Clara-tanzt-Cover

Clara tanzt – ein Tango Roman

Sabrinas ersten Roman gibt es in zwei Versionen: Einmal als gebundenes Buch und als E-book. Die Ebook-Version endet nicht nur mit einem Roman-Ende, sondern mit 22 Enden: Geschrieben von Sabrinas Leserinnen, die Lust und den Mut hatten, ihre eigene Version vom „Einem Jahr später“ hinzuzufügen.

Falls Sie nach dem Lesen des Romans ebenfalls Lust bekommen Ihre Version des Roman-Endes zu schreiben, können Sie das hier auf der Webseite tun, siehe weiter unten…

Inhalt:
Clara will ihrer langjährigen Ehe noch eine letzte Chance geben. Eine Reise nach Buenos Aires zum Tangotanzen soll sie und Bruno wieder zusammenbringen. Als Bruno mal wieder in letzter Minute einen Rückzieher macht, fliegt Clara frustriert alleine. Damit beginnt eine Reise, die ihr nicht nur zeigt, was ihr fehlt, sondern auch, was sie sich selbst nicht eingestehen wollte. Durch den Tango erkennt sie, dass sie viel von ihrer Weiblichkeit verloren hat und sie entdeckt in den Armen fremder Männer … sich selbst. Bis auch ihr Mann merkt, dass da am anderen Ende der Welt etwas mit Clara passiert.

Im E-Book schreiben 22 Leserinnen ihr Lieblings-Ende

Vielleicht auch Sie?

Liebe Leserin, lieber Leser,
ich war interessiert daran, was sich denn die Leserinnen und Leser für Clara und ihr Leben ein Jahr später wünschen würden. Deshalb gab es eine Leseraktion nur für das E-Book: eine Szene ein Jahr später über Claras Leben zu schreiben. Das Buch-Ende behielt ich erst einmal für mich. Da das Buch unter meinem Namen herauskommt, möchte ich aber trotzdem, dass die anderen Autorinnen erreicht werden können. Deshalb ein Bild und ihre Kontaktadresse. Sie freuen sich bestimmt, von Ihnen zu hören.
(Bitte beachten: Um automatischem Spam zu entgehen, haben wir das @ Zeichen gegen ein (at) ausgetauscht. Bitte wieder zurück ändern, wenn Sie jemandem schreiben möchten.)

Wenn Sie vorhaben das Buch zu lesen … warten Sie mit den 22 Enden noch

…denn sonst „verraten“ die Enden hier zuviel. Die Ebook-Version beinhaltet die 22 Enden. Die Print-Version nicht. Das Buch wäre sonst über 500 Seiten dick geworden. Deshalb sind sie hier zu lesen.

Es haben übrigens nur Frauen geschrieben. Jede war mutig. Jede hat sich Zeit genommen, und jede hat auf ihre Art und Weise Claras Leben ein Jahr später beschrieben, und genau so steht es auch hier. Wenn überhaupt, wurden nur wenige Kleinigkeiten zum besseren Verständnis korrigiert.
Vielleicht finden Sie es auch so spannend wie ich, was jeder aus so einer Geschichte macht. So wie ich es auch immer wieder spannend finde, was jeder so aus seinem Leben macht. Der Tanz, die Musik, die Kunst, die Stille – all das zieht uns aus unseren Gedanken in die Gegenwart. Wir werden wach und bewusst und sind dann in der Lage aus vollem Herzen zu leben. Möge uns das mehr und mehr gelingen…

Haben Sie Lust ein weiteres Ende zu schreiben?

Wenn ja, einfach ausprobieren. Wenn Sie mit Ihrem Ergebnis zufrieden sind, dann tragen Sie Ihr „Jahr später“ einfach hier als Kommentar ein. Innerhalb kurzer Zeit wird es dann auch für alle anderen zu lesen sein. Bitte denken Sie daran, dass eventuelle Kontaktinformationen hier auf der Website für alle ersichtlich sind. Wenn Sie das nicht möchten, können Sie sich auch nur mit Ihrem Vornamen eintragen.

