auto und fahren … und fahren … und fahren. Ganz schön weit weg von unserem jetzigen Zuhause auf dem Land (1 ½ Stunden) und über zwei Stunden von München weg. Der Hof liegt dafür 20 Minuten in der Nähe von Passau. Passau ist eine schöne Stadt, aber eben nicht meine. Selbst mit dem Zug dauert die Fahrt von hier bis nach München zwei Stunden. Auch zum Flughafen eine richtige Strecke.

Erste Zweifel.

Aber wir wollen offen bleiben. „Offen bleiben“ – für das was sich in meinem Leben zeigt – ist ein wichtiges Kriterium für mich. Ich lehne nicht alles erst Mal ab. Vielleicht ist es ja was? Vielleicht muss ich mich überraschen lassen? Vielleicht, vielleicht, vielleicht…

Der Hof steht auf einem schönen Hügel, die Nachbarn 500 Meter weit weg. Mir eigentlich zu weit. Ich mag Nachbarn. Eines der Häuser – das Haupthaus – ist schön hergerichtet. Die anderen haben zwar eine schöne Fassade, aber dahinter ist der Originalzustand: Schweineställe, Kuhställe. Nichts isoliert. Kies als Böden unten und Holzbretter als Decke. Aber Potential. Unglaubliches Potential. Was – in Immobilien – immer auch mit viel Kosten einhergeht.

Ich spüre in mich rein und mein Körper ist erst mal still. Nimmt auf. Erspürt. Mein Verstand sprudelt über vor Ideen: Ja, hier ist Platz. Platz genug für uns. Platz für zwei Ateliers und Büros, ein Meditationszimmer, diverse Gästezimmer und sogar einige Seminarräume könnten ohne Probleme untergebracht werden.

Ich nehme mir Zeit und erspüre die Erde und frage sie, ob sie uns haben will: „Wir freuen uns, wenn Du kommst“ – höre ich. Okay, hier ist kein Widerstand.

Wir gehen um das Grundstück, betrachten die Obstbäume, die Vögel, den weiten Blick in den Himmel und zum Horizont. Neu fühlt sich die Gegend an. Fremd. Ich weiß, dass das auch vergehen wird. Ich bin in meinem Leben schon oft umgezogen. Ist das die erste Fremdheit oder die Fremdheit, die einen zu schaffen machen wird?

Wir steigen ins Auto und schauen uns den nächsten Ort an. Erinnert mich an die Heimatstadt meiner Mutter in der Oberpfalz. Ist das ein Zeichen?

Wir fahren weiter nach Passau und schauen uns dort um. Schöne Stadt. Die Leute schauen aufmerksam und freundlich. Spannende kleine Läden. Viel Kunst. Drei Flüsse treffen sich da. Jede Menge guter Live-Musik wird angeboten.

Mein Körper zeigt sich schwach und wird immer schwächer. Ich spüre eine Schwere auf mir lasten. Diese Schwere fing schon an, als wir den nächsten Ort unweit des Vierseithofs erkundeten, doch jetzt ist sie offensichtlich. Stanko schaut mich besorgt an. Ich muss mich setzten.

Wir wissen, was uns das sagen will. Auch sein Körper zeigt ihm keine Begeisterung. Doch seiner ist ruhig. Meiner wird schwach. Mein Verstand wehrt sich noch: „Aber der Vierseithof! Das könnte doch was werden!!!“ Doch mein Verstand weiß, dass meine Seele durch den Körper spricht. Mein Verstand weiß, dass er sich da nicht durchsetzen kann und gibt auf. Er weißt aus Erfahrung, wenn meine Seele sagt: „Das ist nichts für uns. Hier werden wir nicht genährt“, dann ist das nicht mehr weiter zu diskutieren. Er wird still.

Es ist jetzt klar, dass wir den Vierseithof nicht nehmen und wir wissen auch gleichzeitig, dass wir hier in dieser Ecke nicht mehr suchen müssen. Mein Körper fühlt sich sofort besser und bekommt seine Stärke zurück. Im Auto – auf dem Rückweg aus Passau – fährt der nette Makler in seinem Auto „zufällig“ neben uns. Ich winke ihm zu. Er weiß noch nicht, das dies ein Abschiedsgruß ist.

