Liebe. Was ist das eigentlich? Wieso scheint sie bei manchen zu klappen und wieder andere haben kein „Glück“? Wieso kann Liebe so viel Schmerzen verursachen? Warum fühlen wir manchmal, dass wir nicht genug bekommen? Und wieso fürchten wir, ohne Liebe zu sein?

Der Wunsch nach Engeln ist oft auch der Wunsch endlich tiefe Liebe zu erspüren und sie auf ewig zu behalten. Doch wir selbst haben wahrscheinlich schon erlebt, das die Liebe anscheinend schwankt. Manchmal lieben wir, manchmal nicht. Manchmal scheint sie Bestand zu haben, manchmal zu verschwinden. Und Liebe schmerzt: Fast jeder von uns hatte schon mal Liebeskummer und fragte sich, ob das Herz wohl wieder heilen wird.

Wozu also das alles?

Die Liebe dient unserem Wachstum. Wir sind hier um aufzuwachen, um wach zu werden. Was heißt das? Wir sind eine Seele, die eine menschliche Erfahrung macht. Wie ein Kinobesucher können wir entweder uns im Film unseres Lebens verlieren oder bei allem Drama auf der Leinwand immer noch wissen, dass wir im Kino sitzen. Wir erkennen also, dass wir mehr sind, als unsere Persönlichkeit. Unser Sein ist unendlich und so den Engeln ähnlich. Je klarer wir das erkennen, desto weniger Dramen werden wir in unserem Leben haben. Beziehungsweile wir lernen, wie wir ein auftauchendes dramatische Ereignis beruhigen können. Bis sie sich schließlich ganz auflösen. Wodurch? Durch unsere Selbsterkenntnis und Aufmerksamkeit. Wir lernen ein für uns erfolgreiches Leben ohne Bedauern zu führen. Und wo können wir das üben? In Beziehungen – und eben auch in Trennungen.

Das spirituelle Erwachen beginnt meistens mit einer Krise. Wir schauen uns unser Leben an und denken: „Das muss doch irgendwie besser gehen?“ oder „Warum passiert mir das schon wieder?“ Dann beginnen wir zu forschen. Wir entdecken Meditation und Stille als Mittel unseren Verstand zu beruhigen. Wir merken, dass wir uns verändern können und uns selbst ein anderes Leben erschaffen können. Wir schauen uns unsere Beziehungen an und beginnen dort „aufzuräumen“. Überhaupt nimmt das Aufräumen uns für eine Weile ziemlich in Anspruch: Wir räumen unsere Gedanken, unser Leben und unser Selbstbild auf. Bin ich wirklich so, wie ich mich zeige? Wo habe ich mich angepasst? Wo habe ich vergessen, mich um mich selbst zu kümmern? Habe ich mich im Leben der Anderen verloren? Was sind eigentlich meine Wünsche? Wie will ich mein tägliches Sein gestalten?

Gerade in einer Zweierbeziehung ist es leicht sich im Leben des Anderen, der Anderen zu verlieren. Es gibt vieles, von dem wir glauben es „aus Liebe“ zu tun. Bis wir merken, dass wir vergessen haben, auf uns selbst zu achten. Einige leben in Beziehungen, in denen sie sich schlecht und respektlos behandelt lassen.

Wenn es keinen Respekt gibt, dann gibt es auch keine Liebe.

Jetzt geht es darum, sich aus solch einer Beziehung zu befreien, statt darum zu beten, dass sich der Andere ändert. Der Andere ändert sich nur, wenn er sich aktiv um eine Veränderung bemüht. Da hilft kein Gebet. Jeder trifft seine eigenen Wachstumsentscheidungen – oder eben nicht. Wenn wir das erkennen, braucht es eine Entscheidung FÜR UNS. Deshalb sagte Jesus auch, dass wir „gehen sollen, wenn wir nicht angenommen werden und den Staub von unseren Füßen wischen“. (*Die Bibel und auch dieser Ausspruch im Matthäus 10:14 Evangelium hat viele Interpretationsmöglichkeiten und das ist meine.)

Ein wichtiger Punkt des Aufwachens ist die Erkenntnis „wer bin ich?“ und „was brauche ich?“. Das wird oft Egoismus genannt. Und egoistisch wollen wir nicht sein. Wie alles hat auch der Egoismus zwei Seiten.
Seine eigenen Interessen durchzusetzen, ist nicht zwangsläufig schlecht. Manche werfen uns Egoismus vor, weil wir dann nicht mehr tun, was sie von uns wollen. Ich kann Rücksicht nehmen, in dem ich mich liebevoll und wach mitteile – aber das heißt nicht, dass ich auch mache, was andere von mir wollen und damit meine Interessen wieder zurücknehme. Damit verliere ich mich selbst und ordne mich unter. Wenn ich allerdings egomanisch durch die Welt schreite und alles an mich reiße, was nicht bei drei auf einem Baum ist, jeden anderen abfällig betrachte, dann ist das ein ungesunder Egoismus, der aus der Gier entstanden ist und von Wachsein noch weit entfernt ist.

Wenn wir uns verlieben, zeigen wir uns wie wir gerne wären. Wenn wir uns trennen, zeigen wir uns, wie wir sind.

Gerade Trennungen zeigen uns genau, in welchem Stadium des „Wachseins“ wir uns aufhalten. Glaube ich, dass ich großzügig bin, streite mich aber gerade bis aufs Messer um ein altes Klavier? Halte ich mich für mitfühlend und versuche gerade dem Vater die Kinder zu entziehen? Wünsche ich mir Frieden für alle Menschen, aber rede gerade abfällig über den ehemaligen Partner? Habe ich Angst vor der Zukunft und versuche gerade möglichst viel an mich zu reißen?

Manchmal vergessen wir auch, dass jede und jeder von uns das Recht hat sich für oder gegen eine Beziehung zu entscheiden. Wie sehr leidet mein Selbstwertgefühl darunter? Und … hängt mein Selbstwertgefühl nur damit zusammen, ob ich von anderen geliebt bzw. bevorzugt werde? Und: Kann ich mir die LIebe, die ich mir von Anderen wünsche, auch selbst geben?

Know yourself to free yourself.

Erkenne Dich selbst und befreie Dich selbst. Gefühle zeigen uns unseren Zustand. Die meisten von uns versuchen, ein unangenehmes Gefühl irgendwie loszuwerden. Das klappt aber nicht. Wachsein bedeutet sie zur Kenntnis zu nehmen: „Ah, hier werde ich zornig. Warum fühle ich das und was hat es ausgelöst?“ Damit wächst unsere Selbsterkenntnis. Gerade in Trennung gibt es viele Möglichkeiten unsere Gefühle zu betrachten und zu verstehen.

Auch wenn wir beschließen, nicht mehr als Paar oder als Familie zusammen zu leben, so können wir doch weiterhin in Liebe und Freundschaft miteinander verbunden sein. Es wäre doch schade jemanden aufzugeben, den man lange und wirklich intensiv kennt.

Jede Trennung ist eben auch ein Geschenk. Sie zeigt uns ob wir das, was wir wissen, auch wirklich umsetzen können. Und sie zeigt uns den Grad unserer Selbstliebe.

Liebe in unserem Leben zu erkennen, ist manchmal nicht ganz einfach, denn wir glauben, sie müsse sich anders anfühlen. als es tatsächlich der Fall ist. Wir verwechseln das Gefühl des Verliebtseins mit dem Liebesgefühl.

Das Liebesgefühl ist angenehm statt anstrengend. Es ist gelassen. Es hat dieses dankbare, leichte Sein. Es ist nicht laut, sondern leise. Und ja, es ist nicht aufregend.
Das ist nicht die Aufgabe der Liebe: Die Liebe beruhigt und entspannt.

Buch zum Thema: „Wenn wir uns trennen, lernen wir uns kennen.“ – Ein Beziehungsbuch

Hier ist ein Interview über die Liebe mit dem KGS Magazin:

Ÿ Frage: Liebe – man redet und liest so viel darüber. Aber was ist Liebe eigentlich? Oder kommen wir mit einer ganz anderen Frage vielleicht sogar weiter: Was ist Liebe NICHT?

Sabrina: Was Liebe nicht ist, macht oft klarer, was Liebe ist:

  • Liebe ist nicht respektlos.
  • Liebe ist nicht manipulierend.
  • Liebe ist nicht machtausübend.
  • Liebe ist nicht bloßstellend.
  • Liebe ist nicht verständnislos.
  • Liebe ist nicht brutal.
  • Liebe ist nicht arrogant.
  • Liebe ist nicht interessenlos.
  • Liebe ist nicht gefühlskalt.
  • Liebe ist nicht selbstaufgebend.

Interessanterweise gibt es viele gesellschaftliche Gegebenheiten, nach denen wir uns bewusst oder unbewusst richten. Zum Beispiel soll eine Ehe, eine Beziehung idealerweise so lange halten bis wir sterben. Ich wurde vor kurzem interviewt und da fragte man mich, was ich denn nach meiner gescheiterten Ehe tat. Ich lachte und sagte: „Ich habe keine gescheiterte Ehe. Wir haben die Ehe beendet. Wo sind wir gescheitert? Wir haben eine gemeinsame Tochter, die wir lieben. Wir haben sechzehn interessante Jahre miteinander verbracht. Wir haben viel voneinander erfahren und gelernt. Wir sind immer noch eng befreundet. Für uns war unsere Ehe erfolgreich. Viele sind auch der Meinung – und die hatte ich auch mal – dass eine „Liebe“ bedeutet, jede Menge Kompromisse zu machen und/oder sich selbst aufzugeben und für das Wohlbefinden des anderen zuständig zu sein. Manche halten die kindliche Liebe für die richtige Liebe. Das ist sie aber nicht.

Ÿ Frage: Was verstehst du unter der kindlichen Liebe?

Sabrina: Für mich gibt es drei Arten von Liebe. Einmal die kindliche Liebe, die erwachsene Liebe und dann die wache Liebe. Die kindliche Liebe ist die Liebe nach „idealen Eltern“. Wie wir wissen, haben nicht alle so etwas erlebt und so bleibt der Wunsch nach Liebe in diesem kindlichen Gefühl stecken: „Ohne Dich kann ich nicht leben! Bitte bleib nah bei mir damit ich nicht verloren bin.“ – Für ein Kind völlig richtig. Für uns als Erwachsene nicht. Wir wollen vielleicht nicht ohne jemanden leben, aber natürlich können wir das. Wenn wir Liebe in dieser Kategorie leben, dann sind wir im Märchenland. Wir wünschen uns nie endende Liebe, dauernde Wärme, keine Enttäuschungen, ewige Verbundenheit, jemanden der uns jeden Wunsch von den Augen abliest und der uns „ohne Worte“ immer versteht.

Ÿ Frage: Und die erwachsene Liebe?

Sabrina: Die hat sich schon von dem kindlichen Wunsch nach Rundumversorgung gelöst, aber steckt noch gelegentlich fest in zu vielen Kompromissen, Selbstaufgabe, Kontrollmechanismen und dem Wunsch nach Perfektion oder es allen rechtmachen zu wollen. Die wache Liebe hingegen ist in der Selbstliebe angekommen. Sie erkennt das Wachstum in der Liebe. Sie weiß um die gegenseitige Entwicklung und es gibt in der wachen Liebe gegenseitige Unterstützung – ohne den anderen ändern oder manipulieren zu wollen. Sie schätzen die Stärken und verstehen die Schwächen. Die eigenen, wie die vom Partner. Sie leben so zusammen, wie sie auch alleine leben würden. Das heißt nicht, dass sie fremdgehen (lacht), sondern dass sie sich in der Beziehung genauso entfalten als wenn sie alleine leben würden. Verstehst Du was ich meine?

Ÿ Also man kümmert sich nicht mehr um den andern, sondern um sich selbst? Ist das nicht egoistisch?

Sabrina: Ja. Das ist egoistisch. Und vor diesem Wort haben wir enorm Angst. Jeder von uns ist egoistisch. Wir haben Kinder aus egoistischen Gründen. Im sogenannten Egoismus gibt es eine ungesunde und eine gesunde Variante. Bin ich so egoistisch, dass ich über Leichen gehe und raffgierig alles an mich ziehe? Oder bin ich so egoistisch, dass ich in einer Beziehung meine Interessen nicht aufgebe?

Es ist unsere Aufgabe als Erwachsene uns um unser eigenes Wohlbefinden zu kümmern. Das ist notwendig für unser spirituelles Wachstum. Wenn ich nur anderen folge, tue was man mir sagt, selbst nicht erforsche was mir wichtig ist oder wer ich bin, dann lebe ich nicht mein Leben, sondern das von jemand anderem. Aber gerade um das eigene SEIN geht es. Natürlich bedeutet das nicht, dass wir den anderen ignorieren. In einer wachen Beziehung lernen wir, bei uns selbst zu bleiben, ohne den anderen aus dem Blick zu verlieren. Und wir haben gelernt, die Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und nicht für unseren Partner oder unsere Partnerin. Jeder ist für sein eigenes spirituelles Wachstum zuständig – und eben auch dafür, wie gesund er seine Beziehungen gestalten will und zu welchen ich ja und zu welchen in nein sage. Es wäre einiges leichter, wenn wir grundsätzlich akzeptieren könnten, dass jeder von uns das Recht hat, eine Beziehung einzugehen und sie auch wieder zu beenden.

Ÿ Das ist nicht einfach. Denn manche wollen den Partner ja wieder haben oder fühlen sich verletzt, dass sie verlassen worden sind.

Sabrina: Ja. Da will uns jemand nicht. Das ist keine Entscheidung gegen mich als Wesen, sondern eine Entscheidung gegen ein Zusammenleben mit mir. Das zu akzeptieren erfordert das Wissen um die wache Liebe. Die kindliche Liebe ist zutiefst getroffen, denn sie fühlt sich zurückgewiesen – so als würden unsere Eltern uns nicht mehr lieben. Die erwachsene Liebe ist vielleicht verletzt, zornig, eifersüchtig, trauernd und versucht den anderen zur Rückkehr zu bewegen – aber gibt danach das lieben nicht auf. Die wache Liebe trauert auch, aber sie verliert sich nicht im Selbstmitleid. Sie legt sich nicht mit der Realität an. Die teilt sich und ihre Trauer zwar mit, aber sie „kämpft“ nicht darum, jemanden „zurück zu kriegen“. Der andere gehört ihr nicht. Sie bevorzugt es, mit jemandem zusammen zu sein, der auch gerne mit ihr zusammen ist.

Ÿ Wie hast du Liebe in deiner persönlichen Erfahrung erlebt?

