Beiträge

Ihr Lieben,
ab Donnerstag geht es los: Fünf Wochen mit mir zu Deiner Unterstützung. Ich freue mich schon sehr auf unsere gemeinsame Zeit! Immer wieder treffe ich auf wundervolle, viel wissende Mitmenschen und beobachte überrascht, dass sich deren Leben trotz ihres Wissens nicht entscheidend verbessert hat. Ich erlebe, dass sie immer wieder in der Vergangenheit, in gewohnten Dramen oder den gleichen Gedankenschlaufen festsitzen. Warum ist das so, obwohl frau/man doch schon so viel weiß?

Es ist die Erfahrung, die uns weiterbringt. Nicht die schnelle Inspiration bringt uns voran (die ist nett und tut gut – aber ändert nichts), sondern es braucht die langfristige Veränderung. Übrigens gibt es neueste Untersuchungen die zeigen, dass wir länger dran bleiben, wenn wir in einer Gruppe sind. Deshalb beginnen wir diesen Kurs gemeinsam. Ich möchte dabei helfen, langfristige Veränderungen vorzunehmen. Denn zusammen wird der gelegentliche Faulheit/Zögern/Ich-schaff-das-nicht-Rucksack abgeworfen.

Lasst uns beginnen: Mit dem Aufräumen, mit dem Erwachen, mit dem Erschaffen und … mit dem Gelingen! Der von mir begleitete Onlinekurs beginnt JETZT am Donnerstag. Was heißt begleitet? Ich bin für Eure Fragen da, für das Klären von Stolpersteinen, für zusätzliche Impulse und – wenn ihr wollt – am Schluss noch zu einem persönlichen gemeinsamen Workshop-Tag in München. Weiterlesen

Ihr Lieben,
manche Sachen fließen und manche dauern länger. Geflossen ist die Arbeit und Freude an meinem ersten Online-Kurs: „Folge der Sehnsucht deiner Seele“. Nicht nur deswegen, weil ich ein fabelhaftes Team hatte, das mich enorm beglückt, inspiriert und mit wunderbaren Feedback versorgt hat, sondern weil eben auch alles andere „im flow“ war.
Seit Mittwoch ist der fünf-wöchige Kurs online und kann bequem von Zuhause oder unterwegs gemacht werden. Natürlich bezieht sich das bequem nur auf die Sitzgelegenheit – schmunzel – denn wenn wir neue Wege gehen, dann ist das nicht immer eine bequeme Angelegenheit – aber eine Lohnende! Der Kurs beginnt mit einem Verständnis für uns und unseren Lebensweg: „Warum bin ich hier?“ Dann erweitern wir unsere Fähigkeit zur Achtsamkeit. Wir lernen es schätzen, wie und warum uns unser Körper Nachrichten gibt. Wir etablieren mehr Verständnis über Stille und erforschen wie unsere Intuition – also die Sprache unserer Seele – individuell in uns wirkt. Wir erkennen was Selbstliebe wirklich ist und was es braucht, um liebevolle Beziehungen in unserem Leben zu haben. Neben Videos gibt es natürlich auch Übungen und Meditationen. Ich wünsche mir von Herzen, dass dieser Kurs Unterstützung sein kann. Weiterlesen

Ihr Lieben,
es fühlt sich wundervoll an, wieder meinen eigenen Workshop-Raum zu haben. Lange Jahre dachte ich, dass ich einen Raum auf dem Land haben würde. Inmitten von Natur und Stille. Und das kann natürlich auch immer noch sein – und doch zeigte sich vor ein paar Monaten ein Raum mitten in München. Ideal gelegen zwischen U-Bahn Münchner Freiheit und dem Englischem Garten in Schwabing. Zusammen mit Stankos meditativen Farbfeldern gestaltet sich dort ein wohliger Raum – die Galerie Schwabing. Gleichzeitig änderte sich alles an unserem Zuhause: Packen, Auszug, Renovieren und Einzug – und damit immer wieder das Beobachten wie wunderbar Intuition funktioniert. Nähere dazu im Blog.
Termine, Termine, Termine…

Seminar in der Akademie

Mitte April fing ich an, an diesem Mai Newsletter zu schreiben. Vielleicht ist es Euch aufgefallen, aber ich versuche jetzt einmal im Monat einen Newsletter zu schreiben (gelingt mir nicht immer). Jetzt ist es Mitte Mai (wenn man großzügig ist). Warum hat das so lange gedauert? Es hakte an der Terminauswahl. Näheres dazu im zweiten Blog: Termine, Termine, Termine.

Datenschutz

Jeder spricht zur Zeit über die DSGVO (Datenschutzrichtlinie). Und das gilt natürlich für mich auch. Selbstverständlich wurden und werden Eure Daten nicht an Dritte weitergegeben. Ich versuche nur das Nötigste aufzuheben: Namen und Email-Adressen. Die Datenschutzrichtlinien könnt Ihr hier einsehen. Und selbstverständlich könnt ihr Eure Daten auch wieder löschen lassen. Dazu klickt Ihr im Newsletter einfach ganz ganz unten auf „Abmelden“.

Letzter Termin der Workshop Tour ist in Leipzig

wie-sage-ich-es

„Wie sage ich es“ Erlebnisabend (15.Juni) & Seminar 16./17. Juni
Der Termin im Februar musste leider von mir abgesagt werden – auch das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Workshop absagen musste. Ich war überraschenderweise krank (das letzte Mal vor ca. zwanzig Jahren) und deshalb gibt es diesen Nachholtermin. Ich freue mich auf meinen ersten Besuch „Im Einklang“ und zwar mit einem Erlebnisabend am Freitag, den 15. Juni zum Thema: „Die Sehnsucht unserer Seele“. Danach gebe ich vom 16./17. Juni meinen Wochenend-Workshop: „Wie sage ich es? – Kommunikation auf Seelenebene“. Ich habe gerade erfahren, es gibt noch ein paar freie Plätz.
Ich kann ihn nur von Herzen empfehlen. Wenn wir unsere Kommunikation verändern, verändern wir unser Leben. Es hat einen enormen Effekt auf das Wohlbefinden aller Beteiligten.Die nächsten Termine wird es in München geben. Näheres (hoffentlich) im nächsten Newsletter

Neue Wege in der Lebensmitte finden

Dieser Online Kongress von Irene Fellner wird vom 8. bis 15 Juni wiederholt, weil sich das sehr viele gewünscht haben. Er hat den wundervollen Namen: SoulSisters. Es geht um 40+ und neue Wege in der Lebensmitte zu finden. Gerade in der Lebensmitte – und die doch herausfordernden Wechseljahre – wie ich es auch in meinem Buch „Kein fliegender Wechsel“ beschrieben habe – schauen wir uns nochmal unser Leben an. Irene hat 30 Expertinnen interviewt – unter anderem auch mich.
www.soulsisters.at/onlinekongress/

Podcast mit Johanna van Löchtern

Podcast

Podcast

Ich finde es immer wieder hochinteressant Fragen gestellt zu bekommen. Oft gibt es zu einem Thema so viele unterschiedliche Ansätze – je nach Interviewer. Und so lernt man auch immer etwas über das Gegenüber kennen. Das hier ist ein Podcast von Johanna van Löchtern, das das Gespräch betitelt hat mit „Erkenne Deine Seele“. Danke Johanna für das angenehme Gespräch.
https://youtu.be/ZNsvD8xby9I

Gespräch mit Sabine Hoffmann

Gespräch mit Sabine Hoffmann

Gerne teile ich mit Euch ein Video, das Sabine Hoffmann von „Sonnderevent“ mit mir nach einem Workshop von „Wie sage ich es?“ in Karlsruhe geführt hat. Die Themen: Intuition, Meditation, tägliche Rituale, Schwingung, Klang und Seelenwege. Sie ist nicht nur eine wundervolle Seminarorganisatorin, sondern eine interessante Gesprächspartnerin.
https://youtu.be/xs-GSByvcVA