Herzlichst,
Sabrina

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Leseprobe

Alle lieben Buenos Aires

Clara hatte ihren Mann verloren. Oder er sie. So genau stand das noch nicht fest. Auf jeden Fall war er nicht da. Jedes Mal, wenn sie sich umdrehte – als sie mit dem Taxi von zu Hause wegfuhr, als sie ihr Gepäck eincheckte, während sie durch die Sicherheitskontrollen am Flughafen ging –, hoffte sie, seine schlaksige, hochgewachsene Gestalt doch noch irgendwo zu entdecken. Einmal glaubte sie, seinen hellgrauen Leinenmantel im Strom der Reisenden gesehen zu haben. Ein andermal sah sie seinen Mantel am Eingang des Ladens. Ab dann schienen sie hellgraue Leinenmäntel zu verfolgen.

Sie hatte sich überlegt, wie sie reagieren würde, wenn Bruno doch noch käme. Sie würde so tun, als sei sie überrascht, obwohl sie natürlich unglaublich erleichtert wäre. Seit Stunden überlegte sie, was sie ihm sagen würde. Sie hatte sich noch nicht zwischen einem ironisch-flapsigen „Wenn du mir gesagt hättest, dass du auch kommst, hätten wir uns ein Taxi teilen können“ oder einem selbstverständlich-ruhigen „Unser Abfluggate ist das letzte da hinten. Brauchst du noch was zu lesen?“ entschieden.
Als Clara sich auf ihren Gangplatz setzte, bemerkte sie zu ihrer Beruhigung, dass Brunos reservierter Fensterplatz noch frei war.
„Darf ich Ihren Mantel aufhängen?“ Die dunkelhaarige Flugbegleiterin streckte ihre Hand danach aus. Clara schüttelte den Kopf und umklammerte ihren Trenchcoat, als wäre er ein Rettungsring. Sie war noch nicht bereit, irgendetwas abzugeben. Vielleicht wird sie wieder aussteigen. Sie könnte Flugangst als Grund vorschieben, eine Krankheit ihres Sohnes oder einen Unfall in der Familie. Dann würde man aus Sicherheitsgründen ihren Koffer wieder aus dem Gepäckraum holen, und sie würde sich einen Flug zurück nach Hamburg buchen und wäre abends wieder zu Hause. Bruno würde vielleicht noch gar nichts bemerkt haben.
Bruno sollte aber etwas bemerken.