Sabrina: Ich habe die Liebe erlernen müssen. Ich hatte keine Ahnung was Liebe ist. Ich dachte es ist Macht. Manipulation. In bestimmten Bereichen Hilflosigkeit. Meine Eltern lebten in einer unglücklichen Ehe und ich dachte mir früh: „Das muss anders gehen.“ Aber ich hatte kein Handwerkszeug und ich wusste nicht, wie man eine gesunde Beziehung gestaltet. Ich war nicht in der Lage mich so zu zeigen, wie ich wirklich war. Ich wusste nicht, wie man sich überhaupt mitteilt, deshalb habe ich viel darüber gelernt und später Workshops dazu gegeben und jetzt einen Online-Kurs („Wie sage ich es?“ Endlich befreit sprechen) gestaltet. Ich hatte keine Ahnung wie intimer, naher, ehrlicher Austausch überhaupt geht. Ich hatte viel zu viel Angst andere zu verletzen, nicht geliebt zu werden oder nicht gemocht zu werden. Ich lernte lieben im Laufe meines Lebens durch meine Beziehungen und mein Nachforschen. In mir als Seele wusste ich, dass es einen weicheren und doch gleichzeitig klareren Weg geben muss, um ein glückliches Leben zu leben. Ich musste ihn nur finden.

Ÿ Hast Du ihn gefunden?

Ja.

Ÿ Du schreibst in Deinem Buch „Wenn wir uns trennen lernen wir uns kennen“, dass wir in einer Beziehung alles über Selbstliebe lernen. Wieso ist das so?

Am Anfang einer Beziehung zeigen wir dem Anderen wie wir behandelt werden wollen. Wenn wir unsere Interessen aufgeben, unsere Meinung nicht verteidigen können, unsere Wünsche verstecken – dann stellen wir das Wohl der Beziehung über unser eigenes. Etwas was ich übrigens viele, viele Jahre tat. Dummerweise hilft es aber der Beziehung nicht. Es macht sie nicht glücklicher. Sondern – wie bei einem Instrument – wird die Beziehung verstimmter. Sie klingt nicht mehr schön. Man kann das bei langjährigen Paaren beobachten, wenn einer davon sein Leben aufgegeben hat zum „Wohl“ der Gemeinschaft, bzw. damit der andere „glücklicher“ ist. Sie sind beide unglücklich. Besonders aber derjenige oder diejenige, die nicht ihr Leben gelebt habt. Ich habe vor kurzem in der Süddeutschen Zeitung einen Bericht über Hospizarbeit gelesen, bei der eine 55 jährige sterbende Frau eingeliefert wurde und traurig sagte: „Jetzt geht es ans Sterben? Aber ich habe doch noch gar nicht richtig gelebt?“ Das war eine dieser Frauen die sich „um des lieben Friedens willen“ aufgeopfert haben.

Ÿ Aber viele halten das für Liebe.

Das ist aber nicht Liebe. Das ist Aufopferung. Ein anderes Wort und ein anderer Zustand. Liebe ist ein ruhiges und entspanntes Gefühl. Aufopferung fühlt sich anstrengend, mühsam und oft auch schmerzhaft an. Unser Gefühl zeigt uns, ob wir lieben oder ob wir etwas anders tun … denn Liebe fühlt sich gut an.

Ÿ Wie kommen wir eigentlich zusammen? Sind das nur die Hormone oder ist es Schicksal?

Es gibt eine hormonelle und eine spirituelle Anziehung. Die hormonelle kennen wir wohl alle: Die ist meistens stürmisch. Die spirituelle ist eine tiefere Verbindung. Da gibt es ein Interesse zu einem gemeinsamen Wachstum. Natürlich spielen da die Hormone auch mit, aber da schwingt noch etwas anderes mit. Jede Beziehung die wir eingehen, ist eine schicksalhafte, denn sie wird uns prägen. So oder so. Was wir daraus machen ist unsere Entscheidung und die hängt von unserem Wachheitsgrad ab. Diese Anziehung ist ja eine interessante Sache. Ich glaube wir wählen uns unseren Partner innerhalb vier Kategorien aus: Einmal jemanden, der sich so verhält wie es uns vertraut ist. Oder jemanden der eine Eigenschaft hat, die wir auch gerne hätten. Einen Partner, der uns fasziniert, weil er z.B. ein völlig anderes Leben lebt als wir oder wir möchten dazugehören. Es ist interessant in unserem eigenen Leben und in unseren eigenen Beziehungen nachzuforschen wann wir uns für welche der vier Kategorien entschieden haben.

Ÿ Hast du die Erfahrung gemacht, dass es den berühmten „Deckel zum Topf“ gibt? Dass Menschen füreinander bestimmt sind, dass es also Seelenpartner gibt?

Es ist wichtig, dass eine Beziehung passt. Manche passen nicht zusammen und versuchen verzweifelt es passend zu machen. Das „funktioniert“ dann nur, wenn jemand sich aufgibt. Wir haben alle die Möglichkeit uns für oder gegen eine Beziehung zu entscheiden – außer wir sind zwangsverheiratet worden, aber davon gehe ich jetzt mal nicht aus. Diese Idee nach dem Seelenpartner ist mit vielen Illusionen verbunden …

Ÿ Was meinst du damit?

Eine Seelenpartnerschaft ist eine wache. Es gibt auch da Höhen und Tiefen, denn wir lernen am meisten in den Tiefen. Manchmal ist sie nah, manchmal braucht sie mehr Platz. Es ist eine Liebe in der Herausforderungen gemeinsam gemeistert werden. Oft ist es aber die kindliche Liebe, die sich einen Seelenpartner sehnsüchtig wünscht. Das Wort „sehnsüchtig“ verrät es eigentlich schon: Wir „brauchen“ jemanden. Wir fühlen uns nicht komplett. Einsam. Und derjenige wird es dann richten. Wir werden ab dann glücklich sein. Denn da gibt es jemanden, der uns ohne Worte verstehen wird. Mit dem wir nie wieder Probleme haben werden. Der uns über alles liebt und uns niemals verlassen oder enttäuschen wird. Klingt das nach der wachen Liebe?

Ÿ Wohl eher nicht. Schade eigentlich.

Ja (lacht). Aber so ist es nun mal, wenn man wach wird. Man ist nicht mehr ganz so romantisch. Vielleicht ist das auch ein bisschen schade. In meinen Workshops „Über die Liebe“ spiele ich manchmal Liebeslieder vor und wenn wir die Texte genauer anschauen, erkennen wir, was uns über die Liebe vermittelt wird. Und vieles ist eben keine Liebe sondern kindliches Sehnen.

Ÿ Was verändert sich, wenn aus Verliebtheit Liebe wird?

Verliebtheit ist das „falling in love“ (in die Liebe fallen) wie es im Englischen so schön heißt. Ich lerne jemanden erst einmal kennen. Ich kann ihn noch gar nicht lieben, denn ich weiß noch gar nicht, wie er ist, wie er reagiert, was er liebt, ob wir zusammenpassen, welche Eigenschaften und Gewohnheiten er hat. Ja, ich weiß er riecht gut und ich fasse ihn gerne an – aber ob es längerfristig passt, erfahren wir erst gemeinsam. Das ist das liebende Erforschen. Wir lieben dann, wenn wir die rosarote Brille abgelegt haben und den anderen so sehen können, wie er wirklich ist. Und das, was wir sehen, immer noch schätzen – also lieben.

Ÿ Was ist für eine langfristige Beziehung wichtig?

Austausch. Respekt. Nähe. Wärme. Kommunikation. Humor. Neugierig bleiben. Wandel zulassen.

Ÿ Wenn sich ein Partner in der Beziehung stark verändert – was macht man am besten, damit die Beziehung weiter funktioniert?

Alleine kann man gar nichts tun. Ein gemeinsames Problem kann nur gemeinsam gelöst werden. Also wenn sich jemand verändert ist das so, als wenn beim üblichen gemeinsamen Tanz einer jetzt eine andere Schrittfolge tanzt. Beide müssen sich darauf einstellen. Will das einer von beiden nicht, kann man nicht mehr tanzen. Das ist in Beziehungen nicht anders.

Ÿ Wie kann man Freiheit in einer Beziehung leben?

In dem man sie gegebenenfalls verteidigt. Viele von uns sind harmoniesüchtig. Das war ich auch. Wir wollen ein harmonisches Leben und glauben, wir bekommen das, wenn der andere „versteht“ was wir wollen und uns zustimmt. Und so versuchen wir mit allen Mitteln – Achtung: Da ist sehr oft Manipulation im Spiel – den Anderen dazu zu kriegen, dass er uns versteht. Den Gefallen tut er uns aber nicht. Denn es geht auch auf Seelenebene darum, dass wir lernen für uns selbst einzustehen. Das ist Teil der Selbstliebe. Das haben viele nicht gelernt. Wenn wir uns in einer Beziehung selbst aufgeben, betrügen wir uns selbst– und ja, ich weiß, das klingt hart.

Ÿ Wie bringt man Respekt und Wachheit in eine Beziehung?

In dem man Respektlosigkeit zum Beispiel nicht zulässt. Ich kann nur selbst respektvoll sein. Ob der andere es ist, ist seine Entscheidung. Ist jemand mir gegenüber nicht respektvoll, habe ich nur zwei Wahlmöglichkeiten: Das zuzulassen oder zu gehen. Sonst sehe ich keine Möglichkeit. Du?

Ÿ … aber kann man das nicht besprechen?

Ja. Wenn derjenigen dann sagt: „Klar. Logisch. Jetzt verstehe ich das!“ ist das toll. Aber wie wahrscheinlich ist das?

Ÿ Du meinst unwahrscheinlich?

Wie ist Deine Erfahrung? Jemand der aus Gewohnheit respektlos ist, was braucht es da, damit er sich das abgewöhnt?

Ÿ Den Wunsch es zu tun?

Ja.

Ÿ Aber kann ich da nicht helfen?

Du kannst es ja mal probieren. Aber ich würde mir an Deiner Stelle ein Zeitlimit setzen. Sonst probierst du das dein ganzes Leben lang …

Ÿ Also wie schon vorher gesagt: Jeder ist für sein eigenes Wachstum zuständig und es liegt nicht in unserer Verantwortung …

… es liegt nicht in unserer Macht …

Ÿ es liegt nicht in unserer Macht das zu ändern. Das muss derjenige schon selber tun. Und ob er das tun will, merke ich dann doch recht schnell.

Ja.

Ÿ Wenn eine Beziehung einfach nicht passt – kann man das ändern, sie quasi „passend machen“?

Wie?

Ÿ Das wollte ich eigentlich von Dir wissen.

Ich weiß nicht wie das gehen soll.

 Also anders herum gefragt: Wann ist es Zeit zu gehen?

Wenn wir zögern, ist die Beziehung noch nicht zu Ende. Da ist etwas noch nicht gemacht, noch nicht erkannt, noch nicht verstanden worden. Da haben wir uns vielleicht noch nicht wirklich mitgeteilt oder versuchen das Partnerproblem immer noch alleine zu lösen. Oder wir haben unser Ängste vor dem Alleinsein noch nicht angeschaut. Wenn die Beziehung vorbei ist, dann ist das als ob das Licht angeht. Da gibt es keine Zweifel mehr.

Ÿ Du sagst, wenn wir niemanden verletzen wollen, verletzen wir uns selbst. Warum?

Weil wir uns verbiegen. Weil wir nicht zeigen wer wir sind, was wir empfinden, wie wir etwas erleben. Wir versuchen jemand anderen nicht zu verletzen und sagen nicht die Wahrheit. Zum Beispiel: Wenn ich nicht sicher bin, ob ich in einer Beziehung bleiben will und mein Partner mich fragt: „Liebst du mich noch?“ und ich dann automatisch „Ja“ sage – um ihn nicht zu verletzten – dann habe ich mich verletzt. Ich habe mich selbst betrogen, in dem ich mich nicht wahrhaftig mitgeteilt habe. Ich hätte sagen können: „Im Moment liebe ich dich nicht. Ich befinde mich in einem Zustand der Verwirrung. Ich denke immer öfter über eine Trennung nach. Wie geht es Dir mit unserer Beziehung?“ Dann erst kann ein Dialog entstehen und wenn beide gemeinsam offen über ihre Zweifel und Ängste sprechen, kann sich wieder Nähe entwickeln. Und nur Nähe bringt uns zur Liebe.

Ÿ Was hat die Liebe mit Grenzen setzen zu tun? Und wenn wir es nie gelernt haben: Wie können wir Grenzen setzen?

Da gibt es ein Online Video von mir (YouTube: Grenzen setzen und Nein sagen – Sabrina Fox)

Ÿ Und wenn es wirklich nicht mehr geht: Wie trennt man sich am besten?

Ehrlich und anständig. Jeder weiß, was das bedeutet. In meinem Buch beschreibe ich viele Beispiele eben auch von gelungenen Trennungen.

Ÿ Warum können wir uns selbst in einer Trennungsphase besonders gut kennenlernen?

Wenn wir uns verlieben, zeigen wir uns, wie wir gerne wären. Wenn wir uns trennen, zeigen wir uns wie wir sind. Wenn wir von uns glauben großzügig zu sein und wir uns bei der Trennung darüber streiten, wie oft der andere Elternteil die Kinder sehen darf oder wie viel Unterhalt jemand bekommt, dann sind wir nicht so großzügig wie wir gedacht haben. Wenn wir uns wach betrachten, dann können wir viel über uns erfahren.

Ÿ Welche Chancen stecken in einer Trennung?

Wachstum – und sehr viel Liebe. Wir können uns immer noch lieben. Selbst wenn wir uns trennen. Wir haben nur beschlossen nicht mehr zusammen zu leben.

Ÿ Warum sehen wir so oft erst nach einer Beziehung, also nach der Trennung, was schiefgelaufen ist?

Weil wir alle es immer nur so gut machen, wie wir es zu dem Zeitpunkt können. Hätten wir es besser gewusst, hätten wir es anders gemacht.

Ÿ Wie lernt man, mit sich selbst allein zu sein?

Indem man mehr Zeit mit sich selbst verbringt. Ich liebe mich. Das hat lange gedauert. Es gibt niemanden mit dem ich lieber Zeit verbringe als mit mir und ja – das ist ziemlich egoistisch (lacht).

Ÿ Wie schafft man es, sich in sich selbst zu verlieben?

Ich kann nur von mir reden: Ich habe mir die Dinge abgewöhnt, dir mir nicht gefallen haben: Ich war zum Beispiel nachtragend. Kleinlich. Manipulierend. Ich habe früher oft gelogen. Habe nicht getan, was mir gut tat. Mochte meinen Körper nicht. War nicht authentisch. Dann wurde ich mit mir und der Welt verständnisvoller und aufmerksamer. Und das hat mir an mir gefallen. Ich habe immer noch einen inneren Kritiker, der manchmal sehr streng mit mir sein kann und dann gehe ich in die Stille, rede mit ihm und erinnere ihn daran, dass wir mit Strenge nicht zur Wachheit kommen. Und dann nickt er und verspricht mir beizustehen.

Ÿ Du schreibst in Deinem neuen Buch: Wenn wir im Außen nach Liebe suchen, dann bleiben wir Suchende? Was heißt das genau?