Eine Woche Frauenworkshop: 3 Frauen – 3 Wege

frauen-miteinander

Ich freue mich auch besonders auf unseren Frauenworkshop (ein Termin der schon lange feststeht ;-). Zum zweiten Mal mit Rita Fasel und Sabine Bundschu – dieses Mal vom 26. August bis zum 1. September. Eine Woche mit großartigen Frauen zusammen zu sein – und damit meine ich EUCH! – ist uns allen eine enorme Freude. Das Hotel Blumenthal ist wunderschön. Das Essen vegetarisch. Die Zimmer äußerst angenehm. Wir verbringen eine Woche miteinander und gehen mit einem klareren Fokus, viel heilenden Impulsen und einem vollen Herzen wieder nachhause. Falls Ihr Euch angesprochen fühlt – wir freuen uns sehr! Es gibt noch ein paar Plätze. Die meisten Plätze sind schon vergeben. Die TeilnehmerInnen-Zahl ist auf 30 beschränkt.
Näheres dazu unter: sabrinafox.com/termine/

Im nächsten Newsletter gibt es einiges zur Akademie zu erzählen.
Von Herzen,
Sabrina

Jemand schrieb mir eine Email und schickte mir einen Link von einem spirituellen Lehrer. Als ich auf den link klickte, las ich, dass dieser (in der dritten Person) von sich auf seiner Website schreibt, sein ICH ausgelöscht zu haben und nur noch aus purer Liebe und klarem Bewusstsein zu bestehen. Als ich dem Emailschreiber zurückschrieb, dass ich an das „Ich-Auflösen“ nicht glaube, wurde mir geantwortet, dass dies ja „zweitranging“ sei.

Für mich ist es nicht zweitranging. Was eine Person von sich sagt und wie sich diese Person öffentlich mitteilt, ist ein wichtiger Aspekt dieser Person und das zieht Fragen nach sich:

  • Glaube ich, was sie von sich behauptet oder nicht?
  • Halte ich es für möglich, oder nicht?
  • Erscheint es mir als wahr, oder nicht?

Und – wohl die wichigste Frage – was will mir dieser Lehrer damit sagen? Etwas wie: „Ich bin reine Liebe und klares Bewusstsein und deshalb …

a. bin ich weise

b. bist Du gut bei mir aufgehoben.

c. weiß ich alles (besser).

d. bin ich ohne Fehl und Tadel.

e. bin ich erleuchtet.

f. kannst du mir vertrauen.

g. bin ich auf jeden Fall weiter als Du.“

Was sind die Schlüsse die ich daraus ziehen soll? Warum wird das erwähnt?

Ich habe noch nie jemanden getroffen, von dem ich gespürt habe, dass er/sie sein „ICH“ erlöscht bzw. aufgelöst hat. Niemand meiner Freunde und Weggefährtinnen hat jemals jemanden getroffen, von dem sie glaubten, dass deren „ICH“ aufgelöst wurde. Und doch gibt es einige, die das von sich sagen. Meistens wird das in der dritten Person beschrieben. Was ja logisch ist, denn wenn es das „ICH“ nicht mehr gibt, braucht es das wohl.

Es gibt drei Möglichkeiten, warum jemand das von sich sagt. Einmal mag es tatsächlich eine Art von „Erwachen“ gegeben haben und der/ diejenige nimmt dann an, dass ist das endgültige Erwachen. Allerdings gibt es im Erwachen immer weitere Erwachungstiefen. Man stößt also mit dem Kopf an der Decke an und wenn diese Decke durchbrochen ist, glaubt man für eine Weile man ist „jetzt durch“. Nur um dann nach einiger Zeit festzustellen, dass es doch weiter oben noch eine weitere Decke gibt. Hat man nun mitgeteilt, dass man erwacht ist, müsste man jetzt eigentlich sagen: „Sorry Leute, Kommando zurück. Ich dachte, ich bin erwacht, ich dachte mein „Ich“ wäre aufgelöst, aber ich merke, da geht es noch weiter.“

Und die zweite Möglichkeit ist, dass jemand lügt. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Man möchte ein spiritueller Lehrer, eine spirituelle Lehrerin sein. Man braucht Leute, die einen Bewundern. Man wünscht sich Aufmerksamkeit. Das Ego/ICH ist allerdings in diesen Fällen sehr stark ausgeprägt und genau das Gegenteil von dem, was behauptet wird.

Die dritte: Mann/Frau ist egozentrisch/narzisstisch oder sitzt einer Illusion über sich selbst und dem eigenen Zustand auf.

Jeder von uns ist eine unendliche Seele, die sich hier einen menschlichen Körper und eine Persönlichkeit erschaffen hat. Ich glaube, dass es beides braucht. Denn wenn „ICH“ nicht mehr existiert, dann bin ich gestorben. Ich brauche das „ICH“ wie ich meinen Körper brauche. Ohne beides kann ich das Leben nicht erleben. Natürlich kann das ICH reduziert werden. Wie viel reduziert, weiß ich nicht. Ich reduziere meines. Ob ein Ende in Sicht ist, kann ich nicht sagen …lach. Es ist auf jeden Fall weniger als früher.

Der Sinn des Lebens ist es, die Erfahrungen, die wir erleben, durch die Augen der Seele zu betrachten und eben nicht durch die Augen der Persönlichkeit. Das ist ja das spannende daran: Ein „ICH“ zu haben und trotzdem zu wissen, dass dieses ICH nur temporär ist.

Ohne „ICH“ auf Erden zu sein, ist wie ohne Körper Essen zu wollen. Das eine bedingt das andere. Um zu wachsen, brauche ich ein ICH, genauso wie ich zum körperlichen Wachstum einen Körper brauche. Es ist nicht unbedingt das Ziel, das ICH zu verlieren. Im schlimmsten Fall ist das ein Krankheitsbild. Sondern es ist das Ziel mit dem ICH die Weite unserer unendlichen Seele zu begreifen und das ICH/Ego/Persönlichkeit von der Kapitänsrolle in die zweite Reihe zu verfrachten.

Ich kann mein Leben durch die Augen meiner Seele oder durch die Augen meiner Persönlichkeit sehen. Was ist der Unterschied? Wenn ich mein Leben durch die Augen meiner Seele betrachte, dann weiß ich, dass ich eine unendliche Seele bin und hier nur zeitweilig eine menschliche Erfahrung mache. Ich weiß, dass alles, was mir passiert ich erschaffen habe und auf jeden Fall etwas damit zu tun habe. Ich weiß, dass meine Seele mir auf meinem Lebensweg immer wieder Situationen schickt, die mich an Erfahrung reifen lassen. Und ich weiß, dass ich dieses ICH (Ich = Sabrina) am Ende dieses Lebens mit meinen Körper ablege – aber als Seele weiter existiere, also „für immer“ bin.

Sehe ich das Leben durch die Augen meiner Persönlichkeit, empfinde ich mich nur als Sabrina, als ICH. Mir passieren Dinge zufällig und die Anderen sind an vielem Schuld. Das bedeutet, ich empfinde das Leben in weiten Teilen als ungerecht, ohne jeden Sinn und ohne ein Wissen für ein tieferes, weiteres Sein. Weiterhin gilt: Wenn ich das Leben durch die Augen meiner Persönlichkeit sehe, dann suche ich im Außen Bestätigung. Sehe ich durch die Augen meiner Seele, dann finde ich das im Innen.

Das ICH/Ego/Persönlichkeit hat häufig einen schlechten Ruf. Fast wie ein unangenehmer Körpergeruch, den man loswerden möchte. Ich mag mein Ich/meine Persönlichkeit/mein Ego. Genauso wie ich meinen Verstand und meine Gefühle schätze. Diese Anteile von mir sind wundervolle Werkzeuge. Sie unterstützen mich auf meinem Weg und ich bin dankbar dafür, dass ich sie habe.

Ich will sie nicht loswerden. Ich möchte nur nicht von ihnen geführt werden. Das führen übernimmt meine Seele. Das macht für mich den Unterschied aus. Und: Ich habe keine Seele. Meine Seele hat mich.