Am Abend bedanke ich mich noch mal bei meinem Körper und meditiere wie immer und ich frage in der Stille meines Seins nach: „Was war wichtig an diesem Nachmittag?“ Kaum habe ich die Frage innerlich ausgesprochen, kommen in einem kurzen Satz die Antwort als Gedanke: „Gib nicht auf, was du brauchst.“ Ich lächle. Ich weiß, was ich brauche: Einen weiten Blick und einen offenen Himmel. Vom Wohnzimmer/Küchenbereich direkt in den Garten. Nachbarn hinten. Vorne frei. Nicht mehr als ein, zwei Kilometer zum nächsten Ort, damit ich mit dem Rad fahren kann und nicht dauernd ein Auto nehmen muss. Eine aktive Gemeinde, bei der ich mich anschließen kann. Nicht zu weit weg von München und vom Flughafen – also eine Stunde ca. Und eine Zugverbindung. Die habe ich schon vor ein paar Tagen in der Meditation gesehen. Alte Bäume. Wenig Wind. Gerne ein Bach und viel Platz. Platz zum Sein und Platz zum Erschaffen.

Der Vierseithof war zu isoliert. Der Weg zum nächsten Ort mit 5 Kilometer zu weit. Die Nachbarn nicht in der Nähe. Die Verbindung nach München zu lange. Danke, liebster Körper!

Es bleibt spannend.

 

 

In jedem Leben gibt es Krisen. Das ist Teil unseres Daseins und lässt sich nicht wegwünschen oder -beten. Glauben Sie mir, ich hab’s versucht.

Wir alle lernen, mehr oder weniger erfolgreich mit unseren Krisen umzugehen. Jeder auf seine Art; das, was Sie hier lesen, ist meine. Wenn wir auf unser bisheriges Leben zurückblicken, dann stellen wir fest, dass wir unsere Krisen immer irgendwie überwinden konnten. Offensichtlich haben wir alle „das Zeug“ dazu, unser Leben wieder in einen entspannten Zustand zu bringen. Es scheint regelmäßig Krisen zu geben, die dann für eine Weile anstrengend waren und irgendwann einmal wieder ihr Ende fanden – und dann ging es eine Zeit lang etwas einfacher weiter.

Bis zum nächsten Mal.

Im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, dass meine Krisen mit Hilfe meines spirituellen Trainings zügiger geheilt wurden. Offensichtlich hat es mir dabei geholfen, dass ich aufmerksamer und bewusster mit meinen Gedanken, Worten und Taten umging.

Da dieses Buch aus einem bestimmten Erfahrungs- und Gottesbild kommt, möchte ich es gern voranstellen.

Ein Glaubensbekenntnis ist eine ganz eigene und persönliche Sache. Ich sehe mich als Christin im weitesten Sinne. Ein Bekannter von mir, ein sehr aktiver und gläubiger Katholik, meinte einmal nach einem langen Gespräch bei einem Abendessen über Gott und den Glauben: „Wenn ich die Kammermusik des Christentums bin, dann bist du wahrscheinlich Free Jazz.“

Ich habe mich neugierig in anderen Religionen umgesehen und einiges davon lernen können, und doch fühle ich mich persönlich bei Jesus mehr zu Hause. Vielleicht hat Gott uns viele Lehrer geschickt, passend nach Region und Zeitgeschichte. Gott ist für mich vergleichbar wie Licht, das aus vielen verschiedenen Lampen strahlen kann. Steht doch auch in der Bibel, dass im Haus des Vaters viele Wohnungen sind (Joh. 14, 2).

Obwohl es natürlich organisierte Religionen gibt und fast jede Glaubensgemeinschaft eben einen gemeinsamen Glauben hat, glaubt nicht jeder darin Vereinte das Gleiche. In diesem gemeinsamen Glauben finden sich zwar bestimmte Doktrinen wieder – also Glaubensbekenntnisse –, denen einige in der Regel ganz oder andere nur zu einem Teil zustimmen. Doch die meisten kennen gar nicht alle Doktrinen und fest verankerten Glaubenssätze des Bekenntnisses: Wer hat denn schon wirklich die gesamte Bibel aufmerksam studiert, geschweige denn die Originale vor der Übersetzung gelesen? So bleibt ein großer Teil der eigenen Interpretation überlassen.

