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Sich mitteilen haben viele von uns nicht gelernt. Wahrscheinlich auch deswegen, weil es nicht wirklich hoch in der Gunst der erwünschten Talente steht. Denn wenn wir uns mitteilen, dann könnte das „gegen uns“ verwendet werden. Das glaubte ich lange Jahre auch. Und ich glaubte auch: „Wenn Du mich liebst, dann merkst Du doch, wenn es mir nicht gut geht!“ Wenn ich schon nicht sagen kann, wie es mir geht, muss der Andere oder die Andere wenigstens Gedankenlesen können.

Und doch ist das sich mitteilen können, wohl eines der wichtigsten Angewohnheiten, wenn man sich ein zufriedenes und glückliches Leben gestalten möchte. Doch erst einmal muss man mit alten Glaubensätzen aufräumen.

„Wenn ich die Wahrheit sage, kann das gegen mich verwendet werden.“

Was für ein interessanter Gedanke. Interessant – aber unwahr. Was heißt das: „…gegen mich verwendet werden“? Also angenommen wir geben zu, dass wir gelegentlich nicht die Wahrheit sagen. Wie kann das „gegen mich“ verwendet werden? Das Gegenüber könnte mir also dann vorwerfen: „Du schwindelst ab und zu!“ Ja. Das sagte ich schon. Das habe ich ja schon zugegeben. Wo also liegt das Problem? Außer ich möchte nicht daran erinnert werden, was ich erstens über mich weiß und zweitens auch schon zugegeben habe.

„Wenn Du mich liebst, weißt Du, wie ich mich fühle…“

… auch ohne dass ich das sage. Ich kann das also verheimlichen und – weil Du mich liebst – erkennst du das trotzdem. Auch wieder sehr interessant. Eigentlich ist das ja eine Berufsbezeichnung: „SchauspielerIn“. Jemand tut so, als würde er/sie etwas anders fühlen als das, was wirklich gefühlt wird. Ist man schlecht in diesem Beruf glauben wir die dargestellte Emotion nicht. Warum wollen wir, dass jemand sehen soll, wie es uns geht, wenn wir es selbst verheimlichen wollen? Wäre es da nicht praktischer wir sagen es gleich? Vielleicht sind wir wirklich gut darin, etwas zu verheimlichen? Wenn uns das Spass macht, könnten wir ja vielleicht SchauspielerIn werden ;-)

„Es ist gefährlich, die Wahrheit zu sagen.“

Gut. Falls wir Steuern hinterzogen haben, oder eine Leiche im Keller haben, mag das auch zutreffen. Und selbst da ist es erleichternd, wenn wir die Wahrheit sagen, denn wir alle wissen, wie anstrengend es ist, Geheimnisse zu haben. Besonders solche, die uns schwer auf dem Herzen liegen. Wahrscheinlich haben wir diese Erfahrung in jungen Jahren gemacht. Vielleicht sind wir körperlich gezüchtigt worden, ignoriert worden oder es gab Liebesentzug, wenn wir etwas taten, was unseren Eltern nicht gefiel. Dieses Glaubensbekenntnis – wie übrigens viele – haben sich in unserer Kindheit entwickelt und können uns im Erwachsenenleben noch ziemlich durchschütteln. Aber eben nur dann, wenn wir das nicht genauer betrachtet haben.

Da ich selbst alle drei dieser Glaubenssätze hatte, weiß ich wie anstrengend das war. Ich war nicht frei, denn vieles was mir auf dem Herzen lag … bliebt dort. Es lag schwer auf mir und ich hatte keine Ahnung, wie ich das loswerden könnte. Ich dachte jeder lebt so.

Das stimmt aber nicht. Ich lebe nicht mehr so. Wie man das lernt? Durch üben. Vor ein paar Tagen fiel mir auf, dass in fast allen Reaktionen nach meinen Workshops es irgendwie darum geht, dass die TeilnehmerInnen das Gefühl gehabt haben, sich mitteilen zu können. Nicht nur mir gegenüber, sondern auch der Gruppe gegenüber.

Wo immer wir in unserem Leben uns aufhalten, betreten wir einen Raum. Der ist einerseits schon vorhanden – durch das was da schon vorher passiert ist – aber andererseits ist dieser Raum beweglich. Das heißt wir können ihn gestalten. Es braucht nur eine einzige Person um ein festgefahrenes System zu ändern. Und das können wir sein!