Trotz allem glaube ich, dass es außergewöhnliche Wesen gibt, die sich von ihrem ICH gelöst haben – ohne dass sie ihren Körper verlassen haben. Ich glaube allerdings auch, dass dies sehr selten zutrifft. Diese Wesen zeigen damit eine andere Möglichkeit auf. Sie zeigen uns damit jetzt schon, wie es sein wird, wenn wir diesen Körper, dieses Leben verlassen. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Wesen von sich selbst behaupten würden ohne ICH zu sein – denn die Aussage selbst wäre ihnen völlig unwichtig. Sie SIND einfach. Für alle anderen gilt meiner Meinung nach: Wenn wir glauben, das ICH aufgelöst zu haben, haben wir es noch …

 

 

Am Ende dieses Blogs habe ich mir die Frage gestellt, warum ich eigentlich darüber schreibe. So ein Blog entwickelt sich. Er wird nicht einfach „heruntergeschrieben“. Das braucht ein paar Tage. Es gibt die ersten Absätze. Ein nehrmaliges Lesen. Ein Verändern. Ein Hinzufügen. Je länger ich daran geschrieben habe, desto weniger stark war der Wunsch es zu veröffentlichen. Fast, als hätte der erste Impuls sich gelöst.

Was war mein erster und mein letzter Impuls?

Mein erster Impuls ist oft, dass mir bei solchen Aussagen („Das ICH wurde ausgelöscht und reines Bewusstsein und pure Liebe bleiben bestehen“), die Haare zu Berge stehen. Es entsteht in mir eine Art Aufruhr. Ziemlich sicher deswegen, weil ich dieses „Heiligenbild“ für unglaubwürdig halte. Daraus entsteht der zweite Impuls, der des Schreibens.

Schreiben klärt. Schreiben löst. Schreiben ist eine wunderbare Möglichkeit seine Gedanken aufs Papier zu bringen und dadurch zu ordnen.

Wird diesem Impuls gefolgt … verändert sich etwas. Es beginnt damit, dass etwas in mir dafür sorgt, dass ein Finger immer knapp über der „Lösch-Taste“ schwebt. Schreiben, Nachdenken, Abwägen – was stürmisch begann wird stiller. Man könnte es mit dem Weg vom Ego/Persönlichkeit zur Seele vergleichen. Meine Persönlichkeit wollte und will darüber schreiben. Daher kommen die ersten Impulse. Meine Seele hingegen ist ganz entspannt: „Leute erzählen Geschichten über sich. Das ist nur eine Geschichte, die jemand über sich selbst erzählt… “

 

Ja, ich weiß und dann schmunzeln wir gemeinsam darüber: Meine Seele und meine Persönlichkeit.

 

So schwebt auch jetzt der Finger über der Löschtaste. Ist der Blog lesenswert? Interessant? Unwichtig?

Ich weiß es nicht. Vielleicht für den einen oder anderen. Vielleicht aber auch gar nicht. Und dann spüre ich in mich, warte … und dann zieht es meinen Finger weg von der Löschtaste und ich drücke auf Veröffentlichen.

 

 

 

 

 

Im März des gerade vergangenes Jahres schrieb ich einen Blog zum Thema: Wenn die Seele durch den Körper spricht. Der Inhalt kurz zusammengefasst: Wir waren damals auf der Suche nach einem neuen Zuhause – es gab Eigenbedarf – und wir suchten nach Bauernhäusern und Vierkanthöfen. Ich beschrieb, wie mein Körper bei Häusern reagierte, die nicht für mich passen: Er schickte mich in die Erschöpfung. Ich wurde – kaum hatte ich das besichtigte Haus verlassen – sofort extrem müde und musste mich hinlegen. Mehr als einmal hielt ich den Wagen an und wechselte auf die Beifahrerseite, um unter den anfangs besorgten Augen meines Liebsten sofort in einen erschöpfenden Tiefschlaf zu fallen.

Wir hatten ein Jahr Zeit – also bis Ende Februar 2018 – um etwas Neues zu finden. Oft wünschen wir uns allerdings eine schnelle, eine „sofortige“ Lösung. Wir Menschen haben es gerne aufgeräumt.

Aber es braucht Zeit.

Die richtige Zeit.

Es wurde Sommer und wir fanden nichts. Manchmal wurde ich schon müde, wenn ich nur ins Auto einstieg, um ein neues Objekt anzuschauen und ich wusste, den Weg kann ich mir eigentlich sparen. Ich machte es trotzdem. Einmal meinem Liebsten zu Liebe, der das Gefühl brauchte, dass wir etwas aktiv unternahmen und wir erfuhren auch jedes Mal etwas Interessantes: Manchmal die Gewissheit, dass die Gegend garantiert nichts für mich, nichts für uns ist. Manchmal eine Klärung für das, was man unbedingt braucht. Manchmal war es einfach ein schöner Ausflug in unser bayerisches Hinterland. Manchmal traf man nette Leute, mit denen man sich austauschen konnte.

Doch nie gab es in mir das Gefühl: „Ja, da gehöre ich hin.“ Meinem Liebsten passierte es öfter. Es gab zwei, drei Häuser, die er sich gut hätte vorstellen können und mein Kopfschütteln war auch immer mit einer Besorgnis über eine weitere Enttäuschung für ihn verbunden. Er nahm es gelassen. Diese gemeinsamen Entscheidungen haben ihre eigenen Qualitäten. Was brauche ich? Was brauchst Du? Was brauchen wir gemeinsam? Immer auch verbunden mit dem Impuls sich selbst treu zu bleiben und die tiefe Gewissheit, dass wir im Umland von München etwas finden werden, was für uns beide passt. Dabei natürlich auch immer ein tiefes beiderseitiges Verständnis, wenn es ein Haus gab, dass ich mir so gar nicht, er sich aber so gut vorstellen konnte.

Gleichzeitig wurde mir klar, dass es die Mischung ist, die ich brauche. Einen Teil meiner Zeit auf dem Land und einen Teil meiner Zeit in meiner Heimatstadt München zu verbringen. Die Stadtwohnung zeigte sich schnell – in sich ein kleines Wunder …

Es wurde Herbst und wir suchten immer noch etwas Gemeinsames auf dem Land. Ich hatte schon von Anfang an das Gefühl, dass es Oktober, November wird und der Oktober ging vorbei, ohne dass sich etwas auftat. Allerdings „sah“ ich in einer Meditation das neue Zuhause: Es war weiß. Und zweistöckig.

Ende November machten wir uns auf den Weg zu einem Haus im Umkreis vom Chiemsee. In dem gleichen Ort ist das Seminarhaus Jonathan. Ein Seminarhaus gleich um die Ecke? Das klang spannend. Das Haus war weiß – allerdings mit dunklem Holz oben verkleidet („Gilt das?“, fragte ich mich) und es war etwas zu klein für uns – Stanko braucht ein Atelier zum Malen – doch wir waren bereit die Garage dafür umzubauen. Es könnte passen. Preislich etwas unter unserem Budget, was ja auch sehr angenehm ist. Weiter Blick nach vorne. Nachbarn nach hinten. So wie ich es auf meiner Wunschliste hatte. Die Wegstrecke nach München war über 90 Minuten und auf dem ersten Rückweg hörte ich meine innere Stimme laut und deutlich sagen: „Das wird dir zügig auf die Nerven gehen.“

Wir sprachen darüber, ob wir es nehmen sollen und entschieden uns dafür. Die Nähe des Chiemsees war verlockend. Pro und Contra fanden ihren Platz. Und ich begann zu verhandeln – um eine Auszugszeit im Februar, statt im Juli; um Dinge die noch gemacht werden müssen – und merkte, dass ein Teil von mir sich wunderte, was ich hier mache. Nur welcher Teil wunderte sich? War es meine Seele, die sich wunderte warum meine Persönlichkeit da verhandelt oder war es meine Seele, die verhandelt und meine Persönlichkeit sich wunderte was wir hier machen?

Ich beobachtete mich genauer. Schaute mal wieder nach, was mein Körper mir für Zeichen gab und es war ganz klar zu erkennen: Mein Herz war schwer.

Das war nicht gut.

Ich bekam einen Anruf von der Maklerin und sie sagte mir, dass ich morgen Bescheid kriegen würde, aber „zu 98% klappt das schon“. Ich legte auf und beobachtete meinen Körper. Der ganze Oberkörper fühlte sich dicht und schwer an. Mein Liebster und ich meditierten gemeinsam und beide erspürten wir keine Erleichterung. Ich rief die Maklerin an und sagte das Haus mit den Worten ab: „Mein Herz ist zu schwer.“

Bei solchen Sachen ist es immer wieder spannend zu beobachten, was denn die Persönlichkeit/das Ego dazu sagt. Das Ego will umziehen. Das Ego will es erledigt haben. Das Ego hätte schon 20 Häuser vorher zu einem einigermaßen passenden „Ja“ gesagt.