Viele Menschen im mitteleuropäischen Raum sind Christen. Manche haben sich aber bei bestimmten Doktrinen (im Hinblick auf die Erbsünde vielleicht oder die Geburtenkontrolle) vom offiziellen Glauben entfernt. Ich auch. Außerdem glaube ich an die Reinkarnation, also die Wiedergeburt, allerdings nicht im Sinne des Buddhismus („Irgendwann einmal bin ich erleuchtet, und dann brauche ich nicht mehr wiederzukommen“ – ich komme gern wieder) oder Hinduismus („Ich habe im letzten Leben etwas Fürchterliches angestellt, und deshalb gehöre ich jetzt zu den Unberührbaren“). Ich halte Gott vielmehr für den gütigsten Vater und die gütigste Mutter, und deshalb ist Karma für mich eine Frage von Ursache und Wirkung und dem Wunsch, neue Erfahrungen zu machen, und nicht von Strafe.

Ich glaube, dass wir deswegen viele Leben erleben, damit wir neben den Erfahrungen, die wir sammeln, mehr Mitgefühl entwickeln. Wir schauen uns auch im Fernsehen oder im Kino gern Unterschiedliches an: Nachrichten, Spielfilme, Komödien, Krimis. Vielleicht machen wir genau das auch im richtigen Leben. Wir sammeln Erfahrungen. Um daran zu wachsen. Um daraus zu lernen. Manchmal treffe ich einen Menschen, bei dem ich das Gefühl habe, dass dies eine sehr „alte Seele“ ist. Er ist so weise, dass er bestimmt schon häufig da war. Und dann gibt es wieder einige Zeitgenossen, da sieht es eher so aus, als ob dies jetzt das erste Mal sei. Hier wird noch mit der Basis des Menschseins gerungen.

Zur Unterstützung in unserem Leben bedanke ich mich täglich bei den Engeln. Nach meinem Glaubensverständnis haben wir viele Engel. Einen Schutzengel, der uns durch unser ganzes Leben und durch das Sterben begleitet, und viele andere Engel, die diverse Zuständigkeitsgebiete haben wie zum Beispiel Vergebung, Kraft, Milde, Mitgefühl, Tapferkeit. Und natürlich auch einige, die uns Unterstützung im täglichen Leben gewähren. Da Engel in der Regel über keinen menschlichen Körper verfügen, ist ihr Dialog mit uns meistens an eine Art inneres Gespräch gebunden. Sie unterstützen uns aber ebenfalls mit Zeichen.

Die Engel halten uns jedoch nicht vom Leben ab. Ihre Aufgabe ist es, uns zu unterstützen. Sie trösten uns, zeigen uns, wie sehr wir geliebt werden, und sie geben uns Ratschläge, die wir dann umsetzen können, um unser Leben leichter zu gestalten. Wir haben uns als Seele bestimmte Hausaufgaben gestellt, und die gilt es zu erleben. Natürlich werden wir auch weiterhin gelegentlich Krisen durchlaufen.

Wir leben ja noch.

Ein spirituelles Leben soll uns nicht abstumpfen von Erlebnissen. Es soll uns helfen, bewusst und dankbar die kleinen und großen Zeichen der göttlichen Kraft zu erleben. Dazu, so glaube ich, gibt es bestimmte Regeln. Die gilt es zu erkennen und zu nutzen. Woran erkennen wir, dass sie wahr und nützlich sind? Nicht daran, dass wir uns von anderen überzeugen lassen oder blind irgendjemandem folgen. Wir erkennen sie nur dann, wenn wir sie selbst ausprobieren. Denn der wichtigste Experte in unserem Leben sind wir selbst. Und in so wichtigen Angelegenheiten wie unserem eigenen Leben sollten wir uns auf den hauseigenen Experten verlassen.