Liebe ist nicht etwas was zu mir kommt. Liebe ist, was ich bin. Der Grund warum wir das Verliebt sein so genießen ist, dass uns da jemand anschaut, der von uns begeistert ist. In dessen strahlenden und und damit  betrachtenden Augen sehen wir unsere eigene Schönheit. Und das gefällt uns. Für manche von uns ist das das erste Mal, dass sie sich „geliebt“ fühlen. Und dieser Blick der uns da trifft, der trifft uns ins Herz und das wünschen wir uns zu erhalten. Doch wie wir alle wissen: Verliebtheit hält eben nicht ewig. Und dann wird ihm auffallen, dass wir vielleicht doch nicht so toll sind, wie wir am Anfang schienen – denn wir haben eben auch Schwächen. Und wenn diese Schwächen ebenso liebevoll vom Anderen betrachtet werden können, dann fühlen wir Liebe. Und wenn wir das mit anderen und auch uns selbst können, dann SIND wir Liebe. Denn Liebe ist nicht nur ein Gefühl, sondern eben auch ein Zustand.

 

Mir wurden vom Schweizer Magazin „Weitsicht“ fünf Fragen gestellt – und ich habe aus Versehen die Fragen genommen, die dem vorherigen Interviewpartner gestellt wurden. Deshalb hier einfach im Blog – damit die Zeit nicht ganz umsonst war …;-)

 

Was ist Spiritualität?

Wach und Bewusst zu leben, verbunden mit der Erkenntnis, dass ich Seele bin, die hier eine menschliche Erfahrung macht. Das bedeutet für mich den Unterschied zwischen Persönlichkeit und Seinszustand wahrzunehmen und aus dem letzteren agieren – sich also darin entspannt und leicht zu bewegen – egal wie das im außen ankommt. Es geht von hektisch, ziele-erreichend hin zur bewussten Langsamkeit; zum Leben im Sein. Darin übe ich mich.

 

Wann und warum haben Sie sich aufgemacht auf den Weg in die Spiritualität?

Vor knapp dreißig Jahren durch eine berufliche Krise. Ich war eine erfolgreiche Fernsehmoderatorin und mir war damals nicht klar, dass ich mich wie eine Schauspielerin in meinem eigenen Leben bewegte. Ich begann wacher zu werden und – wie bei einer Zwiebel – die über Jahre auf mein Sein gestülpten Schichten abzulegen.

 

Ungeduld ist für viele Menschen ein Thema: Wie schnell können wir uns spirituell entwickeln?

Das geht vielen von uns so, glaube ich. Mir auch. Es gibt einen sehr strengen Aspekt in mir, der erwartet in jedem Augenblick komplettes waches Bewusstsein. Das schaffe ich nicht. Manchmal drifte ich zum Beispiel in Gedankenschlaufen ab. Also wenn ich nur einen Hauch abweiche, dann kann der sehr fuchsig werden. Das hat auch Vorteile: Ich bleibe dran (lacht). Wir haben uns mittlerweile auf eine liebevollere Art des Hinweisens geeinigt. Und: Schneller geht es sowieso nicht. Wir alle sind auf unserer Seelenreise und die entwickelt sich so, wie sie sich entwickelt. Wenn wir im fünften Monat schwanger sind, dann hilft es auch nichts, wenn wir schon mal pressen. Ein Kind dauert. Und eine Entwicklung eben auch. Leichter gesagt, als getan…

 

Wie zeigt sich spirituelle Entwicklung im Außen, wie veränderte sich Ihr Leben auf diesem Weg?

Wenn wir uns verändern, verändert sich immer das Außen. Früher hatte ich viele anstrengende Leute um mich. Heute nur noch tolle. Früher war ich rechthaberisch, neidisch, nachtragend, manipulierend und schnell beleidigt. Das kann man sich abgewöhnen. Dadurch wird das emotionale Leben entspannter und ruhiger. Man legt sich nicht mehr mit der Realität an. Das ist sehr praktisch. Es ist ein komplett anderes Sein. Man hat mehr Verständnis für andere, verteidigt aber auch gleichzeitig was für einem selbst wichtig ist.

 

Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse und Empfehlungen für den spirituellen Weg?

Seinem eigenen Weg zu folgen. Wirklich nur seinem zu folgen. Wir können uns Inspiration holen, aber das war es auch schon. Bloß kein Guru. Für mich sind Seelenschwestern und Seelenbrüder wichtig, die einen ähnlichen Fokus auf Wachheit haben und mit denen ich mich auf Augenhöhe austauschen kann. Austauschen. Nicht folgen. Wir alle erspüren selbst, was für uns richtig ist. Das muss manchmal nur mehr geübt werden …

 

Ihr Lieben,
vielleicht seid ihr auch gerade in einer Umorientierungsphase. Ich treffe zur Zeit viele Menschen, denen das so geht. Deshalb wollte ich gerne etwas dazu in meinem Blog schreiben. Ich habe ihn genannt:

Den Verstand verlieren …

„Ich komme von einem Abendessen mit zwei Freundinnen zurück und wir sprechen über Veränderungen. Wir sind im gleichen Alter – mehr oder weniger 60 Jahre alt – und merken, dass nicht nur wir, sondern gefühlt unsere komplette Altersgruppe ihr Leben gerade umstellt oder umstellen möchte. Und wir scheinen nicht alleine zu sein.“

Mehr […]


Sehen wir uns in Leipzig?

Ich freue mich auch dieses Jahr jetzt im September Leipzig zu besuchen. Ich gebe einen Workshop „Ein Tag für die Liebe“. Zuerst habe ich ein Gespräch bei den Welt-im-Wandel-Impulsen (hier ist der link dazu) […] und gebe einen Tag später am 16. September den Tagesworkshop:
Im Einklang. Näheres dazu hier […]

Das sind die Inhalte: Was ist eigentlich Liebe? Woran erkenne ich eine gesunde Liebe?
Warum sind wir zusammengekommen? Ist meine Beziehung zu Ende? Was habe ich „falsch“ gemacht? Wie kann ich mit meinen Gefühlen umgehen? Wie geht eine Trennung ohne Bedauern? Warum habe ich kein „Glück“ in der Liebe? Warum passiert mir das immer wieder? Wie kann ich die Trennung für die Kinder gestalten?
Im November bin ich zu dem Thema noch in Frankfurt und in Hamburg. Vielleicht sehen wir uns?


Hier 3 Online-Kongresse zu verschiedenen Themen:

Offensichtlich ist der September ein beliebtes Datum für Online-Kongresse. Das System ist ja immer das gleiche: Ihr meldet Euch an und könnt dann kostenlos für 24 Stunden jeweils die freigeschalteten Videos sehen. Diese drei Interviews habe ich vor einer Weile gegeben und zwei weitere kommen noch – ich glaube im November. Es ist bei den Anfragen nicht ganz klar, wann die Interviews ausgestrahlt werden, denn manchmal ändern sich auch die Termine der Kongresse. Deshalb hier jetzt so geballt. Zur Zeit sage ich nicht mehr bei Anfragen zu. Ich habe beschlossen auch da Pause zu machen.

Lebe Deine Bestimmung

Das ist das Thema das Berit Heister so interessierte, dass sie einen Online-Kongress dazu gestaltet hat. Es geht um gelebte Spiritualität: Uns auch immer wieder daran zu erinnern, dass wir eine Seele sind, die einen Körper hat. Und nicht umgekehrt. Hier ist der Link […] Der Kongress ist vom 14.9. bis zum 22.9. Mein Interview wird am Sonntag, den 15. September freigeschaltet.


Patchwork-Familien – ein empfehlenswerter Kongress

Vor einem Jahr gab es schon mal den Patchwork-Kongress und ich gab damals auch ein Interview. Ich habe während des ersten Kongresses diverse Interviews angehört und war von der Auswahl und den Gesprächen, die Yvonne Woloschyn geführt hat, sehr begeistert. So begeistert, dass ich auch in meinem neuen Buch „Wenn wir uns trennen, lernen wir uns kennen“ […] darüber berichtet habe (Das Buch erscheint am 21. Oktober). Falls Ihr mit dem Thema etwas zu tun habt, empfehle ich Euch da reinzuschauen. Mein Interview wird am 20. September ab 20.00 Uhr für 24 Stunden freigeschaltet. Hier ist der Link […]


Selbstliebe ist so ein wichtiges Thema…

Viele haben Angst davor, weil sie befürchten, in den Egoismus oder in die Egozentrik abzurutschen. Und doch hat Selbstliebe viel mit Selfcare (sich also um sich selbst zu kümmern: emotional und auch körperlich) zu tun. In diesem Kongress unterhalte ich mich mit Elena Wienkotte, was es braucht und wie wir alle mehr Liebe für uns selbst entwickeln. Mein Interview wird am 17. September ab 18.00 Uhr freigeschalte: Link […]


Mein Interview vom Frühjahrs-Flow-Summit

Hier ist ein Link […] zu meinem Beitrag vom letzten Flow summit im Frühjahr. Dank an Dominik Roessler vom Sinnsucher-Team, der es mir zur Verfügung gestellt hat und ich es somit Euch zur Verfügung stellen kann. In diesem Beitrag spreche ich über Gefühle, was wir tun können, wenn wir unser Wohlgefühl verlieren, über energetische Felder und wie wichtig es ist, dass wir uns in unserem Körper und in unserem Leben wohlfühlen … und wie erleichternd es ist, keine Geheimnisse mehr zu haben. Mehr dazu in diesem Video […]


Du bist nicht, was du denkst

Ich habe ein sehr gutes Buch von Georg Lolos „Du bist nicht, was du denkst“ gelesen, dass ich Euch gerne empfehlen möchte. Es gibt viele Bereiche, die dort besonders klar und anschaulich dargestellt werden und ich empfand es als eine Bereicherung. Ebenfalls hat eine Freundin von mir – Doris Dorrie – ein Buch geschrieben, um zum Schreiben anzuregen: „Leben, Schreiben, Atmen – Eine Einladung zum Schreiben.“ Schreiben bringt die Gedanken und Empfindungen aufs Papier. Es geht nicht darum, einen Pulitzer-Preis-Roman zu schreiben. Es geht „nur“ ums Schreiben. Denn: Schreiben hilft … probiert es doch mal.
In meinem vorletzten Blog habe ich über die Einsamkeit […] geschrieben und es gab einige Kommentare dazu. Vielleicht möchtet ihr da mal reinlesen. Besonders für diejenigen, die gerne alleine sind und sich manchmal wundern: „Stimmt da was nicht mit mir?“

Seid umarmt,
Sabrina

Ich komme von einem Abendessen mit zwei Freundinnen zurück und wir sprechen über Veränderungen. Wir sind im gleichen Alter – mehr oder weniger 60 Jahre alt – und merken, dass nicht nur wir, sondern gefühlt unsere komplette Altersgruppe ihr Leben gerade umstellt oder umstellen möchte. Zusätzlich spreche ich seit Wochen mit meinem Liebsten und meinen beiden engsten spirituellen Freunden und auch bei ihnen stellt sich immer wieder die Frage:

Wie wollen wir JETZT leben?

Wir sind es gewohnt zu erschaffen, zu kreieren, weiter zu machen. Doch das bedeutet auch, dass wir darüber nachdenken was wir loslassen, was wir behalten und was wir neu entwickeln lassen möchten. Wie viel freie Zeit brauchen wir zwischen dem Loslassen und dem Neubeginn?

Zeit zum Nachforschen. Nachdenken. Dazu braucht es Stillstand. Ruhepausen. Rückzug.

Und in dem Rückbeziehen auf sich selbst, geht es auch um das Loslassen. Was genau wollen wir loslassen? Wenn wir beginnen unsere Lebenskraft aus bestimmten Dingen herauszuziehen, dann entsteht häufig eine Art Vakuum. Das Neue hat sich noch nicht eingestellt. Das Alte ist noch nicht weg, weil es uns eben auch ans Herz gewachsen ist – haben wir doch viel Zeit und Energie und Lebenskraft hineingelegt.

Wenn wir uns verändern, verändern sich unsere Lebensumstände. Manchmal allerdings verändern wir uns so schnell, dass unsere Lebensumstände kaum mehr nachkommen.

Ein Beispiel dazu ist mein Workshop-Raum, die Galerie Schwabing. Ich hatte mir vor Jahren diese Räume gekauft, in der schon eine Galerie war. Mir gefiel der Platz und obwohl ich ihn ja selbst nicht benutzen würde, sondern er weiterhin vermietet blieb, fühlte ich eine vertraute Nähe. Irgendwann – das wusste ich – würde ich die Räume selbst nutzen.

Einige Jahre später kündigte der Mieter. Das ist jetzt knapp zwei Jahre her und ich spürte die vertraute Begeisterung in mir: „Jetzt ist die Zeit gekommen. Ich werde diese Räume selbst nutzen.“ Und damit auch mein Liebster Stanko, um seine wundervollen Farbfelder dort auszustellen. Es schien ideal: Ich mache dort meine Workshops in meinen eigenen Räumen, eingerichtet mit meinem Geschmack und meiner Energie und Stanko hat für seine Bilder den passenden Rahmen in den Räumen dieser Galerie.

Seit knapp dreißig Jahren unterrichte ich in „fremden“ Räumen. Immer komme ich mit Salbei. Immer räuchere ich ihn aus. Für manche brauchte ich viel  Salbei. Manche Räume waren angenehmer als andere. Doch nie kam ich in einen Workshop-Raum und dachte: „Wie ideal, das passt perfekt.“ Doch das sollte jetzt anders werden. Ich wollte in ein Zuhause von mir einladen. Dazu beschäftigte ich mich mit den Räumlichkeiten in Schwabing. Sang darin, sass darin, meditierte darin – füllte diesen Raum auf mit meinem Sein; füllte ihn mit Intension, Liebe, Schönheit und Kraft.

Dann begann ich meine Kurse dort abzuhalten. Es fühlte sich wunderbar an! Stankos Farbfelder erfüllten den Raum mit Farbe und Licht. Jede und jeder schien sich wohlzufühlen. Es war ideal! Ich sang fast jeden Freitag Abend mit meiner Improvisations-Gruppe Munich-Impro-Pool und wunderbarer Klang füllte und blieb im Raum.

Ab und zu vermietete ich ihn an Freunde, die ich schätzte und die ebenfalls diese Räume in dem Sinne benutzten, in dem sie gestaltet wurden. Das Geld welches ich für die Renovierung und Einrichtung ausgab, fand ich gut angelegt. Schließlich würde ich ihn lange und oft nützen.

So dachte ich.

Etwas mehr als ein Jahr später begann mein innerer Rückzug. Ich merkte kurz darauf, warum ich im Jahr davor Online-Kurse gestaltet hatte, damit meine Arbeit zur Verfügung stehen kann, selbst wenn ich es gerade nicht bin. Da ich spürte, dass ich mehr Stille, mehr Zeit alleine brauchte, stellte ich immer weniger Workshop-Angebote in der Galerie zur Verfügung. Im Oktober kommt mein neues Buch heraus („Wenn wir uns trennen, lernen wir uns kennen“ – ein Beziehungsbuch) und ich gebe dazu drei Workshops (Leipzig, Hamburg, Frankfurt) und habe nicht mal einen für die Galerie in München geplant.