Doch die Seele wartet. Die Seele wartet, weil die „richtige Zeit“ noch nicht gekommen ist. Die Seele weiß, dass die richtige Zeit kommt. Die Persönlichkeit/das Ego allerdings will fertig werden. Es ist die Herausforderung doch nicht voreilig ja zu sagen. Trotzdem zu warten. Auch wenn es eng wird. Da trennt sich das Wissen von der vagen Hoffnung …

Je mehr wir uns umschauten, desto näher wurde uns die Gegend, in der wir schon wohnten. Wir hatten neue Freundschaften entwickelt, die wir gerne behalten wollten. Der Gedanke keimte häufiger und häufiger auf, in der Nähe zu bleiben und der große Kreis, den wir am Anfang gezogen und in dem wir gesucht hatten, wurde sehr viel kleiner.

Ich merkte auch, wie entspannt ich weiterhin blieb. Knapp drei Monate zu unserem Auszug? Das Hauskaufen ist da noch gut zu schaffen. Ich rief meine Umzugsfirma an, um schon mal einen Termin für den Auszug zu bestimmen: 28. Februar. „Wohin geht es?“ fragte er mich. „Ich weiß es nicht,“ lachte ich, „aber auf jeden Fall raus.“  Ich rief die Besitzer unseres jetzigen Zuhauses an und bestätigte ihnen, dass wir auf jeden Fall Ende Februar draußen sind. Auch sie hofften mit uns. Jemand meinte, wir könnten doch bestimmt noch länger drin bleiben, wenn wir eben bis Ende Februar noch nichts gefunden haben. Das kam für uns nicht in Frage. Wir ziehen aus. Wir haben lange genug Zeit bekommen.

Ich fing an Schränke und Schubladen von unwichtigem zu trennen und sortierte aus. Ich war ja erst 1 1/2 Jahre vorher aufgrund einer extrem hohen Mieterhöhung aus meiner großen Wohnung in München zu Stanko aufs Land gezogen und war doch erstaunt, was sich da wieder zum loslassen anbot. Ich beschloss zwei Sofas zum aufpolstern zu geben, verschenkte und verkaufte ein paar Dinge. Ich bat Stanko ebenfalls „Umzugsbewegung“ in unser Leben zu bringen. Auch er fing an wegzugeben, aufzuräumen, auszusortieren. Damit öffneten wir unsere Energien Richtung Umzug, Richtung neues Zuhause.

Ich bewegte mich, als wenn ich wüsste, wohin wir ziehen. Im Außen hatte sich noch nichts gezeigt, aber im Inneren war ich mir sicher. Die besorgten Fragen unserer Freude beruhigte ich: „Das Haus kommt, da bin ich mir sicher. Und das Haus ist weiß. Das habe ich in einer Meditation gesehen.“ Und eine weitere Information tat sich auf: „Es kommt in zwei Wochen.“

Dann sahen wir ein Exposé von einem weißen Haus. 10% über unserem Budget. Aber machbar. Wir konnten es noch nicht besichtigen, denn die Person mit dem Schlüssel war noch zwei Wochen verreist. Wir fuhren trotzdem hin. Schauten uns im Außen um und merkten, das könnte es sein. Ich fing an meine Bank zu informieren, die Unterlagen dazu waren schon seit März dort. Rief meinen Notar an, und sagte ihm, dass ich wahrscheinlich noch in diesem Jahr einen Termin bräuchte. Ich verkaufte ein Investment, das ich schon vorbereitet hatte. Ich bekam weiterhin automatisch Angebote von Immoscout und Immowelt, die ich bis dato aufmerksam studierte, aber jetzt löschte ich sie fast immer ungesehen.

Als wir es besichtigen konnten, war es klar: Das Haus war unser Haus. Ab dann bewegte sich alles zügig. Einiges musste besprochen und verhandelt werden. Die Besitzer sehr sympathisch. Zwei Tage vor dem Notartermin hörte ich in einer Meditation die Bonanza-Titel-Musik: „Dam dada damm dada damm BONANZA!!!“ – und ich wusste, dass trotz aller letzten Aufregungen zum Trotz wir in dem letzten Galopp waren.

Am Tag nach dem Notartermin holte ich einen Leitzordner hervor, in dem ich in den letzten vier Jahren Ausschnitte unter dem Motto: „Haus auf dem Land“ gesammelt hatte. Immer mal wieder habe ich aus Magazinen Seiten von Treppen, Bädern, Farben, Einrichtungen und natürlich auch von Häusern herausgerissen, die mir gefielen. Ich breitete alles auf dem Küchentisch aus und dann fischte ich die Fotos von den Häusern heraus. Als sie da so vor uns lagen und wir beide darauf schauten, lachte ich laut auf.

Mein Liebster meinte trocken: „Willst du mir sagen, dass wir 35 Bauernhäuser umsonst angeschaut haben?“

Häuser-mit-großen-Fenstern

Ich nickte. Vor uns auf dem Tisch lagen nur moderne Häuser mit großen, bodenhohen Fenstern. Alle hell. Alle irgendwie gleich und alle so ähnlich wie das Haus , dass wir gerade gekauft hatten. Kein einziges Bauernhaus weit und breit. Sofort erinnerte ich mich an den Rat meines Lehrers Solano, der mir vor Jahren sagte: „Sammle, was Dir an Häusern gefällt und nach einer Weile wirst deine Sammlung dich darüber informieren, was du im Tiefsten deines Herzens möchtest.“

Mein Kopf wollte ein altes gemütliches Bauernhaus.

Mein Herz wollte bodentiefe Fenster, viel Licht und Weite.

Aber alles in mir wusste: Das richtige Haus kommt. Intuition ist Wissen. Je mehr wir unserem Seelenweg vertrauen, desto klarer wird er für uns. Früher wäre mir das nicht möglich gewesen. Ich wäre emotional tagtäglich durchgeschleudert worden. Ich hätte mir Sorgen gemacht, imaginäre Probleme gewälzt, mich in möglichen Szenarien verloren, schlaflose Nächte gehabt.

Es ist wahr, ein waches Leben macht das Leben einfacher. Das zu erleben öffnet das Herz für eine große Dankbarkeit.

 

 

Ihr Lieben,

das wäre eine Frage, von der ich mir wünsche, dass sie viel öfter gestellt wird. Wann und warum? Hier vielleicht: Einer dieser angeblichen weisen, spirituellen Lehrer zeigt mal wieder sein Interesse an einer attraktiven Frau. Tief in ihr meldet sich ihre Intuition, denn sie ist zum Lernen und nicht zum Flirten gekommen. Aber da gibt es auch die Freude über die Beachtung und dass sie von so einem großen Meister, so einem bekannten/berühmten Lehrer überhaupt wahrgenommen wird. Sie wird überschüttet von Aufmerksamkeiten, Nähe und Bevorzugung. Andere Schüler/Schülerinnen müssen zurückbleiben, während sie mühelos im „inneren Kreis“, im inneren Circle in der Nähe des Meisters sein darf. Ab und zu zieht er sich strategisch zurück, um Ihre Sehnsucht nach mehr zu wecken und ihre Sorge zu vergrößern, dass sie doch nicht wichtig sei (während er höchstwahrscheinlich mit einer anderen beschäftigt ist). Dann meldet er sich wieder und ihr wird gesagt, dass er sie vermisst hätte, sie etwas ganz Besonderes sei; dass er auf sie gewartet habe und dass es so wichtig wäre, sie an seiner Seite zu wissen, bei der großen Aufgabe, die noch auf ihn wartet. Er würde sie durch besondere Methoden zur Erleuchtung führen und nein, dass sei kein Sex, sondern etwas Heiliges, das nur er als Meister beherrscht.

