Seminar in der Galerie

Ein Glaubensbekenntnis…

…ist doch eigentlich eine ganz eigene und persönliche Sache und doch sind wir es gewohnt, uns einer traditionellen Glaubensgemeinschaft anzuschließen. Feste Regeln. Eine Richtung. Viele, die schon mitmachen. Gesellschaftlich anerkannt. Wir unterschätzen, glaube ich, die männliche Autorität, die diesen Religionen vorsteht und die uns seit Jahrtausenden sagt, was wir zu glauben und wie wir zu leben haben. Gerade die weibliche Seite – immerhin die Hälfte der Weltbevölkerung – findet dort keinen gleichwertigen Platz. Viele sind in Kirchen, Synagogen, Moscheen und Tempeln, weil sie die Gemeinsamkeit schätzen, in vielem aber den Regeln und Vorgaben nicht zustimmen. Wir können erahnen, was es wirklich bedeuten würde, wenn alle Religionen oder auch neue spirituelle Gemeinschaften ihren Anspruch auf Unfehlbarkeit ablegen würden.

Sind wir also selbstständig genug, erwachsen genug, interessiert genug, um uns selbst zu fragen, was wir glauben? Es fordert mehr persönlichen Einsatz, wenn man sich seinen Glauben basierend auf seinem eigenen Weltbild, seinen eigenen Erfahrungen und seiner eigenen Intuition zusammenstellt. Was glaube ich? Was glaube ich nicht? Was macht für mich Sinn? Was kann ich wie integrieren? Was möchte ich weitergeben?

Ich glaube, dass wir viele Leben erleben, um mehr Erfahrungen zu sammeln und dadurch mehr Mitgefühl zu empfinden und uns insgesamt als Seele zu entwickeln. Ich glaube an Reinkarnation, also an Wiedergeburt, allerdings nicht im Sinne des Buddhismus („Irgendwann einmal bin ich erleuchtet und dann brauche ich nicht mehr wieder zu kommen“… ich komme gerne wieder.) oder im Sinne des Hinduismus („Ich habe im letzten Leben etwas Fürchterliches angestellt und deshalb gehöre ich jetzt zu den Unberührbaren“). Karma für mich eine Frage von Ursache und Wirkung und beinhaltet den Wunsch, neue Erfahrungen zu machen. Durch Erfahrungen entstehet mehr Weisheit. Diese Erfahrungen, diese innere Weisheit, die erlebte Wachheit bringt jede*r einzelne von uns zurück in die göttliche Gesamtheit. Ich bin katholisch erzogen worden und habe ein persönliches Glaubensbekenntnis – oder lieber Wissensbekenntnis – mir erschaffen.  Ich habe mich interessiert in anderen Glaubensgemeinschaften und Religionen umgesehen und einiges von ihnen lernen können, besonders vom Buddhismus und den indianischen Religionen. Religionen sind ja auch verknüpft mit Moden und der Zeitgeschichte.  „Gott“ ist für mich „Alles-was-ist“ und kein strafendes, autoritäres, männliches Oberhaupt.

meditation

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Für mich ist es selbstverständlich, dass es nicht nur Wesen mit einem menschlichen Körper gibt. Ich habe es schätzen gelernt, dass es Wesen gibt, die entweder durch die eigenen tiefen Meditationen oder durch Channeling (jemand geht in Trance und stellt sich für eine Kontakt zur Verfügung)  mit uns in Kontakt treten. Dabei wird häufig von Engeln gesprochen, die ich für weise Meister*innen und nicht für romantisierte Wesen halte. Da diese Mitgeschöpfe in der Regel nicht über einen menschlichen Körper verfügen, nehmen wir ihre Kommunikation mit uns meistens als eine Art inneren Dialog war. Sie unterstützen uns aber ebenfalls durch Zeichen. Dadurch werden wir erinnert, dass wir ebenfalls unendlich sind.

In meinem Verständnis ist jede*r von uns in erster Linie unendliche Seele, die eine menschliche Gestalt – mit Körper, Verstand, Gefühlen und Impulsen – erschaffen hat und je intensiver wir uns als Seele wahrnehmen können, desto wacher wird unser Leben. Es wird weniger emotional, weniger dramatisch, weniger egobezogen, weniger ängstlich, weniger besorgt – dafür offener, weiter, verständnisvoller, klarer, liebevoller, friedlicher, entspannter. Also es gibt das individuelle Sein (ich als Mensch) und das kollektive Sein (Gott/Göttin). Wir bewohnen unseren Körper – aber wir sind nicht unser Körper. Wie meine 93jährige Mutter erst vor kurzem so richtig zu mir sagte, als sie mich an einem der Tage nicht erkannte: „Du heißt zwar Sabrina, aber du bist es nicht.“

Ein spirituelles Leben soll uns nicht gegen reale Erlebnisse abschirmen. Es ist keine Flucht. Obwohl viele in der Spiritualität Trost suchen. Und das mag am Anfang auch hilfreich sein. Aber dann verstehen wir, dass wir uns selbst trösten können. Wir begreifen wie wir unsere Emotionen, unsere Gedanken und unsere Verletzungen klären können und dann erkennen wir – dankbar für die kleinen und großen Zeichen der göttlichen Gesamtheit – dass wir ein Teil dieser schöpferischen Kraft sind. Und wir nutzen diese Kraft uns selbst zu verändern, zu heilen und uns ein Leben zu erschaffen, das wir selbst für gut befinden. Dazu gilt es auch unsere Mitmenschen, unsere Mitlebewesen achtsamer zu behandeln und unseren Planeten – Mutter Erde – nachhaltiger und aufmerksamer zu bewohnen. Dafür, so glaube ich, gibt es bestimmte Erkenntnisse. Diese gilt es zu erforschen und zu nutzen. Meiner Erfahrung nach gibt es keine Abkürzungen. Keine Pille. Keine einzelne Erkenntnis. Kein „morgen-ist-alles-anders“. Sondern es braucht ein tägliches, aufmerksames, konzentriertes und erfreutes Dranbleiben.

Woran erkennen wir, dass etwas richtig und hilfreich sind? Nicht dadurch, dass wir uns von anderen überzeugen lassen oder blind irgendjemandes Anweisungen folgen. Wir erkennen sie dann als richtig, wenn wir es selbst ausprobieren. Die Zeit der Gurus und Autoritären – meist männlichen – spirituellen Führer ist vorbei. Der wichtigste Experte für unser eigenes Leben sind wir selbst.

Und in so wichtigen Sachen wie unserem eigenen Leben und unserem eigenen Wohlbefinden sollten wir uns auf den hauseigenen Experten verlassen…

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