Warum?

Ich zögere. Ich zögere den Raum zu behalten. Zögere aber auch ihn zu vermieten. Dies ist ein heiliger Raum geworden. Mein heiliger Raum. Mein Verstand sagt mir, dass es unpraktisch ist, so einen schönen Raum nicht häufiger zu nutzen. Unpraktisch und teuer. Grundsätzlich mag ich es nicht, wenn Dinge nicht benutzt werden. Wenn ich ihn schon nicht benutzte, dann sollen ihn wenigstens andere benutzen. So halte ich es auch mit den Dingen, die mir gehören. Wenn ich sie nicht benutze, gebe ich sie weiter, verschenke oder verkaufe sie.

Aber was mache ich nur mit der Galerie? Wem will ich den Raum vermieten?  Ich will nicht, dass es ein Büro wird. Möchte keine hektischen Meetings über Business as usual dort abgehalten wissen. Dafür wurde der Raum nicht gestaltet. Stanko und ich haben lange darüber gesprochen, was wir uns für diesen Platz wünschen und haben uns zu folgendem entschieden: Dies ist ein Raum für angenehmes und aufmerksames Sein. Schönheit. Weisheit. Klang. Freude. Kunst. Wer also hält ihn „heilig“ genug?

Ich habe Fotos von der Galerie gemacht. Ich habe sogar schon eine Text für Immoscout geschrieben. Es würde zwanzig Minuten dauern ihn reinzustellen. Ich habe zwanzig Minuten. Und doch stelle ich die Anzeige nicht rein. Ich warte noch.

Worauf ich warte? Auf den Impuls es auch zu tun. Ich kenne das Zögern in mir und schätze das Zögern. Wenn ich zögere, bleibe ich erst einmal stehen. Da gibt es etwas, das noch nicht geklärt ist. Das sich noch nicht entwickelt hat. Die Zeit dafür noch nicht gekommen ist.

Zusätzlich gibt es wie bei allem auch noch verschiedene Möglichkeiten: Ich kann die Galerie Schwabing ganz hergeben – und ganz loslassen – oder sie vielleicht nur an eine Mieterin, eine Mieter unter der Woche (Montag bis Freitag) vermieten – so dass ich ihn am Wochenende (wenn ich denn will) wieder selbst nutzen kann.

Wenn ich denn will …

Will ich denn?

Ich weiß es nicht. Ich weiß es noch nicht. Was ich weiß ist, dass ich jetzt keine Entscheidung treffen kann. Es fehlt noch etwas. Es fehlen Informationen. Informationen die ich vielleicht dann habe, nachdem ich im Herbst meine drei Workshops gegeben habe. Machen sie mir soviel Freude, dass ich das gestalten kann: Eigene Stille und ab und zu Kurse? Oder merke ich dann, dass es erst einmal Zeit ist, keine Kurse zu halten,  um mich ganz der eigenen Stille und dem Wachsein zu widmen?

War es ein Fehler die Galerie herzurichten, Sitzgelegenheiten extra machen zu lassen, Teppiche zu kaufen, Paravents, Rollos, Gläser, Tassen, Whiteboard zu besorgen und Flyer zu drucken? War es ein Fehler, verschiedene Möglichkeiten des Sitzens, des Bewegens und des Betrachten zu erschaffen? War es ein Fehler, soviel Zeit zu benutzen, darüber nachzudenken wie diese hundert Quadratmeter gestalten werden können, damit sich jede und jeder der hereinkommt wohlfühlt? War es ein Fehler stundenlang darüber zu sinnieren, was noch schöner, noch angenehmer, noch passender gemacht werden kann?

Es gibt keine Fehler – das weiß ich. Aber manchmal geht die Entwicklung schneller als gedacht. Was sich noch vor zwei Jahren, zwei Monaten, zwei Wochen oder zwei Tagen als „richtig“ anfühlte, kann jetzt schon anders sein. Es geht um das Offensein und Offenbleiben. Sich selbst immer wieder in Frage zu stellen. Der inneren Ausrichtung zu folgen – selbst wenn die Persönlichkeit sich die Haare rauft und fragt, ob wir jetzt völlig den Verstand verloren haben!

Ja. Wir haben den Verstand verloren. Wir haben ihn als einzigen Ratgeber verloren. Wir hören auf etwas anders. Etwas Tieferes. Wir hören auf unsere Seele. Das mag zwar im Moment keinen Sinn ergeben. aber tut es im nachhinein eben immer.

Es gibt einen wundervollen bayerischen Ausspruch, der da heißt: „Schau ma moi.“ (Schauen wir mal.)

 

Ja, dann schauen wir mal …

 

 

 

 

Immer wieder liest und hört man davon, dass sich viele von uns einsam fühlen und es klingt jedes Mal wie eine Krankheit. Da gibt es in uns dieses Gefühl, das anscheinend nicht „gut“ ist und das wir loswerden wollen – oder sollen.

Einsamkeit. Klingt schon mal nicht verlockend. Klingt so, als würde man mit uns nichts zu tun haben wollen. Alle haben uns verlassen und niemand interessiert es, was mit uns passiert. Einsamkeit klingt nach traurigem Leben. Keinen Freunden. Niemand dem wir wichtig sind. Nach Verlassen werden. Nach nicht dazugehören.

Ein Zustand, den es zu vermeiden gilt. Oder?

Wir loben die Zweisamkeit, die Paar-Beziehung, langjährige Ehen – doch selten wird jemand gelobt, weil sie oder er alleine glücklich lebt. Komischerweise glaubt man das oft nicht. Es wird vermutet, dass die- oder derjenige sich mit der Situation eben arrangiert hat und sich im tiefsten des Herzens doch nach etwas anderem sehnt. Interessant, nicht wahr?

Woher kommt das? Für unsere Vorfahren war alleine sein auch gefährlich. Sie mussten in Gruppen zusammenleben, um sich gegenseitig zu schützen und abzusichern. Das Überleben hing davon ab, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Früher (und in manchen Teilen unserer Welt immer noch), brauchte eine Frau einen männlichen Beschützer. Diese Ur-Ängste und Ur-Erfahrungen sind in unserem Reptiliengehirn und Säugetiergehirn verankert und werden gelegentlich getriggert: Eben dann, wenn wir alleine sind und noch nicht erfahren haben, dass dieser Zustand früher zwar gefährlich war, heute es aber (in den meisten Fällen) nicht mehr ist.

Das erfährt man aber nur, wenn man sich auf diesen Zustand einlässt und ihn mal ausprobiert. Und dadurch auch erkennt, dass wir nicht verloren sind, nur weil gerade kein anderer Mensch in unserer Umgebung ist.

Manche möchten dieses Gefühl der Einsamkeit unbedingt vermeiden.

So sehr, dass sie sogar bereit sind sich selbst unglücklich zu machen und in schmerzlichen Beziehungen verharren, sich schlecht behandeln lassen … nur um nicht alleine zu sein.

Wieder andere glauben, dass „Andere“ für unser Wohlbefinden und unsere Unterhaltung zuständig sind. Dass jemand anderer (Familie, Freunde, Kollegen, die Menschheit an sich) dafür sorgen soll, damit wir nicht alleine sind. Da wird gewartet, dass sich jemand anderer erbarmt, sich kümmert, endlich mal für uns da ist. Das wird auch gelegentlich scharf eingefordert: „Warum kümmerst Du Dich nicht?“ Wir wünschen uns unsere Kindheit zurück, in der es (im Idealfall und für ein kindliches Aufwachsen lebensnotwendig) immer jemand gab, der sich um uns kümmert. Denn wir konnten uns nicht alleine um uns kümmern. Wir brauchten jemanden, der uns versorgte, ernährte und beschützte.

Es ist aber unsere Aufgabe als erwachsener Mensch unser Leben so zu gestalten, dass wir uns darin wohl fühlen. Und wenn wir uns nach Gemeinschaft sehnen, dann braucht es eigene Schritte. Wir können uns aufmachen, um nach Gemeinschaften zu suchen, die zu uns passen – oder aber stöhnen, dass sich niemand um uns kümmert.

Je früher wir uns mit dem Gedanken anfreunden, dass wir uns alle im tiefsten unseres Herzens einsam fühlen, desto leichter wird unser Leben.

Einsamkeit lässt sich nicht vermeiden.

Das ist wie atmen. Ohne Atem können wir nicht leben. Ohne das Gefühl des Alleine seins können wir keine menschliche Erfahrung machen.

Natürlich fühlen wir das nicht immer. Sind wir in einer zärtlichen Umarmung, erfreuen uns an unseren Liebsten, sitzen gemütlich mit Lieblingsmenschen zusammen – all das gibt uns ein Gefühl der Zugehörigkeit. Und doch, wenn wir dann nach Hause gehen, alleine in den Sternenhimmel schauen, uns der eine oder andere Gedanke beschäftigt oder betrübt, dann erspüren wir es wieder: Ich bin doch alleine.

Ja. Das sind wir alle. Und das ist nicht falsch.

Aber halt! Sollen wir nicht alle spüren, das wir „eins“ sind? Und ist das nicht doch die falsche Richtung?

Das eine schließt das andere nicht aus. Wenn wir einem Musikstück zuhören, dann mag der Klang harmonisch sein, aber trotzdem wird er durch einzelne Instrumente erschaffen. Jedes dieser Instrumente steht für sich alleine und hat eine bestimmte Qualität, eine Schwingung, einen Klangkörper und klingt eben auch alleine schön. Gemeinsam wird es ein anderer Klang. Voller. Vielleicht monumentaler. Und doch kann das geübte Ohr unterschiedliche Klänge heraushören. Jedes Instrument ist einzigartig.

So wie wir.

Damit wir eine menschliche Erfahrung machen, braucht es einen Körper. In dem Leib unserer Mutter erspüren wir die Verbindung und doch – sind wir da schon „alleine“. Wir bewegen uns alleine. Wir entwickeln uns alleine. Wir wachsen alleine. Ja, alles mit Hilfe der Mutter und den Nährstoffen, die sie uns durch ihren Körper schenkt und doch ist es unsere eigenständige Entwicklung.

Das hört nicht auf, nur weil wir geboren werden. Wir verstehen, dass wir die Mutter und ihren geschützten Raum verlassen müssen, um unser Leben „alleine“ zu gestalten. Auch da hoffentlich mit zärtlicher und aufmerksamer Unterstützung – was nicht jeder und jedem von uns zuteil wird.

Haben wir in jungen Jahren ständig Zurückweisung, Schmerz und Abwertung statt Liebe und Aufmerksamkeit erfahren, so glauben wir, dass unser Gefühl des „Alleinseins“ daran liegt. Kein Wunder also. Wären wir „besser“ gewesen, hätten wir aufmerksamere Eltern gehabt, wäre unser Leben anders verlaufen, dann würden wir uns nicht einsam fühlen.

Sind wir mit Liebe überschüttet worden und fühlen uns „trotzdem“ einsam, denken wir: „Mit mir stimmt was nicht! Ich habe doch alles? Warum fühle ich mich trotzdem einsam?“

Wir fühlen uns alle gelegentlich einsam.

Wir machen diese menschliche Erfahrung alleine. Es war unser Wunsch aus der Gemeinsamkeit (Wir sind alle eins), in die „EINsamkeit“ zu gehen. Wir haben das Meer verlassen (das Alles-was-ist), um wie ein Tropfen zu erleben, wie es ohne das Meer ist. Dies ist eine singuläre Erfahrung. Um dann (durch inneres Wachstum) zu erkennen, dass wir – als Tropfen – das Meer in uns tragen.

Dazu haben wir uns aus dieser Verbindung – also von der Gemeinsamkeit – in das alleine erleben hineingewünscht. Wie fühlt es sich an „all-eins“ zu sein? Kann ich in mir Heimat finden oder brauche ich ständig von Außen Betreuung? Bin ich in mit mir selbst glücklich oder bin ich nur „glücklich“ mit Ablenkung von Anderen? Brauche ich Zerstreuung und Amüsement, um mich von meinem eigenen Sein durch Stories, Klatsch, Drama, Neuigkeiten abzulenken?

Das Leben wird alleine gestaltet. Ja, wir können uns Unterstützung holen, ja wir können uns anlehnen, aber in unseren Gedanken, unseren Gefühlen und in unserem Körper sind wir allein (All-Eins). Noch zu viele von uns machen enorme und schmerzliche Kompromisse für eine Gemeinsamkeit, die uns nicht nährt, sondern an uns zehrt.

Wir erkennen mit den Jahren, dass wir für unser eigenes Leben zuständig sind.

Wir erkennen die Wahlmöglichkeiten, die wir haben und wie wir unser Leben und unser Sein bisher gestaltet haben – und weiterhin gestalten möchten. Wir übernehmen entweder die vollständige Verantwortung für uns oder eben nicht. Falls nicht, geben wir damit auch unsere Kraft ab und das Wissen, dass wir die Schöpfer unseres Lebens sind. Dann sind die anderen die Mächtigen – und dann sind wir nicht mehr selbst mächtig genug, für uns einzustehen, sondern sie haben „Schuld“, dass es uns nicht gut geht.

Manche wünschen sich Kinder, damit sie sich nicht mehr alleine fühlen. Kinder sind dazu ideal, denn sie lieben uns gleich von Anfang an und werden das auch weiterhin tun, wenn wir einigermaßen passable Eltern sind. Und mit Kindern sind wir beschäftigt. Wir kommen gar nicht dazu, uns einsam zu fühlen, sondern im Gegenteil: Wir wünschen uns mal Zeit alleine. Aber … bitte nicht zu viel. Immer nur so viel, dass wir das Gefühl bekommen, wir können zwar ausatmen, aber wir wollen uns auf gar keinen Fall alleine fühlen.

Dann kommt das „Emty-nest-Syndrom“, wenn die Kinder das Haus verlassen und ihr eigenes Leben gestalten möchten. Für viele ist dies wie eine Scheidung: Wir fühlen uns verlassen – selbst von den eigenen Kindern. Das Gemeinsame war zur Gewohnheit geworden. Wir haben uns selbst kaum mehr erspürt, weil wir so beschäftigt waren. Und jetzt kommt das Gefühle wieder hoch: Ich bin einsam…

Ich habe mal wieder meine Patientenverfügung überprüft. Ich glaube zwar nicht, dass ich die letzten Tage und Stunden meines Lebens nicht mehr in der Lage sein werde, meine Wünsche zu artikulieren, aber manche Dinge (wie die Patientenverfügung) habe ich trotzdem, obwohl ich vor habe, gesund zu sterben. Ich habe meiner Patientenverfügung etwas für mich wichtiges hinzugefügt: Meinen Wunsch alleine zu sterben. Klar kann mich jemand besuchen und von mir Abschied nehmen und ja, es kann auch meine Hand gehalten werden und doch möchte ich weder eine Rundumbetreuung, noch dass jemand die ganze Zeit in meiner Nähe ist. Das will ich in meinem Leben nicht und das will ich auch nicht, wenn ich sterbe. Ich will beim einschlafen auch nicht, dass jemand dauernd meine Hand streichelt und mir sagt, wie nett es mit mir war. So kann ich nicht einschlafen.