Doch dann hält diese Frau inne, erspürt ihre Intuition, bemerkt ein Zögern in ihr und betrachtet die Situation von Außen und erkennt folgendes: Ein Mensch in einer stärkeren Position versucht sie benutzen, weil sie sich gerade in einer schwächeren, schutzloseren Position befindet. Er braucht Bewunderung und sie gibt sie ihm. Sie braucht Aufmerksamkeit und er gibt sie ihr. Sie ahnt plötzlich, dass sie weder die Erste noch die Einzige ist, die das volle Aufmerksamkeitsprogramm bekommt. Das wäre jetzt der passende Moment für die Frage:

„Wie viele Deiner Teilnehmerinnen, Deiner Schülerinnen hast Du schon verführt?“

Vielleicht überrascht ihn die Frage? Vielleicht wacht er auf? Vielleicht erkennt er, dass er narzisstische Tendenzen in sich trägt und den Ehrenkodex von Lehrern/Therapeuten/Ärzten vergessen oder nie ernst genommen hat? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht droht er ihr aber auch. Sagt, dass sie eben spirituell noch nicht annähernd so weit sei, wie er gedacht habe. Und das sie das noch bereuen wird, denn er hat andere Mittel und Wege…

Doch die Frau erkennt auf jeden Fall, dass dies nicht die große Liebe, nicht der Seelenverwandte und schon gar nicht der Lehrer ist, den sie gerade sucht.

Süddeutsche Zeitung am 11. August: Ein großer Bericht über einen spirituellen buddhistischen Lehrer, Sogyal Lakar, der den Weltbestseller „Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben“ geschrieben hat. Acht langjährige SchülerInnen haben einen offenen Brief mit schwerwiegenden Anschuldigungen geschrieben. Der Vorwurf: Gewalt. Sexueller Missbrauch. Exzessiver Lebensstil. In der SZ war zu lesen: „Hinter den vergoldeten Kulissen dieses sehr erfolgreichen Betriebs sieht es anders aus. Mitarbeiter bezeugen, sie seien von ihrem Chef blutig geprügelt worden, junge Frauen berichten, sie seien unter dem Vorwand, es würde ihrer schnelleren Erleuchtung dienen, zu sexuellen Dienstleistungen gedrängt worden. Außerdem habe es den Zwang gegeben, mit allen Mitteln Spenden einzutreiben.“ Über den Link oben könnt Ihr den ganzen Brief lesen.

Die Hingabe zum Guru ist (war?) nicht nur im Buddhismus gewollt. In der katholischen Kirche ist der Papst der Vertreter Gottes und es war ein Akt von Gotteslästerung Entscheidungen von ihm in Frage zu stellen. Seit Jahren erschüttern uns Informationen über den sexuellen Mißbrauch der Kirchenvertreter – und deren konsequente Verheimlichung.

Der Dalai Lama hat in einem Interview (link) folgendes gesagt: „Die Institution des Gurus sei von einem feudalen System beeinflusst worden, das überholt ist und beendet werden muss“. Danach sagte er: „Du sollst nicht sagen „Was mein Guru sagt, das muss ich machen. Das ist komplett falsch! Buddha sagt: Was ich lehre, muss von Dir (SchülerIn) überprüft werden. Egal wer etwas sagt: Du musst es überprüfen!“

Dem kann ich mich nur anschließen.

In früheren Zeiten gab es den Unterschied zwischen Wissenden und Unwissenden. Der Adel konnte lesen und war frei. Alle anderen waren es nicht. Ein Priester wusste um Gott, alle anderen waren Unwissende. Das indische Kastensystem – das selbst Gandhi nie in Frage stellte – zeigt noch heute von den starren damaligen Hierarchien.

Immer wieder höre und lese ich von spirituellen Lehrern/Gurus/Therapeuten/Priestern, die ihren Schwanz nicht unter Kontrolle halten können. Entschuldigt das Wort. Aber hier geht es nicht um achtsame Sexualität, um Zärtlichkeit, um Nähe – von Liebe oder angeblicher Hilfe zur Erleuchtung ganz zu schweigen. Hier geht es um Gier, um arrogante Lust und um ein Machtgefühl von „schau mal wen ich alles kriege!“. Narzissten verführen und benutzen Frauen, um sie dann auszutauschen. Und dafür ist Schwanz das richtige Wort. Er wedelt ohne Sinn und Verstand und auf jeden Fall ohne jede Fürsorge und Respekt. (Und damit tue ich jedem Tier unrecht – denn die wedeln aus purer Freude.) Außerdem gibt es wohl einige sexuelle Praktiken, in der von „zölibatär“ gesprochen wird, wenn der Mann nicht ejakuliert. Da würde ich ja etwas ganz anderes darunter verstehen.

Doch warum fallen Frauen darauf rein?

Die meisten sind in einer Krise und suchen Unterstützung. Da gibt es ein Buch, ein Video, eine Meditation, eine Gruppe, die sie berührt. Da ist die Gemeinschaft, die einen warmherzig aufnimmt, die versteht und bei der man sich endlich angekommen fühlt. Da ist der Lehrer, der öffentlich geachtet wird, der eine große Anhängerschaft hat, der doch immer so nett, so mitfühlend, so weise und so sympathisch rüber kommt.

So viele Leute können sich doch nicht irren, oder?

Doch.

So entstehen ungesunde Kults. Da gibt es ein Außenbild und ein Innenbild. Und die passen nicht immer zusammen. Von konstanter Bewunderung nicht beeinträchtigt zu werden, ist eine Herausforderung für jeden Lehrer und jede Lehrerin.

Es gibt auch einen Kult der Ärzte

Ärzte und Psychologen, die in Workshops und Therapiesitzungen MDMA (Ecstasy) und LSD zur „Erleuchtung“ und „Bewusstseinserweiterung“ benutzen. Sabine Bundschu, eine begnadete Musikerin, die ich vor zwei Jahren kennenlernte, erzählte mir von ihren Erfahrungen als Aussteigerin um den Schweizer Psychiater Dr. Samuel Widmer, der hunderte von „Psycholyse Therapeuten“ ausgebildet hat. Dabei werden diese Drogen umbenannt, sie heißen jetzt einfach nur „Sakramente“. Ein Trip heißt „Meditation“. Psycholyse – Klingt ja auch sehr offiziell und wichtig. Kein Wunder, dass man sich beruhigter so jemanden anvertraut. Er ist ja schließlich Arzt und muss es wissen…

Die Teilnehmer müssen übrigens vorher schwören, dass sie das Geheimnis ihrer Bewusstseinserweiterung bewahren (auch vor der Polizei) – und wenn nicht, „wird ihnen etwas Schreckliches passieren“. Auch so passiert nichts Gutes. Alles was künstlich nach oben kommt, muss wieder runter. Und um den Aufprall abzufedern, wird gleich wieder etwas an Drogen nachgelegt. So beginnt eine Spirale, die nicht zur Erleuchtung, aber zur Abhängigkeit führt. Und das ist nicht nur eine Drogenabhängigkeit, sondern auch in eine Abhängigkeit von der Gemeinschaft und vom Guru.

„Ich war lange Jahre Teil der „Psycholyse Bewegung“ um den Psychiater Dr. Samuel Widmer, der übrigens in diesem Jahr an den Folgen seiner eigenen Therapie verstorbenen ist,“ erzählt Sabine Bundschu. „Er versammelte besonders viele Ärzte und Akademiker um sich. Sein Lehrer  Manuel Schoch ist direkt auf einer Drogensitzung verstorben („ins Licht gegangen“). Widmer hielt sich für die Verkörperung der Liebe auf Erden. Und wenn zu dem Charisma des narzisstisch gestörten Gurus auch noch Drogen wie MDMA, LSD, Psillocybin, 2CB etc. dazukommen, verfällt man dem besonders leicht.“

Sabine leitet selbst Seminare und auf einem Taketina-Seminar durfte ich sie kennenlernen. Da wir kurz vorher beide für einen Fernsehsender zum Thema „Falsche Heiler“ interviewt wurden, erkannten wir uns wieder. Sie erzählte mir von ihrem Schlaganfall im Drogenrausch und wie sie die anderen Teilnehmer 55 Stunden liegen ließen, weil sie glaubten „das Böse müsse raus“.

In den „Ausbildungs“-Gruppen lernt man, dass jedes körperliche Symptom Ausdruck einer psychischen Störung ist.