Wenn ein Raum, ein Platz vorhanden ist, in dem freies Mitteilen schon bewegt wurde, dann fühlen wir uns davon inspiriert und beginnen es auszuprobieren. Erst heute las ich in der Süddeutschen Zeitung, dass wir – wenn wir unsicher sind – das tun, was andere Leute machen. Und wenn diese „anderen Leute“ sich wahrhaftig ausdrücken können, dann probieren wir das eben aus. Sind wir allerdings in einem Raum in dem das nicht möglich ist – also jeder hat Geheimnisse und teilt sich nicht mit – dann machen wir eben, was die machen. Wir richten uns nach der „Allgemeinheit“. Und je nach dem wo wir uns aufhalten sind die Verhaltensweisen der „Allgemeinheit“ gesund oder ungesund.

Sehen wir also um uns herum Menschen die glücklicher sind, weil sie sich mitteilen, so ist es leichter, das eben auch auszuprobieren. Wir spüren dann, dass es möglich ist. Je mehr von uns das machen, desto weiter ziehen sich die Kreise, denn wir sehen: Es ist überlebbar. Wir beginnen uns zu trauen, bekommen mehr Mut und trauen uns automatisch immer mehr. Wenn jemand ein halbes Jahr lang – wie zum Beispiel bei meiner Akademie und dem Kurs „Lebe die Sehnsucht Deiner Seele“ – sich immer und immer wieder mitteilt, dann ist das eine neue Angewohnheit, die nicht mehr verschwindet. Denn wir haben nicht nur „davon gehört“, sondern eben erlebt, dass dies machbar ist und Kommunikation und Miteinander in allen Aspekten des Lebens verbessert.

Und nicht nur dass: Wir sind danach erleichtert. Jeder von uns kennt das: Wir haben ein Geheimnis; etwas wofür wir uns schämen und das uns schwer auf dem Herzen liegt. Es mag uns unser Leben regelrecht versauen, aber wir schaffen es nicht „klar Schiff“ zu machen und dann doch, irgendwann einmal nach viel Schmerz und fast schon Resignieren teilen wir uns doch mit und dieses wunderbare Gefühl der Erleichterung zeigt sich im ganzen Körper.

Diese Erleichterung ist eine Freiheit, die wir uns selbst geschenkt haben. Somit durchbrechen wir den Kreislauf von Schweigen und Scham. Und dieser Kreislauf muss unterbrochen werden, damit Selbstwertschätzung den Platz bekommt, den es braucht. Deshalb: Lasst uns den Raum erschaffen, in dem Offenheit und Wahrheit gewünscht ist. So sind wir uns nicht nur selbst Inspiration, sondern auch anderen.

 

Von Herzen,

Sabrina

 

 

 

Ich mag mein Hirn. Es kann großartig organisieren. Es liebt analytisches Denken. Es kann lange Ideen und Gedanken vertiefen. Es forscht gerne und schätzt interessante Beschäftigung. Es hilft mir mein Leben zu gestalten und ich kann mich darauf so wunderbar verlassen – nun ja, außer wenn es um das Verlegen von meinem Handy geht. Und Namen kann es sich auch nicht gut merken. Zahlen noch weniger. Aber sonst bin ich sehr zufrieden damit.

Laut letzten wissenschaftlichen Erkenntnissen ist diese Art von Vergessen eher ein Vorteil, denn es deutet auf ein flexibles Hirn hin. Flexible Gehirne schmeißen raus, was sie nicht brauchen, damit es Platz für Neues gibt. Gut, dachte ich. Flexibles Gehirn? Das nehm` ich!

Doch zur Zeit ist mein Gehirn nicht flexibel. Es fühlt sich eher so an als würde es klemmen. Wie eine alte Schallplatte, die einen Kratzer hat und immer wieder an der gleichen Stelle festhängt. Und wir wissen alle (zumindest diejenigen, die noch mit Schallplatten aufgewachsen sind) wie das nervt. Da sitzt man gerade irgendwo gemütlich und erfreut sich an der Musik und dann dieser Kratzer und die letzten Töne werden wiederho, widerho, wiederho, wiederho.. und dann steht man auf, seufzt – weil ja jetzt die Platte einen Kratzer hat – und setzt die Nadel auf das nächste Musikstück.