Ich will in Ruhe und alleine sterben.

In einer Partnerschaft, in der die Einsamkeit und das Alleine-Sein des Anderen geschätzt wird, gibt es eine entspannte Gelassenheit. Wenn ich ein paar Stunden in Stille im Garten sitze und meditiere, dann sieht mein Liebster das und sorgt dafür, dass ich nicht gestört werde. Er weiß, wie wichtig mir diese Stille ist und wenn ich sie wieder verlasse, bin ich wieder aufmerksam da. Aber ich brauche diese Zeit, wie er sie auch braucht.

In der Einsamkeit begegnen wir uns selbst.

Da gibt es nichts, was uns ablenkt. Wir haben tief in uns die Quelle, aus der wir uns nähren und in der wir uns nie verlassen fühlen. Im Gegenteil: Wir fühlen uns angekommen.

Wir alle kennen das: Wir kommen von einer Reise zurück und sind endlich wieder zuhause. Da gibt es eine enorme Erleichterung und Vertrautheit. Es ist alles da, wie ich es mag und kenne: Mein Bett, mein Wohnzimmer, meine Lieblingsdecke.

Und so ist es auch mit der Einsamkeit. Wäre es nicht erleichternd, wenn wir wissen, dass es normal ist, dass wir uns alle hin und wieder einsam fühlen? Und noch dazu wenn wir wissen, wie wichtig das für uns ist?

Wir fangen dann bewusst an, mit der einzigen Person eine glückliche Beziehung zu führen, die uns unser ganzen Leben begleiten wird: Uns selbst.

Wenn wir dann erkennen, dass wir uns die beste Freundin, der beste Freund sind, dann ist uns unsere stille Zeit so wertvoll, dass wir sie zu verteidigen beginnen. Nirgendwo sonst fühlen wir uns so wohl wie in und mit uns selbst.

 

Die Einsamkeit. Ein Reiseziel, dass sich lohnt …

 

 

 

 

Vielleicht ist es auch aufgefallen, dass ich an den Feiertagen sehr selten etwas darüber schreibe. Das liegt daran, dass ich oft eine andere Sicht darauf habe oder ich mich auch von bestimmten Feierlichkeiten innerlich schon lange entfernt habe. Ostern. Auch so eine interessante Zeit.

Mich hat es immer schon irritiert, dass das Symbol in den Kirchen ein gekreuzigter Jesus ist. Kein Fisch – das erste Symbol der Christen – sondern ein Kreuz, dass uns daran erinnern soll, dass er „für unsere Sünden“ gestorben ist. Das werde ich nie verstehen und für mich macht das auch keinen Sinn. Jeder von uns hat in seinem Wachstum, seiner Wachwerdung, seine eigenen Herausforderungen. Und dass jemand für uns stirbt, weil wir gesündigt haben, auch noch gleich mit der Geburt und dann jemand diese „Sünden“ uns abnimmt … nun ja … diesen Gedankengängen kann ich nicht folgen.
Ich weiß, es gibt enorm viele Interpretationen dazu und natürlich auch eine „Offizielle“.

Das wunderbare an unseren Glaubensbekenntnissen ist, das wir sie selbst erforschen dürfen. Was ist für jeden einzelnen für uns als wahr erspürbar? Und das mag zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Mich spricht folgende Interpretation an: Ich glaube, dass Jesus nicht am Kreuz gestorben ist. Er war in der Lage seinen Körper in einem tiefen meditativen Zustand zu versetzen, als ob er ihn verlassen hätte. Er wurde von seiner Mutter und seiner Frau gepflegt. Dann hat er sich von seinen Weggefährtinnen und Weggefährten verabschiedet (Auferstehung), um sich dann mit seiner Famlie zurückzuziehen.

Weswegen? Weil der Bote der Nachricht wichtiger wurde als die Nachricht. Und das war nicht in seinem Sinn. Er wollte damals schon nicht als Heilsbringer bewundert werden. Seine Nachricht war: Liebe dich selbst wie Deinen Nächsten. Und Gott ist gnädig (im Gegensatz zu dem strafenden Gott des alten Testaments – der meiner Meinung nach dringend eine Therapie gebraucht hätte


Und deshalb könnte ich mir gut vorstellen, dass die unendliche Seele Jesus sich auch gelegentlich wundert: „Wirklich? Außgerechnet dieses Bild von mir am Kreuz hängt jetzt in allen heiligen Räumen? Damit erschrecke ich kleine Kinder! Und die liebte ich doch besonders. Mensch Leute, hängt mich ab, und hängt stattdessen einen Spiegel auf. Schaut rein. Erfreut Euch an Euch und seht auch Euren Nachbarn in Freude darin. Und dann denkt daran: Liebe Deinen Nachbarn wie dich selbst.“

Und manchmal denke ich mir … Das tun wir doch schon. Leider haben das manche noch etwas anders verstanden: Sie lieben sich selbst nicht und den Nachbarn auch nicht.

Sich mitteilen haben viele von uns nicht gelernt. Wahrscheinlich auch deswegen, weil es nicht wirklich hoch in der Gunst der erwünschten Talente steht. Denn wenn wir uns mitteilen, dann könnte das „gegen uns“ verwendet werden. Das glaubte ich lange Jahre auch. Und ich glaubte auch: „Wenn Du mich liebst, dann merkst Du doch, wenn es mir nicht gut geht!“ Wenn ich schon nicht sagen kann, wie es mir geht, muss der Andere oder die Andere wenigstens Gedankenlesen können.

Und doch ist das sich mitteilen können, wohl eines der wichtigsten Angewohnheiten, wenn man sich ein zufriedenes und glückliches Leben gestalten möchte. Doch erst einmal muss man mit alten Glaubensätzen aufräumen.

„Wenn ich die Wahrheit sage, kann das gegen mich verwendet werden.“

Was für ein interessanter Gedanke. Interessant – aber unwahr. Was heißt das: „…gegen mich verwendet werden“? Also angenommen wir geben zu, dass wir gelegentlich nicht die Wahrheit sagen. Wie kann das „gegen mich“ verwendet werden? Das Gegenüber könnte mir also dann vorwerfen: „Du schwindelst ab und zu!“ Ja. Das sagte ich schon. Das habe ich ja schon zugegeben. Wo also liegt das Problem? Außer ich möchte nicht daran erinnert werden, was ich erstens über mich weiß und zweitens auch schon zugegeben habe.

„Wenn Du mich liebst, weißt Du, wie ich mich fühle…“

… auch ohne dass ich das sage. Ich kann das also verheimlichen und – weil Du mich liebst – erkennst du das trotzdem. Auch wieder sehr interessant. Eigentlich ist das ja eine Berufsbezeichnung: „SchauspielerIn“. Jemand tut so, als würde er/sie etwas anders fühlen als das, was wirklich gefühlt wird. Ist man schlecht in diesem Beruf glauben wir die dargestellte Emotion nicht. Warum wollen wir, dass jemand sehen soll, wie es uns geht, wenn wir es selbst verheimlichen wollen? Wäre es da nicht praktischer wir sagen es gleich? Vielleicht sind wir wirklich gut darin, etwas zu verheimlichen? Wenn uns das Spass macht, könnten wir ja vielleicht SchauspielerIn werden ;-)

„Es ist gefährlich, die Wahrheit zu sagen.“

Gut. Falls wir Steuern hinterzogen haben, oder eine Leiche im Keller haben, mag das auch zutreffen. Und selbst da ist es erleichternd, wenn wir die Wahrheit sagen, denn wir alle wissen, wie anstrengend es ist, Geheimnisse zu haben. Besonders solche, die uns schwer auf dem Herzen liegen. Wahrscheinlich haben wir diese Erfahrung in jungen Jahren gemacht. Vielleicht sind wir körperlich gezüchtigt worden, ignoriert worden oder es gab Liebesentzug, wenn wir etwas taten, was unseren Eltern nicht gefiel. Dieses Glaubensbekenntnis – wie übrigens viele – haben sich in unserer Kindheit entwickelt und können uns im Erwachsenenleben noch ziemlich durchschütteln. Aber eben nur dann, wenn wir das nicht genauer betrachtet haben.

Da ich selbst alle drei dieser Glaubenssätze hatte, weiß ich wie anstrengend das war. Ich war nicht frei, denn vieles was mir auf dem Herzen lag … bliebt dort. Es lag schwer auf mir und ich hatte keine Ahnung, wie ich das loswerden könnte. Ich dachte jeder lebt so.

Das stimmt aber nicht. Ich lebe nicht mehr so. Wie man das lernt? Durch üben. Vor ein paar Tagen fiel mir auf, dass in fast allen Reaktionen nach meinen Workshops es irgendwie darum geht, dass die TeilnehmerInnen das Gefühl gehabt haben, sich mitteilen zu können. Nicht nur mir gegenüber, sondern auch der Gruppe gegenüber.

Wo immer wir in unserem Leben uns aufhalten, betreten wir einen Raum. Der ist einerseits schon vorhanden – durch das was da schon vorher passiert ist – aber andererseits ist dieser Raum beweglich. Das heißt wir können ihn gestalten. Es braucht nur eine einzige Person um ein festgefahrenes System zu ändern. Und das können wir sein!

Wenn ein Raum, ein Platz vorhanden ist, in dem freies Mitteilen schon bewegt wurde, dann fühlen wir uns davon inspiriert und beginnen es auszuprobieren. Erst heute las ich in der Süddeutschen Zeitung, dass wir – wenn wir unsicher sind – das tun, was andere Leute machen. Und wenn diese „anderen Leute“ sich wahrhaftig ausdrücken können, dann probieren wir das eben aus. Sind wir allerdings in einem Raum in dem das nicht möglich ist – also jeder hat Geheimnisse und teilt sich nicht mit – dann machen wir eben, was die machen. Wir richten uns nach der „Allgemeinheit“. Und je nach dem wo wir uns aufhalten sind die Verhaltensweisen der „Allgemeinheit“ gesund oder ungesund.

Sehen wir also um uns herum Menschen die glücklicher sind, weil sie sich mitteilen, so ist es leichter, das eben auch auszuprobieren. Wir spüren dann, dass es möglich ist. Je mehr von uns das machen, desto weiter ziehen sich die Kreise, denn wir sehen: Es ist überlebbar. Wir beginnen uns zu trauen, bekommen mehr Mut und trauen uns automatisch immer mehr. Wenn jemand ein halbes Jahr lang – wie zum Beispiel bei meiner Akademie und dem Kurs „Lebe die Sehnsucht Deiner Seele“ – sich immer und immer wieder mitteilt, dann ist das eine neue Angewohnheit, die nicht mehr verschwindet. Denn wir haben nicht nur „davon gehört“, sondern eben erlebt, dass dies machbar ist und Kommunikation und Miteinander in allen Aspekten des Lebens verbessert.

Und nicht nur dass: Wir sind danach erleichtert. Jeder von uns kennt das: Wir haben ein Geheimnis; etwas wofür wir uns schämen und das uns schwer auf dem Herzen liegt. Es mag uns unser Leben regelrecht versauen, aber wir schaffen es nicht „klar Schiff“ zu machen und dann doch, irgendwann einmal nach viel Schmerz und fast schon Resignieren teilen wir uns doch mit und dieses wunderbare Gefühl der Erleichterung zeigt sich im ganzen Körper.

Diese Erleichterung ist eine Freiheit, die wir uns selbst geschenkt haben. Somit durchbrechen wir den Kreislauf von Schweigen und Scham. Und dieser Kreislauf muss unterbrochen werden, damit Selbstwertschätzung den Platz bekommt, den es braucht. Deshalb: Lasst uns den Raum erschaffen, in dem Offenheit und Wahrheit gewünscht ist. So sind wir uns nicht nur selbst Inspiration, sondern auch anderen.

 

Von Herzen,

Sabrina

 

 

 

Ich mag mein Hirn. Es kann großartig organisieren. Es liebt analytisches Denken. Es kann lange Ideen und Gedanken vertiefen. Es forscht gerne und schätzt interessante Beschäftigung. Es hilft mir mein Leben zu gestalten und ich kann mich darauf so wunderbar verlassen – nun ja, außer wenn es um das Verlegen von meinem Handy geht. Und Namen kann es sich auch nicht gut merken. Zahlen noch weniger. Aber sonst bin ich sehr zufrieden damit.

Laut letzten wissenschaftlichen Erkenntnissen ist diese Art von Vergessen eher ein Vorteil, denn es deutet auf ein flexibles Hirn hin. Flexible Gehirne schmeißen raus, was sie nicht brauchen, damit es Platz für Neues gibt. Gut, dachte ich. Flexibles Gehirn? Das nehm` ich!

Doch zur Zeit ist mein Gehirn nicht flexibel. Es fühlt sich eher so an als würde es klemmen. Wie eine alte Schallplatte, die einen Kratzer hat und immer wieder an der gleichen Stelle festhängt. Und wir wissen alle (zumindest diejenigen, die noch mit Schallplatten aufgewachsen sind) wie das nervt. Da sitzt man gerade irgendwo gemütlich und erfreut sich an der Musik und dann dieser Kratzer und die letzten Töne werden wiederho, widerho, wiederho, wiederho.. und dann steht man auf, seufzt – weil ja jetzt die Platte einen Kratzer hat – und setzt die Nadel auf das nächste Musikstück.

Das möchte ich auch gerne.
Aber ich finde den Plattenspieler nicht.
Und so klemmt es weiter: „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fertig werden …“

Mein Hirn legt eine Dringlichkeit zu Tage, die ich mir nicht wirklich erklären kann. Es führt sich auf, als müsste ich in der nächsten Stunde 180 Dinge erledigen – weil sonst die Welt zusammenbricht.

Die Welt bricht nicht zusammen. Ich habe keine 180 Dinge in der nächsten Stunde zu erledigen.

Vor ein paar Wochen habe ich den Beginn meiner Akademie um einen Monat nach hinten auf den 1. April verschoben (nein, kein Aprilscherz), weil ich merkte, dass mir das zu dicht wird und ich möchte weiterhin mit Freude und mit Ruhe vorbereiten.

Da ich mir schon vor einiger Zeit Hektik und grimmige Entschlossenheit abgewöhnt habe, merkte ich, dass die Hektik sich wieder einschleichend wollte. Da hilft nur ein ernsthaftes Gespräch mit ihr: „Sorry Hektik, aber du wirst nur noch gebraucht, wenn ich einer Straßenbahn hinterherlaufen muss.“

Ich war ganz zufrieden mit mir. Problem gelöst, dachte ich.

Am nächsten Morgen merkte ich, dass das wohl nicht ganz geklappt hat bzw. überhaupt nicht. Schon vor der Meditation ging es los mit: „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Wenn ich mit meinem Hirn spreche, zeigt es sich oft als Pferd. Manchmal auch als ein Hund. Ein „Golden Retriever“ um genau zu sein. Der mich meistens mit großen Augen anschaut, schnell mit dem Schwanz wedelt und mit heraushängender Zunge und großem Enthusiasmus wartet bis ich ihm etwas zuwerfe, dass er fangen kann.