Licht und Liebe,

Sabrina Fox

im Frühjahr 2008

1. Das Gefühl der Krise

Ich wachte über zwanzig Jahre lang auf, als hätte ich einen schweren Stein verschluckt. Ich ging mit diesem Stein im Magen ins Bett und stand mit ihm auf. Das Gefühl war mir so vertraut, dass ich dachte, es gehöre zum Menschsein dazu. Ich schaute ins Leben, wie man bei Glatteis Auto fährt: vorsichtig. Jederzeit in der Erwartung, irgendwo schmerzhaft und teuer draufzuknallen. Jederzeit bereit, mal wieder betrogen und verletzt zu werden. Jederzeit bereit, mich mal wieder verloren zu fühlen. Ich erwartete Dramen und Schwierigkeiten, wie ein Hotel auf Gäste wartet. Mein Blick in die Welt war kritisch.

Ich dachte, jeder lebt so. Natürlich gab es kleine und große Glücksmomente, und doch war ich nicht in der Lage, sie wirklich zu genießen. Denn, so war es damals meine Erfahrung, sie dauerten nicht lange. Der Stein in meiner Magengegend konnte leichter werden, aber er verschwand nicht. Es konnte ein Telefonanruf sein, der eine neue Krise brachte, oder der nächste Tag im Büro. Man war einfach nicht sicher in dieser Welt. So trug ich meinen schweren großen Stein ganz selbstverständlich mit mir herum. Nie kam mir der Gedanke, wie ich das ändern könnte. Was gibt es daran zu verändern? Und vor allen Dingen, wie? Das Leben ist nun mal anstrengend. Ich fühlte mich häufig wie ein Schiff auf stürmischer See: Das Leben schüttelte mich durcheinander. Ich empfand es als anstrengend.

Was sind das nur für Leute, die freudig lächelnd durch den Tag gehen? Müssen die ein Glück haben! Ich hatte das eben nicht. Ich wünschte mir nichts mehr als ein dickeres Fell. Ich erhoffte und erwartete davon, dass ich, wenn ich nicht mehr so sensibel wäre, mit diesem Dasein leichter zurechtkommen würde.

Ein dickeres Fell bekam ich nie.

Aber mein Stein im Magen ist verschwunden. Weg auch das Gefühl, dass mein Leben, mein Weg, sich auf glattem Eis bewegt. Heute gehe ich gelassen ins Bett und wache frei auf. Ich habe Vertrauen. Jetzt wieder fällt mir auf, dass ich mich eigentlich zu wenig dafür bedanke.

Dieses Gefühl ist nicht zufällig eingetreten. Da gab es keinen Heiler, der mich kuriert hätte, und keinen Zauberstab, der über meinem Körper schwebte. Es war mein Bemühen – mit der Gnade Gottes und der Hilfe der Engel –, das diesen Zustand langsam verändert hat. Es dauerte Jahre, bis ich mein Leben so eingerichtet hatte, dass ich mich wohler darin fühlte. Es gibt beim Abnehmen wie beim Wohlfühlen keine Abkürzungen und keine Übertragungsmöglichkeit: Wir müssen einfach alle selbst dafür sorgen.

Natürlich habe ich immer noch gelegentlich Krisen in meinem Leben. Doch sie sind sehr viel seltener geworden, und sie entwickeln sich anders. Ich nehme sie jetzt anders wahr. Und ich finde Wege, sie zu lösen.

Manchmal erkenne ich sie schon von weitem – wie ein Donnerkrachen, das das Gewitter ankündigt. Dann kann ich mich unterstellen, bevor ich klatschnass werde.

Manchmal nicht.

Manchmal schleichen sich Krisen langsam ein. Wie ein sanfter Temperaturwechsel, der mir zuerst nicht auffällt. Es wird kühler, ohne dass ich es zur Kenntnis nehme. Meine Gedanken beginnen, sich an irgendeiner Situation festzubeißen. Ich fange an, mir die Zukunft schwierig auszumalen. Ich kaue an einem Problem herum wie an zähem Fleisch. Und merke es nicht.

Der Donner – weit weg – verhallte von Anfang an ungehört. Sonst wäre es ja einfach gewesen. Dann wäre es mir aufgefallen. Nein, mit dem kühleren Wind kamen langsame, fast sanfte Regentropfen, die kaum spürbar die allgemeine Stimmung erkalten ließen. Mein tägliches Morgengebet wurde kürzer, die stillen Meditationen seltener, dafür wandte ich all die extra Energie auf, um mich emotional ein bisschen mehr zu beschäftigen. An den Tagen darauf – ein Drama wird immer größer – fing mein Gehirn ohne Unterlass zu denken an. Die gleiche Situation wurde hundertmal gedanklich hin und her gerollt, ohne dass ich zu einem wirklichen Ergebnis kam. Ich wanderte in dem Spiegelkabinett meines Kopfes hin und her und suchte keinen Ausgang.