Damit wird jede natürliche Abwehr des Körpers als krankhaft und minderwertig dargestellt und wenn man das glaubt, ist man natürlich enorm manipulierbar. Wenn sich Leute im Drogenrausch übergaben, Krämpfe bekamen, dann war „die psychische Störung“ der Grund – und man ließ die Leute einfach liegen. Es kann natürlich auch noch einen zusätzlichen Grund geben: Bloß nicht ins Krankenhaus, sonst kommt das hier alles raus. Als Sabine aber nach über zwei Tagen immer noch nicht „normal“ war und dann endlich ins Krankenhaus kam, hielt sie sich noch in der Intensivstation an ihren Eid und verheimlichte, welche Drogen sie gerade zu sich genommen hatte. Die Ärzte, die sie dort behandelten, wussten nicht um die Vorgeschichte. Ein enorm großes Risiko für die weitere Behandlung.

Sabine erzählt: „Wie immer bei Kult/sektenartigen Vereinen geht es weniger um den Inhalt, der ist eigentlich austauschbar. Die Prinzipien des Verlaufs sind immer gleich: Es wird die Sehnsucht nach Nähe, Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Besonderheit bedient. Die kognitiven Dissonanzen lernt man mit der Zeit auszugleichen und umzudeuten (wie in einer ungesunden Beziehung). Wenn etwas Gutes passiert, ist die „Lehre“ oder der Vertreter derselben verantwortlich, wenn etwas schief geht, ist man „selber schuld“. Man wird in den Sog eines empathielosen, psychopathischen Narzissten hereingezogen und hält sich selbst für nicht gut genug. Du kennst ja die Geschichte vom Frosch: Wirft man ihn in kochendes Wasser, springt er sofort heraus. Wenn er aber in kaltem Wasser auf kleiner Flamme erhitzt wird, merkt er es nicht und stirbt.“

Sie ist noch rechtzeitig rausgesprungen und möchte auf ihrer website https://www.kultaussteiger.de/ vor diesen Gruppen warnen und andere dabei unterstützen ebenfalls rauszuspringen, die Scham zu überwinden und darüber zu sprechen.

Suchende geben manchmal kurzfristig (oder auch langfristig) ihre Verantwortung ab. Sie sind vielleicht zu diesem Zeitpunkt zu schwach, zu erschöpft, zu müde um zu kämpfen. Sie wollen sich in Arme sinken lassen, die verständnisvoll sind. Und ja, das sind sie auch. Aber eben nicht nur.

Von umarmen bis streicheln und dann verletzen ist manchmal kein weiter Weg …

Wenn man sich vorher verloren und verlassen gefühlt hat, sich aus ganzem Herzen spirituelles Wachstum und Frieden wünscht, dann möchte man auf jeden Fall an dieser gerade erlebten Zugehörigkeit festhalten. Wo soll man denn sonst hin? Die Freunde und die Familie hat man längst verlassen (müssen) und man hat manchmal Jahre in dieser Gemeinschaft verbracht. Man kennt außerhalb dieser Gemeinschaft kein Leben mehr. Jemand der schlägt, ist gleichzeitig auch der einzige der Zuwendung gibt und manchmal eben auch Nahrung und ein Zuhause. Das ist übrigens ein ähnlicher Weg wie Frauen zur Prostitution gezwungen werden.

Ja, manchmal ist es ist auch verlockend, die eigene Verantwortung abzugeben. Sich in einem sicheren Hafen zu wähnen. Manche sehnen sich zurück nach „perfekten“ Eltern. Sehnen sich nach Führung. Nach jemanden, der ihnen sagt, was sie tun und was sie machen sollen und so geben sie erleichtert und bereitwillig ihre eigene Stärke und ihre eigene Macht ab.

Warum? Oft sind es Kindheitsdramen, die da wirken. Befürchtungen, nicht gut genug zu sein. Erschöpft zu sein von den hunderten von Entscheidungen und gelähmt von der Angst „etwas falsch zu machen“. Manchmal ist der Grund der innigste Wunsch, die Welt „retten“ zu wollen und sich einer Gemeinschaft anzuschließen, bei der man sich endlich, endlich zugehörig fühlen kann und bei der man sich auch besonders fühlen kann.

Wenn man dann länger in dieser Gemeinschaft ist und Dinge beobachtet, die doch so gar nicht erleuchtet, entwickelt oder anständig sind, werden darüber alle Augen entsetzt zugemacht, die eigene Intuition abgewürgt und verzweifelt gehofft, dass sich doch alles irgendwie  zum Guten wendet. Man „begreift“ eben das System nicht, glaubt nicht genug, ist noch nicht weise genug. Und wenn man das über Jahre beobachtet, kommt diese fatale Erkenntnis hinzu, dass man doch jetzt nicht aufhören kann, denn sonst hätte man so viel Zeit seines Lebens einer Bewegung gewidmet, die es nicht wert war…

Der Wunsch nach Zugehörigkeit ist es schwieriges Terrain. In erster Linie geht es um die eigene Zugehörigkeit. Bin ich in der Lage alleine mit mir glücklich zu sein? Erst wenn ich das bin, bin ich ein/e wunderbarer TeilnehmerIn für eine Gemeinschaft. Denn ich erfreue mich an der Gemeinschaft, aber ich brauche (!) sie nicht. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch – natürlich braucht jeder von uns andere Menschen. Wir würden eingehen, wenn wir unser ganzes Leben ohne menschliche Nähe verbringen müssten. Aber wenn wir uns einer Gemeinschaft anschließen, weil wir uns nicht trauen alleine Entscheidungen zu treffen, alleine zu leben, alleine mit uns selbst zu sein, dann fehlt ein entscheidender Schritt in unserem Wachstum: Nämlich die Bereitschaft Verantwortung für unser eigenes Leben zu übernehmen und die Erkenntnis unseres Selbstwertes. Und natürlich darf eines nicht unterschätzt werden: Oft wendet sich jemand an einen spirituellen Lehrer oder eine spirituelle Lehrerin in Zeiten größter innerer Schmerzen und erwartet, erhofft ehrenhafte Unterstützung. Diesen Moment der Schwäche auszunützen ist erschütternd.

Als ich den Artikel in der Süddeutschen Zeitung las und dann anschließend den Original-Brief im Internet fand (siehe link oben), fiel mir am Schluss neben den Namen eine Zahl auf: Schüler seit 19 Jahren, Schüler seit 33 Jahren, Schüler seit 23 Jahren.

Ich glaube, dass man einen Meister nicht an der Zahl seiner Schüler, sondern an den Meistern erkennt, die daraus hervorkommen. Warum will jemand überhaupt Schüler haben, die 33 Jahre über den Status nicht herauskommen? Ein Lehrer schickt seine Schüler nach einer Weile weg. Wie ein Vogel aus dem Nest fliegt, so muss auch ein Schüler seinen eigenen Flug entdecken. Immer beim Lehrer zu bleiben, zwingt ihn in die Schüler-Position. Warum würde man das als Lehrer, als Lehrerin wollen?

Ich schätze meine Lehrer und meine Lehrerinnen. Die meisten, von denen ich lernte, waren wunderbar und sehr ehrenhaft. Manche allerdings waren es nicht. Ich hatte die eine oder andere LehrerIn, die eher manipulierten, als unterstützten, die ihre eigenen blinden Flecken nicht sahen, die der Bewunderung ihrer SchülerInnen nicht standhielten und sich selbst nicht mehr in Frage stellten. Und zugegeben, das ist nicht leicht. Auch in meiner Arbeit gab es immer wieder Momente, wo ich merkte, dass ich aufpassen muss. Dass es da eine bestimmte Bewunderung gab, die mit einer roten Warnflagge kommt: HALT! Da ich diese Herausforderung bei meinen ersten LehrerInnen beobachten konnte, versprach ich mir damals, genau aufzupassen. Deswegen habe ich mich über die letzten 25 Jahre immer mal wieder für lange Zeiten zurückgezogen, so dass ich dieser Gefahr, dieser Verführung, dieser Bewunderung nicht nachgebe.