Wenn ich in die Stille gehe und mein Gehirn bitte, sich zu zeigen, dann kommt es aber doch meistens als ein Pferd angaloppiert. Man merkt gleich, es bewegt sich gerne. Immer mal wieder haben wir Gespräche um das entspannte Grasen. Das ist leider nicht so ihr Ding…
Der Hund hat übrigens das gleiche Problem. Er döst nicht gerne.
Schade eigentlich.

Ich merkte, das hat wohl nicht gereicht mit dem Termin nach hinten verschieben. Mein Hirn macht sich Sorgen, dass mein nächstes Buch „Wir lernen uns kennen, wenn wir uns trennen“ nicht fertig wird, welches ich Mitte April abgeben muss. Es ist zwar vorbereitet, aber eben noch nicht geschrieben.

Ich erklärte meinem Gehirn, dass ich lieber eine Sache nach der Anderen fertig machen will, aber das passte ihm irgendwie nicht. Dann erklärte ich ihm, dass wir noch nie ein Buch unpünktlich abgegeben haben und immerhin schon über ein Duzend davon fertiggestellt haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich nicht fertig werde ist also äußerst gering.

Mein Hirn beruhigte sich nicht. Langsam aber sicher erinnerte mich die Aktivität in meinem Hirn an diese Schallplattenkratzer: „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Nun gut. Ich versuche immer alle Aspekte in mir zufriedenzustellen und so dachte ich: „Okay. Dann fangen wir jetzt mit dem Buch an, das hilft vielleicht.“ Zwei Tage später fing ich zu schreiben an und erfreute mich daran, wie leicht und zügig es voran ging.

Mein Gehirn beruhigte sich nicht. Im Gegenteil. Es benahm sich so, als wäre ich in einem Kriegsgebiet, pleite und schwerkrank. Ich redete ihm gut zu: „Schau mal, wir sitzen in einem schönen Zuhause, Wir sind kerngesund, wir erfreuen uns an unserem Leben und an unserer Umgebung. Es ist doch alles gut!“

Mein Gehirn hört mir nicht zu. „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Dann zeige ich meinem Hirn meinen Kalender: „Siehst du, alles gut geplant. Erinnere Dich, wir haben uns Hektik abgewöhnt. Keine Notwendigkeit durchzudrehen.“

Es hört immer noch nicht zu. „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Ich habe ihm erklärt, dass es nicht hilfreich ist, was es da tut. Es scheint ihm egal zu sein. „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Ich versuchte meinem Gehirn zu erklären, dass es – solange wir leben – immer Sachen geben wird, die noch nicht fertig sind. Ich kann nicht jeden Tag „alles fertig machen“. Das geht nicht. Ich renoviere noch ein Zuhause, es ist Wäsche noch nicht gebügelt, ich bin in den letzten Zügen die Videos für die Akademie fertig zu machen und wir habe gerade begonnen ein Buch zu schreiben. „Das wird bis Morgen nicht fertig!!! Das musst Du doch einsehen! Du bist doch sonst so gescheit!“

Mein Hirn ignorierte mich einfach: „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Mehrmals jeden Tag fragte ich nach:: „Was brauchst du denn?“ „Wie können wir Dich wieder beruhigen?“ „Übersehe ich etwas, und Du versuchst mich darauf aufmerksam zu machen?“

Alles was kam war: „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Ich kenne diese Loops, diese Gedankenschlaufen, diese unendlichen Wiederholungen des Gehirns. Meistens ist da etwas, was nochmal ein genaues Anschauen braucht. Jede Gedankenschlaufe hat ja auch einen Sinn. Was könnte dieser also sein? Ja, ich habe viel zu tun. Wäre es mir lieber weniger zu tun zu haben? Ja. Ich merke, dass mein Körper mehr freie, ruhigere Zeiten möchte, aber die gebe ich mir nicht, denn nicht nur mein Hirn sondern auch der Rest von mir möchte meinen Schreibtisch wieder etwas leerer haben.

In meinen Meditationen bekomme ich Anweisungen: „Nur zwei Stunden am Tag mit Organisatorischem verbringen.“
Okay. Mache ich. Was kann ich noch machen? Außer Alkohol und Valium? Soll ich verreisen? Mehr singen? Mehr in der Natur sein? Mehr Yoga machen? Ich sah mich im Computerbildschirm spiegeln und machte ihn aus. So. Ab ins Atelier. Ich fing an eine meiner Skulpturen zu bemalen, die schon seit Ewigkeiten eine Farbe braucht.

Hirn beruhigt sich. Okay. Reicht das jetzt vielleicht? Sind wir über den Kratzer, die Wiederholungen hinweg?

Nö.

Am nächten Morgen ging es wieder weiter. Etwas weniger zwar, aber offensichtlich reichte das noch nicht. Ich habe mir Zeit fürs Singen genommen, ging Langlaufen, bekam eine Massage und habe dann zwei Stunden Oranisatorisches gemacht und ein paar Seiten am Buch geschrieben.

Hirn klemmt immer noch. „Das muss fertig werden, fertig werden, fertig werden, fer…“

Als ich mit meiner Assistentin und Freundin Claudia über ihres und mein Leben sprach, meinte sie: „Das kenne ich! In der Regel passiert mir das, wenn ich etwas ablege, also ich mich auf eine neue Stufe bewege und kurz vorher kommt nochmal alles hoch.“

Mein Seelenbruder LD schlug vor, das ich das tun soll, was ich sonst auch immer tue: „Schreibe es auf.“

„Nein!“, warnt mich mein Hirn. „Wir müssen ein Buch schreiben und das Skript für die Akademie schreiben und wir haben keine Zeit jetzt auch noch über mich zu schreiben!“

Es ist zwar schon fast Mitternacht, aber ich nehme mir meinen Laptop und schreibe, denn ich habe mir angewöhnt Dinge gleich umzusetzen, wenn ich sie begriffen habe – bzw. in diesem Fall, wenn ich erinnert wurde. Ich weiß aus Erfahrung: Schreiben hilft!

Als ich dann noch im Bett meditierte, konnte ich es sofort spüren: Meine energetische Schwingung war dabei sich zu verändern. Vorsichtig fragte ich nach: „Liebstes Hirn, hast Du Dich beruhigt?“

Angenehme Stille da oben. Und dann sind wir beide eingeschlafen.

 

Zusatzinfo zwei Wochen später.

Obwohl sich mein Gehirn beruhigt hatte, war mein Körper noch in einer anderen energetischen Schwingung als ich es gewohnt bin. Kurz nachdem ich den Blog veröffentlicht habe, bekam ich nochmal eine Anweisung: Fünf Tage ganz ohne organisatorische Arbeit zu verbringen. Das tat ich auch. Ich schrieb an meinem Buch und erfreute mich daran. Ich merke, dass ich im Buchschreib-Modus bin und nicht im Akademie-fertig-mach-Modus. Wenn ich Bücher schreiben, dann brauche ich meine absolute Konzentration darauf und das ist immer wieder spannend zu erleben. Nach diesen fünf Tagen beschloss ich den Rest der Akademie erst später fertig zu machen. Nämlich dann, wenn mein Körper mir sagt: JETZT! Und bis dahin schreibe ich …

Ich schreibe diese Zeilen in einem Zug. Ich war in einer anderen Stadt und habe an einem Wochenend-Kongress in einer Stadthalle heute zwei Stunden … tja … was habe ich gemacht … ich habe etwas über ein waches, spirituelles Leben erzählt, wie wunderbar unser Körper ist und was er uns für Zeichen gibt. Ich habe über Selbstliebe, Liebe und Stille gesprochen, wir haben Übungen gemacht und gemeinsam meditiert. Als meine zwei Stunden fertig waren fühlte ich mich nicht erfüllt. Ich fühlte, als ob ich jetzt gerade erst angefangen hatte. Das war doch nur die Vorspeise…

Ich stand da und spürte nach. Dann kamen einige Teilnehmerinnen, die sich bedanken wollten und dann gab es noch ein gemeinsames Abendessen. Die Veranstalterin – eine entzückende und sehr engagierte Frau – meinte zum Abschied: „Das war so schön und das nächste Mal bleiben Sie hoffentlich das ganze Wochenende.“

Ich wusste, das wird nicht passieren.

Warum nicht? Ich habe hier interessierte Menschen getroffen. „Erfolgreiche“ zwei Stunden gehabt. Was gefällt mir denn da nicht?

Es passt nicht mehr in mein Leben. Ich kam mir vor wie eine Köchin, die in einer Sterne-Küche gelernt hat und dann die Gäste nur die Soße probieren lässt. Ich möchte lieber in die Küche einladen, damit jeder selber kochen lernt. Aber dafür reichen keine zwei Stunden. Dafür braucht es mehr. Vielleicht meine Akademie, an der ich schon seit zwei Jahren arbeite? Doch warum zögerte ich damit bisher?

Ich glaube, wir sind alle weise und wissen sehr wohl was es braucht, damit wir etwas verändern. Manchmal sind wir zu erschöpft, zu müde, zu abgelenkt und ja, auch zu faul um etwas zu ändern. Das Gewohnte ist uns vertraut und nicht selten ist es die Angst vor dem Neuen, die uns zurück hält. Und doch wissen wir, dass es ein „tiefer“ gibt und so suchen wir doch immer wieder nach Inspiration.

Wir wissen – oder erahnen zumindest -, dass wir selbstverantwortlich unser Leben betrachten können und – wenn wir mit dem was wir uns erschaffen haben nicht glücklich sind – es verändern können. Engel hin oder her (und ich liebe Engel) – aber es ist unsere Aufgabe sich darum zu kümmern. Deswegen sind wir hier! Wir wollen wach sein. Und wach werden wir nicht, wenn wir aus schmerzlicher Bedürftigkeit auf Wunder setzen und Elternersatz suchen, weil uns die Nähe und Liebe als Kind so gefehlt hat. Trost ist eine so hilfreiche Geste – aber eben nur eine Geste. Langfristig wird es uns nicht helfen, immer nur Trost zu bekommen. Genauso wenig wie es uns langfristig helfen wird, nur inspiriert zu werden.

Viele von uns gehen oder waren in diesen großen spirituellen Veranstaltungen wo einige hunderte, manchmal tausende von Zuschauern begeistert klatschen und demjenigen oder derjenigen zujubeln, die da auf der Bühne steht. Entweder weil wir sie/ihn bewundern, gerne so wären, auch so einen Erfolg haben möchten, oder wir drei, vier oder fünf Wahrheiten gehört haben von denen wir überzeugt sind: „Jetzt verstehe ich das und jetzt wird sich was ändern.“

Dann gehen wir nach Hause. Erzählen noch ein paar Mal begeistert von der Veranstaltung, lesen (vielleicht) das empfohlene Buch, schauen die Videos des Vortragenden an und dann … tja dann … geht unser Leben weiter. Manchmal mit kleinen Veränderungen und dem anklopfenden Wissen, dass es da noch mehr gibt. Unsere Seele schickt uns diese innere Unruhe, damit wir nicht aufgeben danach zu suchen. Und so gehen wir in den nächsten Vortrag, lesen das nächste Buch, jubeln dem nächsten oder gleichen Vortragenden zu – immer in der Hoffnung, dass es – wenn wir nahe genug an der Person dran bleiben – auf uns abfärbt. Und ja, manchmal tut es das auch. Wenn wir in der Präsenz von jemandem sind, der eine innere Ruhe, eine entspannte Sichtweise und ein herzliches Wesen hat, dann nützt uns das. Wir erspüren die entspannte Frequenz und das ist oft Unterstützung. Aber dann geht es ums selber dort hinkommen.

Gerade jetzt denkt etwas in mir: „Sabrina, du willst doch auch LeserInnen und die vergraulst du dir jetzt damit.“ Ja, ich möchte gerne, dass mich jemand liest. Deswegen schreibe ich. Aber das ist nicht der einzige Grund. Denn wenn es nur ums schreiben ginge, dann könnte ich auch Romane schreiben. Dinge, die von Verliebtheit erzählen und jemanden für ein paar Stunden einen Traum von einem anderen Leben schenken.

Aber das will ich nicht. Ich schreibe, weil das worüber ich schreibe, mir geholfen hat mein Leben um 180 Grad zu drehen. Von beleidigt zu verstehend. Von ungeduldig zu geduldig. Von unsicher zu sicher. Von angestrengt zu entspannt. Von angepasst zu individuell. Von schauspielernd zu authentisch. Sprich: Vom Drama zum Frieden.

Haben mir dabei meine Engel geholfen? Ja. Wodurch? In dem sie mich in der Stille und meinen Meditation immer wieder angeregt haben, Neues auszuprobieren. Sie haben mir nicht geholfen, weil sie einen Weg für mich geebnet haben. Das habe ich schon selber gemacht. Aber ich bin öfters mal aus dem Weg gegangen und habe dem Zögern zugehört, wenn ich gewohnte Schritte zum hundertsten Mal wieder gehen will. Ich habe die Stille ausgehalten und habe geübt. Ausprobiert. Bin auf die Nase gefallen und wieder aufgestanden. Ich habe mir die Pausen genommen, wenn ich spürte, dass ich sie brauche. Habe immer wieder aufgeräumt, aufgeräumt und nochmal aufgeräumt. Und dadurch habe ich mir ein Leben erschaffen, in dem ich eine Zufriedenheit, ein Glücksgefühl und eine Dankbarkeit erreicht habe, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können.

Seit fast dreißig Jahren halte ich Vorträge und seit vierzig Jahren stehe ich auf Bühnen. Früher als Fernsehmoderatorin, später als Autorin bzw. Vortragende. Ich stand selbst auf der Bühne vor hunderten, sogar schon mal vor über tausenden von Leuten und hörte den Jubel und ich bekomme sehr berührende Emails in denen mir gesagt wird, dass das eine oder andere Erleben für den Absender nützlich war.

Warum ich das schreibe? Weil es keinen Unterschied macht, ob mir jemand zujubelt oder nicht. Ja es ist netter wenn die anderen klatschen, aber in meinem Leben macht das keinen Unterschied. Was allerdings einen Unterschied macht, ist wie ich mein Leben jeden Tag gestalte. Also falls jemand von Ihnen, die das hier lesen, selbst auch solche Erfahrungen auf Bühnen gemacht haben, so werden Sie das bestätigen: Es ist schön. Aber schöner ist das was ich in den anderen Stunden gestalte: Nämlich ein Leben dass ich gerne lebe.

Und dabei gibt es immer wieder Veränderungen.

Am Anfang diesen Jahres erspürte ich, dass ich keine individuellen Coachings mehr anbieten möchte. Ich wiederhole mich zu oft. Das ist für Leute, die das zum ersten Mal hören natürlich kein Problem. Für mich aber, die ich mir selber zuhöre, auf Dauer schon.