Clara beobachtete die Paare, die sich durch den engen Gang zwängten und sich ihren Platz im Flieger suchten. Manchmal streifte sie ein Blick, und sie glaubte, darin Mitleid zu erkennen: „Ach, die Arme. Die reist alleine!“
Sie schaute zum wiederholten Mal auf ihr Handy, und wieder gab es keine Nachricht von ihm. Glaubte er vielleicht, sie würde nicht fliegen? Glaubte er, das war eine leere Drohung?
„Verzeihen Sie, ich glaube, das neben Ihnen ist mein Platz.“
Clara sprang erschrocken auf und stieß mit ihrem Kopf hart an die obere Gepäckablage. Sie fing den verblüfften Blick des Mannes auf, der mit Wintermütze, Lederjacke und unterm Arm eingeklemmten Tageszeitungen neben ihr stand und von dem Knall des Aufpralls genauso überrascht war wie sie. Er schaute sie mitfühlend an. Genau das konnte Clara jetzt nicht ertragen. Ihre Unterlippe fing zu zittern an, und sie presste ihre Lippen störrisch aufeinander. Nein! Nein! Nein! Hier wird nicht geweint! Aber ihr Körper hörte nicht auf sie. Ihre Tränen schossen aus ihr heraus wie Wasser aus einer Spritzpistole.
Zu allem Überfluss legte ihr Sitznachbar ihr auch noch besorgt die Hand auf die Schulter, und die Flugbegleiterin fragte mitfühlend, ob sie ihr helfen könne. An den Gängen stauten sich die Einsteigenden. Alle starrten sie an und schienen auf ein Zeichen von ihr zu warten.
„Soll ich Ihnen Eis besorgen?“, fragte der Mann.
„Eis?“
„Für Ihren Kopf. Dann gibt es keine Beule.“
Sie schüttelte den Kopf.
„Jetzt setzen Sie sich erst mal hin!“ Und damit schob er sie auf den Platz am Fenster und setzte sich neben sie. Clara nahm das angebotene Taschentuch – ein Stofftaschentuch, wer hat denn so etwas noch? – und drückte es fest auf ihre Augen, als müsste sie ein Leck in einem Staudamm abdecken.
Sie neigte ihren Kopf über ihre Handtasche und suchte nach ihren Papiertaschentüchern, dabei schniefte sie wie ein kleines Kind. Wahrscheinlich hatte sie mit ihrer Wimperntusche hässliche dunkle Flecken auf seinem Taschentuch hinterlassen.
„Hier, ein Cognac.“
„Ich trinke keinen Alkohol um diese Uhrzeit.“
„Das ist kein Alkohol. Das ist ein Schmerzmittel.“ Er schob ihr das kleine Glas hin.
Clara nahm gehorsam das Glas und roch daran. Sie verzog ihren Mund, und der Mann neben ihr lachte. „Alkoholikerin sind Sie jedenfalls nicht.“
„Nein. Aber unkoordiniert genug wäre ich dafür.“ Sie versuchte ein Lächeln, was ihr nicht gelingen wollte.
„Das kann jedem mal passieren. Schauen Sie mich an. Ich mache das dauernd.“ Er zog sich seine Mütze vom Kopf, und zum Vorschein kam eine Halbglatze, auf der in der Mitte ein Micky-Maus-Pflaster klebte.
Clara musste wider Willen lachen. Er war so um die fünfzig Jahre alt. Wilde, buschige Augenbrauen, amüsierter Blick, gesunde Gesichtsfarbe. Wahrscheinlich wohnte er in einer Dachterrassenwohnung und fuhr ein altes VW-Cabrio. Er lächelte sie gutgelaunt an. In seiner Welt war bestimmt alles in Ordnung.
Wie zur Bestätigung sagte er: „Habe ich Ihnen schon erzählt, dass heute mein Glückstag ist?“
Clara schüttelte den Kopf. Ihrer war es auf keinen Fall.
„Ich fliege jedes Jahr so um die fünfmal ins Ausland, und noch nie saß ich neben einer schönen Frau …“ Clara wurde rot. Schön kam sie sich weiß Gott nicht vor. „Und normalerweise erwische ich Sitzplätze neben Männern, die garantiert schnarchen, oder erschöpften Müttern mit quengelnden Kindern oder Jungspunden, die diese schreckliche House-Musik oder Rap hören … Bum! Bum! Bum …“ Er hob seinen Arm, um laute Bässe anzudeuten. „Und heute darf ich neben Ihnen sitzen. Sie sind zwar sofort in Tränen ausgebrochen, als Sie mich gesehen haben; und ich versuche, das nicht persönlich zu nehmen, aber Sie verstehen, dass ich mein Möglichstes tun muss, um Sie bei Laune zu halten. Also, trinken Sie. Ich heiße übrigens Thomas.“
„Clara.“ Sie stellte das Glas auf die Ablage. „Wollen Sie mich betrunken machen?“
Er lachte wieder. „Nein, aus dem Alter bin ich raus. Ich will Sie einfach nur glücklich machen.“
Clara warf einen Blick auf seine rechte Hand. Er war verheiratet.
„Was sagt denn Ihre Frau dazu?“
„Zu was?“
„Dass Sie fremde Frauen glücklich machen wollen.“
„Fremd? Warten Sie nur ab. Nach vierzehn Stunden Flugzeit sind wir uns gar nicht mehr so fremd.“ Er grinste. „Soll ich Ihnen ein Geheimnis verraten?“ Clara nickte. „Meine Frau ist Kopilotin auf diesem Flug.“ Er hob seinen Kopf und deutete auf eine dunkelhaarige Frau in Uniform, die gerade mit zwei Crewmitgliedern sprach. Er drehte sich wieder zu Clara. „Und was führt Sie nach Buenos Aires?“
„Ich befürchte, meine Dummheit.“
Thomas lachte. „So dumm sehen Sie gar nicht aus.“
„Das täuscht. Gerade jetzt komme ich mir ziemlich dämlich vor.“ Clara seufzte. „Ich fliege nach Buenos Aires zum Tangotanzen.“
„Ach!“
„Ach? Sehen Sie, Sie finden auch, dass das keine gute Idee ist. Das habe ich befürchtet.“
„Mich packt da das schlechte Gewissen, weil meine Frau mich schon seit Jahren dazu drängt, mit ihr mal einen Tanzkurs zu machen. Und Tango findet sie irgendwie spannend. Aber ich tanze nicht so gerne.“
„Mein Mann auch nicht.“
„Sie fliegen alleine nach Buenos Aires?“
„Boarding completed“, schallte es durch das Soundsystem.
Clara zuckte zusammen. Alle Passagiere waren an Bord. Bruno war nicht gekommen. Er war wirklich nicht gekommen. Sie spürte ihre Beine nicht mehr und fühlte sich, als hätte sie jemand an den Sitz genagelt. Sie griff nach dem Cognacglas, führte es an ihre Lippen und stürzte den braunen Inhalt hinunter. Sie spürte, wie die Flüssigkeit sich ihren Weg durch ihre Blutbahnen machte, bis er den „Dann-eben-nicht!“-Punkt und die „Du-kannst-mich-mal“-Stelle erreichte.
Sie starrte auf ihr Handy. Die Flugbegleiterin ging zur Kontrolle ein letztes Mal durch die Reihen. Jetzt musste sie sich entscheiden. Sie tippte „Ich bin im Flieger“ ein und schickte die SMS los. Dann machte sie das Handy aus und faltete die Hände, als ob sie auf einen Flugzeugabsturz wartete.