Spirituelles Lehren ist wie jedes andere Lehren auch: Jemand, der Erfahrungen gemacht hat, möchte dies weitergeben. Im besten Fall an kluge SchülerInnen. Das ist kein Eltern-Kind Verhältnis. Das ist kein Meister-Idiot Verhältnis. Das lässt sich mit dem Verhältnis eines Handwerkers zu seinem Lehrling vergleichen: Der letztere hat das Talent, aber es fehlt ihm die Erfahrung. Der Meister hat die Erfahrung und weiß, dass der Lehrling nicht dümmer ist als er. Wie eine warmherzige und inspirierende Musiklehrerin, die in ihrer Schülerin die zukünftige Virtuosin sieht. Und sie möchte diesen Weg für sie leichter machen.

Das ist ehrenhaftes Lehren.

Alles andere ist Manipulation. Alles andere ist der Wunsch sich über jemand anderen zu stellen. Alles andere ist das Ergebnis von einem schwachen Selbstbewusstsein, dass mit der Bewunderung anderer aufgefüllt werden muss.

In meinem Buch „Die Sehnsucht unserer Seele“ schrieb ich im Vorwort:

„Es ist einfacher, sich einer der traditionellen Glaubensgemeinschaften anzuschließen. Feste Regeln. Eine Richtung. Viele, die schon mitmachen. Gesellschaftlich anerkannt. Und doch unterschätzen wir die männliche Autorität, die diesen Religionen vorsteht und die uns seit Jahrtausenden sagt, was wir zu glauben und wie wir zu leben haben. Gerade die weibliche Seite – immerhin die Hälfte der Weltbevölkerung – findet dort keinen gleichwertigen Platz. Viele sind in Kirchen, Synagogen, Moscheen und Tempeln, weil sie die Gemeinsamkeit schätzen, in vielem aber den Regeln und Vorgaben nicht zustimmen. Wir können erahnen, was es wirklich bedeuten würde, wenn alle Religionen ihre Macht und ihren Anspruch auf Unfehlbarkeit ablegen würden. Sind wir selbstständig genug, erwachsen genug, interessiert genug, um uns selbst zu fragen, was wir glauben? Es fordert mehr persönlichen Einsatz, wenn man sich seinen Glauben basierend auf seinem eigenen Weltbild, seinen eigenen Erfahrungen und seiner eigenen Intuition zusammenstellt. Was glaube ich? Was glaube ich nicht? Was macht für mich Sinn? Was kann ich wie integrieren? Was möchte ich weitergeben?“

 

Ein guter Lehrer hat keine Schüler die ertrinken, sondern die schwimmen lernen wollen. Ein guter Lehrer, eine gute Lehrerin führt nicht, sie begleitet.

Wir alle haben in uns die Möglichkeit zur Meisterschaft. Das ist nicht nur einigen von uns gegeben, sondern wir alle – wenn wir denn wollen – können uns entwickeln. Und ja, es ist wunderbar, wenn es dazu Unterstützung gibt. Nur geht es nicht darum, so viel Schüler wie möglich zu versammeln, um in deren Bewunderung zu baden. Jeder von uns ist Schüler und Meister zugleich. Es gibt Bereiche, in denen wir weiter sind als in anderen Zweigen. Und das schwingt gelegentlich erstaunlich kräftig hin und her. Manchmal können wir es selbst kaum glauben, dass ein Bereich sind wieder auftut von dem wir geglaubt haben, dass wir ihn schon lange hinter uns gelassen haben. Tja, so ist das mit dem Leben und seinen Überraschungen.

Alles was wir tun, sollte durch den Filter unserer eigenen Wahrnehmung, unserer eigenen Intuition laufen. Und wenn wir ein komisches Gefühl haben, ist es enorm praktisch und empfehlenswert stehen zu bleiben und erst mal nachzuschauen WARUM wir uns da gerade komisch fühlen. Abhängigkeit zu einer anderen Person ist nie eine gute Idee. Und ich sage hier mit Absicht „nie“, obwohl ich das Wort sehr selten benutze.

Wenn ich von solchen Manipulations- und Missbrauchsfällen höre und lese, erspüre ich eine Mischung aus Zorn und Schmerz. Das ist keine Einteilung in Gut und Böse. Es ist allerdings eine Einteilung in ehrenhaftens Verhalten und unehrenhaftes Verhalten.

„Nicht bewerten“ heißt für mich, nachvollziehen zu können, warum jemand diesen Weg gegangen ist. Ob es nun derjenigen/diejenige ist, die das iniziiert, oder diejenige/derjenige ist, die das mit sich machen läßt. Ich bin der Meinung bestimmte Wege  müssen energisch und klar verneint werden. Trotzdem möchte ich Verständnis dafür haben. Für mich bedeutet Nicht-Bewerten nicht gleichzeitig gleichgültig sein.

Es ist wichtig, dass wir darüber nicht schweigen. Diese sexuellen Manipulationen und Vergewaltigungen brauchen unser Nein. Sie leben durch die Unterdrückung, machen weiter durch die Scham der Beteiligten und vermehren sich durch das Geheimnis.

Diese Praktiken wollen keine Öffentlichkeit – sie bevorzugen die Dämmerung.

In unseren Händen liegt der Lichtschalter …

 

Von Herzen,

Sabrina Fox

 

PS: Ich las vor einer Weile das Buch von Joel Alstad und Diana Kramer: „Die Guru Papers. Masken der Macht.“ Gibt es auch auf Englisch. Ich fand es sehr interessant.

Sabine Bundschu empfiehlt: „Traumatic Narcissism – Relational Systems of Subjugation“ von Daniel Shaw.

 

 

 

 

Es beginnt mit einem Vergleich. Ja, ich weiß, angeblich sollen spirituelle Leute nicht vergleichen. Aber wir tun es. Alle. Das ist unter anderem die Aufgabe unseres Gehirns. Der Grund? Wir versuchen herauszufinden, ob wir sicher sind. Dazu vergleicht der Verstand uns und unser Leben mit Anderen. Immer und immer wieder. Was wir mit diesem Vergleich anstellen, hängt von dem Grad unserer Bereitschaft nach Wachstum ab. Wollen wir wachsen, werden wir von anderen inspiriert. Trauen wir uns nicht zu, uns zu verändern, werden wir eifersüchtig.

Sind wir Schauspieler in unserem eigenen Leben?

Ich möchte Ihnen dazu gerne ein paar Beispiele geben. Als ich mich vor fünfundzwanzig Jahren für mein spirituelles Wachstum interessierte, traf ich eine Frau, die mir durch ihre Präsenz auffiel. Jaqueline Snyder – mittlerweile verstorben – hatte all das, was ich nicht hatte: Sie war eine zutiefst strahlende Persönlichkeit. Sie war warmherzig, weise, authentisch. Sie hatte eine tiefe, ehrliche Spiritualität und sie war eine großartige Lehrerin: Inspirierend. Humorvoll. Weise. Damals war ich unsicher in meinem Leben, ängstlich darauf bedacht es allen Recht zu machen. Ich war eine Schauspielerin in meinem eigenen Leben, festgefahren in alten Gewohnheiten und Ängsten. Ich dachte, so bin ich eben.
Im Vergleich mit Jaqueline sah ich was mir fehlte. Ich wollte auch so werden. Ich wusste, das ist ein weiter Weg. Sie erzählte uns, wie sie früher war und so erkannte ich an ihr, dass Veränderungen – massive Veränderungen – möglich sind. Ich wusste, das ist ein weiter Weg, aber jetzt hatte ich ein Ziel.

Ich war schon vieles. Ich war lange ein Trampel. Ich stolperte, haute mich an, schlurfte. Jahre später sagte mir eine Frau begeistert, dass sie es toll findet, dass ich mich so elegant bewege. Ich erinnere mich noch, wie verwirrt ich von diesem Ausspruch war. Ich und elegant? Beides in einem Satz hatte ich vorher über mich noch nie gehört. War ich elegant geworden und ich hatte es nicht gemerkt? Als ich mich beobachtete, bemerkte ich, dass ich kein Trampel mehr war. Offensichtlich hatte sich da an mir einiges verändert. Zum Beispiel auch mein Gewicht.