So geht es eine Weile, manchmal Tage, manchmal länger, und plötzlich flüstert eine kleine Stimme in mir: „Was machst du da eigentlich?“

Moment mal. Ja, was mache ich da eigentlich?

Ich bin immer so dankbar, wenn ich wieder daran erinnert werde, dass ich eine Wahl habe. Eine Wahl, weiterzumachen oder aufzuhören, und so gebiete ich meinen Gedanken: „Ruhe!“, und konzentriere mich auf das Zählen:

Einatmen: eins, zwei, drei, vier, fünf.

Ausatmen: eins, zwei, drei, vier, fünf.

Ich beobachte dann aufmerksam, was ich denke, und dabei wird das Denken langsamer und hört dann ganz auf. Es entsteht Stille. Da ich das viele Jahre geübt habe, fällt es mir leicht, in diesen Zustand zu fallen; denn ich weiß, das ist es, was ich im Moment am dringendsten brauche: Ruhe und ein Gespräch mit den Engeln. Ich schließe die Augen und lege mich in meinen Körper, wie man sich in eine warme Badewanne legt. Schon nach den ersten Atemzügen merke ich, dass ich langsam wieder in mir zu Hause bin. Und so freue ich mich auf die absolute Stille, in der ich mich in Kürze wiederfinden werde.

Kein Gedanke. Kein Geräusch. Kein Drama. Mein ganzer Körper summt innerlich leicht vor sich hin, und ich lächle. „Ahhh. Zu Hause.“ Endlich. „Danke, lieber Gott.“

Wie nach einer anstrengenden Heimreise, bei der man den Pass, die Schlüssel und die Koffer verloren hat, bin ich doch irgendwie durch einen tiefen Atemzug wieder bei mir gelandet. Danke!

Ich hatte mich verloren! Ich hatte mal wieder all das, was ich weiß, vergessen. Ich liebe den Moment, in dem ich erkenne, dass ich mich in einer Krise befinde. Das ist irgendwie beruhigend. Ja, ich bin in einer Krise. Ja, und ich war schon mal in einer Krise. Ich war sogar schon in vielen Krisen, und auch diese Krise wird vorbeigehen. In ein paar Wochen oder spätestens ein paar Jahren lache ich drüber. Wie heißt es doch so schön? „Willkommen im Club.“

Warum, um Himmels willen, kann ich mir das nicht merken?

Dann komme ich mir wie eine Idiotin vor. Frage mich, ob ich denn gar nichts dazugelernt habe nach über fünfzehn Jahren spirituellen Trainings, fast fünfzig Jahren Lebenserfahrung und zwei Ehen. Ich erinnere mich daran, dass ich einige tiefe Täler der Seele, einsame Nächte im Wald und die Teenagerzeit meiner Tochter überlebt habe. Und schon wieder war ich ganz und gar unaufmerksam.

Trotzdem wird es immer besser. Meine Wohlfühlphasen sind sehr viel länger, und ich hadere auch weniger lange mit mir. Ich bin nun mal Mensch. Da wiederholt man sich gern.

Die Meditations-CD zum Buch

Ein Buch ist nur dann nützlich, wenn es angewandt wird. Deshalb haben wir eine CD beigefügt, damit einige Vorschläge zu den Meditationen vielleicht durch das Anhören erst einmal leichter fallen.

Aus dem Buch:

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Das Gefühl der Krise
Die Meditations-CD zum Buch

  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • Das Gefühl der Krise
  • Die spirituellen Gründe einer Krise: Seelenhausaufgaben
  • Was unterhält, was fasziniert mich an dieser Krise?
  • Unsere emotionalen Waisenkinder
  • Mit der Angst sprechen
  • Die natürliche Ruhe des Seins
  • Schritte zur Heilung der Krise
  • Die Wichtigkeit, Verantwortung zu übernehmen
  • Das Versprechen, sich selbst gut zu behandeln
  • Aufmerksamkeit
  • Fragebogen: Was sind meine Seelenhausaufgaben?
  • Danke