Anruf von Argentinien nach Deutschland. Mailbox:

Hier Bruno Daniels. Ich bin im Moment nicht erreichbar. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht. Piep.

„…Tja, ich bin’s. Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich dir sagen soll … Ich bin selber noch ganz überrascht, dass ich wirklich hier bin. Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mal als Alleinreisende unterwegs sein würde. So kann man sich irren. Nun ja, es ist, wie es ist. Es regnet übrigens hier. Wie passend … Nun gut. Ich habe jetzt auch eine argentinische Telefonnummer. Du solltest sie auf dem Display sehen. Also … das Hotel ist ein typisches Boutique-Hotel. Sehr durchgestylt, aber wenigstens findet man den Duschknopf noch. Es hat nur irgendwas mit sechs Zimmern. Mit meinem Italienisch klappt es ganz gut, du würdest dich wundern. Es sieht hier ein bisschen wie in Paris aus. An den schönen Stellen. Paris aus den zwanziger Jahren mit Südamerikanern. Ähm … ja … also … hast du was von Martin gehört? Ich habe ihn gerade versucht anzurufen, aber er geht nicht dran. Oder hat er schon wieder sein Handy verloren? Er ist noch für eine Woche in Madrid und dann in Paris. Richte ihm aus, dass er sich noch den Flug für das Familientreffen buchen muss. Das ist in sieben Wochen … und sechs Wochen vorher werden die Flüge teurer. Er soll mittags ankommen, dann können wir zusammen fahren. Und er wollte noch Peter fragen, ob er bei ihm das Praktikum machen kann. Das wird langsam Zeit, sonst ist es weg. Ich hoffe, deiner Mutter geht es besser. Also, ich mach Schluss. Ruf mich nicht zurück. Ich gehe ins Bett. Ich habe mir erst mal eine Telefonkarte mit hundert Pesos gekauft. Ich habe keine Ahnung, wie lange das hält.“