Ich war als junge Frau übergewichtig und frustriert darüber. Meine bevorzugte Position war Chips essend auf dem Sofa. Ich wusste natürlich dass Sport gut für mich wäre, aber ich war zu unmotiviert. Immer nach dem Motto: Jetzt ist es auch schon egal. Ich weiß noch wie frustrierend es war, Kleidung einzukaufen. Badeanzüge waren das Schlimmste! Selten sah etwas wirklich gut an mir aus. Immer wieder war in den Tränen nahe in irgendwelchen Umkleidekabinen. Ich heiratete einen Mann der täglich Sport machte. Durch ihn erkannte ich wie gut mir Bewegung tat. Wieder war es ein Vergleich, der mir half zu erkennen, was ich brauchte. Jahre später tauchte in einer meiner Meditationen eine kleine dicke Frau mit Koffern auf: „Ich verlasse dich jetzt!“, sagte sie und drehte sich um. Mein Glaube, dass ich „eigentlich“ eine dicke Frau bin – die jetzt nur kurzfristig schlank war – verließ mich mit ihr.

Singen und Inspiration

rihannonInspiriert zu werden, hört nicht auf. Singen gehört zu meinem Leben und ich bilde mich immer weiter. Im Oktober war ich mit Rhiannon – einer begnadeten Improvisations-Sängerin und Lehrerin in Rom zu einem langen Workshop. Improvisierte Musik ist Musik, die aus dem Moment entsteht. Eine Farbpalette von Musik, die sich nur dann wirklich gut entwickeln kann, wenn wir tief mit uns und gleichzeitig mit unseren Mitsängern verbunden sind. Das ist Musik, die mich fasziniert und in ihrem spontan entstehenden Miteinander eine grandiose Vielseitigkeit zeigt. Jeder von den Teilnehmern hatte gerade ein vier Minuten Solo vor der Gruppe hinter sich. Jetzt stand unsere Lehrerin Rhiannon auf. Sie ist fast siebzig Jahre alt. Weiße, kurze Haare. Stabiler Körperbau. Bewusste, sorgfältige Bewegungen. Sie weiß, wer sie ist.

Sie begann ihr Solo und mit jedem Ton berührte sie uns. Sie bewegte sich, benutzte den ganzen Raum. Sprach Worte, die sie in diesem Moment erfand und von dem jedes pure Poesie war. Sie war präsent, offen, verletzlich. Ich war fasziniert dieser Meisterin beim Erschaffen zuschauen zu dürfen. Mein Solo war im Vergleich zu ihrem wie die kritzelige Zeichnung einer Fünfjährigen zu der Brillanz eines Picassos. Als sie fertig war, waren wir vor Ergriffenheit lange still.

Viele von uns hatten Tränen in den Augen. Jemand zu erleben, der ein Meister auf seinem Gebiet ist, ist eine große Gnade. Es ist einer dieser Moment das Göttliche in Menschenform zu sehen. Und das war es, was ich miterleben durfte. Mir war es ein Bedürfnis ihr zu sagen, wie dankbar ich dafür bin das zu erleben. Ich stand auf, kaum in der Lage zu sprechen, mit Tränen die ungehindert an meinem Gesicht herunterliefen. Wir schauten uns still an. „I bow in the presence of mastery“. Was übersetzt so etwas heißt wie: Ich verbeuge mich vor Dir im Angesicht deiner Meisterschaft. Ich legte meine Hände auf mein Herz, neigte meinen Kopf und verbeugte mich tief und lange vor ihr.

Unsere Session war vorbei, doch kaum jemand von uns bewegte sich. Wir blieben gedankenverloren in unseren Sitzen. Jeder von uns bewegt und voller Respekt. Rhiannon kam nicht zu diesem Punkt ihrer Meisterschaft, weil sie darum betete. Sie kam dazu, weil sie ihrer Begeisterung folgte und trainierte. Weil sie sich über Mauern und durch Täler schleppte, bis sie fliegen konnte. Warum will ich von ihr lernen? Weil sie großartig ist. Und ich möchte von den Besten lernen. Von denen, die das gemacht haben, was ich noch machen will. Ich wünsche mir von Herzen so zu improvisieren. Dazu braucht es Übung. Immer und immer wieder Meister dieses Fachs zu beobachten und dankbar dafür zu sein, dass sie ihr Wissen teilen. Ich liebe es, wenn mir jemand sagt, was ich verbessern kann. Ich liebe es, wenn mich jemand auf meine Schwächen aufmerksam macht. Deswegen gehe ich zu genau diesen Experten! Wachstum ist die Nummer Eins auf meiner Liste.

Spirituelles Wachstum ist Arbeit

In letzter Zeit bringe ich zu meinen Vorträgen und Workshops immer eine tennisball-große Schachtel mit Schleife mit. Irgendwann einmal nehme ich die Schachtel, zeige sie den Teilnehmern und erzählte, dass hier das Einzige drin ist, was es braucht, damit wir unser Leben so haben, wie wir es uns ersehnen. Ich übertreibe so maßlos dabei („Davon werdet Sie noch Ihren Enkelkindern erzählen, dass Sie es heute hier gehört haben.“), dass der ganze Saal, die ganze Gruppe schallend lacht. Dann mache ich mit großem Tamtam die Schachtel auf und ziehe einen Zettel heraus. Darauf steht nur ein Wort: ARBEIT.

arbeitEine Frau kam am Ende eines Vortrages auf mich zu und meinte völlig irritiert: „Aber Spiritualität soll doch leicht sein! Ich verstehe das nicht. Arbeit klingt ja fürchterlich!
Ich fragte nach: „Ist es denn leicht für Sie Ihre Gedanken sauber zu halten? Ist es leicht für Sie notwendige Veränderungen durchzuziehen? Ist es leicht zu verzeihen? Leicht schwierige Gespräche zu führen? Leicht nicht zu lügen? Ist es leicht täglich zwei Mal zwanzig Minuten zu meditieren?
Sie schüttelte den Kopf und gestand: „Ich meditiere nicht regelmäßig.“ Und meinte dann triumphierend: „Aber ich glaube an Engel!
Ah. Und? Hat der Glaube allein ihr Leben verbessert?
Sie runzelte die Stirn. Ich ahnte, was in ihr passierte. Das ist der Moment, der Moment, den ich schon hunderte von Malen beobachtet hatte. Der Moment der entscheidet: Lass ich mich auf die Arbeit ein oder versinke ich in imaginäres Wünschen?

Immer wieder beobachte ich diese Weggabelung. Setzte ich mich dafür ein, dass ich mich verändere oder suche ich in der Spiritualität eigentlich nur Trost? Trost ist etwas Wunderbares. Aber es wird unser Leben nicht verändern und es wird uns nicht weiterbringen.
Ich kann mich jahrelang trösten lassen. Aber wenn ich nicht die Verantwortung für mein Leben übernehme, wird es nicht besser werden. Wir sind in der Lage uns und unser Leben zu verändern. Jeder von uns. DAS ist spirituelles Wachstum. Trost ist eine temporäre Angelegenheit. Doch wenn dies unser Lebensmotto wird, dann schlagen wir uns regelmäßig in diesem Phantasie-Wunschtraum nach einem besseren Leben den Kopf ein.

Immer wieder überprüfe ich meinen Lebenszustand. Daran erkenne ich mein Wachstum und erkenne auch meine Herausforderungen. Dazu helfen mir Fragen.
Im Laufe der Jahre sind die Fragen andere geworden und doch gibt es Basisfragen, die immer interessant sind:

  • Lebe ich ein Leben in Balance?
  • Wo habe ich noch nicht aufgeräumt?
  • Wo merke ich, dass ich immer noch hoffe, „die Anderen“ würden sich verändern?
  • Wo hänge ich fest?
  • Wo brauche ich Hilfe?
  • Wo den berühmten „Tritt in den Hintern“?
  • Was habe ich auf den richtigen Weg gebracht?
  • Von wem oder was möchte ich mich inspirieren lassen?
  • Was braucht mehr Zeit in meinem Leben?
  • Was weniger?

Wir haben die Macht uns und damit unser Leben zu verändern. Wir stehen an jedem Tag an der Schwelle zu einem neuen Leben. Wie wollen wir es leben?

Es ist möglich intelligenter, weiser, mutiger und sogar eleganter zu werden.

Ich habe es erlebt.