Liebe. Was ist das eigentlich? Wieso scheint sie bei manchen zu klappen und wieder andere haben kein „Glück“? Wieso kann Liebe so viel Schmerzen verursachen? Warum fühlen wir manchmal, dass wir nicht genug bekommen? Und wieso fürchten wir, ohne Liebe zu sein?

Der Wunsch nach Engeln ist oft auch der Wunsch endlich tiefe Liebe zu erspüren und sie auf ewig zu behalten. Doch wir selbst haben wahrscheinlich schon erlebt, das die Liebe anscheinend schwankt. Manchmal lieben wir, manchmal nicht. Manchmal scheint sie Bestand zu haben, manchmal zu verschwinden. Und Liebe schmerzt: Fast jeder von uns hatte schon mal Liebeskummer und fragte sich, ob das Herz wohl wieder heilen wird.

Wozu also das alles?

Die Liebe dient unserem Wachstum. Wir sind hier um aufzuwachen, um wach zu werden. Was heißt das? Wir sind eine Seele, die eine menschliche Erfahrung macht. Wie ein Kinobesucher können wir entweder uns im Film unseres Lebens verlieren oder bei allem Drama auf der Leinwand immer noch wissen, dass wir im Kino sitzen. Wir erkennen also, dass wir mehr sind, als unsere Persönlichkeit. Unser Sein ist unendlich und so den Engeln ähnlich. Je klarer wir das erkennen, desto weniger Dramen werden wir in unserem Leben haben. Beziehungsweile wir lernen, wie wir ein auftauchendes dramatische Ereignis beruhigen können. Bis sie sich schließlich ganz auflösen. Wodurch? Durch unsere Selbsterkenntnis und Aufmerksamkeit. Wir lernen ein für uns erfolgreiches Leben ohne Bedauern zu führen. Und wo können wir das üben? In Beziehungen – und eben auch in Trennungen.

Das spirituelle Erwachen beginnt meistens mit einer Krise. Wir schauen uns unser Leben an und denken: „Das muss doch irgendwie besser gehen?“ oder „Warum passiert mir das schon wieder?“ Dann beginnen wir zu forschen. Wir entdecken Meditation und Stille als Mittel unseren Verstand zu beruhigen. Wir merken, dass wir uns verändern können und uns selbst ein anderes Leben erschaffen können. Wir schauen uns unsere Beziehungen an und beginnen dort „aufzuräumen“. Überhaupt nimmt das Aufräumen uns für eine Weile ziemlich in Anspruch: Wir räumen unsere Gedanken, unser Leben und unser Selbstbild auf. Bin ich wirklich so, wie ich mich zeige? Wo habe ich mich angepasst? Wo habe ich vergessen, mich um mich selbst zu kümmern? Habe ich mich im Leben der Anderen verloren? Was sind eigentlich meine Wünsche? Wie will ich mein tägliches Sein gestalten?

Gerade in einer Zweierbeziehung ist es leicht sich im Leben des Anderen, der Anderen zu verlieren. Es gibt vieles, von dem wir glauben es „aus Liebe“ zu tun. Bis wir merken, dass wir vergessen haben, auf uns selbst zu achten. Einige leben in Beziehungen, in denen sie sich schlecht und respektlos behandelt lassen.

Wenn es keinen Respekt gibt, dann gibt es auch keine Liebe.

Jetzt geht es darum, sich aus solch einer Beziehung zu befreien, statt darum zu beten, dass sich der Andere ändert. Der Andere ändert sich nur, wenn er sich aktiv um eine Veränderung bemüht. Da hilft kein Gebet. Jeder trifft seine eigenen Wachstumsentscheidungen – oder eben nicht. Wenn wir das erkennen, braucht es eine Entscheidung FÜR UNS. Deshalb sagte Jesus auch, dass wir „gehen sollen, wenn wir nicht angenommen werden und den Staub von unseren Füßen wischen“. (*Die Bibel und auch dieser Ausspruch im Matthäus 10:14 Evangelium hat viele Interpretationsmöglichkeiten und das ist meine.)