Das möchte ich auch gerne.
Aber ich finde den Plattenspieler nicht.
Und so klemmt es weiter: „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fertig werden …“

Mein Hirn legt eine Dringlichkeit zu Tage, die ich mir nicht wirklich erklären kann. Es führt sich auf, als müsste ich in der nächsten Stunde 180 Dinge erledigen – weil sonst die Welt zusammenbricht.

Die Welt bricht nicht zusammen. Ich habe keine 180 Dinge in der nächsten Stunde zu erledigen.

Vor ein paar Wochen habe ich den Beginn meiner Akademie um einen Monat nach hinten auf den 1. April verschoben (nein, kein Aprilscherz), weil ich merkte, dass mir das zu dicht wird und ich möchte weiterhin mit Freude und mit Ruhe vorbereiten.

Da ich mir schon vor einiger Zeit Hektik und grimmige Entschlossenheit abgewöhnt habe, merkte ich, dass die Hektik sich wieder einschleichend wollte. Da hilft nur ein ernsthaftes Gespräch mit ihr: „Sorry Hektik, aber du wirst nur noch gebraucht, wenn ich einer Straßenbahn hinterherlaufen muss.“

Ich war ganz zufrieden mit mir. Problem gelöst, dachte ich.

Am nächsten Morgen merkte ich, dass das wohl nicht ganz geklappt hat bzw. überhaupt nicht. Schon vor der Meditation ging es los mit: „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Wenn ich mit meinem Hirn spreche, zeigt es sich oft als Pferd. Manchmal auch als ein Hund. Ein „Golden Retriever“ um genau zu sein. Der mich meistens mit großen Augen anschaut, schnell mit dem Schwanz wedelt und mit heraushängender Zunge und großem Enthusiasmus wartet bis ich ihm etwas zuwerfe, dass er fangen kann.

Wenn ich in die Stille gehe und mein Gehirn bitte, sich zu zeigen, dann kommt es aber doch meistens als ein Pferd angaloppiert. Man merkt gleich, es bewegt sich gerne. Immer mal wieder haben wir Gespräche um das entspannte Grasen. Das ist leider nicht so ihr Ding…
Der Hund hat übrigens das gleiche Problem. Er döst nicht gerne.
Schade eigentlich.

Ich merkte, das hat wohl nicht gereicht mit dem Termin nach hinten verschieben. Mein Hirn macht sich Sorgen, dass mein nächstes Buch „Wir lernen uns kennen, wenn wir uns trennen“ nicht fertig wird, welches ich Mitte April abgeben muss. Es ist zwar vorbereitet, aber eben noch nicht geschrieben.

Ich erklärte meinem Gehirn, dass ich lieber eine Sache nach der Anderen fertig machen will, aber das passte ihm irgendwie nicht. Dann erklärte ich ihm, dass wir noch nie ein Buch unpünktlich abgegeben haben und immerhin schon über ein Duzend davon fertiggestellt haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich nicht fertig werde ist also äußerst gering.

Mein Hirn beruhigte sich nicht. Langsam aber sicher erinnerte mich die Aktivität in meinem Hirn an diese Schallplattenkratzer: „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Nun gut. Ich versuche immer alle Aspekte in mir zufriedenzustellen und so dachte ich: „Okay. Dann fangen wir jetzt mit dem Buch an, das hilft vielleicht.“ Zwei Tage später fing ich zu schreiben an und erfreute mich daran, wie leicht und zügig es voran ging.

Mein Gehirn beruhigte sich nicht. Im Gegenteil. Es benahm sich so, als wäre ich in einem Kriegsgebiet, pleite und schwerkrank. Ich redete ihm gut zu: „Schau mal, wir sitzen in einem schönen Zuhause, Wir sind kerngesund, wir erfreuen uns an unserem Leben und an unserer Umgebung. Es ist doch alles gut!“

Mein Gehirn hört mir nicht zu. „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Dann zeige ich meinem Hirn meinen Kalender: „Siehst du, alles gut geplant. Erinnere Dich, wir haben uns Hektik abgewöhnt. Keine Notwendigkeit durchzudrehen.“

Es hört immer noch nicht zu. „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Ich habe ihm erklärt, dass es nicht hilfreich ist, was es da tut. Es scheint ihm egal zu sein. „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Ich versuchte meinem Gehirn zu erklären, dass es – solange wir leben – immer Sachen geben wird, die noch nicht fertig sind. Ich kann nicht jeden Tag „alles fertig machen“. Das geht nicht. Ich renoviere noch ein Zuhause, es ist Wäsche noch nicht gebügelt, ich bin in den letzten Zügen die Videos für die Akademie fertig zu machen und wir habe gerade begonnen ein Buch zu schreiben. „Das wird bis Morgen nicht fertig!!! Das musst Du doch einsehen! Du bist doch sonst so gescheit!“