Vor zwei Jahren hatte ich zum ersten Mal den Gedanke an eine Akademie. Längerfristig weiterzugeben wie ich „kochen“ bzw. leben gelernt habe. Also eine Gruppe ernsthafter (was für ein eigenartiges Wort – mein Thesaurus gibt mir noch ein anderes zur Wahl „aufrichtig“), die aufrichtig ihr Leben gestalten wollen. Ich sammelte alle meine Themen (und dabei wünschte ich mir, ich würde mich nur um EINE Sache kümmern und nicht um alles, was das Leben so anbietet) und stellte fest, das es eine sehr umfangreiche Angelegenheit ist. Und, das Problem der Wiederholung stellt sich auch da. Es wird ja nicht nur eine Gruppe sein, die ich begleite, sondern mehrere.

Gleichzeitig eröffnete sich mir vor knapp einem Jahr die Möglichkeit in München einen Workshopraum zuzulegen – die Galerie Schwabing – und ich genieße es dort zu unterrichten. Die wunderbaren Farbfeld-Bilder meines Liebsten Stanko unterstützen meine Schwingung, meine Energie, meine Möbel, meinen Geschmack. Ja, es ist ein bisschen viel „meins“ – aber da ich weiß, dass wir alle Schwingung bzw. Klang sind, ist es wichtig, dass das, was ich weitergebe in meinem „Zuhause“ passiert. Sonst könnten wir ja auch gemütlich im einem Bahnhofsklo schlafen. Es macht einen Unterschied wo wir was erleben.

Die Akademie stockte. Ich merkte ein Zögern in mir. Ich wollte nichts anbieten, was einschränkt. Weder mich noch die Anderen. Wie oft sollen wir uns wirklich persönlich treffen? Wie viele Videomeetings sind wichtig? Welche Video-Vorträge? Braucht es eine regelmäßige PartnerIn? Kleingruppen? Wie soll das organisiert werden? Wie viel Zeit benötigt das? Wie lange soll das dauern?

Ich habe mir ein freiheitliches Leben erschaffen und bin nicht bereit das aufzugeben. Ich erahnte, dass mich eine regelmäßige Akademie in eine Art „Schulbetrieb“ zwingen würde – und das ganz ohne große Ferien oder sichere Beamtenanstellung ;-). Muss ich jetzt, da ich meinen Workshopraum habe, ihn auch wöchentlich füllen?

Mein Lehrer Solano – ein von LD Thompson gechannelter Meister – schlug eine Prototyp-Akademie-Gruppe vor. Damit ich erlebe, wie so etwas aussehen könnte. Ich nahm mir drei Monate und mit zwölf ausgesuchten Interessierten probierte ich aus, wie das Vorgestellte entwickelt werden kann.

Gleichzeitig fragte mich mein Verlag, ob ich nicht einen Online-Kurs machen möchte. Gesammelte Erfahrungen und Übungen über Körper, Geist, Seele, Intuition und Achtsamkeit, Selbstliebe und Beziehungen. Und ja, ich wollte. Es machte Freude. Ich hatte ein tolles Team. Und … ich muss mich nicht dauernd wiederholen. Das wird mir durch die Videos auf der Sinnsucher.de Plattform abgenommen und deshalb bleibt dann genug Zeit für Tieferes. Immer mal wieder gibt und wird es eine von mir begleitete Version geben. Das war eine erfüllende Erkenntnis für alle Beteiligten.

Eine unserer wunderbarsten Gaben ist es unser Leben so zu gestalten wie wir es brauchen. Wir sind zwar vergleichende Wesen, aber das vergleichen ist nur dann nützlich, wenn es uns unsere Einzigartigkeit zeigt. Ich beobachte von Freunden, dass sie gerade Ihre Präsenz erhöhen. Podcasts. Workshop-Tage mit hunderten von TeilnehmerInnen. Gemeinsame Reisen. Ausführliche Buchtouren. Größere Internetauftritte. Erweiterte MitarbeiterInnen und Teams.

Ich versuche es gerade anders. Mehr Freiraum. Weniger Wiederholungen. Tieferes Begleiten. Statt nur Vorspeise, das ganze Menü weitergeben. Der vom Verlag und auf Sinnsucher.de schon fertige 5-Wochen-Online-Kurs ist die Voraussetzung um in die Akademie einzusteigen, damit wir alle auf dem gleichen Wissensstand sind. Wann die Akademie losgehen wird? Voraussichtlich im März 2019. Der Termin fühlt sich gut an.

Neues. Immer wieder Neues. Das ist das was uns wach hält. Nicht nur unser Gehirn, sondern unser ganzes Sein. Das ist auch das was uns unsere Engel immer wieder sagen wollen, denn sie sind der Schöpfung so nahe: Erschaffe! Ohne Hektik. Ohne grimmige Entschlossenheit. Folge der Begeisterung. Und wenn Du zögerst, halte inne … und schau nach warum.

Ihr Lieben,

viele von uns sind schon lange „aufgewacht“ und auf dem spirituellen Weg. Es ist dieses und jenes schon gemacht worden. Diese Ausbildung und jener Workshop schon besucht worden. Viel gelernt und schon einiges erreicht. Schon gut vorangekommen – und gleichzeitig sehend was noch zu tun ist.

Eine Workshop-Teilnehmerin sagte es mir vor ein paar Wochen halb lachend, halb verzweifelt: „Jetzt werde ich wach und sehe, was alles in mir noch aufzuräumen ist. Das ist zwar schön, aber auch viel Arbeit!“

Ja. Manches ist „Arbeit“. Aber ist das wirklich so störend? Ich liebe meine Arbeit. Wenn ich Handwerker sehe, die ihr Handwerk können und mögen, dann sieht man die Liebe in ihrer Arbeit. Wir kennen wohl alle die Assoziation von Arbeit ist gleich Anstrengung. Denn „alles was etwas taugt, muss auch anstrengend zu erreichen sein.“ Und natürlich müssen wir uns darum kümmern. Doch wenn wir etwas lernen, dass uns Spaß macht, würden wir das dann auch Arbeit nennen?

Würde eine Knospe sagen: „Oh Gott, ich muss daran arbeiten zu blühen?“

Würde eine Raupe sagen: „Blöd gelaufen. Jetzt muss ich mich aus diesem Kokon rauswinden!“

Würde ein Kind fühlen: „Jetzt muss ich auch noch reden lernen!“

Natürlich gibt es Zeiten in denen man etwas üben muss. Wenn jemand meine Skulpturen von Gesichtern betrachtet, höre ich oft: „Oh, das könnte ich nie! Dazu habe ich gar kein Talent.“ Es ist weniger Talent – es ist Übung. Nach der 100sten Nase aus Lehm weiß jede/jeder wie Nasen geformt werden.

Gelegentlich zögern wir etwas zu beginnen, weil wir glauben, dass wir kein „Talent“ haben. Aber Talent bedeutet nicht, dass etwas sofort perfekt sein muss. Talent ist ein Interesse; etwas Begabung. Was wir daraus machen zeigt sich erst in der Bereitschaft etwas zu üben.

Auf der anderen Seite erkennen wir unsere Begabungen häufig gar nicht an. Warum? Weil uns etwas leicht fällt. Dann kann es doch nichts taugen, oder? Wenn wir uns gut einspüren können, wenn wir organisieren können; wenn wir gemütliche Atmosphären erschaffen können – das alles sind Talente und es ist herrlich, wenn wir sie auch genießen.

Wie eine Blüte sich aus der Knospe entwickelt, so ent-wickeln wir uns. Ich bin gerade in dieses Wort Entwickeln verliebt. Wir entwickeln uns aus den vorgegebenen Grenzen, wir entwickeln uns aus zu Engem, zu Kleinem … Wir stehen danach aufrechter, gerader, um uns bewusster, erfreuter, freier.

Natürlich gibt es da auch die Illusionisten, die meinen, es wird sich alles schon ändern, wenn sie es sich nur lange genug wünschen. Das klappt meistens nicht. Denn es braucht auch eine Aktion zu dem Wunschdenken.

Doch wohin wollen wir uns eigentlich entwickeln?

Worum geht es uns?

Um Wohlbefinden? Mehr Liebe? Weniger Angst? Geht es um Sicherheit? Kontrolle? Mangelbehebung? Oder um Lebensfreude? Begeisterung? Vielleicht sogar um die Weltrettung? Die eigene Rettung? Oder die Gesundheit? Um Heilung?

Warum tun wir, was wir tun? Was wollen wir damit erreichen?

Wenn ich zurückblicke, dann erkenne ich meine Entwicklung. Nie zuvor empfand ich soviel Freude, soviel Freiheit, soviel Liebe, soviel Leichtigkeit, soviel Verständnis für mich und meine Mitmenschen wie jetzt.

Zu altern ist großartig! Ich kann es nur von Herzen empfehlen. Mit fast sechzig bin ich beweglicher als jemals zuvor. Und das nicht nur mit meinem Körper sondern auch mit dem Rest von meinem Sein.

Natürlich hört eine Entwicklung nie auf. Gerade bin ich dabei eine weitere Angewohnheit aus meinem Gewohnheitsfeld zu entfernen. Gelegentlich wiederhole ich mich. Ich habe zum Beispiel etwas zu einem Thema gesagt und gebe ein paar Tage/Wochen nochmal den gleichen Kommentar ab und … dann nochmal. Es ist eine alte Familienkrankheit (lach). Solange ich mich erinnern kann erzählte meine Mutter fast jede Geschichte drei Mal – und seitdem sie älter ist, gleich sechs Mal. Um das bei mir zu vermeiden, braucht es JETZT all meine Aufmerksamkeit ;-)

Und dann sehe ich andere Bereiche, bei denen ich mich zu meinem Wohlbefinden entwickelt habe. Ich habe meine Lebensgeschwindigkeit heruntergefahren. Früher konnte es mir nicht schnell genug gehen. Umzug? Zwei Tage später sind alle Kisten ausgeräumt und schon am Umzugsabend hängen die ersten Bilder. Oder jemand macht etwas, was ich auch spannend finde? Schon den ersten Kurs belegt, die ersten Dinge dazu gekauft und ungeduldig in den Startlöchern scharrend. Das scheint erledigt zu sein. Ich gehe Dinge langsamer an. Viel langsamer. Wie meine Akademie, die ich schon vor über einem Jahr angekündigt habe und die immer noch nicht gestaltet ist.

Es ist spannend, wenn wir zögern – Achtsamkeit üben

Ich habe über die Jahre gelernt, dass ein Zögern enorm wichtig ist. Auch hier ein Beispiel vom letzten Newsletter bzw. Blog (Termine, Termine, Termine). In mir zögerte es meine Termine für den Rest des Jahres festzulegen. Immer wieder starrte ich auf meinen Kalender und wenn ich irgendwelche Termine eingeben wollte, gab es einen inneren Widerstand die angedachten Termine weiterzugeben. Es ist ganz praktisch, wenn man Workshops, die man geben will, auch anderen Leuten mitteilt. Aber es gab keine Leichtigkeit im Eintragen von Terminen – sondern eben dieses Zögern. Und so wartete ich. Das geht natürlich nur so entspannt, weil ich weiß, dass in meinem Fall dieses Zögern kein aufschieben in die Unendlichkeit ist – was es vor zwanzig/dreißig Jahren war. Damals war es einerseits Unentschlossenheit, die das Zögern hervorrief und andererseits sagte ich auch häufig Dinge zu, welche ich „eigentlich“ nicht machen wollte. Da ich damals noch nicht auf meine Intuition hörte, hatte ich keine Ahnung, wie ich das abstellen sollte.

Jetzt ist ein Zögern von mir ein intuitives Zögern. Ein Teil meiner alten Persönlichkeit will aus Gewohnheit, dass wir (ich rede gerne von mir in der Mehrzahl – es gibt schließlich einige Aspekte von mir, die bei jeder Entscheidung mitreden möchten ;-) loslegen, so wie wir das „immer“ gemacht haben. Doch dann schickt mir meine Seele diesen Gedanken: „Warte.“ Dieses „Warte“ kommt ganz entspannt. Es ist mit einem Lächeln, einem Schmunzeln verknüpft.

Und so warte ich. Weil ich aus Erfahrung weiß, dass so ein „Warte“ immer einen guten Grund hat. So hatte auch das letzte Warten wegen meiner Terminplanung einen guten Grund: Mein Verlag „Random House“ schlug mir kurz nach meinem Blog über „Termine, Termine“ einen Online-Kurs vor und da es mir große Freude macht mit dem dortigen Team zusammenzuarbeiten, sagte ich zu. Und jetzt ging es dann mit den Terminen für den Rest des Jahres „plötzlich“ ganz leicht. Und innerlich kam natürlich auch kein „Warte“ mehr.

Auch der nächste Schritt der Akademie war ein klarer: Ich möchte mit einer kleinen (12-14 Leute) Prototyp-Gruppe beginnen. Einer Gruppe, die gerne Feedback gibt und die Lust hat, Dinge auszuprobieren. Drei Monate. Jeweils pro Monat ein Wochenende in München, eine Videokonferenz und eine Telefonkonferenz. Und diese Wochenenden sind angefüllt mit einer spielerischen Art die Dinge anzugehen. Mit Körpergefühl, Musik, Bewegung und Herunterfahren und Begreifen. Als ich anfing über den Termin für diese kleine Gruppe zu meditieren kam sofort „August“ hoch. Und so wird sie im August beginnen. Ich freue mich schon sehr darauf.

Falls Ihr in Euch das Gefühl habt: Da möchte ich gerne mitmachen – ein paar Plätze gibt es noch. Es ist mir wichtig, dass ich diejenigen, die in dieser Gruppe mitmachen, schon kenne. Da diejenigen, mit denen ich schon zusammengearbeitet habe, von meinem nicht besonders ausgeprägten Namensgedächtnis wissen, bitte ich um ein Foto und ein paar Hinweispunkte (wo und wann etc. wir uns getroffen haben) und was Euch daran interessiert. Bitte versteht, das ich aus verschiedenen Kriterien auswähle. Also nicht nach dem Motto: Die mag ich, den nicht. Sondern ich brauche unter den Teilnehmern eine Mischung aus Alter, aus Erfahrung, aus Gegenden, aus Geschlecht. Die Termine sind 11./12 August, 15./16 September, 13./14. Oktober – jeweils von 11 bis 18 Uhr bzw. 11. bis 17.00 Uhr. Dieser Kurs ist ein Geschenk von mir – weil mir eben auch das Feedback dazu geschenkt wird.

Wenn Ihr davon begeistert seid, dann bitte schreibt mir eine Email 

Herzlichst,

Sabrina

Als ich eine junge Mutter war, war ich alles andere als entspannt. Dies lag nicht nur daran, das meine Tochter mein erstes Kind war und ich im Muttersein noch keine Erfahrung hatte, sondern es lag hauptsächlich daran, dass ich ihr eine glückliche Kindheit schenken wollte. Und glücklich bedeutete damals in meinen Augen eine Kindheit ohne Schmerzen. Natürlich war mir klar, dass sie mal hinfallen würde, mal weinen würde und mal traurig wäre, aber ich meinte langfristige, innere Schmerzen, für die man später eine Therapie braucht.

