Sabrina meditiert

Liebe Sabrina, was hat Dich damals bewogen, diesen Weg zu gehen?

Es war ein berufliches „Desaster“ – und das Gefühl dem ausgeliefert zu sein. Ich erspürte Scham, öffentliche Häme, Schmerz. Das hat mich an einen Punkt gebracht, bei dem ich wusste: Ich muss etwas ändern! Zuerst dachte ich noch, die „Anderen“ müssten sich ändern und dann wird das schon werden (lacht). Nach einer Weile merkte ich, ich habe einiges zu lernen: Zum Beispiel Nein zu sagen, nicht mehr zu lügen, offen zu zeigen wie ich mich fühle, zu verzeihen, mir selbst zu vertrauen, meine Gedankenschlaufen genauer anzuschauen. Ich lernte früh, mich anzupassen, stoisch durchzuhalten und mir nichts anmerken zu lassen. Mir fehlte innere Stabilität. Selbstliebe. Freude. Und vor allen Dingen: Frieden. Und dann habe ich angefangen aufzuräumen … Also wie ihr es beschreibt: Es gab einen Re-start. Mit einem anderen Ziel: Innerer Frieden.

Womit hast Du Dich dabei am meisten überrascht?

Dass das, was ich am Anfang nur erahnt hatte, auch wirklich stimmt: Wenn wir in uns selbst angekommen sind, Kontemplation und Stille zulassen und in unserem Leben und unserem Sein „aufräumen“, dann erschaffen wir uns damit ein Leben, in dem wir uns wohlfühlen. Erst dann haben wir uns befreit von alten Vorstellungen, alten Ideen unserem alten, anerzogenen Sein. Wir erleben uns freier. Frei uns so zu bewegen und das Leben so zu gestalten wie es uns erfreut. Und damit erfreuen wir nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Umgebung, denn wir strahlen Frieden, Ruhe und Wärme aus. Wir werden großzügiger, mitfühlender und aufmerksamer. Wacher. Und je mehr von uns „wacher“ werden – also bewusster werden – desto weniger dramatisch, leichter und angenehmer wird das Leben für uns alle auf diesem wunderbaren Planeten werden. Wenn wir selbst noch innerlich Kriege führen, dann wird das im Außen keinen Frieden erschaffen.

Woher nimmst Du die Kraft, Dinge zu tun, die teilweise nicht mit den herkömmlichen Erwartungen und Vorstellungen zu tun haben?

Die Kunst sich lächerlich zu machen, muss geübt werden (lacht). Es ist alles überlebbar. Der Verstand stellt sich manches so kompliziert vor. Als ich vor sieben Jahr anfing Barfuß zu gehen, waren die Leute einfach nur überrascht. Natürlich schauen sie, wenn ihnen eine Frau im Supermarkt, im Theater, im Zug entgegen kommt, die sonst gepflegt aussieht, aber keine Schuhe trägt. Das ist einfach nur ungewohnt. Stell Dir vor, was Du alles machen würdest, wenn Dein Wertmaßstab nicht mehr die Anerkennung anderer ist? Was für eine Freiheit! Was für ein Konzept, nicht wahr?
War es einfach „anders“ zu sein? Ja und Nein. Jemand geht in die Öffentlichkeit weil sie/er geliebt werden will und Aufmerksamkeit möchte. So war das auch bei mir, denn sie fehlte mir als Kind. Und sind wir in der Öffentlichkeit – ich war ja mal Fernsehmoderatorin – stellen wir fest, dass uns die eine Hälfte mag und die andere kann uns nicht leiden. Aus irgendwelchen Gründen. Vielleicht gefällt denen unsere Nase nicht. Vielleicht erinnern wir sie an eine Person, die sie ablehnen. Wir werden gemocht – oder eben nicht. Das ist nicht manipulierbar. Damals war das sehr schmerzhaft für mich. Weil ich im Außen das suchte, was ich mir im Innen nicht selbst gegeben habe: Liebe.
Also die Logik dahinter ist folgende: Wenn Du bereit bist, dich selbst aufzugeben, um Dich an Andere und deren Vorstellungen anzupassen, und sie Dich TROTZDEM nicht alle lieben, welchen Sinn hat das dann? Da kannst Du ja gleich zeigen, wer Du wirklich bist – weil die Hälfte dich so und so nicht mögen wird.
Und … das wunderbare daran ist, dass dies dann bald auch keine Rolle mehr spielt. Denn du lässt alle Leute das fühlen und erleben, dass sie fühlen und erleben wollen. Du hörst auf zu versuchen andere zu manipulieren – und beginnst sie zu verstehen.
Apropos Verstehen: Es wird dann nicht mehr wichtig, ob du verstanden wirst. Denn du verstehst dich selbst – UND du verstehst auch die Anderen. Und das ist ein wirklich schönes Geschenk, dass wir uns selbst machen.

Welchen Stellenwert haben Vorbilder für Dich? Hattest oder hast Du welche?

Vorbilder sind für mich Menschen, die das erreicht haben, was ich erreichen möchte. „Neid“ kann da sehr hilfreich sein, denn Neid zeigt uns, was wir selbst gerne hätten. Natürlich gibt es die ungesunde Seite von Neid: „Ich gönne der Anderen/dem Anderen das nicht“ – aber es gibt eben auch die gesündere Seite: „Ah, ich sehe, das ist ja möglich so frei, so anders, so bewusst zu leben. Die macht es mir gerade vor. Das möchte ich auch gerne.“ Da gibt es diese Sehnsucht dahinter und da sieht man die Anderen als Vor-Bilder, die dies schon erreicht haben und so auch schon leben. Und wenn sie es erreicht haben, dann kann ich das auch.
Und das ist wahr.

Und zuletzt, welche Veränderung in Deinem Leben begeistert Dich gerade am meisten?

Ich habe die Langsamkeit entdeckt. Die kann ich nur empfehlen.

 

Das ist ein Interview für Restart today …

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.