Mein Hirn ignorierte mich einfach: „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Mehrmals jeden Tag fragte ich nach:: „Was brauchst du denn?“ „Wie können wir Dich wieder beruhigen?“ „Übersehe ich etwas, und Du versuchst mich darauf aufmerksam zu machen?“

Alles was kam war: „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Ich kenne diese Loops, diese Gedankenschlaufen, diese unendlichen Wiederholungen des Gehirns. Meistens ist da etwas, was nochmal ein genaues Anschauen braucht. Jede Gedankenschlaufe hat ja auch einen Sinn. Was könnte dieser also sein? Ja, ich habe viel zu tun. Wäre es mir lieber weniger zu tun zu haben? Ja. Ich merke, dass mein Körper mehr freie, ruhigere Zeiten möchte, aber die gebe ich mir nicht, denn nicht nur mein Hirn sondern auch der Rest von mir möchte meinen Schreibtisch wieder etwas leerer haben.

In meinen Meditationen bekomme ich Anweisungen: „Nur zwei Stunden am Tag mit Organisatorischem verbringen.“
Okay. Mache ich. Was kann ich noch machen? Außer Alkohol und Valium? Soll ich verreisen? Mehr singen? Mehr in der Natur sein? Mehr Yoga machen? Ich sah mich im Computerbildschirm spiegeln und machte ihn aus. So. Ab ins Atelier. Ich fing an eine meiner Skulpturen zu bemalen, die schon seit Ewigkeiten eine Farbe braucht.

Hirn beruhigt sich. Okay. Reicht das jetzt vielleicht? Sind wir über den Kratzer, die Wiederholungen hinweg?

Nö.

Am nächten Morgen ging es wieder weiter. Etwas weniger zwar, aber offensichtlich reichte das noch nicht. Ich habe mir Zeit fürs Singen genommen, ging Langlaufen, bekam eine Massage und habe dann zwei Stunden Oranisatorisches gemacht und ein paar Seiten am Buch geschrieben.

Hirn klemmt immer noch. „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Als ich mit meiner Assistentin und Freundin Claudia über ihres und mein Leben sprach, meinte sie: „Das kenne ich! In der Regel passiert mir das, wenn ich etwas ablege, also ich mich auf eine neue Stufe bewege und kurz vorher kommt nochmal alles hoch.“

Mein Seelenbruder LD schlug vor, das ich das tun soll, was ich sonst auch immer tue: „Schreibe es auf.“

„Nein!“, warnt mich mein Hirn. „Wir müssen ein Buch schreiben und das Skript für die Akademie schreiben und wir haben keine Zeit jetzt auch noch über mich zu schreiben!“

Es ist zwar schon fast Mitternacht, aber ich nehme mir meinen Laptop und schreibe, denn ich habe mir angewöhnt Dinge gleich umzusetzen, wenn ich sie begriffen habe – bzw. in diesem Fall, wenn ich erinnert wurde. Ich weiß aus Erfahrung: Schreiben hilft!

Als ich dann noch im Bett meditierte, konnte ich es sofort spüren: Meine energetische Schwingung war dabei sich zu verändern. Vorsichtig fragte ich nach: „Liebstes Hirn, hast Du Dich beruhigt?“

Angenehme Stille da oben. Und dann sind wir beide eingeschlafen.

 

Zusatzinfo zwei Wochen später.

Obwohl sich mein Gehirn beruhigt hatte, war mein Körper noch in einer anderen energetischen Schwingung als ich es gewohnt bin. Kurz nachdem ich den Blog veröffentlicht habe, bekam ich nochmal eine Anweisung: Fünf Tage ganz ohne organisatorische Arbeit zu verbringen. Das tat ich auch. Ich schrieb an meinem Buch und erfreute mich daran. Ich merke, dass ich im Buchschreib-Modus bin und nicht im Akademie-fertig-mach-Modus. Wenn ich Bücher schreiben, dann brauche ich meine absolute Konzentration darauf und das ist immer wieder spannend zu erleben. Nach diesen fünf Tagen beschloss ich den Rest der Akademie erst später fertig zu machen. Nämlich dann, wenn mein Körper mir sagt: JETZT! Und bis dahin schreibe ich …