Ein wichtiger Punkt des Aufwachens ist die Erkenntnis „wer bin ich?“ und „was brauche ich?“. Das wird oft Egoismus genannt. Und egoistisch wollen wir nicht sein. Wie alles hat auch der Egoismus zwei Seiten.
Seine eigenen Interessen durchzusetzen, ist nicht zwangsläufig schlecht. Manche werfen uns Egoismus vor, weil wir dann nicht mehr tun, was sie von uns wollen. Ich kann Rücksicht nehmen, in dem ich mich liebevoll und wach mitteile – aber das heißt nicht, dass ich auch mache, was andere von mir wollen und damit meine Interessen wieder zurücknehme. Damit verliere ich mich selbst und ordne mich unter. Wenn ich allerdings egomanisch durch die Welt schreite und alles an mich reiße, was nicht bei drei auf einem Baum ist, jeden anderen abfällig betrachte, dann ist das ein ungesunder Egoismus, der aus der Gier entstanden ist und von Wachsein noch weit entfernt ist.

Wenn wir uns verlieben, zeigen wir uns wie wir gerne wären. Wenn wir uns trennen, zeigen wir uns, wie wir sind.

Gerade Trennungen zeigen uns genau, in welchem Stadium des „Wachseins“ wir uns aufhalten. Glaube ich, dass ich großzügig bin, streite mich aber gerade bis aufs Messer um ein altes Klavier? Halte ich mich für mitfühlend und versuche gerade dem Vater die Kinder zu entziehen? Wünsche ich mir Frieden für alle Menschen, aber rede gerade abfällig über den ehemaligen Partner? Habe ich Angst vor der Zukunft und versuche gerade möglichst viel an mich zu reißen?

Manchmal vergessen wir auch, dass jede und jeder von uns das Recht hat sich für oder gegen eine Beziehung zu entscheiden. Wie sehr leidet mein Selbstwertgefühl darunter? Und … hängt mein Selbstwertgefühl nur damit zusammen, ob ich von anderen geliebt bzw. bevorzugt werde? Und: Kann ich mir die LIebe, die ich mir von Anderen wünsche, auch selbst geben?

Know yourself to free yourself.

Erkenne Dich selbst und befreie Dich selbst. Gefühle zeigen uns unseren Zustand. Die meisten von uns versuchen, ein unangenehmes Gefühl irgendwie loszuwerden. Das klappt aber nicht. Wachsein bedeutet sie zur Kenntnis zu nehmen: „Ah, hier werde ich zornig. Warum fühle ich das und was hat es ausgelöst?“ Damit wächst unsere Selbsterkenntnis. Gerade in Trennung gibt es viele Möglichkeiten unsere Gefühle zu betrachten und zu verstehen.

Auch wenn wir beschließen, nicht mehr als Paar oder als Familie zusammen zu leben, so können wir doch weiterhin in Liebe und Freundschaft miteinander verbunden sein. Es wäre doch schade jemanden aufzugeben, den man lange und wirklich intensiv kennt.

Jede Trennung ist eben auch ein Geschenk. Sie zeigt uns ob wir das, was wir wissen, auch wirklich umsetzen können. Und sie zeigt uns den Grad unserer Selbstliebe.

Liebe in unserem Leben zu erkennen, ist manchmal nicht ganz einfach, denn wir glauben, sie müsse sich anders anfühlen. als es tatsächlich der Fall ist. Wir verwechseln das Gefühl des Verliebtseins mit dem Liebesgefühl.

Das Liebesgefühl ist angenehm statt anstrengend. Es ist gelassen. Es hat dieses dankbare, leichte Sein. Es ist nicht laut, sondern leise. Und ja, es ist nicht aufregend.
Das ist nicht die Aufgabe der Liebe: Die Liebe beruhigt und entspannt.

Buch zum Thema: „Wenn wir uns trennen, lernen wir uns kennen.“ – Ein Beziehungsbuch

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.