Ich wollte ihr das „ersparen“, was ich als Kind erlebt hatte.

Spätestens als ihr Vater und ich uns als Paar trennten – sie war15 Jahre alt – war mir klar, dass mir dieses Ziel nicht gelungen war. Obwohl unsere Trennung liebevoll und aufmerksam war und wir eine enge und familiäre Beziehung unterhalten, ist die Trennung der Eltern als Paar trotzdem für ein Kind erschütternd. Gelegentlich – und das bis heute – wandern meine Gedanken in die Vergangenheit und ich erkenne oder erinnere mich an kleine Episoden in der Kindheit meiner Tochter, bei der ich nicht so aufmerksam war, wie ich es gerne gewesen wäre und Schübe von Schuld schwemmen hoch – die eigentlich völlig absurd sind. Absurd deswegen, weil sie keinen bleibenden Schaden in ihr angerichtet haben und sie sich meistens überhaupt nicht mehr daran erinnern kann.

Ich aber! Ein Aspekt von mir – Gott sei Dank über die Jahre durch klares Analysieren und Verstehen milder geworden – bringt mir immer noch diese Reste von Schuldgefühlen hoch. Ich weiß auch warum: Meinen damaligen Ansprüchen zufolge hatte ich versagt. Und obwohl es mir völlig klar ist, dass eine schmerzfreie Kindheit nicht möglich ist, so wabert doch der Anspruch eine „perfekte Mutter“ sein zu wollen, noch irgendwo in meinen antiquierten Vorstellungen herum.

Wenn wir uns als Seele in einen Elternverbund einbringen – also frisch geboren in einem neuen Körper sind – dann suchen wir uns eine Familie, in der wir lernen und erfahren können, was wir für unser Wachstum brauchen. Mit Elternverbund meine ich übrigens alle, bei denen wir aufwachsen.

Am Ende meines VORHERIGEN Lebens habe ich mir – als Seele, nicht als Persönlichkeit – mein Leben angeschaut und Entscheidungen getroffen. Entscheidungen über die Dinge, die ich als nächstes erfahren und erleben möchte. Also angenommen jemand war kinderlos, frei und viel auf Reisen, mag am Ende des Lebens den Wunsch und die Neugierde verspüren einen engen Familienverbund zu erleben und so entscheidet sie sich im NEUEN Leben für Familie und viele Kinder. Oder: Das letzte Leben war überschaubar und kontrolliert und so mag man sich vielleicht im nächsten Leben mehr Aufregung, mehr Unsicherheit erschaffen, um zu erfahren, wie man denn damit zurecht kommt.

Unsere Engel sind dabei unsere Begleiter. Gerade Kinder erspüren die unsichtbaren Unterstützer noch viel mehr. Je erwachsener wir werden und je mehr wir uns in die „reale“ Welt einfügen, desto geringer ist die Aufmerksamkeit auf Engel und unsere eigene Intuition. Einspüren, Stille, Nachspüren – das alles verliert den Stellenwert, wenn man als Teenager zu einer Gruppe dazugehören und gemocht werden will. Trotzdem begleiten uns unsere Engel und warten auf unsere Bereitschaft wieder mit ihnen in Kontakt zu treten. Und viele von uns tun das dann auch. Die Nachrichten und Weisheiten der Engel, die Weisheit unserer eigenen Intuition – all das kommt aus der gleichen Quelle. Je bewusster und wacher wir werden, desto mehr spüren wir uns wieder ein: In unseren Körper, in unser Leben, in das was nicht sichtbar ist. Am Ende wie am Anfang unseres Lebens erspüren wir die Engel wieder leichter – der Vorhang zur Unendlichkeit geht dann wieder auf …

Viele von uns möchten sich gerne wie Engel verhalten und doch machen wir – als Seelen – hier eine menschliche Erfahrung. Und menschliche Erfahrungen mit einem menschlichen Körper haben ihre eigenen Herausforderungen – wie wir alle wissen.

Wenn ich rückblickend auf meine Kindheit schaue, dann tue ich das mit einem Lächeln. Das war nicht immer so. Es hat Jahre gedauert, bis ich meinem mittlerweile schon lange verstorbenen Vater verziehen habe. Mein Vater war ein begnadeter Raumausstatter und konnte mit seinen Händen wunderbare Möbel anfertigen, doch diese gleichen Hände konnten hart zupacken und ich fürchtete mich vor seinen lauten Ausbrüchen und gnadenlosem Verhalten. Obwohl sein Geist kreativ war und er vor Fremden so charmant sein konnte, war er es innerhalb seiner Familie nicht. Zu viel Alkohol, zu wenig Wachstumsbereitschaft haben zwei seiner drei Töchter ziemlich durchgeschleudert. Die dritte hatte eine glückliche Kindheit. Sie war die Lieblingstochter und ihr Leben war leichter. Meine Mutter war eine Frau ihrer Zeit: Gefangen in einem System in dem der Ehemann letztendlich alles bestimmt, weil er das Geld verdient und auch verteilt und … in einer Zeit in der Scheidung noch ein Schimpfwort war und einer sozialen Ächtung gleich kam.

Eine unglückliche Kindheit hat nicht nur Nachteile. Sehr früh schon erlebte ich meine Familiensituation als nicht gesund. Und obwohl ich schlechte Noten mit nach Hause brachte war mir klar, dass ich zwar faul aber nicht dumm war. Als ich zehn Jahre alt war, bot ich meiner Mama an, auf mein Taschengeld zu verzichten, damit sie sich scheiden lassen konnte. Ich wusste die Scheidung hatte irgendetwas mit Geld zu tun. Die Antwort meiner Mutter war damals: „Aber ich liebe ihn doch!“ und da war mir klar, dass dies keine Liebe sein konnte. Schon als junges Mädchen mochte ich es, andere Kinder zu besuchen und deren Familiensituation zu beobachten. Ich kam aus dem sozialen Wohnungsbau und wir wuchsen ärmlich auf und so erlebte ich erst als junge Erwachsene Familien, die sich beim Abendessen über kulturelle Ereignisse unterhielten und bei denen nicht ständig der Fernseher lief. Das waren Eltern, die interessiert an der Meinung ihrer Kinder waren und nicht wie bei uns zuhause, wo man – wenn mein Vater zuhause war – während der Mahlzeiten weder reden noch trinken durfte.

Und doch war mein kindliches Erleben ein Geschenk. Ich durfte mir früh darüber klar werden, was ich mal selbst NICHT werden wollte. Mir war klar, dass ich immer mein eigenes Geld verdienen will, denn die Abhängigkeit meiner Mutter wollte ich mir auf jeden Fall ersparen. Sie hatte damit ihre Freiheit verloren. Ich konnte schon früh in der Kindheit sehen wohin das führt. Manche erkennen dies erst, wenn sie ihre Rentenbescheide in der Hand halten und entsetzt darüber sind, wie wenig sie bekommen.

Ich war ein hässlicher Teenager – ohne Geschmack und ohne Geld – und lernte, wie es sich anfühlt, nicht wichtig zu sein, nicht begehrt zu werden, nicht wegen äußerlicher Schönheit beliebt zu sein. Ich musste andere Qualitäten entwickeln. Ich hatte früh das Gefühl alleine zu sein und mich auf niemanden verlassen zu können. Meine Eltern konnten mir nicht helfen – sie konnten sich ja selbst kaum helfen – und so entstand ein Bewusstsein über meine Selbstverantwortung und ein tiefes Verständnis von Ursache und Wirkung.

Ich lernte, dass man sich verändern kann. Ich beobachtete elegante Frauen, und ließ mich inspirieren. Ich erkannte Geschmack. Ich wusste nur selbst nicht wie ich das für mich hinkriegen sollte. Zuerst kopierte ich, dann fand ich meinen eigenen Stil. Dann begann ich meinen Körper zu verändern. Ich nahm die überschüssigen Kilos ab, begann mit 20 Jahren Ballettstunden in einem Kinderballett zu nehmen, denn ich erspürte mich als Trampel. Ich erinnere mich noch, wie ich die sechsjährigen grazilen Mädchen gefragt habe, ob ich denn mitmachen darf und sie milde auf meinen so völlig unflexiblen Körper schauten. Wenn ich mich nach vorne beugte, kam ich gerade bis kurz unters Knie. Heute – nach 30 Jahren Yoga – muss ich über meine Unbeweglichkeit von damals schmunzeln. Ich erinnere mich noch, wie mich jemand vor ein paar Jahren als elegant beschrieb. Ich und elegant? Erst da bemerkte ich, wie sehr viel anders ich mich heute bewege.

Nachdem ich meinen Körper veränderte, fing ich an, mein Berufsleben zu verändern. Ich versprach mir, nur Dinge zu tun, an denen ich Freude hatte und zu wechseln, wenn ich mit Grauen zur Arbeit ging. Dieses Versprechen habe ich immer gehalten.

Ich lernte Mut zu haben: Mut mich mitzuteilen. Mut Gespräche zur Klärung zu suchen – auch wenn sie schmerzhaft sein würden. Mut alleine zu sein. Mut zurückgewiesen zu werden. Mut mich selbstständig zu machen. Mut ungewöhnliche Dinge zu tun. Mut immer wieder neu anzufangen. Mut die um mich gesetzten Grenzen zu sprengen.

Ich habe kein Abitur und oft wurde ich in meinem Berufsleben gefragt, was ich denn studiert habe. Wenn ich sagte, dass ich keines habe, konnte ich an den Gesichtsausdrücken ablesen, was mein Gegenüber dann dachte. Früher war das eng mit dem Gefühl verbunden, nicht gut genug zu sein. Heute erfreue ich mich an meiner Bereitschaft immer wieder Schülerin zu sein. Jede Grenze, die sich mir zeigte, habe ich irgendwann einmal überwunden. Einfach – wie wir alle wissen -ist das selten. Aber es ist möglich. Und je mehr wir uns auf uns selbst verlassen, je mehr wir uns nicht mehr über die Vorstellungen von anderen über uns definieren, desto freier werden wir.

Ich veränderte mich und somit mein Leben und alles habe ich meiner unglücklichen Kindheit zu verdanken. Sie war mein Motor. Denn so wie damals wollte ich nicht weiter leben und nicht sein. Es ist eine große Freude, wenn man erkennt, dass man alles an sich verändern kann.

Ich war Anfangssekretärin, Sachbearbeiterin und wurde Fotoredakteurin, Journalistin, Fotografin, Fernsehmoderatorin und Autorin und lernte Erfolg und Geld kennen. Doch beides immer auch mit einem sorgfältigen Auge. Immer wissend, dass sich Dinge ändern können. Dass Erfolg und Ruhm eben auch ungesund und wackelig sein können und so habe ich die diversen Höhen und Tiefen meiner beruflichen Laufbahn langfristig gut überstanden und vor allen Dingen viel daraus gelernt. Unter anderem auch den so wichtigen Unterschied zwischen Ego und Seele. Ich als Seele suche hier in diesem Leben Erfahrungen. Es ist, als würde ich durch einen Obstgarten gehen und von dieser und von jener Frucht kosten. Das Leben ist nun mal voller Erlebnisse: Da gibt es glückliche und unglückliche Momente. Da gibt es Trauer und Verlust genauso wie Freude und Frieden. Ich als Seele weiß um die Herausforderungen und akzeptiere mit Interesse und Neugierde was sich mir zeigt („Ah, wie interessant, dass mir das gerade passiert!“) und finde meine Bestätigung im Innen: In mir. Ich als Persönlichkeit will Kontrolle („So was darf nicht wieder passieren!“) und suche meine Bestätigung im Außen. Ein enorm wichtiger Unterschied.

Auf dem Höhepunkt meiner erfolgreichen Karriere heiratete ich einen wohlhabenden Mann und lernte eine andere Art von Wohlstand kennen. 16 Jahre später – als wir uns trennten – waren es Bekannte, die es nicht fassen konnten, dass ich solch ein Leben in Beverly Hills, Kalifornien wieder aufgab. Ich weiß noch, wie völlig überrascht ich von diesen Aussagen war. Ich kann kein Leben leben, dass mir nicht entspricht. Und wenn ich mich ändere, ändert sich zwangsläufig auch mein Leben. Wenn mir etwas nicht mehr entspricht, muss ich es ändern. Es bleibt mir keine andere Wahl. Und ich will auch keine andere Wahl treffen. Und auch dieser Lebensabschnitt hat mir viel über mich gezeigt. Ich verändere mein Verhalten nicht: Weder erfolgreich noch nicht erfolgreich. Weder arm noch reich. Weder in den USA noch in Deutschland.

Ohne meine Krisen, ohne die verzweifelte Stunden, ohne die unsägliche Sehnsucht nach einem anderen Leben hätte ich mich nicht entwickelt. Ohne meine Kindheit hätte sich in mir wenig Mitgefühl entfaltet. Ich weiß, wie es sich anfühlt, sich ohnmächtig und verloren zu fühlen. Ich weiß, wie es ist, wenn man das Gefühl hat, man gehört nicht dazu. Ich weiß, wie es schmerzt und verletzt, ungerecht behandelt zu werden. Ich weiß, wie es ist, wenn man nur von Pulversuppen lebt, weil man sich nichts anderes leisten kann. Ich weiß, wie Hoffnungslosigkeit schmeckt. Ich weiß, wie verzweifelt man sein kann, wenn man keinen Ausweg mehr sieht. Ich weiß aber auch, welche Herausforderung Ruhm haben kann. Ich weiß, wie wichtig es ist, ein harmonisches Zuhause zu haben. Ich weiß, wie sorgfältig man auf seine Finanzen schauen sollte. Ich weiß, wie wichtig Schönheit ist – sei es durch ein angenehmes Umfeld, durch Natur, durch Kunst, durch Musik, durch liebevolle Nähe.

Ohne meine unglückliche Kindheit wäre ich jetzt nicht glücklich. Denn eine solche Kindheit ist eben auch ein Antrieb. Ein Antrieb es anders, es wacher zu machen. Jede unglückliche Kindheit hat auch seine lichten Momente. Meine Mutter tröstete sich und uns durch Musik und Gesang. Ein Geschenk, das ich täglich zu schätzen weiß. Mein Vater zeigte mir durch seine Sprachlosigkeit wie wichtig es ist, sich mitzuteilen. Ebenfalls ein Geschenk, für das ich enorm dankbar bin. Meine Eltern gaben ihr Bestes. Auch sie haben später einiges bedauert. Wir haben in unserer Familie viel geheilt. Wenn wir jetzt gemeinsam über unsere Erfahrungen von damals sprechen, haben wir oft Tränen in den Augen – vor Lachen.

Eine Kindheit ist erst dann geheilt, wenn wir mit Humor und Leichtigkeit darüber sprechen können.

Und auch das ist ein Geschenk unserer unglücklichen Kindheit: Wir hatten die Möglichkeit Verzeihen zu lernen.

 

PS. Das ist ein Artikel den ich für das „Engelmagazin“ Juli/August 2018 geschrieben habe. Mehr dazu im Magazin.